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DK071 - Brauchen wir die Ökodiktatur?
…und wann kriegt Österreich endlich ein Klimagesetz?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 71 müssen wir über Politik reden. Denn davon handelt Kapitel 13 des IPCC-Berichts. Wir fragen uns, wann Österreich endlich ein Klimagesetz bekommt. Und was solche Gesetze bringen. Wir stellen fest, dass demokratische Systeme besser für den Klimaschutz sind; ebenso wie grüne Parteien. Klimaklagen lohnen sich; Emissionshandel nur dann, wenn er richtig abläuft. Und es reicht bei weitem nicht, einfach nur ein Netto-Null-Ziel festzulegen. Man muss auch einen Plan haben!
Wir müssen über Politik reden
Kapitel 13 heißt “National and Subnational Policies and Institutions”. Aber im wesentlichen geht es um Politik. Um Institutionen, Normen, Regeln, Gesetze und den ganzen Rest, der steuern kann, wie sich das Klima schützen lässt.
Wo bleiben die Klimagesetze?
Klimagesetze sind Gesetze, die sich ums Klima kümmern. Das ist vage, lässt sich aber nicht ändern. Sie können aber, wenn sie gut gemacht sind, Plattformen schaffen, Sicherheit bieten und sind speziell für ärmere Länder wichtig um Investitionen anzuziehen. Was es für Klimagesetze auf der Welt gibt, kann man sich in der “Climate Change Laws of the World”-Datenbank anschauen. Aktuell haben 56 Länder Klimagesetze und diese 56 Länder erzeugen insgesamt 53 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Die Zahl der Gesetze ist in den letzten Jahren stark gestiegen, von 342 im Jahr 2010 auf 694 im Jahr 2020.
In den Gesetzen steht allerdings nicht immer das drin, was aus wissenschaftlicher Sicht drin stehen sollte. Und ihre Wirkung auf die Treibhausgasemissionen ist schwer einzuschätzen. Aber schaden tun sie hoffentlich nicht. Wo es Gesetze gibt, zeigt Abbildung 13.1
Kein Klimaschutzgesetz hat Österreich. Da warten wir schon bald das dritte Jahr darauf - aber die ÖVP bremst leider. Deutschland hat immerhin seit 2019 das Bundes-Klimaschutzgesetz
Nationally Determinend Contributions
Über die NDCs haben wir schon ausführlich in Folge 62 gesprochen. Das ist das, was die Länder laut Pariser Klimaabkommen machen sollen. Aber nur 10 Prozent der Länder haben einen wirklich guten Plan.
Brauchen wir die Ökodiktatur?
Strukturelle Faktoren wie Ressourcen oder das politische System spielen eine Rolle, bestimmen die Klimapolitik aber nicht alleine. Ander Akteure können das beeinflussen, zum Beispiel die Gesellschaft oder die Wirtschaft.
Auf jeden Fall ist es gut fürs Klima, wenn die Öffentlichkeit möglichst weit und transparent am politischen Prozess teilhaben kann. Gleiches gilt für das Wahlsystem: Wenn es auf proportionaler Repräsentation beruht ist das besser fürs Klima als zB ein Zweiparteiensystem. Was auch gut fürs Klima ist: Korporatismus und die Einbindung von Sozialpartnern ins politische System. Außerdem sind grüne Parteien gut fürs Klima, im Gegensatz zu Korruption.
Wer steuert Klimapolitik?
Die Politik kann natürlich jede Menge steuern; tun das aber hauptsächlich dann, wenn sie sich davon Wählerstimmen erhoffen können. Die Wirtschaft macht mal dieses und mal jenes; und die fossile Industrie macht vor allem schlechte Stimmung für Klimaschutz. Aktivismus kann durchaus Einfluss auf Klimagesetzgebung nehmen und hat das auch schon getan.
Klimaklagen
Klimaklagen werden immer häufiger; finden aber trotzdem noch vor allem in den USA statt. In den meisten Fällen richten sich die Klagen gegen die Regierung, damit die mehr für den Klimaschutz tut. Das ist durchaus auch erfolgreich, zum Beispiel im Fall Urgenda v State of the Netherlands 2015. Sehr viel mehr Fälle kann man sich in der Climate Change Litigation Database ansehen.
Medien in der Klimakrise
Die Berichterstattung der Medien über die Klimakrise wächst; in allen Medien. Auch in der Popkultur und irgendwann reden wir auch noch mal über Kinofilme und Computerspiele. Die Korrektheit der Berichterstattung ist auch gestiegen; aber nicht überall, vor allem in den USA gibt es immer noch viele Probleme.
CO2 ab Hof: Emissionshandel und CO2-Steuern
Man kann jede Menge regeln um dem Klima zu helfen. Zum Beispiel durch CO2-Steuern. Die gibt es mit Stand 2021 in 27 Ländern, die Steuern sind aber meistens viel zu gering und außerdem auch noch unpopulär.
Emissionshandel kann man auch machen: Da wird eine bestimmte Emissionsmenge festgelegt und Zertifikate dafür an alle Akteure verteilt. Wer dann am Ende mehr verbraucht hat als vorgesehen, muss zusätzliche Zertifikate von denen kaufen, die sparsamer waren. Gibt es derzeit in 38 Ländern. Und es bringt auch was; und es würde noch mehr bringen, wenn die Preislevel dem Stand der Wissenschaft angeglichen würden. Eine Tonne CO2 müsste 170 bis 290 Dollar kosten, wenn wir das 1,5 Grad Ziel erreichen wollen; derzeit liegt der Preis zwischen 40 und 80 Dollar.
Sehr viel bringen würde es, wenn man die Förderung fossiler Energien stoppt. Denn da wird wirklich SEHR viel Geld reingesteckt, wie Abbildung 13.5 zeigt:
Netto-Null-Ziele
Welche Länder für ihre Emissionen Netto-Null-Ziele festgelegt haben, kann man in der Zerotracker-Datenbank ansehen. 131 Länder haben sich dazu auf die eine oder andere Art geäußert; aber nicht alle davon haben einen Plan wie das erreicht werden soll. Wozu auch Deutschland gehört…
Geht's auch ein bisschen schneller?
Klar geht es schneller. Es braucht nur vernünftige Politik, die konkrete Maßnahmen setzt, die umfassend sind, nachhaltig und langfristig. Und die sich Gedanken über die soziale Absicherung der Menschen macht, die kurzfristig durch die Transformation negative Auswirkungen spüren.
Weiterführende Informationen
Kapitel 13 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
Hinweis zur Werbung und zu Spenden
Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.
Kontakt und weitere Projekte
Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
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DK070 - Wo bleibt der große CO2-Sauger?
…und wer schreibt endlich den IPCC-Roman?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 70 geht es um “sektorenübergreifende Perspektiven”. Das klingt sehr öde, weswegen wir stattdessen über Methoden reden, wie man CO2 direkt aus der Luft filtern kann. Was aber exakt so eine sektorenübergreifende Perspektive ist. Außerdem geht es um künstliche Verwitterung und andere Wege, die man “Geoengineering” nennen kann, die durchaus Potenzial haben, aber bei weitem nicht genug, um unser Klimaproblem lösen zu können.
Was bitte sind "Sektorenübergreifende Perspektiven"?
Unter dem Begriff “Sektorenübergreifende Perspektiven” kann man verschiedene Dinge verstehen. Aber im Prinzip geht es um Maßnahmen, die in mehr als einem Sektor eingesetzt werden bzw. nicht einem Sektor zugeordnet werden können. Zum Beispiel, wenn man CO2 irgendwo einfängt und bindet oder Abwärme von Chemiebetrieben zur Heizung von Gebäuden verwendet. Vermeiden muss man dabei “Carbon Leakage”, also wenn die Reduktion in einem Sektor zu Emissionserhöhung in anderem Sektor führt.
Was kostet die Weltrettung?
Bei der Kapitelüberschrift “Aggregation der sozialen Kosten” stellen wir fest, dass wir uns einen gut lesbaren und spannenden IPCC-Roman wünschen anstatt des trockenen Berichts. Und in gewissen Sinne gibt es sowas schon, nämlich die “Science in the Capital”-Romane von Kim Stanley Robinson (Teil 1, Teil 2, Teil 3]).
Auf jeden Fall müssen wir im Jahr 2030 circa 60 Milliarden Tonnen CO2e weg kriegen, pro Jahr und das kostet. Was man fürs Geld kriegen kann, zeigt Abbildung 12.1
Man kann in jedem Sektor was machen! Mehr als die Hälfte des Potenzials kriegt man schon für 0-20$. Aber wenn man sich nur auf die billigen Methoden beschränkt, erreicht man nur eine Reduktion von 38 Milliarden Tonnen. Deswegen muss man das Potenzial erhöhen und das geht nur sektorenübergreifend.
La réduction du dioxyde de carbone
Nachdem wir uns gefragt haben, was “CDR”(Carbon Dioxide Removal) auf französisch heißt, widmen wir uns zwei anderen Methoden, nämlich BECCS und DACCS. Ersteres (bioenergy with carbon capture and storage) hatten wir schon in früheren Folgen, deswegen schauen wir uns heute DACCS an, was für “Direct Air Carbon Capture and Storage” steht. Es geht um Methoden, CO2 direkt aus der Luft einzufangen und irgendwo zu speichern.
Was es da alles gibt, sieht man in Abbildung 1 der Box CC 8:
Wir holen das CO2 direkt aus der Luft
CO2 kann man aus der Luft holen und im Boden speichern. Oder als Rohstoff nutzen. Diese DACCS Methoden können aber nur ein Extra sein und sind nicht in der Lage, andere Maßnahmen zu ersetzen. Vor allem braucht das Energie und damit CO2-freie Energiequellen. Ein weiteres Problem ist die dauerhafte Lagerung des CO2, die Konkurrenz der Anlagen zu anderen Arten der Land- und Wassernutzung. Und vor allem: Es gibt noch keine richtigen Studien zum Potenzial von DACCS. Und DACCS-Methoden neigen dazu, das Timing von anderen Maßnahmen zu verschieben.
*Hier wird noch von Hand verwittert+
Eine andere DACCS-Methode ist “enhanced weathering”. Bei der Verwitterung von Gestein wird CO2 gebunden und diesen natürlichen Prozess könnte man ja beschleunigen. Zum Beispiel wenn man Gestein zermahlt und dadurch dessen Oberfläche erhöht. Hat man bisher aber nur im Labor und bei kleinen Feldversuchen gemacht. Ein Problem ist die Frage, was mit dem Staub passiert, denn der liegt ja irgendwo rum, geht ins Wasser und so weiter. Das weiß man noch nicht.
In der Studie “Carbon dioxide removal through enhanced weathering of basalt on agricultural land – Assessing the potential in Austria” hat man sich das Potenzial dieser Methode für Österreich angeschaut und festgestellt: Wenn man alle Ackerflächen mit Basaltstein bedeckt, braucht man 5% des gesamten Stroms zum Zermahlen und kriegt trotzdem nur eine CO2-Reduktion von 2%.
Schmeissen wir das CO2 doch ins Meer
Im Meer kann man CO2 (vermutlich) sehr lange speichern. Zum Beispiel wenn man Eisendüngung und andere Mineralien nutzt um das Pflanzenwachstum im Meer zu erhöhen. Hat man aber auch nur im Labor getestet bist und es ist unklar, wie lange das CO2 wirklich drin bleibt.
Wie realistisch ist das alles?
Wo sind die Problemen bei all diesen Methoden? Sieht man in Abbildung 12.4:
Sektorenübergreifende Lebensmittel
Lebensmittel sind auch ein Bereich, der alle Sektoren betrifft. Reden wir aber nur kurz drüber, denn das haben wir schon oft behandelt.
Es braucht mehr Forschung
Wir stellen fest: Es braucht bei dem Thema mehr Forschung; vor allem was das Framing und die Kommunikation angeht. Denn wenn man so tut, als wären CDR, BECCS, DACCS & Co die einzigen Lösungsansätze, wäre das nicht so toll fürs Klima.
Weiterführende Informationen
Kapitel 12 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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DK069 - Im Baumarkt der Klimakrise: Klimaschutz und Industrie
…und wer braucht ernsthaft Plastikstrohhalme?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 69 reden wir über die Industrie. Stahl, Zement, Beton, Plastik: Wir machen einen Ausflug in den großen Baumarkt des industriellen Sektors und schauen, was da in Sachen Klimaschutz möglich ist. Überraschend viel! Auch wenn - wie immer - die Politik die ganze Angelegenheit erheblich bremst.
Was und warum ist Industrie?
Der industrielle Sektor ist die größte globale Quelle an Treibhausgasen, wenn man die direkten und die indirekten Emissionen berücksichtigt. 65 Prozent der Emissionen dieses Sektors kommen von der Schwerindustrie. Der IPCC-Bericht präsentiert uns eine detaillierte Version der Kaya-Identität, die uns zeigt, wie sich diese Emissionen zusammensetzen.
Welche Optionen wir da für die Zukunft haben, zeigt uns Abbildung 11.1:
Industrielle Trends
In der Vergangenheit wurden die Emissionen von Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum getrieben worden. Die Emissionen in der Industrie sind generell gestiegen; die gesteigerte Energieffizienz hat das nicht verhindern können; auch die Materialeffizienz nicht.
Wachstumsrate der Industrieemissionen ist zwar in den letzten Jahren um 1% gesunken. Um die Emissionen nachhaltig zu verringern braucht es aber ein Negativwachstum um 9 Prozent pro Jahr bis 2050.
Materialeffizienz
Materialeffizienz kann man aus zwei Blickwinkeln betrachten. Wir können das, was produziert wird, entweder länger und öfter nutzen. Oder gleich darauf schauen, dass wir weniger Material brauchen, um etwas herzustellen.
Ein Blick in unser Materiallager
Was haben wir alles und wie viel davon? Sehr viel! Die Materialien der Industrie sind von 36 Milliarden Tonnen im Jahr 1900 auf 1100 Milliarden Tonnen im Jahr 2020 gestiegen. Die Menge hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt und das meiste davon ist Zeug, das wir zum bauen nutzen; insbesondere Beton.
Das mit der Materialeffizienz funktioniert noch nicht so richtig, da wegen falscher Politik die Anreize dafür fehlen.
Zwei Drittel der globalen Energie braucht die Industrie, sie dominiert den Energieverbrauch.
Welche Industrie macht welche Emissionen?
Im Jahr 2019 kam der Hauptteil der Emissionen aus der Verbrennung (7 Gigatonnen), 6 Gigatonnen kamen aus Strom und Wärme. Der gesamte Sektor setzt circa 20 Gigatonnen frei. Es ist aber auch ein Problem der Buchhaltung; es kommt immer drauf an, wie und wann das CO2 in den industriellen Produkten wieder freigesetzt wird.
Welche Weltgegenden wie viele Emissionen erzeugen, kann man in Abbildung 11.5 sehen:
Vor allem China hat hier wirklich zugeschlagen. Dort wurde aber auch zwischen 2000 und 2012 jeden Monat 12 schwerindustrielle Projekte gebaut!
Sechs Strategien für die Zukunft
Sechs Hauptoptionen haben wir für eine bessere Zukunft: Materialnachfrage, Materialeffizienz
Wie das mit der Materialeffizienz aussieht, kann man sich in Abbildung 11.7 ansehen.
Der Sinn einer Kreislaufwirtschaft ist klar: Besser reparieren als neu kaufen. Ist aber eine Sache des Designs.
Wie wichtig Recycling ist, sieht man am Aluminium und in Abbildung 11.8:
Wundermittel Wasserstoff
Momentan produzieren wir global 70 Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr. 76% davon kommen aus Erdgas, 23% aus der Kohle. Das heißt: Die Wasserstoffproduktion ist für 5% der Emissionen aus dem Industriesektor verantwortlich.
Carbon Capture
CO2 aus der Industrie einzufangen und zu nutzen bzw. zu speicher ist natürlich prinzipiell gut. Es kommt aber drauf an wie man es macht; man kann aber sogar negative Emissionen kriegen. Erforscht und politisch ausgearbeitet ist das aber alles noch nicht.
Es geht um Stahl
Die Stahlproduktion ist überall gestiegen; 2019 war sie für 20% der direkten Emissionen aus dem Sektor verantwortlich. Um das zu verbessern kann man zum Beispiel Schrott nutzen. Oder was an den Methoden der Stahlherstellung machen. Momentan werden 73 Prozent des Stahls mit dem Blast furnace-basic oxygen furnace Verfahren produziert, mit Lichtbogenöfen macht man 26% des Stahls.
Man kann klassische Hochöfen mit CCS/CCU-Kapazität ausrüsten; ist aber teuer und nicht so effektiv. Besser wäre es, das alles gleich neu zu bauen und auch nicht wirklich teurer. Man kann auch ganz neue Methoden verwenden, an denen gerade geforscht wird und die die Stahlproduktion vielleicht komplett CO2-neutral machen können.
Zement
Bei Zement lässt sich sehr schwer was einsparen. 14% der globalen Emissionen aus Industrie stammen vom Zement. Was aber möglich ist: Besseren Beton produzieren, denn dann braucht man weniger davon. Oder gleich andere Materialien als Beton und Zement nutzen. Das braucht aber Aufklärung und Bildung für alle, die das Zeug nutzen und herstellen.
Chemikalien
Die chemische Industrie braucht am meisten Energie und ist der drittgrößte Emittent des Sektors. Vor allem die Produktion von Ammoniak ist kritisch; und für 30% der CO2-Emissionen der chemischen Industrie verantwortlich. Kann man ändern, wenn man alles elektrifiziert oder synthetischen Kohlenstoff bzw. Biomasse als Ausgangsmaterial verwendet.
Plastik
Die globale Produktion von Plastik ist massiv gestiegen; um 8.4 Prozent pro Jahr und doppelt so schnell als das Bruttosozialprodukt. In den entwickelten Ländern nutzen wir 20 mal mehr Plastik pro Kopf als anderswo und es gibt keine Anzeichen, dass das weniger wird. 14% des globalen Öls und 8% des globalen Erdgases werden für Plastik genutzt und die Plastikproduktion ist für fast 2 Milliarden Tonnen CO2e pro Jahr verantwortlich
Druck auf die Industrie
Die Chemie wird sich mit anderen Sektoren zusammentun müssen, zum Beispiel der Forst- und Landwirtschaft. Auch die Stadtplanung muss involviert werden, dann kann man zum Beispiel die Abwärme der Industrie zum Heizen verwenden (in Dänemark passiert das schon bei 5% der Haushalte). Nicht vergessen werden dürfen auch die Auswirkungen der Klimakrise auf die Industrie - und die der Politik, die die Industrie bis jetzt aktiv vor den Kosten der Klimakrise geschützt hat.
*Was passiert in Zukunft?
Die Dekarbonisierung der Industrie ist bis 2050 möglich. Aber alles was wir jetzt machen muss enorm hochskaliert werde, damit das funktioniert. Außerdem braucht es multi-institutionale Koordination, und konkrete politische Maßnahmen mit detaillierten Vorgaben und transparenten Prozessen zur Überwachung. Tja.
Wie solche politischen Maßnahmen aussehen können, zeigt Abbildung 11.15:
Klimavernetzung in NRW
Das Projekt IN4climate.NRW wird vom IPCC extra hervorgehoben. Das ist ein ”Thinktank für die klimaneutrale Industriezukunft. Impulse für NRW und darüber hinaus.” Kann man machen, auch wenns komisch klingt.
Treibhausgaslabels
Wenn auf unseren Produkten steht, wie viele Kalorien sie haben, dann kann man doch auch drauf schreiben, wie viel CO2 bei ihrer Herstellung emittiert wurde, oder? Ja, kann man, sagt der Bericht und es würde auch helfen. Aber die Politik muss es halt machen. Und das ist auch das Fazit: Es braucht ein kohärentes politisches System, damit sich die Industrie darauf einstellen kann. Sonst wird das alles nix.
Weiterführende Informationen
Kapitel 11 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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DK068 - Atomuboot und Pogostock: Der Verkehr der Zukunft
…und was tanken wir da eigentlich?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 68 geht es um den Verkehr. Der erzeugt nicht nur sehr viel Treibhausgas sondern beeinflusst auch unser tägliches Leben massiv. Wir schauen also wo aktuell der meiste Verkehr stattfindet (auf der Straße) und was man dagegen tun kann. Wie kriegt man Flugzeuge und Schiffe klimaneutral? Was bringen selbstfahrende Autos? Und sollten wir vielleicht alle doch auf Pogostöcke umsteigen, wie es uns Goofy schon 1943 geraten hat?
Wir transportieren uns in Kapitel 10
In Kapitel 10 geht es um Transport. Und der ist natürlich wichtig. Erstens, weil wir alle von A nach B müssen und darauf angewiesen sind, dass Dinge von A nach B gebracht werden. Und zweitens, weil wir die Klimaziele nicht erreichen, wenn wir nicht auch Verkehrssektor transformieren. In 40% der Länder ist der Verkehrssektor der größte Faktor bei der Klimakrise.
Was ist Verkehr eigentlich? Es gibt verschiedene Dimensionen anhand denen man das beschreiben kann: 1) Wo findet Verkehr statt: Im Wasser, auf Land, in der Luft und so weiter. 2) Was wird transportiert: Personen, Güter, etc. Und 3) Wie findet Verkehr statt: Wie groß ist das Verkehrsmittel, welche Antreibsart wird verwendet, welcher Treibstoff, und so weiter.
Wie es aktuell mit dem Verkehr aussieht zeigt Abbildung 10.1:
Allein vom Verkehr auf der Straße stammen 69% der Emissionen. Und wir fragen uns: Was sind die “anderen” Verkehrsarten in dem Diagramm? Dazu empfiehlt Florian den Disney-Film “Victory Vehicles” aus dem Jahr 1943, wo der Pogo-Stock als ultimatives Verkehrsmittel präsentiert wird. Kann man sich auch online ansehen.
Die Energieeffizienz ist zwar sehr wichtig, hat aber nicht so viel gebracht, weil wir das Verkehrsaufkommen schneller gesteigert haben als die Effizienz gestiegen ist.
Wie groß ist eigentlich so dein Auto?
Autos sind ein Problem; große Autos sind ein großes Problem. SUVs waren 2018 die am meisten verkauften PKWs, 39% davon waren große, schwere Geländewagen und die sind sicherlich nicht alle im Wald eingesetzt worden.
Wie kriegen wir das besser?
Im Verkehrssektor kann man natürlich auch die Avoid, Shift, Improve Taktik einsetzen. “Avoid” ist klar: Weniger Transport. Was “shift” angeht kann man zum Beispiel Fahrgemeinschaften, priority lanes und ähnliches einsetzen. Und “mobility as a service” wird wichtig werden. Darunter fällt zum Beispiel eine App, bei der Navigation und Bezahlung vereinfacht sind; in der viele Mobilitätsarten zusammengefasst werden. Aber auch sowas wie das Klimaticket in Österreich.
Außerdem empfehlen wir noch mal das Buch “Autokorrektur” von Katja Diehl.
Was bringen selbstfahrende Autos?
Als “improve”-Strategie kann man bessere Kraftstoffe verwenden. Oder aber selbstfahrende Autos. Die würden weniger Staus verursachen und weniger Unfälle. Und auch vielen Menschen mehr Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. Aber wenn alle auf einmal selbstfahrende Autos nutzen, ist das aus Klimasicht auch eher doof.
Die Treibstofffrage: Autoscooter für die Zukunft?
Apropos: Was tanken wir denn in Zukunft so? Das zeigt Abbildung 10.2:
E-Autos und Shared Economy
Eine shared economy ist prinzipiell nicht schlecht. In diesem Kontext heißt das zum Beispiel: Sammeltaxis, Buse, etc. Aber auch hier gibt es Problem, zum Beispiel Leerfahrten.
Wenn es um E-Mobilität geht, dann gibt es viele Daten was die “Life Cycle Analysis” angeht, aber nicht bei elektrischen Zweirädern. Da fehlt noch Forschung. Und nichts neues gibt es bei den Gründen, die Menschen daran hindern, auf E-Autos umzusteigen: Sorge um die Reichweite, die Kosten, die fehlende Infrastruktur, und so weiter.
Außerdem empfiehlt Claudia einen Blick auf das Spiel “Astroneer”.
Schiffe und Flugzeuge
Der Schiffsektor braucht braucht Forschung und Entwicklung. Der Flugsektor auch. Hier lässt sich auf jeden Fall nicht alles so schnell transformieren.
Relevant ist Ammoniak, denn das ist kompatibel zur aktuellen Infrastruktur, wenn es flüssig ist. Dafür muss es aber unter Druck gesetzt werden. Die Schifffahrt hat Erfahrung damit, denn die transportieren das jetzt schon. Ammoniak könnte also ein guter Kraftstoff für Schiffe sein.
Das Auto im Stromnetz
Man kann E-Autos auch als Speicher verwenden und an das Stromnetz hängen. Autos können so bei der Umstellung anderer Sektoren helfen.
Fliegen oder nicht?
Fliegen trägt 4% zum Treibhauseffekt bei. Klimaneutrales Fliegen wäre super und wie das vielleicht gehen könnte, erklärt ein Podcast des KIT. Das Problem sind aber unter anderem die Sicherheitsrichtlinien, die international gelten und Innovation schwer machen.
Die Zukunft des Transports
Es gibt unterschiedliche Wege in eine Zukunft mit weniger CO2, die man sich in Abbildung 1 von Box 10.4 ansehen kann:
Jetzt stellt sich die Frage: Kriegen wir das hin? Was für Probleme gibt es? Das sieht man in Abbildung 10.23:
Weiterführende Informationen
Kapitel 10 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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DK067 - Pullis für den Klimaschutz?
…und wie bauen wir klimafreundliche Gebäude?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 67 geht es um Gebäude. Das klingt nicht so spannend. Aber wir wohnen alle in Gebäuden. Und wir arbeiten in ihnen. Sie sind wichtig! Und überraschend vielfältig. Man kann viel tun, um Gebäude klimafreundlich zu machen. Sich einen Pulli anzuziehen statt die Heizung aufdrehen ist nur ein Schritt (und selbst der fällt uns schwer).
Gebäude!
Es geht um Gebäude! Und das ist zwar prinzipiell sehr interessant und relevant. Und wir wohnen ja auch alle meistens in Gebäuden. Aber Florian fand das Kapitel trotzdem schwierig; Heimwerkertyp ist er auch keiner. Aber fürs Klima ist alles was mit Bauen und Gebäuden zu tun hat natürlich enorm wichtig.
2019 stammten 21% der globalen Emissionen aus dem Gebäudesektor; 57 Prozent davon waren indirekte Emissionen, zum Beispiel durch Strom und Heizung der Gebäude; 24 Prozent kamen direkt vom Bau und 18 Prozent von der Herstellung der Materialien.
Die Menge an CO2 die der Gebäudesektor freisetzt, steigt an; man muss aber unterscheiden zwischen den Gebäuden in denen jemand wohnt und die, die nicht zum wohnen gedacht sind. Gerade die Wohngebäude sind sehr energieintensiv und haben 70% der globalen Energienachfrage ausgemacht. Gestiegen ist diese Nachfrage in den letzten Jahren aber vor allem in den Gebäuden, die nicht zum Wohnen gedacht sind.
Was ist eigentlich ein Gebäude und was macht es so?
Gebäude sind - wenig überraschend - vielfältig. Vom Wohnhaus über die Kirche bis zum Schweinestall ist alles möglich. Was genau der IPCC-Bericht unter einem Gebäude versteht und was der Zweck der Gebäude sein kann, zeigen Abbildungen 9.1 und 9.2:
Gebäude und Klima im Wandel der Zeit
Wie sich der Energieverbrauch und die Emissionen bei Gebäuden im Laufe der Zeit verändert haben, kann man sehr schön in Abbildung 9.3 sehen:
Eine Formel!
Und plötzlich stoßen wir in Kapitel 9 auf eine Überraschung! Dort befindet sich eine Formel; die zweite im kompletten IPCC-Bericht, bis jetzt. Es geht darin um die verschiedenen Faktoren, die zu den Emissionen aus dem Gebäudesektor beitragen. Natürlich die Weltbevölkerung, deren steigen 28% beitrug. Fehlende Politik die nachhaltiges Bauen regelt trug 52% bei; die fossilen Brennstoffe im Energiemix machten 16% aus und die effizienteren Geräte und Techniken haben die Emissionen um 49% sinken lassen.
Wie viele Fläche kriegt jeder von uns?
Wie sich die Wohnfläche pro Kopf verändert, kann man in Abbildung 9.6 anschauen:
Welche Energie haben wir in den Gebäuden?
Der Anteil von Kohle in der Nutzung von Wohngebäuden ist um 59% gesunken; die Nutzung von Solarthermie und Geothermie ist gestiegen. Die Nutzung von Gas ist dagegen um 75% gestiegen. Abbildung 9.8 zeigt alles im Detail:
Trends im Wohnbau
Wir stellen fest, dass wir ein Trendpodcast sind. Und dass es einen Trend zu mehr Klimaanlagen gibt; bis 10 Milliarden mehr davon werden bis 2050 installiert werden. Was Probleme mit den Treibgasen under Ozonschicht nach sich ziehen wird. Ebenfalls ein Trend: Datenzentren, die jetzt schon 2% des globalen Energieverbrauchs beanspruchen.
Baumaterialien
Wenn man baut, braucht man Zeug. Die Energiekosten zur Produktion der Baumaterialien sind bekannt; die CO2-Emissionen eher weniger:
Stahl ist auf jeden Fall doof, Adobe nicht-
Energie sparen!
Wo und wie man Energie einsparen kann, kann man sich in Abbildung 9.11 ansehen:
Lagerhäuser
Lagerhäuser machen 11% der Treibhausgase des Logistiksektors aus. Und historische Gebäude 30-40% des Gebäudebestands in Europa.
Pulli vs Heizung
Um Energie zu sparen kann man aktives und passives Management einsetzen. Aktiv wäre zum Beispiel die Nutzung von Zeitschaltuhren; passives Management kann heißen: Pullis anziehen statt heizen. Nur: Das wollen wir nicht so gerne; wir wollen freiwillig nur die Sachen machen, die eher weniger zum Energiesparen beitragen.
Das Einsparungspotenzial von Gebäuden
Wir könnten bis 2050 circa 61% der globalen Emissionen des Gebäudesektors einsparen. Aber nur, wenn wir auch was machen.
Häuser verkaufen!
Sich für klimafreundliche Häuser einzusetzen ist auch gut für die Wirtschaft. Man kann beim Verkauf von Immobilien im Schnitt 7,8% mehr Geld kriegen, wenn man sie klimafreundlich errichtet.
Politik
Es muss mehr investiert werden! Aber es gibt einen sehr großen “Investment gap”. Wir müssen circa 5 mal mehr Geld investieren als jetzt, wenn wir klimafreundliche Gebäude haben wollen.
Weiterführende Informationen
Kapitel 9 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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DK066 - Elektrisch durch die Stadt der Zukunft
…und wer wohnt eigentlich in den Waldstädten?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 66 machen wir einen Ausflug in die Stadt. Wir schauen uns an, was die Städte tun können, um klimafreundlicher zu werden. Eine klimafitte Stadt ist kompakt; man kann dort zu Fuß gehen und es gibt jede Menge Grün. Klingt eh logisch, wird aber trotzdem nicht gemacht. Außerdem reden wir über den Wienerwald, die österreichischen Waldstädte und über Stadtplanung.
Vorschau auf die COP 27
Diese Woche startet die Cop 27, also die 27. UN Klimakonferenz. Da gibt es einiges zu besprechen aber auch einiges zu kritisieren.
Auf in die Städte
Kapitel 8 findet in den Städten der Welt statt. Dazu müssen wir zuerst einmal klären, was eigentlich Städte genau sind. Und dann beschäftigen wir uns mit all dem, was man in Städten zur Abmilderung der Klimakrise tun kann. Die Auswirkungen der Krise auf die Städte hatten wir schon in Folge 38 besprochen.
Klar ist auf jeden Fall: In Zukunft wird es immer mehr Städten geben; bis 2050 werden 68% der Menschen dort wohnen. Viele Städte entwickeln sich jetzt gerade in den Schwellenländern und man muss sich jetzt darum kümmern, dass sie klimafreundlich werden. Es wird auch nicht unbedingt mehr Megacitys geben, eher mehr mittelgroße Städte. Die werden dann auch eher weniger dicht besiedelt sein als jetzt.
Was tun Städte für den Klimaschutz?
In Städten kann man viel für das Klima tun. Der IPCC-Report nennt uns vier Hauptaspekte: Den Energieverbrauch zu senken, möglichst viel elektrifizieren, CO2 speichern und soziale Veränderungen um Energieverbrauch zu senken.
Städte sind außerdem sehr wichtig was den Carbon Lock in angeht. So ne Stadt ist ja ne Zeit lang da. Die Autodominanz von früher darf nicht weiter geführt werde. Wenn wir Städte so weiter bauen wie bisher, schreiben wir uns unnötigen Energieverbrauch für lange Zeit fest. Also: Die Stadtplanung muss anders ablaufen.
Stadtgestaltung und Infrastruktur
Vier Dinge sind wichtig, wenn man Städte klimafreundlich sind: Besiedlungsdichte, der Flächennutzungsmix, die Vernetzung, und Erreichbarkeit der verschiedenen Orte.
Wie sieht eine Stadt aus die möglichst wenig CO2-Ausstoß hat? Sie hat eine mittlere bis hohe Dichte von Wohnungen, Arbeit, Gewerbe; ist kompakt, aber gut vermischt; alles ist gut vernetzt und alles in geringer Entfernung.
Auch die Parzellengröße spielt eine Rolle. Selbst wenn in einem Block alles ist: ein größeret Block ist trotzdem nur mit Auto nutzbar, kleinere Blöcke kann man auch zu Fuß nutzen.
Die beste Stadt für das Klima ist kompakt und begehbar. Allein damit ließe sich bis 2050 20-25% des Energieverbrauchs einsparen. Also immer auch die 5 Ds achten: Density, Diversity, Design,Destination und Distance. Und nicht immer nur auf die Parkplätze.
Auch Radwege lohnen sich (natürlich!): Die Leute fahren lieber und länger mit dem Rad, wenn ein Radweg da ist und wenn er grün ist.
Es muss mehr elektrifiziert werden!
Man muss in der Stadt mit elektrifizierten Öffis vorwärts kommen. Und dabei müssen die Einzugsgebiete angebunden werden. Es braucht PV-Anlagen auf den Dächern und Wärmepumpen.
Und mehr Grün braucht es auch!
Ganz wichtig für eine klimafreundliche Stadt ist die grüne und blaue Infrastruktur, wie man in Abbildung 8.18 sehen kann:
Auch die Stadtbäume sind wichtig. Es kommt aber darauf an, wo sie stehen. In Parks können sie wesentlich klimawirksamer sein als neben der Straße. Auf jeden Fall müssen wir mehr Forstwirtschaft in den Städten betreiben,
Übrigens: Auch wenn Donald Trump was anderes behauptet - in Österreich leben wir nicht alle in Waldstädten.
Begrünte Dächer können den Heizbedarf um 10 bis 30 Prozent senken; begrünte Wände können im Sommer den Energiebedarf für Kühlung um bis zu 26 Prozent reduzieren.
Effizientes Müllmanagement
Eigentlich logisch: Wir müssen nicht nur Abfall vermeiden und mehr recyclen. Sondern auch den Müll nicht so weit transportieren, schon gar nicht in ein anderes Land. Man kann zum Beispiel auch sehr gut lokale Kompostanlagen bauen.
Die Evolution der Stadt
Es gibt Städte die schon alt sind; Städte die gerade sehr stark wachsen und Städte, die erst noch am entstehen sind. Das Wachstum kann in verschiedene Richtungen erfolgen, wie Abbildung 8.20 zeigt:
Und je nachdem gibt es dann unterschiedliche Optionen für den Klimaschutz:
Zum Abschluss Corona
Wenn wir die Städte verdichten und die Öffis ausbauen, besteht dann nicht Gefahr bei Pandemien? Ja, schon auch - aber da kann man sich leicht schützen (Masken!) - vor der Klimakrise nicht so leicht - u.a. weil die auch Pandemien fördert.
Feedbackfrage zu konstruktiveren Inhalten
Michael hat uns gefragt, ob wir nicht konstruktiver über die Klimakrise sprechen können. Im Prinzip schon. Aber in diesem Podcast derzeit nicht.
Weiterführende Informationen
Kapitel 8 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.
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Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
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DK065 - Waldschutz ist Klimaschutz
…und warum ist smarter Kakao oft gar nicht so schlau?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 65 reden wir über den Wald. Und über die Felder. Es geht um Landwirtschaft, Forstwirtschaft, pupsende Tiere und die überraschend schlechte Kimabilanz von Reis. Wir schauen uns an, wo hier die ganzen Treibhausgase herkommen und was man tun kann, damit es weniger werden. Spoiler: Es lohnt sich wirklich, den Wald zu schützen. Und die Bioenergie sollte man auch nicht vergessen; selbst wenn sie nicht die optimalste Strategie zum Klimaschutz ist.
Willkommen im Wald
Das Kapitel 7 von Teil III beschäftigt sich mit AFOLU und das steht für ”Agriculture, Forestry and Other Land Uses”. Also mit all dem, was im Wald stattfindet, in der Landwirtschaft und bei den anderen Dingen, bei denen wir Land nutzen. Das ist wichtig, denn das hat sehr viel Einfluss auf die ganzen anderen Sektoren, zum Beispiel auf die Bioenergie oder die Gebäude, die wir bauen oder nicht bauen. Außerdem kann im AFOLU-Sektor nicht nur CO2 freigesetzt sondern auch aktiv aus der Atmosphäre entfernt werden.
12 bis 21 Prozent aller Treibhausgase kommen von AFOLU; es ist also klar, dass wir uns damit beschäftigen müssen.
Pupsende Tiere und Reis
Gerade bei AFOLU müssen wir aber nicht nur auf das CO2 schauen, sondern auch auf Methan und Lachgas. Das sind ebenfalls sehr starke Treibhausgase, die hier in größeren Mengen anfallen. Das CO2 stammt vor allem als der Landnutzung und der Waldwirtschaft; Methan und Lachgas eher aus der Landwirtschaft. Abbildung 7.3 zeigt das im Überblick:
Man beachte den extra aufgeführten Reisanbau!
Methan und Lachgas
Wo Methan und Lachgas herkommen, kann man sich in Abbildung 7.8 anschauen:
Wer ist schuld an der Abholzung?
Was gar nicht so gut ist für die Welt: Abholzung! Und welche Gründe gibt es, Wald abzuholzen oder nicht? Sieht man in Abbildung 7.9:
Wie viel Wald haben wir denn eigentlich so auf der Erde? Insgesamt 4,1 Milliarden Hektar, das entspricht 31 Prozent der globalen Landfläche. Das meiste davon findet man in Europa und Russland (25%). 21% Wald stehen in Südamerika, 19% in Zentral- und Nordamerika, 16% in Afrika, 15% in Asien und 5% in Ozeanien. Die Top-5-Länder mit dem meisten Wald sind Russland, Brasilien, Kanada, USA und China.
Von 1990 bis 2020 sind ca 178 Mha Wald verschwunden; fünf mal so viel wie die Fläche von Deutschland. Und pro Jahr verschwanden von 1990 bis 2000 circa 7.8 Mha; von 2000 bis 2010 waren es nur noch 4,7 Mha, was aber immer noch 18 Saarländer sind.
Landwirtschafttrends
Überraschenderweise wird die Fläche für die Landwirtschaft global weniger. 2 Prozent, was nicht viel ist - aber wir haben das locker ausgeglichen durch intensivere Landwirtschaft.
Wo Straßen sind, da verschwinden die Bäume
70% der Wälder auf der Welt sind weniger als 1 km vom Waldrand entfernt. Was vor allem daran liegt, dass man immer mehr Straßen durch die Wälder baut. Das fördert die Abholzung und stört die Biodiversität. Pro km legaler Straße im Amazonas existieren geschätze 3 km illegaler Straße.
Wozu brauchen wir den Wald?
Was macht man so im Wald und mit dem Wald? Ein Drittel davon verwendet wir zur Produktion von Holz und anderem Kram. 10% werden für Biodiversitätsschutz genutzt. Circa 8 Prozent dienen dem Boden- und Wasserschutz. Und circa 5% nutzen wir für Erholung, Tourismus, Religion und Kultur.
Was können wir tun?
Im IPCC-Bericht wird zwischen dem technisch und wirtschaftlich machbaren Dingen zur Reduktion der Treibhausgase unterschieden. Technisch machbar ist das, was sinnvollerweise getan werden kann, wenn wir alles nutzen, was uns jetzt zur Verfügung steht. Wirtschaftlich machbar ist das, von dem man ausgeht, das es getan wird, wenn ein bestimmter CO2-Preis vorausgesetzt wird.
Würden wir alle Maßnahmen umsetzen, die wir aktuell kennen, könnten wir im AFOLU-Sektor pro Jahr 8-14 Milliarden Tonnen CO2eq einsparen. Das gilt aber nur für einen CO2-Preis von 100 Dollar pro Tonne. Beim aktuellen CO2-Preis würden wir nur die Hälfte davon einsparen. Würden wir dagegen alles machen, was technisch machbar wäre, wäre auch das doppelte drin!
Generell gilt: Die beste Option ist auf jeden Fall das Wiederaufforsten und das Wiederherstellen von Ökosystemen. Und das Schützen von bestehenden Flächen!
Jede Menge Maßnahmen
Was es alles für Maßnahmen gibt kann man sich in Abbildung 7.11 im Detail anschauen:
Was bringt Bio?
Nutzt es was fürs Klima, wenn wir uns auf Biolandwirtschaft konzentrieren? Nicht unbedingt. Es wird zwar weniger Treibhausgas pro Fläche produziert, man braucht aber auch mehr Fläche für den selben Ertrag. Wie die Art der Landwirtschaft mit dem Klimaschutz zusammenhängt, zeigt Abbildung 1 aus Box 7.5:
Bioenergie und BECCS
Bioenergie kriegen wir, wenn wir Zeug das aus der Landwirtschaft stammt, in Gas, Treibstoff, Wärme, usw umwandeln. Und wenn wir das dabei auftretende CO2 auch noch einfangen und speichern, dann nennt sich das “BECCS”. Ist aber leider alles sehr kompliziert. Das Potenzial für Bioenergie liegt auf jeden Fall bei 4-60 Exajoule pro Jahr, wenn wir nur Zeug verwenden, das anderswo übrig gebliebenist. Und zwischen 46 und 245 Exajoule, wenn wir dezidiert Biomasse für Bioenergie anbauen, dort wo es sinnvollerweise geht. Zum Vergleich: 4 Exajoule sind ein Drittel des US-Energieverbrauchs pro Jahr.
Ein kurzer Blick auf die Ernährung
Eine “nachhaltige, gesunde Ernährung” ist generell zu empfehlen, meint auch die WHO. Der Wechsel zu einer nachhaltigen gesunden Ernährung bringt ein bisschen was in Sachen Klimaschutz, aber es gibt Sachen die mehr bringen auf dem AFOLU-Sektor
Politik und Geld
Tabelle 7.4 zeigt, was man so investieren kann, wenn man gerne will. Aber man sollte auf jeden Fall mehr investieren als die derzeitigen 700 Millionen Dollar pro Jahr. Die reichen längst nicht!
Smarter Kakao
Ein Fallbeispiel für Änderungen in der Landwirtschaft ist der “Climate Smart Cocoa”. Darüber kann man sich hier oder hier informieren. In Ghana hat man probiert, durch die Kombination von Kakao mit anderen anderen Pflanzen den Klimaschutz zu stärken. Die Sache aber leider nicht optimal umgesetzt…
Zwei Botschaften zum Schluss
Ohne weitere Worte, direkt aus dem Bericht:
”Concerted, rapid and sustained effort by all stakeholders, from policy makers and investors to land owners and managers is a pre-requisite to achieving high levels of mitigation in the AFOLU sector.”
“Realizing the mitigation potential of the AFOLU sector depends strongly on policies that directly address emissions and drive the deployment of land-based mitigation options, consistent with carbon prices in deep mitigation scenarios.”
Weiterführende Informationen
Kapitel 7 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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DK064 - Energie!
…und wer möchte gerne im Kernkraftwerk heiraten?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 64 geht es um Energie, Energie und nochmal Energie! Wir schauen uns die diversen Energiearten an und welche Rolle sie für das Klima und den Klimaschutz spielen können. Sonne, Wind, Kernkraft, Bioenergie, Wasserkraft, usw - ist alles mit dabei. Nur leider kein Warpkern und kein Dilithium, so weit ist die Wissenschaft offensichtlich noch nicht. Das Energiesystem der Zukunft, dass der IPCC-Bericht präsentiert sieht aber dennoch vielversprechend aus!
Energie!!
Wir fangen mit den Zeitskalen an. Wenn wir das Ziel des Pariser Klimaabkommens einhalten wollen, sollten wir bis 2050 100% CO2-frei sein; und bis 2030 zumindest 50% CO2-Einsparung im Energiesektor geschafft haben. Und das klingt zwar nach ferner Star-Trek-Zukunft, ist es aber gar nicht (selbst bei Star Trek).
Was sind Energiesysteme?
Ein “Energiesystem” ist nicht nur irgendein Kraftwerk, sondern bezeichnet alle physischen und gesellschaftlichen Elemente die damit zusammenhängen; also nicht nur die Erzeugung, sondern auch Transport und Verbrauch der Energie.
Es gibt sechs 6 Dimensionen die wichtig sind bei der Betrachtung von Energiesystemen:
1) Geophysik: haben wir genug Platz für Solarzellen, genug Wind, usw.?
Solarenergie
Es gibt mehr als genug Solarenergie. Die Menge die auf der Erde ankommt entspricht dem 10.000fachen des Weltenergieverbrauchs. Und selbst wenn wir uns praktisch auf das konzentrieren, was wir bei einer sinnvollen Platznutzung verwenden könnten, reicht es immer noch für das Doppelte des aktuellen Energieverbrauchs. Und wir bräuchten dafür nur 0,2 Prozent der Erdoberfläche mit Solarzellen bedecken. Die Menge ist also nicht das Problem, sondern die Integration in die bestehenden Netze. Das ist auch der größte Anteil an den Kosten. Solarenergie ist zwar von allen Energieformen die günstigste; die Netzintegrationskosten machen aber einen immer größeren Anteil aus (weil es immer mehr Solaranlagen gibt).
Abgesehen davon hat so eine Solaranlage nach 3 Jahren schon wieder alles CO2 eingespart, das bei ihrer Herstellung angefallen ist. Vor allem kann man die auch dort hinbauen, wo es schon Zeug rumsteht: Parkplätze, Mülldeponien, usw. Oder, wie Florian erklärt, auch im AKW Zwentendorf in Österreich, wo zwar keine Kernkraft erzeugt wird, aber Solarenergie - und heiraten kann man dort auch.
Windenergie
Auch der Wind wird nicht ausgehen; da ist genug da. Das 20-30fache des globalen Bedarfs könnte rein vom sinnvollen Platz her durch Wind geliefert werden. Der Wind ist aber ungleich verteilt; am Meer geht es besser als am Land, und so weiter. Aber es gibt immer neue Innovationen; höhere und größere Anlagen; schwimmenden und fliegende Windräder, etc.
Und die Windkraftanlagen sind schon nach einem Jahr CO2-neutral. Natürlich gibt es Bedenken, aber dazu empfiehlt Claudia den Tiktok-Kanal “Energiewende erklärt.
Wasserkraft
Die Wasserkraft ist nicht nur technisch ausgereift, sondern kann auch Energie speichern. Es braucht zwar oft hohe Vorabinvestitionen, die sind aber schnell wieder drin. Wasserkraft ist aber sehr oft ein schwerer Umwelteingriff. Und sowas endet dann mitunter mit Fischkanonen.
Kernenergie
Kernenergie ist kotrovers, vor allem wenn es ums Klima geht. Sie ist vor allem sehr teuer, aber bei denen sehr beliebt, die große Sorgen haben, bald keine Energie mehr zu kriegen. Was selten erwähnt wird bei der ganzen Sache ist das Problem, den Brennstoff für die Kernkraftwerke zu bekommen.
Bioenergie
Bioenergie ist vor allem dort wichtig wo Alternativen zu fossilen Energien begrenzt sind. In der Schwerindustrie, der Luftfahrt, etc. Momentan ist der Anteil der Bioenergie gering; nur 3% der Stromerzeugung kommen derzeit aus Biomasse. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist sehr gering, auf dem Level etwa wie Erdgas (da sind Nachrichten über Pellet-Kartelle nicht unbedingt förderlich). Liegt aber auch daran, dass viele nicht gut Bescheid wissen über Bioenergie.
Andere Energieformen
Gibt noch jede Menge andere Energieformen, zum Beispiel Geothermie. Die könnte das dreifache des weltweiten Bedarfs stilen, wird aber wenig genutzt weil die Menschen viele Bedenken haben.
Wie umsetzbar ist das alles?
Wo die Probleme bei der Umsetzung liegen, zeigt gesammelt noch mal Abbildung 6.19
Und wie die Klimakrise wieder die Energieformen beeinflusst, kann man in Tabelle 6.10 sehen:
Umgekehrt haben aber auch die Erneuerbaren Energien Einfluss auf das Klima, wie Claudia hier am Beispiel von Windenergie erklärt.
Das Energiesystem der Zukunft
Wie in Zukunft unser Energiesystem aussehen könnte, zeigt Abbildung 6.23:
Das kann schon einiges; braucht aber mehr Geld. Momentan stecken wir weltweit 2000 Milliarden Dollar in den Energiesektor, aber nur 350 Milliarden gehen in die erneuerbaren Energien (und 1000 Milliarden in fossile Brennstoffe). Das muss sich ändern!
Was verhindert die Transformation?
Hindernisse gibt es genug. Vor allem die Bürokratie, die es selbst motivierten Menschen schwer macht, sich zu engagieren.
Warum ist Klimaschutz eigentlich links?
Klimaschutz gilt als links - aber warum eigentlich? Auch hier weiß der IPCC-Bericht Bescheid: Es liegt im wesentlichen am Unterschied zwischen einem egalitären und einem egozentrischen Blick auf die Welt.
Verwirrende Bilder
Wir haben einen neuen Favorit für die Kategorie “Schlechtesten Bilder im IPCC-Report”. Schaut auf eigene Gefahr auf Seite 8 dieses PDFs.
Weiterführende Informationen
Kapitel 6 des dritten Teils vom Klimabericht ist hier als pdf downloadbar.
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DK063 - Reichtum ist klimaschädlich
…und lohnt es sich wirklich, vegan zu leben?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
In Folge 63 wird es persönlich. Wir schauen uns an, was man höchstselbst tun kann um das Klima zu schützen. Vor allem aber schauen wir, was sich lohnt zu tun. Zum Beispiel: Vegan essen und das Auto abschaffen. Was auch hilft: Klimaaktivismus, nicht reicht sein und grüne Standardeinstellungen.
Was will Kapitel 5
Der Titel von Kapitel 5 ist ein wenig öde: ”Demand, services and social aspects of mitigation”. Aber trotzdem ist es extrem relevant; und es ist das erste Mal, dass so ein Kapitel im IPCC-Bericht inkludiert ist. Es geht um eine grundlegende Angst die Menschen haben: Wenn wir das Klima schützen, dann könnte das unsere Lebensqualität negativ beeinflussen. Was also sollen wir tun, um das Klima zu schützen? Was lohnt sich zu tun? Genau davon handelt Kapitel 5.
Corona war spannend
Ein weiteres Mal wird die Corona-Pandemie als Beispiel verwendet. Sie hat ja immerhin gezeigt, dass es durchaus möglich ist, auch in großem Maßstab Dinge zu verändern; auch schnell. Und selbst Verhaltensänderungen können schnell und überall stattfinden. Die Pandemie hat aber auch die Armut vergrößert und den Übergang zu einer nachhaltigen Welt verzögert. Und uns gezeigt, dass effektive Maßnahmen durch fehlendes Vertrauen in Behörden und Institutionen behindert werden.
Reichtum ist klimaschädlich
Der Energieverbrauch hängt nicht unbedingt mit dem Entwicklungslevel zusammen. In den USA liegt zum Beispiel der Energieverbrauch pro Kopf 63 Prozent höher als in Deutschland. Aber die USA sind deswegen nicht um 63 Prozent mehr entwickelt.
Was aber stimmt: Reichtum ist klimäschädlich. Die reichsten 10 Prozent der Menschheit verbrauchen die Hälfte der globalen Energie. Und die ärmste Hälfte der Menschheit verbraucht nur 10 Prozent. Die reichen Länder der Welt haben noch dazu ihren Energie- und Ressourcenverbrauch in die ärmeren Ländern outgesourct.
Avoid - Shift - Improve
Wie findet man Lösungen? In dem man schaut, was man vermeiden kann, was man verändern kann und was man verbessern kann. Das ist das “avoid/shift/improve (ASI)”-Konzept. Beispiele dafür kann man in Tabellen 5.1. sehen:
To identify such a solution space, this section summarises socio-cultural, technological and infrastructural interventions through the avoid/shift/improve (ASI) concept.
Was kann man mit solchen Maßnahmen erreichen? Einiges - aber nicht alles. Das zeigt Abbildung 5.7:
Vegan leben und nicht autofahren
In der vermeintlichen wichtigsten Abbildung des Kapitels sind 6990 Fachartikel zusammengefasst worden um zu zeigen, welche Optionen das Potenzial haben, das Klima zu schützen:
Am meisten bringt es, autofrei zu leben. Und auf Fernflüge zu verzichten. Vegane Ernäherung und die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sind ebenfalls hilfreich.
Was bringt eine Car Sharing
Car Sharing klingt nach einer guten Idee. Aber viele Leute nutzen es, um dadurch Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ersetzen, was natürlich kontraproduktiv ist. Bei einer Studie in Denver haben fast 50% der Car Sharing Nutzer Fahrten gemacht, die sie ansonsten mit den Öffis, mit dem Rad, zu Fuß oder gar nicht gemacht hätten.
Ganz wichtig ist auch, wie viele Menschen in einem Auto mitfahren, wie man in Abbildung 5.13 sehen kann.
Wie infizieren wir das Verhalten?
Eine der effektivsten Maßnahmen wäre es, grüne Standardeinstellungen so gut wie überall einzusetzen. Klima-Aktivismus ist auch eine gute Sache. Studien haben gezeigt, dass sich dadurch auch die Klimaschutzeinstellung von Menschen positiv beeinflussen lassen, die der ganze Sache nur zusehen. Es braucht circa 10 bis 30 Prozent der Menschen, um neue soziale Normen zu setzen. Das sind viele - aber es müssen eben am Anfang nicht ALLE mit an Bord sein.
Wie gelingt der Übergang?
Der Übergang zu einer neuen Norm besteht aus vier Phasen: Zuerst kommt eine neue Innovation; dann wird sie von early adopters genutzt, bis sie im Mainstream ankommt und schließlich eine neue Norm entsteht. Wie das im Detail aussehen kann, erklärt Florian am Beispiel von Burgern.
Ein Lob auf die Energiesparlampe
Ein weiteres Beispiel für die Durchsetzung einer neuen Norm sind die Energiesparlampen. Vor allem dass es sich dabei um kleine Einheiten handelt, die leicht zu ersetzen sind, macht den Übergang leichter.
Den Übergang überspringen?
Kann man den Übergang beschleunigen in dem man ein paar Schritte überspringt? Wissen wir nicht!
Vorschläge für gute Gesetze
Sehr wichtig ist das, was die Politik tun kann. Und dafür hat der IPCC-Bericht jede Menge Beispiele, wie die Tabellen 5.5, 5.6 und 5.7 zeigen:
Brauchbare FAQs
FAQ5.1 fragt, was eine Einzelperson tun kann, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Punkt Nummer 1 in der Antwort: Druck auf das politische System ausüben!
Und: Es ist absolut möglich, das Klima zu schützen ohne das unser Lebensstandard massiv leidet.
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DK062 - Hausarbeiten für die ganze Welt
…und wer will eigentlich die Kernkraft?
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In Folge 62 reden wir über das Pariser Klimaabkommen und das, was die Länder der Welt tun, um es zu erfüllen. Oder besser gesagt: Das was die Länder der Welt vorgeschlagen haben, zu tun und die Frage, ob das alles auch ausreichend ist. Spoiler: Eher nicht. Aber zum Glück gibt es Möglichkeiten, den Prozess zu beschleunigen. Muss man halt nur noch machen.
Was will Kapitel 4
Beim Pariser Klimaabkommen haben die Länder der Welt beschlossen, die globale Erwärmung nicht über 2 Grad steigen zu lassen und idealerweise unter 1,5 Grad zu halten. Um das tatsächlich zu erreichen, ist es enorm kritisch, was wir in den nächsten 30 Jahren tun. Kapitel 4 beschäftigt sich mit drei Fragen: Wohin gehen wir jetzt gerade? Wohin wollen wir gehen? Und wie kriegen wir das hin? Was Kapitel 4 nicht ist: Ein Handbuch zur Rettung der Welt. Leider.
NDCs: Nationally determined contributions
Um das Pariser Klimaabkommen zu erreichen, haben die Länder der Welt die “Nationally determined contributions” aufgeschrieben. Jedes Land hat kundgetan (bzw. sollte das getan haben), was es tun will, um die globale Erwärmung zu beschränken. Die Details kann man hier nachlesen - nur gibt es leider nicht immer ausreichend viele Details. Viel zu oft bleiben die NDCs vage; viel wird auch ausgelassen.
Dass das alles nicht wirklich reicht, kann man in der Abbildung 1 von CC-Box 4 sehen:
Kalifornien und BaWü retten die Welt
Nicht nur die Länder können etwas tun, sondern auch Städte, Bundesländer, und so weiter. Tun sie auch, zum Beispiel im Rahmen der Under 2 Coalition die überraschenderweise von Kalifornien und Baden-Württemberg gegründet worden ist. Was da für Potenzial drin steckt, kann man in Tabelle 4.4 ansehen:
Länderrankings!
Manche Länder haben über die NDCs hinaus auch noch festgelegt, wann genau sie Netto-Null bei den CO2-Emissionen erreichen wollen. Leider nicht allzu viele, wie Tabelle 4.5 zeigt:
Es muss schneller gehen!
Um Netto-Null zu erreichen braucht es eine Dekarbonisierung der Elektritizitätsversorgung, effizientere Energienutzung, einen dramatisch geringeren Verbrauch fossiler Brennstoffe, eine Reduktion von Methan und anderer Treibhausgase. Und damit fängt die Sache erst an.
Die Länder haben alle unterschiedliche Strategien und Bedürfnisse und deswegen ist es schwer, angesichts dieser Vielfalt, globale Möglichkeiten zu finden, die Sache zu erledigen.
Mehr Erneuerbare müssen her!
Was auf jeden Fall wichtig ist: Mehr erneuerbare Energien! Zum Glück lassen die sich schnell ausbauen, sind billig und die wissenschaftlichen Studien zeigen, dass es durchaus möglich, dass zum Beispiel die EU bis 2050 ihre Energie 100% erneuerbar erzeugt. Das geht auch für Deutschland. Oder Frankreich. Und es ist einfacher, als man glauben möchte, wie man zum Beispiel in Folge 61 des Podcasts “Das Universum” anhören kann.
Wer braucht Kernenergie?
Kernenergie spielt eine umstrittene Rolle in der Klimakrise. Die Kosten dafür steigen und die Länder, die derzeit viel Kernenergie erzeugen sind nicht unbedingt die Länder, deren CO2-Emissionen sinken. Trotzdem setzen viele Nationen in ihren Klimastrategien auf nukleare Energie. China plant mit bis zu 30 Prozent Kernenergie bis 2050; Indien viel das Kernenergiepotenzial bis 2032 verzehnfachen. Das Problem (eines der Probleme): Die Verfügbarkeit des Brennstoffes. Ohne den brechen diese Strategien zusammen.
Wer bremst?
Es gibt vier große Kategorien an Phänomenen, die die Beschleunigung der Anpassungsstrategien bremsen können. 1) Die Kosten - Anpassung kostet und das muss man akzeptieren und entsprechend planen. 2) Die sozio-politisch-institutionellen Strukturen einer Gesellschaft - wenn Anpassungsmaßnahmen etwa zu Jobverlusten führen, muss die Gesellschaft darauf vorbereitet sein (und nicht so tun, als wäre nichts, so wie in Südtirol). 3) Die Verfügbarkeit der Technologie - Technologien zur Anpassung müssen existieren, und sie müssen für alle Länder verfügbar sein. 4) Die unpassenden Strukturen - wenn zum Beispiel Vermieter Wohnungen nicht klimafreundlich umbauen wollen oder können, braucht es neue Strukturen, die das ermöglichen.
Was kann man denn jetzt tun, verdammt!
Die Politik hätte jede Menge Möglichkeiten, mit Gesetzen die Anpassung zu beschleunigen, wie man zum Beispiel in Tabellen 4.12 sehen kann:
→ Table 4.12 Examples of policies that can help shift development pathways
Fairness
Fairness hilft Hindernisse zu überwinden. In einer gerechten Gesellschaft ist zum Beispiel die Angst vor Jobverlust geringer und der Widerstand gegen Anpassungsmaßnahmen deswegen ebenso. Gleiches gilt für jede Menge andere Strategien. Abgesehen davon, dass es aus sehr vielen anderen Gründen gut ist, wenn es in einer Gesellschaft fair zu geht.
Vor allem aber: Wir müssen schnell handeln und wir müssen mehr tun als jetzt. Und uns dabei auf das konzentrieren, was schnell Effekte zeigt.
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