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DK081 - Klimaforschung und Krisenkommunikation: Ist das noch normal?
…und was kann uns der Tintenfischsex über die Klimakrise sagen?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 81 geht es um Klimakommunikation und Tintenfischsex. Claudia erklärt, was postnormale Wissenschaftskommunikation ist. Nämlich das, was passiert wenn Wissenschaft und Krise aufeinandertreffen, wie zum Beispiel bei der Klimakrise. Wie sollten sich Forschung, Bürger:innen und Medien verhalten? Was erwarten sie voneinander? Florian dagegen beschäftigt sich mit Tintenfischen, deren Fortpflanzung uns etwas über das eventuell baldige Abschmelzen der Westantarktis verrät.
Wer den Podcast unterstützen will kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter.
Normal oder schon post-normal? Krise oder Tagesgeschäft
“Postnormal” ist fast normal, zumindest wenn es um das Klima geht. Was mit postnormaler Wissenschaft gemeint ist, erklärt Claudia und hier kann man auch das ursprüngliche Paper aus dem Jahr 1990 nachlesen. Aber eigentlich geht es um den Artikel “A State of Emergency or Business as Usual in Climate Science Communication? A Three-Dimensional Perspective on the Role Perceptions of Climate Scientists, Climate Journalists, and Citizens. Science Communication” in dem die Rolle von Forschung, Medien und Öffentlichkeit untersucht wird. Die Öffentlichkeit zum Beispiel meint, dass die Forschung ihr Kommunikation schuldet. Und dass die Medien nur beschreiben sollen, was die Forschung macht, aber die Ergebnisse nicht selbst interpretieren. Was aber nicht immer so einfach ist, denn in vielen Fällen sind es die Pressestellen der Unis, die die Forschung interpretieren, was von den Medien übernommen wird (siehe dazu die Masterthesis von Eva Pech. Es ist auf jeden Fall jede Menge Stoff für Diskussion - kein Wunder, wenn Wissenschaft und Krise aufeinander treffen.
Der Oktopus und der Weltuntergang
Wenn der Westantarktische Eisschild schmilzt, dann steigt der Meeresspiegel um 3 bis 5 Meter. Wir wissen, dass das in der Vergangenheit schon passiert ist; vermutlich während der Eem-Warmzeit vor knapp 125.000 Jahren. Damals war die Welt in etwa so warm wie sie heute ist. Aber “vermutlich” ist nicht gut genug; wir würden gerne genau wissen, ob die aktuellen Temperaturen ein Abschmelzen der Westantarktis möglich machen. Das hat man nun mithilfe von Tintenfischen herausgefunden (“Genomic evidence for West Antarctic Ice Sheet collapse during the Last Interglacial Period”). Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass antarktische Tintenfische während der Eem-Warmzeit Kontakt miteinander hatten, was nur möglich war, wenn das Westantarktische Eisschild damals nicht existiert hat.
Wer möchte, kann sich das hier nochmal als Comic ansehen. Und so spannend das alles ist, so bedrückend ist es auch. Denn das Abschmelzen der Westantarktis gilt als ein Kipppunkt im Klimasystem und den haben wir vielleicht schon erreicht.
Don’t look up mit Claudia
Am 27.03.2023 wird Claudia im Twitch-Kanal von arte den Film “Don’t look up” ansehen und diskutieren.
Benefiz für den Klimaaktivismus
Am 28. März 2023 veranstalten die Science Busters einen Benefizabend für den Klimaaktivismus in der Kulisse Wien. Mit jeder Menge tollen Acts - und Florian. Infos und Tickets dazu gibt es hier.
Hinweis zur Werbung und zu Spenden
Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal.
Kontakt und weitere Projekte
Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
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Twitch Claudia | TikTok Claudia
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DK080 - Die Ambitionslücke und das 1,5-Grad-Ziel
…und wie macht man eigentlich Agri-Photovoltaik?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 80 diskutieren wir über die Frage, ob wir das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens noch erreichen können. Oder besser gesagt: Ob es plausibel ist, dass wir es erreichen. Denn das ist nicht nur eine Frage von Technik und Wissenschaft. Sondern vor allem von Politik und Ambition. Und da gibt es leider eine Ambitionslücke, die es unwahrscheinlich macht, dass wir das Ziel erreichen werden.
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Alles verloren: Haben wir das 1,5 Grad-Ziel verpasst?
Der Exzellenz-Cluster Cluster of Excellence Climate, Climatic Change, and Society (CLICCS) der Uni Hamburg hat einen Bericht geschrieben: “Hamburg Climate Futures Outlook: The plausibility of a 1.5°C limit to global warming - social drivers and physical processes”. Darin wird nicht untersucht, ob es möglich ist, die globale Erwärmung unter 1,5 Grad zu halten, wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen. Sondern die Frage beantwortet, ob es plausibel ist, dass wir das Ziel noch erreichen. Denn rein technisch ist das Erreichen des Ziels durchaus noch möglich. Aber es hängt von den politisch-sozialen Umständen ab, ob wir das auch tun. Und da sieht es leider nicht so gut aus. Es passiert zwar viel, was dem Erreichen des Ziels zuträglich ist. Aber das ist nicht genug. Und manche Dinge - wie zum Beispiel das Verhalten der Wirtschaft und unser Konsumverhalten - boykottieren das Ziel definitiv. Insgesamt ist es also eher nicht plausibel, dass wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen. Leider.
Kartoffeln unter dem Kollektor: Agri-Photovoltaik
Je mehr Solarenergie desto besser. Ein Problem dabei: Wir brauchen Platz in der Landschaft, um die Solaranlagen aufzustellen. Den Platz brauchen wir aber unter anderem auch für die Landwirtschaft. Eine Lösung: Beides kombinieren! Das nennt sich Agri-Photovoltaik und wurde schon vor langer Zeit in einem Artikel mit dem Titel “Kartoffeln unter dem Kollektor” veröffentlicht. Mittlerweile hat sich viel getan und wir diskutieren über die neue Forschung des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme zu diesem Thema. Dazu kann man sich diese kurze Broschüre oder diesen ausführlichen Leitfaden ansehen.
DIN-Podcast
Wer gerne den Podcast zu den DIN-Normen anhören will, wird hier fündig.
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DK079 - Staubiger Blick auf die Klimakrise
…und warum versteht uns der Computer nicht?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 79 reden wir über die Erforschung der Klimakommunikation und die Frage, was Computer und künstliche Intelligenz damit zu tun haben. Und wir schauen den Staub in der Atmosphäre an. Der hat nicht nur Einfluss auf die Temperatur sondern uns auch den Blick auf das wahre Ausmaß der Klimakrise verstellt.
Wie erforscht man Klimakommunikation
Claudia hat sich die Arbeit “Computational methods for the analysis of climate change communication: Towards an integrative and reflexive approach” ausgesucht und erklärt, mit welchen Methoden man erforschen kann, wie die Ergebnisse der Klimaforschung kommuniziert werden. Immer wichtiger werden Methoden, bei denen ein Computerprogramm automatisch jede Menge Daten analysiert - was aber naturgemäß problematisch werden kann. Denn selbst uns Menschen fällt es schwer zu verstehen, wie bestimmte Aussagen wirklich gemeint sind. Wie soll dass dann der Computer hinkriegen. Was für Probleme dabei entstehen können, kann man zum Beispiel im Buch “Invisible Women: Exposing Data Bias in a World Designed for Men (auf deutsch: “Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert”) von Caroline Criado Perez nachlesen. Oder in “You Look Like a Thing and I Love You” (auf deutsch: “Künstliche Intelligenz – Wie sie funktioniert und wann sie scheitert: Eine unterhaltsame Reise in die seltsame Welt der Algorithmen, neuronalen Netze und versteckten Giraffen”) von Janelle Shane.
Abschweifung: Der Methodenstreit
Zwischendurch sind wir auf den Begriff “Methodenstreit” gestoßen. Damit ist der “Älterer Methodenstreit der Nationalökonomie” aus dem späten 19. Jahrhundert gemeint.
Verstaubter Blick auf die Klimakrise
Florian hat die Arbeit “Mineral dust aerosol impacts on global climate and climate change” gelesen (hier bei Researchgate). Darin geht es um den Staub, der ständig in unserer Atmosphäre ist. Insgesamt 26 Millionen Tonnen; das meiste davon kommt aus Nordafrika:
Dieser Staub kann das Klima abkühlen oder aufheizen, je nachdem. Es gibt jede Menge Wege, wie der Staub wirken kann:
Bis jetzt war allerdings unklar, wie sich all diese einzelnen Effekte summieren. Nun weiß man: Der Staub kühlt, mit -0.2 W/m². Und schaut man sich an, wie sich die Menge an Staub in den letzten Jahrzehnten verändert hat, dann sieht man einen Anstieg. Der in den Klimamodellen aber nicht berücksichtigt worden ist:
Das bedeutet: Die kühlende Wirkung des Staubes hat dafür gesorgt, dass wir quasi 8 Prozent der globalen Erwärmung übersehen haben. Oder anders gesagt: Es ist schlimmer als wir gedacht haben und wegen des Staubs in der Atmosphäre haben wir das bisher übersehen.
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DK078 - Outtake Special
…und gibt es Outtakes von Outtakes?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 78 machen wir kurz Pause. Nach der kompletten Besprechung des Sachstandsberichts geht der Podcast ja mit neuem Format weiter und wird nicht mehr wöchentlich sondern alle 14 Tage erscheinen. Damit die erste Pause aber ein wenig kürzer wird, haben wir einfach mal alle Outtakes aus allen bisherigen Folgen zusammengeschnitten. Muss man sich nicht anhören, kann man aber. Und ansonsten geht es dann nächste Woche wie gewohnt mit Klimawissenschaft weiter.
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DK077 - 10.000 Seiten später
…und wie wird “Das Klima” weitergehen?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 77 blicken wir auf die Lektüre von 10.000 Seiten IPCC-Bericht zurück. Jetzt, wo wir alles gelesen und durchgesprochen haben fragen wir uns: Was hat das alles mit uns gemacht? Wie hat die intensive Auseinandersetzung mit der Klimakrise uns verändert; beruflich, privat und anderweitig. Was haben wir gelernt? Und wir klären die wichtige Frage: Wie geht es mit dem Podcast weiter, jetzt wo der IPCC-Bericht durch ist? Spoiler: Es wird weitergehen!
Würden wir das noch mal machen?
Claudia fragt sich und Florian, ob wir jetzt, wo alles vorbei ist, das ganze nochmal machen würden. Wir sind uns einig: Ja! Wünschen uns aber auch Stephen King als zukünftigen Mitautor des IPCC-Berichts.
Was waren unsere Lieblingskapitel?
Welche Kapitel fanden wir am besten? Florians Favorit war Kapitel 5 von Teil 3 wo es um die Maßnahmen geht, die unseren Alltag direkt betreffen. Und Claudia fand Cross-Chapter-Paper 2 aus Teil 2 am besten, weil da die schwimmenden Küstenstädte drin vorkommen.
Was haben wir gelernt?
Wir sind uns einig, dass wir wahnsinnig viel gelernt haben. Florian vor allem etwas über die dominierende Relevanz der Nicht-Naturwissenschaften in der Klimaforschung. Claudia war von den vielschichtigen sozialen Aspekten überrascht und wir beide über die Deutlichkeit der Aussagen im IPCC-Bericht. Außerdem fanden wir die Fortschritte in der Attributionsforschung (siehe Folge 24 und Folge 25) beeindruckend.
Florian hat außerdem gelernt, dass die Lektüre eines 10.000-Seiten-Dokuments Mut zur Lücke braucht.
Was ist in unseren Köpfen passiert?
Was die Lektüre des Berichts in unseren Köpfen angestellt hat, hat Claudia schon ausführlich in einem anderen Gespräch erzählt. Bei Florian hat sich auch viel getan; ohne die Arbeit mit dem IPCC-Bericht hätte er vermutlich nicht an einer Aktion mit der “Letzten Generation” teilgenommen.
Wie hat das Lesen des Berichts unsere Berufe verändert?
Claudia hat durch den Podcast nun wissenschaftlich sehr viel mehr mit der Klimakrise und der Kommunikation der Krise zu tun; und auch bei Florian hat sich die Thematik seiner publizistischen Arbeit von der Astronomie zum Klima deutlich ausgeweitet.
Wie wird die Zukunft des Podcasts aussehen?
“Das Klima. Der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise” ist immer noch das gültige Motto. Wir haben den Bericht zwar zu Ende gelesen; Wissenschaft und Krise ist aber immer noch ausreichend übrig. Wir werden ab jetzt also alle 14 Tage eine neue Folge veröffentlichen und darüber über aktuelle Forschung aus der Klimawissenschaft sprechen. Und immer wieder auch diversen Menschen einladen, die zu dem Thema mehr wissen, als wir.
Schlechte Witze über Österreich
Als “Geschenk” hat Claudia für Florian zum Abschluss noch ein paar schlechte Wortwitze über Österreich mitgebracht. Nun ja….
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DK076 - Wir sind am Ende!
…und wurde am IPCC-Bericht herumlobbyiert?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 76 sind wir am Ende! Nämlich mit unserer Besprechung des 6. Sachstandberichts des IPCC. Ganz zum Schluss werfen wir noch einen Blick in die offizielle Zusammenfassung des dritten Teils. Und auf das “Technical Summary”. Und vor allem auf die Anfang des Jahres geleakte Version der offiziellen Zusammenfassung. Wir stellen fest: Da scheinen doch ein paar sehr relevante Stellen zu fehlen. Wir schließen die Folge mit einer Geschichte über die französische Käsekrise, was relevanter ist als es klingt.
Summary for Policymakers
Die Summary for Policymakers ist der Teil des IPCC-Berichts der vermutlich die meiste und größte Aufmerksamkeit von Seiten der Medien erfährt. Da wir aber in diesem Podcast den kompletten Bericht gelesen haben, schauen wir uns die Zusammenfassung ganz zum Schluss an. Wenig überraschend finden wir dort nichts, was wir nicht schon in den paar 1000 Seiten zuvor gelesen haben.
Ein paar schöne Übersichtsabbildungen können wir aber dennoch zur erneuten Analyse empfehlen. Zum Beispiel Abbildung SPM.7, die noch einmal zusammenfasst, was die einzelnen Maßnahmen zum Klimaschutz bringen.
Oder Abbildung SPM.8, die zeigt, was Klimaschutz zusätzlich noch vor Vorteile bringt:
Das Technical Summary
Wir werfen außerdem einen Blick auf das Technical Summary, wo Claudia besonders die Abbildung TS.20a interessant fand. Wie physikalisch man diese Klima-Waage interpretieren kann, ist aber unklar:
Best of aus der deutschen Zusammenfassung
Eine Zusammenfassung der Hauptaussagen des IPCC-Berichts gibt es auch auf deutsch und da schauen wir natürlich auch kurz hinein. Und merken uns vor allem diesen Satz: ”Der globale wirtschaftliche Nutzen einer Begrenzung der Erwärmung auf 2 °C übersteigt gemäß den meisten der bewerteten Studien die Kosten zur Minderung des Klimawandels.”
Der Leak der SPM
Anfang des Jahrs haben Scientist Rebellion den IPCC-Bericht geleakt. Zumindest die Summary for Policymakers und Kapitel 1 des dritten Teils. Wir schauen uns diese Vorabversion an und vergleichen sie mit der tatsächlich veröffentlichten Version. Und stellen fest: Da gab es doch ein paar Änderungen, die so aussehen, als hätten Lobbyisten ihren Willen durchgesetzt. Mehr dazu kann man in diesem Text nachlesen.
Der letzte Rest
Wir stellen noch kurz die Existenz der SPM Headline Statements fest. Und warten auf den Synthese-Report, der den 6. Berichtszyklus abschließen wird. Der sollte eigentlich schon erschienen sein, ist es aber noch. Was wir schon wissen: Dieser Abschlussbericht wird vermutlich 42,5 Seiten haben.
Die Käsekrise
In Frankreich gibt es eine Käsekrise. Der Klimawandel macht dem Luxuskäse zu schaffen und das mag irrelevant klingen. Demonstriert aber noch einmal sehr hervorragend, dass die Klimakrise JEDEN Bereich unseres Lebens treffen wird. Es gibt nichts, was sich nicht verändern wird!
Wie wird die (Podcast)Zukunft
In der nächsten Folge werden wir uns (das erste Mal) im echten Leben treffen und darüber sprechen, was das Lesen des Berichts mit uns gemacht hat (was Claudia zum Teil schon anderswo bei den Fire Shonks getan hat. Wie es dann mit dem Podcast weitergehen wird, jetzt wo wir den Bericht zu Ende gelesen haben, wird sich zeigen.
Weiterführende Informationen
Die SPM des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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DK075 - Yoga für den Klimaschutz
…und wie schaffen wir eine nachhaltige Wende?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 75 sind wir beim letzten Kapitel des letzten Teils des IPCC-Berichts angelangt. Und ganz am Ende taucht noch einmal alles auf, was wir bisher besprochen haben. Diesmal aber aus dem Blickwinkel der nachhaltigen Entwicklung. Denn wir dürfen nicht einfach nur auf den Klimaschutz schauen (was schon schwer genug ist), sondern müssen auch aufpassen, dass die klimafreundliche Welt für alle lebenswert ist und am besten lebenswerter als jetzt. Klimaschutz muss auch Armut, Hunger und jede Menge andere Probleme berücksichtigen. Wir reden in der Folge über Yoga, freiwillige Zielsetzungen, das Problem der fossilen Brennstoffe und am Ende beschließen wir, einen Spaziergang zu machen.
Beschleunigte nachhaltige Entwicklung
Das letzte Kapitel des Berichts beschäftigt sich mit der Frage, wie man den Wandel hin zu einer klimafreundlichen Welt beschleunigen kann und das im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Man muss mehr als nur Geschwindigkeit betrachten. Es muss nicht nur schnell, sondern auch vernünftig passieren; es dürfen nicht nur Symptome bekämpft, sondern das System verändert werden. Die Welt darf nicht unerträglicher werden als sie jetzt ist und deswegen darf man die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) nicht aus dem Blick verlieren. Diese 17 Ziele die bis 2030 erreicht werden sollen wollen Armut, Hunger, Ungleichheit und jede Menge andere Probleme beseitigen.
Freiwillige staatliche NachhaltigkeitsPR
Wie es um das Erreichen der SDGs steht, können Länder und Städte in “Voluntary National Reviews (VNR)” und “Voluntary Local Reviews (VLR)” mitteilen. Das machen Deutschland, Österreich, die Schweiz und ganz viele andere Länder. Ist aber am Ende doch eher PR anstatt echter Aktion.
Ein wenig objektiver sind die Fact-Sheets der UNO zu dem Thema (hier das für Deutschland). Die VLRs kann man sich hier ansehen
Yoga für den Klimaschutz
Wenn die Welt sich wandeln soll, müssen sich auch die Menschen wandeln? Aber wie kriegt man einen individuellen Wandel hin? Was führt dazu, dass Menschen eine klimafreundliche Geisteshaltung einnehmen? Es braucht “Inner transitions” und die können zum Beispiel durch klassische Bildung entstehen. Und sie können sich unter anderem durch Yoga und Meditation verbreiten.
Das Pariser Abkommen und die Nachhaltigkeitsziele
Das Pariser Klimaabkommen ist zwar nicht so erfolgreich wie es geplant war. Aber es bezieht sich explizit auf die SDGs. Was auch wichtig ist: Bei der Verfolgung der langfristigen Ziele nicht die kurzfristigen aus den Augen verlieren. Man muss alles gemeinsam planen; es braucht mehr Ganzheitlichkeit in der Politik. Und mehr Geld. Denn das Haupthindernis bei der Erreichung der SDGs ist, wenig überraschend, das fehlende Geld. Dabei braucht es nur 2-3 Prozent des globalen BIPs. Was nicht so viel ist, wie es scheint - aber das Geld muss dorthin, wo es gebraucht wird und das ist schwierig.
Klimaschutz und Nachhaltigkeit hängen zusammen
Klimaschutz und Nachhaltigkeit hängen zusammen. Zum Beispiel: Je mehr Klimaschutz, desto weniger Menschen sind von Wasserknappheit betroffen. Wenn wir das 2-Grad-Ziel erreichen, würde das auch die Luftverschmutzung reduzieren und circa eine Million vorzeitige Todesfälle bis 2050 verhindern. Aber: Es kann auch zu mehr Hunger führen, wenn man beim Anbau von Biomasse die Landwirtschaft vergisst. Es ist kompliziert…
Das große Problem der fossilen Brennstoffe
Wenn wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen, müssen wir global Netto-Null in den CO2-Emissionen bis 2050/2060 erreichen. Und mit der Kohle muss um 2050 Schluss sein. Aktuell macht Kohle 30% aller Emissionen aus dem Energiesektor aus; in den letzten 20 Jahren stammen 90% dieser Emissionen aus Asien. Mit der fossilen Infrastruktur die jetzt existiert würden wir das 1,5-Grad-Ziel definitiv verfehlen und das 2-Grad-Ziel vermutlich auch. Die Kohlekraftwerke dürfen das Ende ihrer geplanten Lebenszeit nicht erreichen, sondern müssen vorher abgeschaltet werden. Und zwar zwei bis drei 500-Megawatt-Generatoren pro Woche über die nächsten 15 Jahre!
Der komplexe Zusammenhang zwischen Klimaschutz und SDGs
Die Maßnahmen zum Klimaschutz helfen uns auch dabei die SDGs zu erreichen. In seltenen Fällen können sie aber auch in Konflikt dazu stehen. Wie das genau aussieht, zeigt Abbildung 17.1:
Was ist schlecht für den Übergang?
Was hindert uns beim Übergang zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Welt? Ein Mangel an realistischen Erwartungen zum Beispiel. Und unsere Gewohnheiten: Insbesondere wenn es um Transport geht. Wir haben uns an unsere Autos gewöhnt; und wollen sie nicht aufgeben. Was dagegen helfen kann, ist unter anderem Aktionismus und Information. Aber: Individuelle Aktionen sind zwar notwendig, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen. Aber nicht ausreichend.
Ein Waldspaziergang zum Schluss
Als Schlusswort zum Bericht zitieren wir gerne diesen Satz: ”The results from these research communities reveal how experiential learning takes place and how it encourages bonding between people, society and nature. This can be achieved by going jointly and consciously into nature.”
Also: Macht einen Spaziergang! Das tut gut.
Weiterführende Informationen
Kapitel 17 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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DK074 - Wer erfindet die Weltrettungsmaschine?
…und was weiß die künstliche Intelligenz über die Klimakrise?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 74 geht es um Innovation. Die wird ja gerne als Lösung für alles ins Feld geführt: Wir erfinden einfach in Zukunft irgendwas, und dann ist die Klimakrise gelöst! So einfach ist es aber nicht; der Innovationsprozess ist komplex und ihn wissenschaftlich zu beschreiben und politisch zu steuern ist noch viel komplexer. Wir reden über das, was Technologie daran hindert, ihr volles Potenzial zu erreichen (Spoiler: Politik) und wie man den Erfolg von Innovation messen kann - was den Blutdruck von Claudia ein wenig in die Höhe treibt. Außerdem: Klimakrisentipps von der Künstlichen Intelligenz.
Wir erfinden was
In Kapitel 74 geht es um Innovation. Und es bestreitet niemand, dass es wichtig und relevant ist, dass wir nicht nur bestehendes Wissen anwenden um die Klimakrise anzuwenden, sondern auch neues Wissen und neue Technologien schaffen müssen. Aber können wir einfach so eine “Weltrettungsmaschine” erfinden und alles ist gut? Eher nicht. Vor allem, weil man bei der Forschung ja nie weiß, was raus kommt. Als Albert Einstein Anfang des 20. Jahrhunderts seine Forschung zur Quantenmechanik gemacht hat, war ja auch noch lange nicht klar, dass am Ende dabei die Solarzelle rauskommen wird. Grundlagenforschung ist halt Grundlagenforschung und der Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft ist komplex.
Wenn man zum Beispiel einen fernen Kometen erforschen will, ist das das eine. Wenn als Nebenprodukt dieser Forschung dann eine Kamera zur Entdeckung von Waldbränden entwickelt wird ist das das andere. Man darf die Grundlagenforschung aber nicht durch die potenziellen Anwendungen rechtfertigen, denn ansonsten verpasst man eventuell viel, was man ansonsten nie entdeckt hätte.
Wie fertig ist die Technologie?
Wir reden ein wenig über “Technology Readiness Level”, also unterschiedliche Stufen der Technologieentwicklung. Normalerweise gehen die von 1 bis 9; im IPCC-Bericht haben sie die Skala bis 11 erweitert.
So sieht das normalerweise aus (aus: Goldense, 2017):
Man kann sich auch anschauen, wer bei den einzelnen Stufen zuständig ist und das Geld dafür bereitstellt(aus: Hensen et al, 2015)
Im IPCC-Bericht sieht man die TLRs in Tabelle 16.2:
Das ist alles ein wenig abstrakt, aber es geht eben nicht um konkrete Erfindungen, sondern um die Frage: Wie sieht der Innovationsprozess aus, wie lenkt man ihn, wie evaluiert man ihn?
Was auch wichtig ist: “Learning by doing”, denn nur so können existierende Produkte weiter entwickelt werden.
Im Tal des Todes
Es gibt jede Menge Gründe, warum eine Technologie nicht in der Lage ist, ihr volles Potenzial zu entwickeln. Die kann man in Tabelle 16.6 nachlesen:
Den Haupthinderungsgrund könnte man mit “Unfähige Politik!” zusammenfassen.
Wie steuert man die Innovation?
Die Umweltauswirkungen von Innovation hängten vor allem davon ab, wie eine Technologie eingesetzt wird. Denn es wird ja auch noch Zeug für klimaschädliche Technologie erfunden; zum Beispiel bei der Energiegewinnung aus Braunkohle. Und deswegen braucht es Steuerung damit diese Innovation den klimafreundlichen Erfindungen keine Konkurrenz machen. Die Richtung des technologischen Wandels hängt auch von der Größe des Marktes für schmutzige Technologien ab.
Woher soll man wissen, was man in der Zukunft machen soll? Man kann wenige Projekte fördern, die dafür aber mit viel Geld. Oder viele Projekte fördern, mit weniger Geld. Am Ende besteht immer die Gefahr, genau das nicht ausreichend zu fördern, was wirklich gebraucht werden würde.
Indikatoren für Innovation
Claudia regt sich auf. Und zwar über Tabelle 16.7. Die enthält “quantitative Metriken für Innovation” und sehr viele davon:
Mit vielen dieser Indikatoren gibt es Probleme; denn sie messen nicht unbedingt das, was sie messen sollen. Und am Ende kriegt man das Problem, dass die Zahl zum Ziel wird und nicht der Prozess, den die Zahl eigentlich messen soll.
Wem gehört eine Idee?
Wer was erfindet, will eventuell nicht, dass alle anderen sofort damit arbeiten können. Deswegen gibt es Patente und die können durchaus dafür sorgen, dass sich Wissen verbreitet, das ansonsten nicht verbreitet wird. Der genaue Ablauf ist aber kompliziert und es ist umstritten wie weit Patentsysteme die Innovation fördern oder ncht.
Das Klimawissen der KI
Claudia hat der Künstlichen Intelligenz ChatGPT die Fragen aus der FAQ des Kapitels gestellt. Unter anderem ”Will innovation and technological changes be enough to meet the Paris Agreement objectives?” Die Antwort war überraschend ausführlich und korrekt.
Weiterführende Informationen
Kapitel 16 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
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DK073 - Klimafinanzen: Wo bleibt das Geld?
…und warum gibt es keinen grünen James Bond?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 73 reden wir über Geld und Investitionen. Finanzen sind definitiv nicht unsere Kernkompetenz - aber sie stehen im Zentrum der Klimakrise, also müssen wir uns damit beschäftigen. Und stellen fest: Es wird zwar viel Geld in die Bewältigung der Klimakrise gesteckt. Aber nicht genug und weniger als in die Förderung fossiler Technologie. Außerdem: Kryptowährungen und Klimakrise und die Finanzierung der Klimafolgen in den Ländern die sich das nicht leisten können.
Es geht ums Geld
Finanzen sind nicht unsere Spezialität. Aber sie sind zentral wenn man verstehen will, warum wir in der Klimakrise stecken und wie wir wieder rauskommen. Also schauen wir zu erst einmal, was “Klimafinanzen” eigentlich bedeutet. Im Prinzip: Alles an Geld was man irgendwie zur Bewältigung der Klimakrise ausgibt. Das kann entweder direkt sein oder aber indirekt, wenn man Geld für was ausgibt, was nichts mit dem Klima zu tun hat, dem Klima aber trotzdem hilft.
Wer mehr über Klimafinanzen wissen will, kann beim BMZ und der OECD nachschauen.
Pariser Finanzen
Das Pariser Klimaabkommen sagt sehr explizit, dass man entsprechend investieren muss, wenn das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad erreichen will. Und der IPCC-Bericht stellt fest, dass diese Finanzierung nicht von selbst passiert sondern nur, wenn sich die Politik entsprechend darum kümmert.
Wo bleibt der gerechte Übergang?
Das Konzept des “Gerechten Übergangs” (Just Transition) ist wichtig, wenn es darum geht, nicht einfach nur die Klimakrise zu bewältigen, sondern es auf eine Weise zu tun, die möglichst wenig Menschen schadet. Bis jetzt haben sich aber nur eine Handvoll Länder dazu bekannt. Ds ist schlecht, denn je ungerechter die Welt ist, desto schwerer wiegen die Folgen der Klimakrise.
Aber: Wenn man sich ansieht was passiert, wenn man sich nicht um die Klimakrise kümmert, dann stellt man fest: Für die Wirtschaft ist es immer besser, in Klimaschutz zu investieren als einfach so zu tun als wäre nichts.
Mehr zum Gerechten Übergang gibt es hier und hier.
Die globalen Klimafinanzflüsse
In den letzten Jahren sind hunderte Milliarden von Dollarn in die Klimafinanzierung geflossen. Meistens in sich entwickelnde Länder und in die Sektoren Elektrizität und Transport. Mehr dazu gibt es in Abbildung 15.3:
100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz
Die Länder, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind, können am wenigsten dafür und haben am wenigsten Geld. Deswegen hat man schon 2009 beschlossen, einen Klimafonds mit 100 Milliarden Dollar pro Jahr bereit zu stellen. Hat man aber bis jetzt noch nicht gemacht. Tja.
Kein Geld mehr für fossile Brennstoffe
Die International Energy Agency (IEA) hat in ihrem “Net Zero by 2050 scenario” festgestellt, dass wir bis 2035 keine Verbrenner mehr zulassen dürfen. Dass Kohle bis 2050 um 90% zurückgehen muss; Öl um 75% und Erdgas bis 2040. Nur dann erreichen wir bis 2050 das Netto-Null-Ziel. Außerdem müssen die Investitionen in neue fossile Infrastruktur runtergefahren und in die erneuerbare Infrastruktur hochgefahren werden.
Es braucht 1,5 Billionen Dollar pro Jahr; das ist sehr viel mehr als aktuell investiert wird. In die fossilen Energien wird dagegen bis zu 650 Milliarden Dollar pro Jahr investiert. Und zwar mehr als insgesamt global an Klimafinanzierung existiert. Und die fossile Förderung steigt immer noch.
Das Finanzierungsbedürfnis
Wir müssen bis zu einer Billion Dollar pro Jahr bis 2030 investieren, wenn wir die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen wollen; aktuell investieren wir 250 Milliarden pro Jahr. Wie das Finanzierungsbedürfnis im Detail aussieht, zeigt Abbildung 15.4:
Eine hässliche Abbildung
Abbildung 15.5 sollte eine visuelle Zusammenfassung von Kapitel 15.6 sein. Ist aber einfach nur grauenhaft:
Das finanzielle Risiko der Klimakrise
Früher hat sich die Wirtschaft im Klimaschutz engagiert, um aus ethischen Gründen gut da zu stehen. Heute stellt sie fest: Man kann das auch aus handfesten finanziellen Gründen tun.
Denn die Krise birgt jede Menge Risiken für die Wirtschaft. Das globale BIP wird ohne Maßnahmen bis 2080 um 7% sinken; mit Maßnahmen nur um 1%. Ohne Maßnahmen erhöht sich auch das Risiko für Bankenkrisen; für die Versicherungen, und so weiter. Und sehr viele assets werden wertlos werden, wenn man nichts tut.
Die Risiken der Klimatransformation kann man sich in Abbildung 15.6 ansehen:
Kryptowährungen & Co
Wer nachhaltig investieren will, kann sich mit “Green Bonds” beschäftigen (hier sind Details. Dafür, dass das dem Klima hilft, gibt es aber noch keine Belege.
Sehr wohl Belege gibt es aber dafür, dass Kryptowährungen wie Bitcoin dem Klima schaden können. Wie sehr? Kann man sich bei der Uni Oxford ansehen - oder im neuen Buch der Science Busters nachlesen: “Wissenschaft ist das, was auch dann gilt, wenn man nicht dran glaubt: Das große Jubelbuch der Science Busters”.
Es gibt genug Geld
Zum Schluss stellt der IPCC-Bericht explizit fest, dass es genug Geld gibt. Es ist nur nicht da, wo es sein soll: ”There’s no shortage of money globally: it is simply that it has yet to travel to where it’s most needed.”
Claudia hät einen Vortrag
Am 28. Dezember 2022 wird Claudia in einem Online-Talk über ihrer Erfahrungen beim Klimabericht sprechen. Mehr Infos gibt es hier
Kapitel 15 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
Hinweis zur Werbung und zu Spenden
Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.
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DK072 - Die Tragödie des Gemeinguts
…und warum gründen wir keinen Klimaklub?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 72 geht es um die internationale Zusammenarbeit beim Klimaschutz. Oder halt das Fehlen der internationalen Zusammenarbeit, je nachdem. Wir reden auf jeden Fall über das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCC), das Kyoto-Protokoll und das Pariser Klimaabkommen. Haben die was gebracht und wenn ja, was? Und wenn nein, warum nicht? Außerdem: Die Gefahren des Solar Radiation Managements aus politischer Sicht.
SLAPP-Klagen gegen Klimaschutz
“SLAPP” steht für “Strategic Lawsuits against Public Participation” und bezeichnet Klagen, die von Firmen oä zur Einschüchterung genutzt werden. Wir sind zum Glück nicht verklagt worden…
Es wird international!
Das Klima ist ein globales Phänomen und die Klimakrise ebenfalls. Das heißt, dass auch die Lösung dafür international gefunden und umgesetzt werden muss. Deswegen wurde 1992 das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (United Nations Framework Convention on Climate Change - UNFCCC gestartet. Da sind fast alle Länder der Welt mit dabei (bis auf den Vatikan), aber nur weil man dabei ist, muss das noch nichts heißen. Gleiches gilt für die aus dem UNFCCC entstandenen Kyoto-Protokoll und dem Pariser Klimaabkommen.
Es kommt vor allem auch darauf an, wie man das Problem einbettet, d.h. das Framing. Bisher ging das mit dem “Global Commons Problem”: Wenn alle gemeinsam für etwas zuständig sind, dann fühlt man sich als einzelnes Land weniger verantwortlich, als es nötig wäre. Internationale Zusammenarbeit kann das ändern, zumindest im Prinzip. Mehr zu dieser “Tragödie des Gemeinguts” kann man hier sehen und in der Realität ist es eben tatsächlich oft eine Tragödie: “Warum sollen wir was machen, wenn in China nix gemacht wird?” - solche Sätze sind nicht nur falsch, sondern leider auch sehr häufig. Damit sich das ändert, muss man die Spielregeln der internationalen Zusammenarbeit ändern.
Man könnte die Transformation an sich als Framing verwenden, aber da fehlt leider noch ein simpler Indikator, um zu messen, wann und ob eine Transformation erfolgreich ist.
Wie bewertet man Klimaabkommen?
Klimaabkommen gibt es einige, aber um zu wissen, ob sie was bringen, muss man sie irgendwie bewerten. Dafür braucht es Kriterien und die werden im IPCC-Bericht auch vorgestellt. Aber leider sind die alle ein wenig “weich”:
Der/die/das UNFCC
Seit 1992 gibt es das UNFCCC, seit 1997 das Kyoto-Protokoll und seit 2015 das Pariser Klimaabkommen. Bei Kyoto hat man einen “Top Down”-Ansatz gewählt, also quasi von oben vorgeschrieben, was sich ändern soll. Beim Pariser Abkommen hat man einen “Bottom Up”-Ansatz verwendet und die Länder selbst entscheiden lassen, was sie tun wollen. Und was passiert, wenn ein Land sich dem Abkommen verweigert? Überraschenderweise ist das Pariser Klimaabkommen recht stabil, trotz Menschen wie Donald Trump.
Kyoto und Paris: Was bringen Klimaabkommen?
Die Klimaabkommen von Kyoto und Paris sind sehr unterschiedlich, wie man in dieser langen Tabellen sehen kann:
Es geht vor allem aber auch um die Frage, was sie bringen. Dazu kann man zuerst einmal einen Blick in das Parise Rulebook werfen, dass einem sagt, wie man mit dem Pariser Abkommen umgehen soll. Insbesondere ist die Kooperation wichtig, aber die Frage nach dem Erfolg der Abkommen ist immer och unbeantwortet. Und das was man weiß, ist schwer zu verstehen weil es so vage klingt:
Es gibt aber immerhin ein bisschen Attributionsforschung dazu, wie man hier sehen kann:
Solar Radiation Modification
Über “Solar Radiation Modification” haben wir schon ein paar mal gesprochen. Bei SRM geht es darum, die Welt so zu verändern, das mehr Sonnenlicht reflektiert wird. Zum Beispiel durch Ausbringung von Aerosolen in der Atmosphäre. Das hilft zwar nicht nachhaltig beim Klimaschutz, kann aber unter Umständen attraktiv für populistische Politiker sein (siehe dazu auch hier). Aber was, wenn ein Land aus welchen Gründen auch immer einen Alleingang in Sachen SRM plant, wie zB im Buch “The Ministry for the Future” von Kim Stanley Robinson beschrieben? Das könnte sehr negative Folgen haben und hier ist die internationale Zusammenarbeit besonders wichtig.
Weiterführende Informationen
Kapitel 14 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
Hinweis zur Werbung und zu Spenden
Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.
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