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In einem Gespräch erzählt Jesus eine Beispielgeschichte, die jedes Kind versteht. Ein Mann wird auf einer Wanderung in einer menschenleeren Gegend überfallen. Er wird ausgeraubt, liegt verletzt am Straßenrand. Zwei Männer kommen vorbei, sehen den Verletzten – und gehen einfach weiter. Schlimm! Ein dritter Passant sieht den Leidenden und ist bestürzt über seine Not. Er versorgt ihn mit Öl und Wein, damit desinfiziert er die Wunden und gibt dem Verletzten etwas zu trinken, das auch gegen die Schmerzen hilft. Dann hebt er ihn auf sein Reittier und führt ihn zur nächsten Herberge. Dort verbindet er erneut die Wunden, bezahlt für den Patienten das Zimmer für einige Tage im Voraus und sagt noch mehr zu, falls nötig. Dieser Mann ist ein echtes Vorbild. Jesus findet das sehr gut, dass und wie der Mann dem anderen hilft. Und er sagt: „Handle du auch so, wenn jemand Hilfe braucht!“
Die Geschichte, liebe Hörerin, lieber Hörer, hat noch eine tiefere Dimension. Die drei Männer werden als „Priester“, „Levit“ und „Samariter“ beschrieben. Priester und Leviten leiten die Gottesdienste im Tempel in Jerusalem. Es sind also heilige Männer, sie lesen aus der Bibel vor, beten und singen öffentlich mit vielen Menschen. Und gerade sie verweigern die Hilfe, gehen schnell an der Unglücksstelle vorbei, haben keine Zeit, vielleicht Angst, wollen sich die Hände nicht schmutzig machen …. was auch immer.
Der Samariter aber gehört – aus jüdischer Sicht – zu einer Sekte. Er betet denselben unsichtbaren Gott an, aber nicht in Jerusalem, sondern auf einem Berg in Samaria. Wem hier in der Gegend sein Glaube etwas bedeutet, der will mit einem Samariter nichts zu tun haben! Ausgerechnet dieser Mann mit seiner zweifelhaften Frömmigkeit hilft dem Notleidenden. Er wird von Jesus als Vorbild hingestellt – während die frommen Männer an dieser Stelle die Liebe schuldig bleiben, an die sie eigentlich glauben!
Das heißt doch: man kann sehr fromm sein, die richtigen Bibelworte kennen, die passenden Lieder singen, schöne Gebete sprechen, aber wenn’s drauf ankommt, doch versagen. Ein Glaube, der nur singt und betet, aber nicht hilft, hilft nicht.
Der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli hat das in seiner alten Sprache so gesagt: »Ein Christ sein heißt nicht von Christus schwätzen, sondern wandeln, wie Christus gewandelt ist.« Und Jesus hat Menschen geholfen, sehr praktisch. Das ist also die Mahnung an alle frommen Leute: Bildet euch nichts auf eure Frömmigkeit ein! „An ihren Früchten werden Christenmenschen erkannt“, sagt Jesus, nicht an Worten allein! Die frommen Männer der Geschichte haben da oft kräftig versagt.
Es geht noch weiter. Jesus erzählt die Geschichte als Antwort auf die Frage: „Wer ist denn mein Nächster?“ Es gibt so viele Menschen, die Hilfe brauchen. Ich kann doch nicht alle lieben und allen helfen! Damit bin ich vollkommen überfordert! Wer also ist mein Nächster?
Interessant: Jesus dreht die Frage um. Aus: »Wer ist mein Nächster?« macht Jesus: »Wer von den dreien ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?«
Der Priester und der Levit haben den Leidenden auch gesehen, doch es hat sie nicht bewegt. Den Samariter jedoch berührt es; er hält an und tut, was er kann.
Und bitte sagen wir nicht, wir könnten ja nichts tun. In der Geschichte hat der Helfer immerhin Öl und Wein und Verbandszeug zur Hand, außerdem einen Esel, Geld und Kennt-nisse in Wundpflege. Nicht immer haben wir so viel „Hilfs-Mittel“ zur Verfügung. Eins jedoch geht immer: das Gebet. Für den Verletzten. Für die Notleidenden. Für die Bedürftigen. Das ist der Anfang der Hilfe. Aber wohlgemerkt: nur der Anfang! Wenn wir denken, wir hätten gebetet und damit alles Nötige getan, sind wir nicht besser als der Priester und der Levit. Wahrscheinlich haben sie im Weitergehen auch für den Überfallenen gebetet. Aber sonst haben sie leider nichts getan. Das Gebet ersetzt nicht die Tat, aber es ist der Anfang der Tat!
Jesus sagt also: Der wird für mich zum oder zur Nächsten, der/die ein Problem hat und mir über den Weg läuft. Und dann soll ich bitte nicht kneifen, sondern beherzt helfen!
Eigentlich begann das Gespräch mit der Frage nach dem ewigen Leben. „Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben bekomme?“ Der Fragesteller kennt sogar die Antwort: lieben. Gott, von ganzem Herzen, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagt nur: „Korrekt! Tu das, dann wirst du leben!“ Ewiges Leben ist kein Zeitbegriff für später, „irgendwann im Jenseits“. Auch nicht die Belohnung für gutes Handeln. Ewiges Leben meint Leben im vollen Sinn, echtes Leben, hier und heute und in jeder Zukunft. Wer Gott liebt, seinen Nächsten und sich selbst – der lebt. Die Nächstenliebe ist ein Teil des Lebens. Doch wir dürfen das gerade nicht trennen voneinander: hier die Innerlichkeit des frommen Lebens, dort die Tat. Beides gehört zusammen. Beides ereignet sich ineinander. Wer Gott liebt, kann an den Problemen des Nächsten nicht einfach vorbeigehen. Das macht Jesus mit seiner Geschichte sonnenklar.
Autor: Pfarrer Andreas Friedrich
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By ERF - Der Sinnsender5
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In einem Gespräch erzählt Jesus eine Beispielgeschichte, die jedes Kind versteht. Ein Mann wird auf einer Wanderung in einer menschenleeren Gegend überfallen. Er wird ausgeraubt, liegt verletzt am Straßenrand. Zwei Männer kommen vorbei, sehen den Verletzten – und gehen einfach weiter. Schlimm! Ein dritter Passant sieht den Leidenden und ist bestürzt über seine Not. Er versorgt ihn mit Öl und Wein, damit desinfiziert er die Wunden und gibt dem Verletzten etwas zu trinken, das auch gegen die Schmerzen hilft. Dann hebt er ihn auf sein Reittier und führt ihn zur nächsten Herberge. Dort verbindet er erneut die Wunden, bezahlt für den Patienten das Zimmer für einige Tage im Voraus und sagt noch mehr zu, falls nötig. Dieser Mann ist ein echtes Vorbild. Jesus findet das sehr gut, dass und wie der Mann dem anderen hilft. Und er sagt: „Handle du auch so, wenn jemand Hilfe braucht!“
Die Geschichte, liebe Hörerin, lieber Hörer, hat noch eine tiefere Dimension. Die drei Männer werden als „Priester“, „Levit“ und „Samariter“ beschrieben. Priester und Leviten leiten die Gottesdienste im Tempel in Jerusalem. Es sind also heilige Männer, sie lesen aus der Bibel vor, beten und singen öffentlich mit vielen Menschen. Und gerade sie verweigern die Hilfe, gehen schnell an der Unglücksstelle vorbei, haben keine Zeit, vielleicht Angst, wollen sich die Hände nicht schmutzig machen …. was auch immer.
Der Samariter aber gehört – aus jüdischer Sicht – zu einer Sekte. Er betet denselben unsichtbaren Gott an, aber nicht in Jerusalem, sondern auf einem Berg in Samaria. Wem hier in der Gegend sein Glaube etwas bedeutet, der will mit einem Samariter nichts zu tun haben! Ausgerechnet dieser Mann mit seiner zweifelhaften Frömmigkeit hilft dem Notleidenden. Er wird von Jesus als Vorbild hingestellt – während die frommen Männer an dieser Stelle die Liebe schuldig bleiben, an die sie eigentlich glauben!
Das heißt doch: man kann sehr fromm sein, die richtigen Bibelworte kennen, die passenden Lieder singen, schöne Gebete sprechen, aber wenn’s drauf ankommt, doch versagen. Ein Glaube, der nur singt und betet, aber nicht hilft, hilft nicht.
Der Schweizer Reformator Huldrych Zwingli hat das in seiner alten Sprache so gesagt: »Ein Christ sein heißt nicht von Christus schwätzen, sondern wandeln, wie Christus gewandelt ist.« Und Jesus hat Menschen geholfen, sehr praktisch. Das ist also die Mahnung an alle frommen Leute: Bildet euch nichts auf eure Frömmigkeit ein! „An ihren Früchten werden Christenmenschen erkannt“, sagt Jesus, nicht an Worten allein! Die frommen Männer der Geschichte haben da oft kräftig versagt.
Es geht noch weiter. Jesus erzählt die Geschichte als Antwort auf die Frage: „Wer ist denn mein Nächster?“ Es gibt so viele Menschen, die Hilfe brauchen. Ich kann doch nicht alle lieben und allen helfen! Damit bin ich vollkommen überfordert! Wer also ist mein Nächster?
Interessant: Jesus dreht die Frage um. Aus: »Wer ist mein Nächster?« macht Jesus: »Wer von den dreien ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?«
Der Priester und der Levit haben den Leidenden auch gesehen, doch es hat sie nicht bewegt. Den Samariter jedoch berührt es; er hält an und tut, was er kann.
Und bitte sagen wir nicht, wir könnten ja nichts tun. In der Geschichte hat der Helfer immerhin Öl und Wein und Verbandszeug zur Hand, außerdem einen Esel, Geld und Kennt-nisse in Wundpflege. Nicht immer haben wir so viel „Hilfs-Mittel“ zur Verfügung. Eins jedoch geht immer: das Gebet. Für den Verletzten. Für die Notleidenden. Für die Bedürftigen. Das ist der Anfang der Hilfe. Aber wohlgemerkt: nur der Anfang! Wenn wir denken, wir hätten gebetet und damit alles Nötige getan, sind wir nicht besser als der Priester und der Levit. Wahrscheinlich haben sie im Weitergehen auch für den Überfallenen gebetet. Aber sonst haben sie leider nichts getan. Das Gebet ersetzt nicht die Tat, aber es ist der Anfang der Tat!
Jesus sagt also: Der wird für mich zum oder zur Nächsten, der/die ein Problem hat und mir über den Weg läuft. Und dann soll ich bitte nicht kneifen, sondern beherzt helfen!
Eigentlich begann das Gespräch mit der Frage nach dem ewigen Leben. „Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben bekomme?“ Der Fragesteller kennt sogar die Antwort: lieben. Gott, von ganzem Herzen, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagt nur: „Korrekt! Tu das, dann wirst du leben!“ Ewiges Leben ist kein Zeitbegriff für später, „irgendwann im Jenseits“. Auch nicht die Belohnung für gutes Handeln. Ewiges Leben meint Leben im vollen Sinn, echtes Leben, hier und heute und in jeder Zukunft. Wer Gott liebt, seinen Nächsten und sich selbst – der lebt. Die Nächstenliebe ist ein Teil des Lebens. Doch wir dürfen das gerade nicht trennen voneinander: hier die Innerlichkeit des frommen Lebens, dort die Tat. Beides gehört zusammen. Beides ereignet sich ineinander. Wer Gott liebt, kann an den Problemen des Nächsten nicht einfach vorbeigehen. Das macht Jesus mit seiner Geschichte sonnenklar.
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