ERF Plus - Bibel heute

Der Umfang des Tempelbezirks


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Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in Angkor Wat. Der Anblick war atemberaubend: die Türme ragten wie steinerne Blüten in den Himmel, kunstvoll verziert. Die riesige Anlage: majestätisch gebaut, Jahrhunderte alt. Aber wenn ich dort stehe, spüre ich: Dieser wunderbare Ort erinnert an die Vergangenheit, nicht an die Gegenwart. Er ist ein Ort der Geschichte – nichts weiter.

Ich stand viele Male in dieser Tempelanlage, als wir einige Jahre als Missionare mit OMF – Mission in Ostasien – in Kambodscha lebten. Ich begriff damals: Ein Tempel kann großartig aussehen – aber wenn Gott nicht da ist, ist er nur Stein.

So ähnlich war es damals bei Hesekiel.

Er war Prophet im Exil. Der Tempel in Jerusalem lag in Trümmern. Gott hatte ihn verlassen. Seine Herrlichkeit – die sichtbare, leuchtende Gegenwart – war im Kapitel 10 aus dem Tempel hinausgezogen, durch das Osttor. Gott hatte sich zurückgezogen.

Doch in Hesekiel 43 sieht der Prophet plötzlich etwas Neues: „Siehe, die Herrlichkeit des HERRN kam vom Osten her!“ (Hesekiel 43,2). Dasselbe Tor, durch das Gott einst gegangen war, wird nun der Weg seiner Rückkehr. Gott kommt zurück. Gott kommt nicht, weil Israel sich plötzlich gebessert hätte. Er kommt, weil seine Treue größer ist als ihr Versagen. Er will wieder wohnen unter seinem Volk, mitten in ihrer Schwachheit, mitten in ihren Trümmern.

Hesekiel beschreibt, dass die Herrlichkeit des Herrn das Haus erfüllt – „und die Erde leuchtete von seiner Herrlichkeit“. (Vers 2) Was für ein Bild! Wo Gott einzieht, da ist Leben, da ist Licht, da ist Zukunft. Er macht aus einem leeren Haus wieder ein Zuhause.

Wenn ich heute an Angkor Wat denke, an diese beeindruckende, aber leere Tempelanlage, dann bewegt mich ein Gedanke: Im kommenden Mai dürfen meine Frau und ich nach über fünfzehn Jahren wieder als Missionare nach Kambodscha zurückkehren. Und ich wünsche mir, dass Menschen dort – und auch hier – erkennen: Nicht ein Tempel, nicht ein Gebäude, nicht Mauern machen heilig, sondern Gottes Gegenwart. Er selbst ist es, der Orte und Herzen mit geistlichem Leben erfüllt.

Was Hesekiel damals sah, erfüllt sich Schritt für Schritt: In Jesus Christus wohnte die Herrlichkeit Gottes, sichtbar für jedermann. Johannes schreibt: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“ (Johannes 1,14)

Aber nicht nur Jesus war ein Tempel Gottes: Durch den Heiligen Geist wohnt Gott in uns selbst, die wir an Christus glauben. Paulus sagt: „Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes.“ (1. Korinther 6,19)

Und noch mehr: als Gemeinde fügt Gott uns gemeinsam zu einem geistlichen Haus zusammen. Der Epheserbrief, Kapitel 2 beschreibt es so: Wir sind als lebendige Steine „ineinandergefügt zu einem heiligen Tempel“ (Epheser 2,21) und werden miterbaut „zu einer Wohnung Gottes im Geist“ (Epheser 2,22). Das heißt: Nicht nur jeder Christ für sich, sondern wir alle miteinander, als Gemeinde Jesu, sind der Ort, an dem Gottes Herrlichkeit wohnt.

Am Ende der Bibel sieht Johannes in der Offenbarung das neue Jerusalem, das leuchtet von der Herrlichkeit Gottes – gebaut nach fast denselben Maßen, die Hesekiel sah. Dort gibt es keinen Tempel mehr, denn Gott selbst und das Lamm sind ihr Tempel. Die große Bewegung der Bibel läuft auf eins hinaus: Gott will nicht fern sein. Er will Wohnung nehmen – in Christus, in Ihnen, in seiner Gemeinde, und eines Tages mitten in der neuen Schöpfung.

Vielleicht fühlt sich Ihr Leben manchmal an wie ein verlassener Tempel: schön gebaut, herrliche Fassade, aber leer geworden. Dann gilt Ihnen diese Botschaft: Gott kommt zurück. Auch, wenn er einst gehen musste, will er wiederkommen. Er sucht die Nähe. Er will neu Wohnung nehmen, in Ihnen. In seiner Gemeinde. In seiner neuen Schöpfung. Ohne seine Gegenwart bleibt alles nur Hülle. Aber wo er wohnt, da ist Licht, da ist Leben, durch seine Herrlichkeit.

Wenn Sie möchten, sprechen Sie dieses kurze Gebet mit mir: „Herr, erfülle auch mich mit deiner Gegenwart. Mach mein Herz zu deinem Tempel. Und lass dein Licht leuchten – mitten in dieser Welt. Durch mich. Durch deine Gemeinde.“

Amen.

Autor: Joachim König

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