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DK100 - Das Klima und das Bier der Zukunft
Hopfen, Hitze, Hallertau!
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Wir feiern Folge 100 von “Das Klima”! Und zwar mit Bier! Dem drittbeliebtesten Getränk der Welt steht keine gute Zukunft bevor. Die Klimakrise macht das Bier teurer, es wird nicht mehr so schmecken wie wir es gewöhnt sind und wir werden es vielleicht nicht mehr in den traditionellen Biergärten trinken können. Was genau passiert und was wir stattdessen trinken müssen, diskutieren wir in unserer Jubiläumsfolge.
Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter.
Das Bier wird teurer
Die Zukunft wird warm und Extremwetterereignisse werden häufiger. Das hat Auswirkungen auf den Anbau von Gerste. Und weil Gerste nicht nur für Bier gebraucht wird, kann es zu Engpässen kommen. In manchen Ländern wird es teurer werden, wenn man Bier herstellen will. Wie das aussehen könnte, hat sich eine Studie angesehen. Je nach Klimaszenario kann das Angebot an Gerste um bis zu 38 Prozent sinken. Der Bierkonsum wird um bis zu 41 Prozent sinken und die Bierpreise um 100 bis 656 Prozent steigen. In Österreich wird man in Zukunft pro Person und Jahr um 18 bis 61 Flaschen Bier weniger trinken (als die 213 die man aktuell trinkt); in Deutschland werden es um 63 bis 18 Flaschen weniger sein. Der Bierpreis wird um 50 Cent bis ein paar Euro steigen; am meisten steigen werden die Preise in Irland. Prost!
Hitze, Hopfen, Hallertau
Die Hallertau in Bayern ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt und produziert 31 Prozent des weltweiten Hopfens. Und die Klimakrise macht auch hier Probleme. 2022 wurden in der Hallertau um 30 Prozent weniger Hopfen produziert als 2021. In einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem schönen Titel “Heat, Hops, Hallertau” hat man sich das genauer angesehen und festgestellt, dass es schwierig werden wird, wenn die Hallertau ihre Spitzenposition in Zukunft halten will.
Der Biergarten ist gefährdet
Biergärten erzeugen ein Mikroklima und kühlen. Ursprünglich die Bierkeller darunter; heute die Körper der Biertrinker:innen. Traditionell stehen dort Rosskastanien und die kriegen Probleme. Sie sind jetzt schon durch Miniermotte und Pseudomonas bedroht. Die Klimakrsie macht die Kastanie anfällig gegen erstere; Trockenheit hilft allerdings gegen zweiteres. Was der Kastanie gar nicht gefällt ist Bodenversiegelung und später Frost im Jahr nach früher Wärme und von beidem wird es in vermutlich sobald nicht weniger geben. Und mit Trockenheit kommen Kastanien auch nicht so gut klar. Vielleicht müssen wir uns auf Biergärten mit Bambus oder Kakteen einstellen…
Der Hopfen verliert die Hopfigkeit
Das was den Hopfen im Bier ausmacht, ist sein bitterer Geschmack. Die Hopfigkeit des Hopfens kommt von den Alphasäuren die er enthält und die werden sich in einer wärmeren Zukunft nicht mehr so gut bilden. Das hat natürlich Einfluss auf den Geschmack, ganz besonders für die eher bitteren Craftbiere.
Mehr Bordeaux trinken?
Wenn es dem Bier an den Kragen geht, muss man auf Wein ausweichen. Zumindest der Bordeaux könnte in den kommenden Jahren immer besser, wie eine aktuelle Studie festgestellt hat. Ewig geht das aber auch nicht weiter.
Das Bier der Zukunft
Vielleicht müssen wir doch schauen, wie wir ein klimafreundliches Bier brauen können. Zum Beispiel in dem wir das Wasser weglassen. Oder in dem wir Hefe so verändern, dass sie auch gleich den Geschmack des Hopfens produzieren kann. Oder wir trinken einfach schlechtes Bier, so wie das “Torched Earth Ale”.
Was sollen wir denn jetzt trinken?
Aber was trinken wir denn jetzt? Die Uni Kopenhagen hat sich den CO2-Fußabdruck diverser alkoholischer Getränke angesehen und kommt zu dem Ergebnis. Das Resultat: 1 Liter Bier erzeugt 1,5 kg CO2-Äquivalent, bei einem Liter Wein sind es 6 kg, genau so wie bei einem Liter Schnaps. Wenn man es aber auf den Alkoholgehalt bezieht, ist Schnaps 2,5 mal besser fürs Klima als Wein oder Bier. Solange man nicht nen ganzen Liter davon trinkt…
Hinweis zur Werbung und Unterstützung
Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal.
Kontakt und weitere Projekte
Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
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DK099 - Satelliten, Internetzugang, Raketen und die Folgen für das Klima
…und warum ist es schlecht, wenn die Erde grün wird?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 99 geht es in den Weltraum. Aber nicht so weit! Wir schauen uns an, welche Auswirkungen es auf das Klima hat, wenn wir immer mehr Satelliten ins All schicken. Denn das tun wir, vor allem mit “Megakonstellationen” aus zehntausenden Satelliten, die für globalen Internetempfang sorgen sollen. Aber so richtig gut für das Klima ist es nicht. Auch der Weltraummüll hat überraschenderweise Auswirkungen und am Ende diskutieren wir noch kurz darüber, warum es gar nicht so gut ist, wenn die Erde grün wird.
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Raketen und Internet
Früher sind nur eine Handvoll Satelliten staatlicher Organisationen durchs All geflogen. Mittlerweile ist die Raumfahrt ein großer Markt geworden und seit einigen Jahren werden “Mega-Konstellationen” im All aufgebaut, die aus einigen zehntausend Satelliten besehen sollen. Das ist ein Problem für die Astronomie - aber ist es auch ein Problem für das Klima?
Ziel dieser Mega-Konstellationen ist die Bereitstellung von Internet, was prinzipiell eine gute Idee ist. Unabhängiger Internetzugang ist auch eines der nachhaltigen Entwicklungsziele der UN. Und aktuell sind es drei Firmen, die sich vor allem mit dem Aufbau so eines Satellitennetzwerkes beschäftigen: Starlink, One Web und Projekt Kuiper.
Welche Auswirkungen das auf das Klima hat, hat sich die Arbeit “Sustainability assessment of Low Earth Orbit (LEO) satellite broadband mega-constellations” angesehen. Das hängt natürlich von der Menge an Satelliten ab, die ins All geschossen werden; von der Art der Raketen die dafür verwendet werden; der Anzahl der Nutzer, und so weiter. Die Resultate der Studie: Je nach Szenario ist das Satelliteninternet 14 bis 91 mal schlechter was die Emissionen angeht als das terrestrische Breitbandinternet. Nach der ersten Ausbaustufe werden die Satellitennetzwerke circa 12 Megatonnen CO2 verursacht haben; circa so viel wie alle Dieselautos in Österreich pro Jahr emittieren. Und das wird nicht besser werden, denn es kommen immer mehr Satelliten dazu und die, die da sind, müssen regelmäßig ersetzt werden.
Denn Satelliten in einer nahen Erdumlaufbahn können abstürzen und wenn sie das tun, gelangt Müll in die hohe Atmosphäre. Der wurde dort jetzt auch tatsächlich nachgewiesen (“Metals from spacecraft reentry in stratospheric aerosol particles”) - was das für Auswirkungen hat, wissen wir allerdings noch nicht genau. Nur, dass es vermutlich keine positiven Auswirkungen sein werden.
Ohne Satelliten kommen wir aber nicht aus, auf jeden Fall in der Forschung. Das zeigt die Arbeit “Global climate-change trends detected in indicators of ocean ecology”. Satellitenbeobachtungen haben gezeigt, dass die Erde vom All aus gesehen immer grüner wird. Was an den Mikroorganismen im Meer liegt, die sich verändern, weil das Meer immer wärmer wird. Gut ist das vermutlich nicht, aber um zu verstehen, was genau passiert, wenn die blaue Erde grün wird, brauchen wir mehr Beobachtungen. Mit Satelliten…
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DK098 -- Die planetaren Grenzen der Belastbarkeit
… und warum werden die eigentlich nicht kontrolliert?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 98 schauen wir uns die planetaren Grenzen an. Nicht die des Planeten selbst, sondern die, die wir nicht überschreiten sollten, wenn wir weiter auf der Erde leben wollen. Davon gibt es neun Stück und sechs davon haben wir schon überschritten. Dass das nicht gut ist, muss man nicht extra erklären. Aber wir erklären trotzdem, um welche Grenzen es sich handelt und auf welche Art wir sie überschritten haben.
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Die planetaren Grenzen der Belastbarkeit
Der Planet hat Grenzen, aber um die geht es nicht. Wir wollen nicht wissen, wo die Erde zu Ende ist, sondern verstehen, wie weit unser Einfluss auf die Erde gehen kann, bevor sie unbewohnbar wird. Von diesen Grenzen gibt es neun Stück und aktuell sind sechs davon schon überschritten (kann man auch hier nachlesen.
Was bedeutet, dass wir drei Grenzen noch nicht überschritten haben. Wir sind noch gut dabei, wenn es um das Ozonloch geht und die Luftverschmutzung haben wir auch halbwegs im Griff. Bei der Ozeanversauerung sind wir noch hinter der Grenze aber schon nah dran. Die restlichen sechs Grenzen haben wir allerdings überschritten: Wir haben die Stoffkreisläufe der Erde durcheinander gebracht, wir nutzen viel zu viel Land, wir haben ein massives Problem was die Biodiversität angeht, wir haben zu wenig Süßwasser, bringen zu viele neue Substanzen wie Plastik in die Welt und dass wir ein Problem mit dem Klima haben, muss man nicht mehr extra erklären.
Noch düsterer sieht es aus, wenn man die Grenzen auch noch gerecht machen will. Denn eigentlich sollten wir ja nicht nur dafür sorgen, dass wir diese Grenzen nicht überschreiten, sondern dass sie auch für die nachfolgenden Generationen nicht überschritten werden. Was es genau bedeutet, wenn eine Grenze "gerecht" ist, diskutieren wir ausführlich und stellen fest, dass wir leider weit davon entfernt sind, sie einzuhalten. Mehr dazu kann man hier nachlesen und bei Helmholtz gibt es auch sehr schöne Zusammenfassungen des Themas, nämlich hier und hier.
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Hallo liebe Hörerinnen und Hörer von "Das Klima". Keine Sorge, es ist alles in Ordnung; wir haben uns nicht im Kalender vertan. Folge 98 des Podcast wird wie geplant am 30. Oktober 2023 erscheinen. Aber in der letzten Folge haben wir ja ein Treffen am Bodensee angekündigt und mehr Details dazu versprochen. Und da dieses Treffen schon am 27. Oktober stattfinden wird, wäre es ein bisschen spät, mit den Details bis zur nächsten Folge zu warten.
Also: Die 100. Folge von "Das Klima" wird Ende November veröffentlicht. Da haben wir leider keine Zeit gefunden, um irgendwas spezielles zu veranstalten. Deswegen ziehen wir die Feierlichkeiten ein bisschen vor. Ich bin nächste Woche bei einem Vortrag am Bodensee - am 26. Oktober um 19 Uhr, organisiert von der Sternwarte Überlingen, falls jemand Lust hat. Und weil ich danach ein wenig Zeit habe, haben Claudia und ich beschlossen, uns am 27. Oktober ebenfalls in Überlingen am Bodensee zu treffen. Und wenn ihr Lust habt, könnt ihr gerne dazu kommen!
Weder Claudia noch ich waren bis jetzt in Überlingen, das heißt, wir wissen nicht so genau, wo man sich da gut treffen kann. Aber wir dachten uns, wir treffen uns mal direkt am See, an der Uferpromenade, beim Denkmal des Bodenseereiters. Da gibt es nicht nur nen Kiosk und ein öffentliches WC, sondern nebenan auch eine Pizzeria - da sollte eigentlich für alles gesorgt sein. Wer kommen will, kommt also am besten um 17 Uhr dorthin, oder später nach. Wir haben uns die Zeit von 17 bis 21 Uhr für das Treffen reserviert. Ihr könnt uns auch gerne noch eine Mail schreiben, wenn ihr kommen wollt: [email protected]
DK097 - Klimakompensation funktioniert nicht!
…und wir treffen uns am 27.10.2023 am Bodensee!
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 97 fragen wir uns, wie das mit der Klimakompensation läuft. Kann man sich von seinen Co2-Emissionen freikaufen? Man kanns probieren, aber so richtig funktionieren tut das nicht. Dazu gibt es aktuelle Forschung und genau darüber und den Rest sprechen wir in dieser Folge. Wir schauen uns REDD+ Projekte zum Schutz der Wälder an und klären, warum sie nicht funktionieren.
Außerdem: Am 27.10.2023 gibt es ein kleines Hörertreffen in Überlingen am Bodensee. Details in den Shownotes.
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Klimakompensation
Die Frage um die es geht lautet:
Wie kann man "CO2-neutral" werden, wenn man trotzdem noch Treibhausgase emittiert?
Man kompensiert: Man sorgt also dafür, dass die Menge an Treibhausgase, die man selbst nicht einsparen kann, woanders eingespart werden.
Die Idee ist auf den ersten Blick gar nicht mal so dumm. Weil das Klima ist global und es ist egal, wo die Treibhausgase ausgestoßen werden - oder eingespart werden.
Wie macht man das konkret? Gibt unterschiedliche Methoden. Am besten wäre es, wenn man die Menge, die man selbst ausstößt, irgendwie direkt aus der Atmosphäre rausholen könnte. Geht theoretisch, ist in der Praxis aber noch nicht so wirklich durchführbar, zumindest nicht in relevanten Mengen.
Aber es geht indirekt, zum Beispiel durch Aufforstung. Ein Baum holt eine gewisse Menge an CO2 aus der Atmosphäre und speichert die für eine gewisse Zeit. Ich könnte also ausrechnen, wie viele Bäume ich brauche, um das CO2 einzusammeln, dass ich selbst freisetze und dann einfach eine entsprechende Menge pflanzen. Klingt gut, gibt aber ein paar Fallstricke - darüber reden wir dann später noch; das wird das eigentliche Thema dieser Folge sein.
Zuerst schauen wir noch kurz, was es sonst für Kompensationsprojekte gibt. Ich kann zum Beispiel einfach eine Windkraftanlage irgendwo hin bauen. Die spart auch CO2 ein. Oder den Menschen, die jetzt mit sehr ineffizienten Öfen heizen müssen, effiziente Öfen geben. Ich könnte auch einfach einen Schwung Wärmepumpen kaufen und an Leute verschenken, dann wird auch CO2 eingespart. Und so weiter - es gibt noch mehr Projekte, die wir vielleicht am Ende noch anschauen.
Wir müssen aber zuerst noch ein Grundprinzip der Kompensation klären, nämlich die sogenannte "Zusätzlichkeit" der Emissionsminderung. Ich besitze zum Beispiel kein Auto. Das heißt, im Vergleich zu einem Durchschnittsmensch in Österreich spare ich dadurch eine gewisse Menge an CO2 ein. Jetzt kann aber nicht einfach eine Firma herkommen und sagen: Schau, der Florian Freistetter spart da was ein, das heißt wir können eine entsprechende Menge CO2 in die Luft pusten. Das wäre keine Kompensation. Die gäbe es nur, wenn ich sage: Hey, ich kauf mir jetzt ein Auto und fahr damit die ganze Zeit herum. Es sei denn, irgendwer gibt mir Geld, das nicht zu tun! Wenn mir dann jemand Geld gibt und ich tatsächlich nur deswegen nicht mit dem Auto fahre, ist tatsächlich im Sinne dieses Wortes etwas kompensiert worden.
Kompensation kann es auf unterschiedlichen Ebenen geben. Es kann auf staatlicher Ebene passieren, wenn Länder zum Beispiel im Rahmen des Pariser Klimaabkommens ihre CO2-Emissionen verringern müssen. Und es gibt die freiwilligen Märkte, also das, was man kennt, wenn man zum Beispiel mit dem Flugzeug in Urlaub fliegt, ein schlechtes Gewissen hat und die beim Flug entstehenden Emissionen kompensieren will.
Wir werden heute vor allem über den zweiten Fall reden, es geht jetzt also nicht um die per Gesetz festgelegten CO2-Preise und Zertifikate, die Firmen dann kaufen müssen, wenn sie CO2 emittieren oder verkaufen können, wenn sie Emissionen eingespart haben, und so weiter. Wir schauen ganz allgemein auf die Kompensation beziehungsweise speziell auf eine Art der CO2-Einsparung, die unter dem Akronym REDD+ bekannt ist.
Ich rede jetzt noch kurz über dieses Akronym, weil es eh noch später komplex genug wird. Dieses REDD+-Konzept hat ne lange Geschichte, die ist durchaus spannend und man kann daraus einiges über Klimapolitik lernen. Das muss ich aber auslassen, sonst wirds zu viel heute. Das ganze hat 2005 angefangen, damals als RED, mit einem D, ohne +. Das steht für "„Reducing Emissions from Deforestation in Developing Countries“ und war genau das, ein Vorschlag von Costa Rica und Papua Neuguinea wie man die Abholzung irgendwie begrenzen kann. Auf der Klimakonferenz 2007 in Bali hat man dann ein zweites D dazu gegeben und "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation" draus gemacht. Es geht jetzt also nicht mehr nur um Abholzung sondern auch Waldschädigung. Und 2009 hat man dann gesagt, wir inkludieren in das ganze Projekt auch noch den Erhalt der Wälder, die Erhöhung der Kohlenstoffspeicherfähigkeit, die unterschiedlichen Formen der Waldwirtschaft und hat das ganze Ding "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation and the role of conservation, sustainable management of forests and enhancement of forest carbon stocks in developing countries" genannt, aber netterweise kein neues Akronym mehr daraus gebastelt, sondern einfach REDD+ genommen.
Was heißt das jetzt? Die Grundidee ist simpel: Leute holzen Wälder ab, weil das Geld einbringt. Ein gefällter Baum hat einen gewissen Wert, ein Baum, der einfach nur so rumsteht, nicht unbedingt. Vor allem, wenn es ein Baum ist, der einfach nur so im Wald rumsteht und nicht auf einer schönen Plantage irgendwelche Früchte produziert. Aber was, wenn man den Leuten einfach Geld zahlt, damit sie eine Baum NICHT fällen? Dann hat der Wald einen Wert - denn er aus Klimasicht ja sowieso hat, aber dann kann man das irgendwie in das kapitalistische System reinbasteln.
Auch diese Idee ist prinzipiell gut. Aber halt auch schwierig umzusetzen. Weil ich kann ja nicht einfach hingehen und sagen: So, da ist unser Wald, wir hätten gern X Millionen Euro dafür. Bzw. kann man schon und wär vermutlich auch gar nicht so blöd, das so zu machen. Aber wir müssen ja mit diesem Konzept der "Zusätzlichkeit" arbeiten. Es geht bei REDD+ also nur um Zahlungen, die auf gewissen Leistungen basieren und die Leistung ist es, den Wald zu schützen, so dass messbare und überprüfbare Reduktionen bei den Emissionen entstehen.
Man muss also vorher irgendwie ausrechnen, wie viel Emissionen bei "normaler" Abholzung entstehen würden und dann berechnen, wie viel man eingespart hat, weil man irgendwelche Schutzmaßnahmen oder Ähnliches gesetzt hat. Daraus ergibt sich eine gewisse Menge an CO2, das eingespart worden ist, und dafür kann man dann Geld kriegen. Wie genau man Geld kriegt, ist wieder eine ganz andere Sache; da gibt es wieder die bekannten "Finanzierungslücken" und so weiter. Aber wenn wir jetzt mal die staatliche Seite beiseite lassen, dann kann man dafür einfach entsprechende Zertifikate ausgeben und verkaufen. Zertifikate, die man dann auch als Privatperson kaufen kann, wenn man irgendwo was kompensieren will oder als Firma, die gerne CO2-neutral werden will.
Es geht also jetzt nicht um staatliche REDD+-Initiativen, da gibt es noch nichts Verbindliches, sondern quasi private REDD+-Projekte, die dann auch nur kleinere Gegenden umfassen und nicht zum Beispiel den gesamten Waldbestand eines Landes.
Womit wir jetzt bei den Problemen sind. Und davon gibt es jede Menge, bei der Kompensation allgemein und bei REDD+ im Speziellen. Das fängt schon mal damit an, dass ein Wald zwar wichtig als CO2-Speicher ist, aber eben nicht nur. In so einem Wald geht noch viel mehr, da geht es um Artenvielfalt, um Schutzwirkung vor Naturkatastrophen (Murenabgänge, etc). Aus REDD-Sicht spielt das aber keine so große Rolle, da geht es nur um CO2-Speicherung und eine Ölpalmenplantage kann unter Umständen als Klimschutzprojekt durchgehen. Dann ist REDD+ auch ein Instrument, dass Klimaschutz auf die sich entwickelnden Länder abwälzt, die ja eigentlich eh nicht so viel dafür können. Aber Klimaschutz ist die Aufgabe von allen Ländern und ganz besonders von den reichen Industrienationen.
Das eigentliche Problem sind aber die REDD+-Projekte selbst. Das ganze Konzept macht überhaupt nur dann Sinn, wenn damit tatsächlich Emissionen eingespart werden. Und das ist nicht immer so einfach zu überprüfen, wie man möchte bzw. wird nicht so gemacht, wie es gemacht werden sollte. Dazu ist Ende August eine Forschungsarbeit erschienen, in Science. Mit dem durchaus bemerkenswerten Titel "Action needed to make carbon offsets from forest conservation work for climate change mitigation" bzw auch hier frei zugänglich.
"Action needed" liest man nicht so oft im Titel einer wissenschaftlichen Arbeit. Die Leute dort haben sich 26 REDD-Projekte angesehen, in Südamerika, Afrika und Asien - überall dort, wo tropischer Regenwald ist. Und haben versucht, den Effekt dieser Projekte unabhängig zu bewerten.
Wie berechnet man jetzt die Menge an eingespartem CO2? Vereinfacht gesagt: Man schaut, wie viel Wald in einer bestimmten Gegend da ist und vergleicht das mit dem, was man erwartet hätte, wenn das entsprechende REDD+-Projekt nicht stattgefunden hätte; man bastelt also ein "Baseline Szenario" aus historischen Daten über Abholzung etc.
Das ist aber schon ein bisschen knifflig. Weil wenn sich irgendwo politisch oder wirtschaftlich etwas verändert, dann hat das Einfluss auf die Abholzung. Hat man ja zB in Brasilien gesehen: Der eine Präsident sagt, alles wird abgeholzt, der andere will wieder Wald schützen. Die aus historischen Daten stammenden Basislinien der Abholzung, mit denen man den Effekt der Projekte vergleicht, haben also vielleicht am Ende gar nix mit der Realität zu tun und das macht die Abschätzung des Erfolgs eines Projekts enorm fehleranfällig. Und man kann natürlich auch einfach betrügen: Ich muss nur behaupten, dass da enorm viel abgeholzt worden wäre, dann wächst dadurch automatisch der Erfolg meines Projekts.
Es fehlt also, kurz gesagt, bei vielen dieser REDD-Projekte möglicherweise die "Zusätzlichkeit"; wir wissen nicht, ob die wirklich verantwortlich sind für die Einsparung oder nicht.
In dieser Studie hat man jetzt eine "synthetische Kontrolle" modelliert, also Kontrollregionen gesucht, die eine ähnliche Waldbedeckung haben wie die Projektregionen, die auch sonst ähnlich sind und die einem ähnlichen Abholzungsdruck ausgesetzt sind. Man hat auch geschaut, dass die historische Entwicklung der Abholzung ähnlich war, usw. Das haben sie dann auch getestet und geschaut, ob ihre Modellregionen die Abholzungsrate reproduzieren können, die in den Projektregionen vor Start der REDD-Projekte geherrscht haben. Und sich dann nur die genommen, wo der Test auch funktioniert hat. Das waren dann am Ende die schon erwähnten 26 REDD-Projekte.
Was haben sie gefunden? Acht der 26 Projekte haben Anzeichen von "Zusätzlichkeit" gezeigt, könnten also tatsächlich etwas bewirkt haben, was nicht passiert wäre, wenn es die Projekte nicht gegeben hätte. Das war vor allem bei den Projekten in Peru der Fall, da war das bei der Hälfte so. Bei den afrikanischen Projekten war gar kein Effekt der Projekte zu sehen.
Ist natürlich 1) nicht gut für den Wald und 2) nicht gut für die ganze CO2-Kompensation. Wenn man das entsprechend berechnet, dann sind 68% der Zertifikate dieser Projekte verkauft worden, obwohl die Projekte genau nix an CO2 eingespart haben. Und bei den restlichen 32 Prozent ist zwar was eingespart worden, aber nicht so viel wie behauptet - weil selbst bei den Projekten, die einen Effekt hatten, war der Effekt kleiner als behauptet. Tatsächlich sind insgesamt nur 6 Prozent der CO2-Menge eingespart wurden, die behauptet wurde.
Jetzt sind noch nicht alle dieser Zertifikate verkauft worden, aber wenn man sich die anschaut, die verkauft worden sind, dann sind das dreimal mehr, als durch die Projekte eigentlich eingespart worden sind.
Warum haben die Projekte nicht funktioniert? Zum einen, weil die Baselines falsch waren; weil man von höherer Abholzung ausgegangen ist, als dann tatsächlich stattgefunden hat, als die Projekte gestartet worden sind. Man hat den Effekt also deutlich überschätzt. Man hat sich die falschen Regionen ausgesucht, also Gegenden, wo eh schon wenig abgeholzt wird. Und natürlich wird man auch hier und dort einfach behauptet haben, viel einsparen zu können, damit man besser Zertifikate verkaufen kann.
Und dann kann das Projekt auch einfach so nicht funktionieren. Es ist ja leicht zu sagen: Hier holzen wir nix ab. Aber wenn dann doch wer kommt und Bäume fällt und man keinen Plan hat, wie man das verhindert, dann bringts auch nix. Projekte können schlecht gemanagt sein, können zu wenig finanziert sein.
Was kann man dagegen tun? Mehr Transparenz. Die Bewertung der Projekte muss extern und unabhängig erfolgen, nicht durch die Betreiber selbst. Strengere Regeln und vor allem: Sich das genau anschauen, was tatsächlich funktioniert hat, zum Beispiel die Projekte in Peru.
Oder - jetzt kommt wieder meine Meinung und nicht die Forschungsarbeit - sich überlegen, ob das mit dieser Kompensation wirklich so ein super Plan ist. REDD+ an sich ist ja ne gute Idee. Wälder gehören geschützt, es gehört sinnvoll aufgeforstet, und so weiter und dafür muss es im Rahmen der internationalen Klimapolitik auch Geld geben und entsprechende Finanzierungsmechanismen. Aber ich halte es zumindest für fraglich, ob man da einen privatwirtschaftlichen Handel mit Zertifikaten braucht.
Womit wir jetzt wieder bei der Kompensation allgemein sind, und nicht nur bei REDD+. Das scheint ja nicht so zu funktionieren, wie es gedacht war. Aber so wie es gedacht war, ist es auch nicht unbedingt optimal. Weil man - auch aus der Forschung - durchaus weiß, dass das Kompensieren nicht zwingend dazu führt, dass was reduziert wird. Man hat zeigen können, dass Menschen, die ihre Emissionen kompensieren, das quasi als Ausrede nutzen (meistens unbewusst) um mehr klimaschädliche Sachen zu machen, vermutlich weil die Kompensation das unbewusste Schuldgefühl reduziert.
Wenn das nur private Projekte sind, kann sich das Problem auch nur verlagern. Ich mache ein REDD+-Projekt und schütze in der einen Gegend einen Haufen Wald. Und die globale Holzfirma sagt dann, ok, dann schneiden wir die Bäume eben in einem anderen Land oder auf einem anderen Kontinent um.
Und dann gibt es auch noch physikalische Probleme. Wir wollen das CO2 dauerhaft nicht in der Atmosphäre. Wenn ich jetzt aber einen Wald pflanze als Kompensation und der brennt dann aber beim nächsten Waldbrand ab: Dann hab ich genau nix kompensiert.
Psychologisch ist es auch ein Problem: Eine Firma kann sich einen Haufen Zertifikate kaufen und dann sagen: Wir sind klimaneutral. Unsere Produkte sind klimaneutral. Könnt ihr ohne Probleme kaufen, ohne schlechtes Gewissen. Nur sind das dann halt vielleicht Zertifikate, die genau nix gebracht haben. "Greenwashing" ist mittlerweile weit verbreitet und die vielen Anbieter von Zertifikaten, mit diversen unterschiedlichen Standards, mangelnder Transparenz usw machen es schwer, zu klären, was da wirklich abgeht.
Politische Probleme gibt es auch: Wenn jetzt zum Beispiel in Peru Wald geschützt wird, kann Peru sagen: Hey, wir haben hier X Tonnen CO2 durch Waldschutz eingespart und kann das zum Beispiel für die NDCs im Pariser Klimaabkommen anrechnen. Wenn in Deutschland eine Firma einen Haufen ihrer Emissionen kompensiert und zwar mit Zertifikaten aus dem Projekt in Peru, dann kann sie auch sagen: Wir haben X Tonnen eingespart und Deutschland kann das dann aus seinem Budget für Paris für den Industriesektor abziehen. Jetzt hat man das aber natürlich doppelt gezählt und für dieses Problem gibt es noch keine wirklich international verbindliche Lösung.
Dann kommen noch moralische Probleme dazu, wenn zum Beispiel einer Firma erlaubt wird, irgendwo Wald aufzuforsten, wo aber eigentlich schon lange Leute leben, die da jetzt spontan keinen Wald haben wollen, dann kann man die wunderbar vertreiben und ihnen ihr Land wegnehmen (ist in Uganda zB passiert). Ist gut fürs Klima, aber nicht das, was wir eigentlich wollen.
Am Ende ist die Kompensationssache halt vor allem deswegen ein Problem, weil wir unsere Emissionen nicht kompensieren müssen, sondern einstellen! Wir müssen so viel reduzieren wie nur irgendwie geht und nur bei dem, was tatsächlich gar nicht mehr geht, können und müssen wir uns überlegen, wie wir das irgendwie sinnvoll kompensieren können. Aber die Kompensation, so wie sie jetzt existiert, lädt einen ein, das zu vergessen. Hab ich kompensiert, muss ich mich nicht mehr kümmern. Oder: Wir kompensieren eh; wir brauchen dafür kein Tempolimit, können weiter Billigflieger betreiben, können weiter Öl fördern, etc.
Es gibt alternative Konzepte für so etwas wie die Kompensation; das läuft dann unter dem Stichwort "Klimaverantwortung", da kann man auch Emissionen einen Preis zuweisen, usw. Aber das heben wir uns vielleicht mal für eine andere Folge auf.
Hörertreffen am 27.10.2023 in Überlingen am Bodensee
Florian wird am 26.10.2023 einen Vortrag in Überlingen am Bodensee halten. Der Eintritt ist kostenlos und mehr Infos gibt es hier - die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Weil Florian am 28.10.2023 nebenan in der Schweiz noch einen Vortrag hält (Infos hier), nutzen wir die Gelegenheit, um am 27.10.2023 in Überlingen nicht nur die Folge 100 aufzunehmen, sondern uns auch mit Hörerinnen und Hörern zu treffen.
Wir treffen uns in Überlingen, beim Denkmal des Bodenseereiters. Da gibt es nicht nur nen Kiosk und ein öffentliches WC, sondern nebenan auch eine Pizzeria - da sollte eigentlich für alles gesorgt sein. Wer kommen will, kommt also am besten um 17 Uhr dorthin, oder später nach. Wir haben uns die Zeit von 17 bis 21 Uhr für das Treffen reserviert. Ihr könnt uns auch gerne noch eine Mail schreiben, wenn ihr kommen wollt: [email protected]
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DK096 - Kreuzfahrten, Containerschiffe und das Klima
Und: Warum Schiffe das Klima gekühlt haben, aber jetzt nicht mehr
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 96 stechen wir in See! Claudia klärt die Frage, ob die 16 größten Containerschiffe der Welt wirklich so viel CO2 ausstoßen wie alle Autos (Spoiler: Nein). Die Schiffe tun aber etwas anderes: Nämlich Schadstoffe emittieren und diese Luftverschmutzung hat die Erde abgekühlt. Aber weil die Schiffe seit ein paar Jahren sauberer sind (sein müssen), fällt dieser Effekt jetzt weg. Wie das funktioniert und wie das mit den Kreuzfahrten ist, erfahrt ihr in dieser Folge. Außerdem: Wir waren im Radio und sind der Hit in Dänemark!
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Das Klima war im Radio
Wir haben in der Sendung “Frag die Science Busters” auf FM4 ein paar Fragen zum Klima beantworten. Kann man hier noch nachhören, aber nicht mehr lange - und später dann aber im Science Busters Podcast.
Containerschiffe vs Autos
Hörer David wollte von uns wissen, wie das mit dem CO2-Ausstoß der “10 größten Containerschiffen” ist. Sind die wirklich so viel schlimmer als all die Autos? Zuerst hat Claudia mal geschaut, wo die Geschichte her kommt und ist über einen alten Reddit-Thread auf einen Artikel in der Mail on Sunday gestoßen und auch bei China Daily wurde sie fündig. Trotzdem: Die Story ist Quatsch, wenn es um den CO2-Ausstoß geht; sie ist ein bisschen weniger Quatsch wenn es um Schwefelpartikel geht (siehe zum Beispiel hier).
Der Schadstoffaustoß der Schiffe
Das wirklich spannende an der Sache mit den Schiffen ist aber die Luftverschmutzung die sie verursachen. Beziehungsweise verursacht haben, weil seit 2020 neue Regeln existieren, die das deutlich reduzieren. Davor haben die Schadstoffe dafür gesorgt, dass ein bisschen weniger Sonnenlicht zur Erde durchgedrungen ist; in der sauberen Luft fehlt dieser Effekt. Und deswegen sind die Meere jetzt deutlich wärmer geworden. Das kann man auch hier sehen. Anders gesagt: Wir haben ein (ungeplantes) Geoengineering-Projekt abrupt beendet und können jetzt live die Folgen davon erforschen. Wer mehr wissen will, kann zum Beispiel diesen Fachartikel lesen, oder diesen oder diesen hier.
Wie klimaschädlich sind Kreuzfahrten?
Bei Kreuzfahrtschiffen ist die Datenlage anders; da geht es ja auch um Tourismus und die daraus folgenden Konsequenzen für das Klima. Das schauen wir uns in einer anderen Folge mal genauer an; halten aber fest, dass wir beide nicht die Typen für Kreuzfahrtreisen sind.
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Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal.
Kontakt und weitere Projekte
Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
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In Folge 95 wird es heiß! Klimakrise heißt auch Hitzewellen und wenn es zu lange zu heiß ist, dann werden wir krank oder sterben. Wie viele Menschen im Jahr 2022 durch die Hitze gestorben sind, wissen wir jetzt: Mehr als 60.000 in Europa. Was das genau heißt, welche Länder und Menschen besonders betroffen sind und was das für die Zukunft bedeutet: Darüber reden wir in der aktuellen Folge. Außerdem: Warum haben wir eigentlich keine Siesta?
Wie bestimmt man Todesfälle durch Hitze?
"Hitze" steht als Todesursache in keinem Totenschein. Man stirbt auch nicht direkt daran, sondern an den Folgen der Hitze für das Kreislaufsystem, das Immunsystem, und so weiter. Um die Zahl der "Hitzetoten" zu bestimmen, muss man sich deswegen die Übersterblichkeit ansehen. Das heißt, man definiert einen Zeitraum einer Hitzewelle und vergleicht die Todeszahlen mit denen des gleichen Zeitraums, als es da kühler war. Mit ein wenig Statistik, die wir unter anderem in der Pandemie bei der Bestimmung der Corona-Sterblichkeit gelernt haben, kann man so die Zahl der Hitzetoten bestimmen.
Aber: Es kommt darauf an, was man als "Hitzewelle" definiert. Da gibt es keine einheitlichen Definitionen und deswegen können sich die Zahlen unterscheiden, je nachdem, wer die Berechnungen anstellt.
Hitzewelle 2022
2022 war das fünftwärmste Jahr global, in Europa ist es aber immer noch mal ein Grad wärmer als global. Der Sommer 2022 war bis dahin der wärmste in Europa seit es Messungen gibt und das hat Folgen. Nicht nur Dürren, Überschwemmungen, etc sondern auch Todesfälle. Eine neue Arbeit hat sich nun angesehen, wie viele das waren im Zeitraum von 30.Mai 2022 bis 4. September 2022.
Klar ist: Je heißer, desto mehr Todesfälle. Aber auch: Je älter man ist, desto größer ist das Risiko. Unter 65 Jahren ist man noch vergleichsweise sicher; bei einem Alter über 80 Jahre steigt es dramatisch an. Und Frauen sind signifikant stärker betroffen als Männer.
Der Juni, Juli und August 2022 waren in Europa allesamt heißer als in der Vergleichsperiode von 1991 bis 2020. Ganz besonders der Juli, da war es 3,5 Grad wärmer. Insgesamt sind in diesem Sommer laut statistischer Auswertung 61.672 Menschen gestorben, 114 pro Million Einwohner. Bei den Frauen gab es 63 Prozent mehr Hitzetote als bei den Männern. Am heißesten war es in Frankreich, der Schweiz, Italien, Ungarn und Spanien. Das korreliert aber nicht direkt mit der Hitzesterblichkeit. Die war in Italien, Griechenland, Spanien und Portugal am größten.
2003, 2022 und die Zukunft
Auch 2003 gab es eine Hitzewelle in Europa mit ähnlich vielen Toten. Damals war das aber ein außergewöhnliches Ereignis mit dem auch aus klimawissenschaftlicher Sicht nicht gerechnet werden konnte. Die Hitzewelle 2022 passt aber genau ins Bild dessen, was wir in den letzten Jahren beobachtet haben und war keine Überraschung. Und in Zukunft werden wir so etwas noch viel öfter sehen. Wenn alles einfach so weitergeht wie bisher, dann werden ab 2030 jedes Jahr fast 70.000 Hitzetote erwartet, ab 2050 sind es 120.000.
Wir wissen ja leider, das 2022 schon längst durch 2023 als heißester Sommer abgelöst worden ist. Der heißeste Tag, der jemals gemessen wurde, war der 7. Juli 2023.
Siesta
Wegen der Hitze haben in diesem Sommer die Amtsärzt:innen in Deutschland eine Siesta gefordert. Und auch in Österreich hat man darüber diskutiert. Prinzipiell klingt das sinnvoll, im Detail ist es aber komplizierter als man denkt.
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DK094 - Klimafreundliche Bibliotheken: Kann man Klimaschutz ausleihen?
Und: Wie viele Einhornbackformen braucht man wirklich?
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In Folge 94 geht es um Bibliotheken. Claudia ist ja unter anderem auch Bibliothekarin und hat sich deswegen angesehen, was Bibliotheken für den Klimaschutz tun können. Dabei geht es nicht nur um PV-Anlagen am Büchereidach - sondern zum Beispiel um “Bibliotheken der Dinge”, um Saatgutbibliotheken, um die schwierige Frage des CO2-Fußabdrucks einer Stadtbücherei und um die Klimafolgen der Datenspeicherung. Und wir fragen uns, wie viele Einhornbackformen man tatsächlich braucht.
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Klimafreundliche Bibliotheken
Was kann eine Bibliothek tun, um klimafreundlich zu werden? Oder besser gesagt: Was kann eine Bibliothek tun, um klimafreundlich zu werden, was nur eine Bibliothek tun kann? Abgesehen davon, dass es immer nachhaltiger ist, ein Buch zu leihen als eines zu kaufen, ist das eine spannende Frage und dass es da tatsächlich viel gibt, was man tun kann, kann man in diesem Ratgeber mit Best-Practice-Beispielen aus der Schweiz nachlesen. Man kann zum Beispiel nicht nur Bücher verleihen, sondern auch andere Sachen. So etwas nennt sich “Bibliothek der Dinge” und wer mal einen Blick auf so eine Einrichtung werfen will, kann die “Leila Wien” oder das “Gummersbacher Jedöns” besuchen. Was man in manchen Bibliotheken auch leihen kann, ist Saatgut - ebenfalls mit vielfältig positiven Klimafolgen. Ein weiterer Service von klimafreundlichen Bibliotheken wäre das Angebot, Wertstoffe o.ä. anzunehmen - dann müssen nicht alle immer selbst mit dem Auto zum Wertstoffhof fahren.
Wie bestimmt man den CO2-Abdruck einer Bibliothek?
Es ist immer schwierig, den CO2-Fußabdruck zu bestimmen, aber bei Bibliotheken ist es noch ein wenig schwerer. Was da alles berücksichtigt werden muss, kann man hier am Beispiel der Stadtbibliothek Pankow nachlesen. Wenig überraschend machen Strom, Heizung und Mobilität der Angestellten den allergrößten Teil aus.
In Bibliotheken werden aber nicht nur Bücher aufbewahrt, sondern auch digitale Daten und die müssen regelmäßig geprüft werden. Auch das verursacht Emissionen und damit hat sich diese Arbeit beschäftigt. Ergebnis: Will man den gesamten Datenbestand der Virginia Tech Bibliothek prüfen, hat man so viele Emissionen wie bei der Produktion von 3 Kilogramm Käse entstehen.
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DK093 - Climates of the Caribbean
Wie man die Arbeit IPCC kurz und humorvoll erklärt
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In Folge 93 machen Florian und Claudia ein wenig Pause. Weil der Podcast aber natürlich nicht ausfallen soll, haben wir uns was ausgedacht. Im Hörbuch “Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt” der Science Busters gibt es auch ein Kapitel über das Klima und die Arbeit des IPCC. Geschrieben hat es Florian; und deswegen kommt auch der Podcast “Das Klima” darin vor. Und weil es ein gutes Kapitel ist, könnt ihr es in dieser Podcastfolge hören.
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Climates of the Carribean
Die Wissenschaftskabarett-Gruppe Science Busters feiert ihr 15jähriges Jubiläum und hat dazu das Buch “Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt” veröffentlicht. Es gibt das Buch auch als Hörbuch, wunderbar gelesen von Thomas Loibl. Das Kapitel, in dem es um das Klima und “Das Klima” geht, könnt ihr euch in dieser Podcastfolge anhören.
Die Sache mit den Piraten, mit Jack Sparrow und Elisabeth Swann, von der wir im Podcast zuerst reden, kommt leider im Hörbuch (doch) nicht vor. Deswegen gibt es den entsprechenden Ausschnitt hier in den Shownotes:
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**DK092 - Klimakleben, Wissenschaft und Humor: Was liegt, das pickt! **
…und kann Klimaaktivismus eigentlich auch lustig sein?
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In Folge 92 machen Florian und Claudia ein wenig Pause. Weil der Podcast aber natürlich nicht ausfallen soll, haben wir uns was ausgedacht. Im März 2023 fand in Wien ein Benefizabend für den Klimaaktivismus statt, an dem auch Florian beteiligt war. An diesem Abend gab es interessante (und lustige!) Gespräche mit diversen Menschen aus Wissenschaft und Aktivismus. Und weil die auch jetzt immer noch interessant (und lustig) sind, bekommt ihr die jetzt einfach in dieser Podcastfolge zu hören!
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Was liegt, das pickt!
Die Wissenschaftskabarett-Gruppe Science Busters hat am 23. März 2023 in Wien einen Benefizabend für den Klimaaktivismus gestaltet. Unter dem Titel “Was liegt, das pickt” sind diverse Wissenschaftler:innen und Künstler:innen auf der Bühne gestanden. In dieser Podcastfolge hört ihr die Beiträge von Reinhard Steurer von der BOKU Wien, von Andreas Jäger (Meteorologe) und Franz Essl, Ökologe von der Uni Wien und Wissenschaftler des Jahres 2022. Außerdem hört ihr auch Mina Canaval und Jacob Ranftl von der Letzten Generation Österreich.
Das Video des kompletten Abends (mit allen Beiträgen) gibt es auf YouTube. Video und diesen Podcast haben wir kostenfrei gemacht und veröffentlicht, aber es war trotzdem ein Benefizprojekt. Wenn ihr wollt und könnt, könnt ihr gerne etwas spenden:
Spenden Letzte Generation
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