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Woran denken Sie, wenn Sie das Wort Beichte hören? Vielleicht an einen hölzernen Beichtstuhl, den Sie mal in einer Kirche gesehen haben? Drinnen sitzt der Priester durch eine Tür mit Sichtfenster getrennt vom Beichtenden. Wenn Sie evangelisch geprägt sind, fragen Sie sich vielleicht: Ist das nicht katholisch? Vorbehalte regen sich. Dabei ist das Bekennen von Schuld befreiend und der Zuspruch der Vergebung macht froh. Als Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht, fordert er sie heraus, aneinander hierin zu dienen. Zum Beispiel in der Beichte. So helfen die Jünger einander in der Gemeinschaft mit ihrem Herrn zu bleiben.
Das Passahfest steht vor der Tür. Bei diesem Fest denken Juden an die Herausführung aus der Sklaverei in Ägypten. Bei der Herausführung aus Ägypten musste ein Lamm sterben. Durch das Blut an den Türpfosten wurden die israelitischen Familien vom Todesengel verschont. Dieser zog durchs Land und tötete den erstgeborenen Sohn in jeder ägyptischen Familie. Das war die letzte Plage, durch die Gott den Pharao bewegte, sein Volk ziehen zu lassen. Jetzt war sein Volk frei. Aber ein Lamm starb anstelle eines Menschen.
Jesus weiß, dass sein Ende in dieser Welt bevorsteht. Er wird als das echte Passalamm sterben. Er wird stellvertretend für seine Jünger sterben. So wird er sie in die Gemeinschaft mit sich und seinem Vater führen, in die Freiheit führen.
Vor dem Passahfest trifft Jesus sich mit seinen Jüngern zum Abendessen. Bei einem Gastmahl war es damals üblich, dass ein Knecht oder eine Magd den Gästen die Füße wusch. Der Staub der Straße wurde abgetan, bevor man sich zu Tisch legte. An diesem Abend aber ist kein Knecht zugegen und keiner der Jünger denkt daran, diesen Dienst zu übernehmen. Also greift Jesus nach Handtuch und einer Schüssel mit Wasser und fängt an, den Jüngern die Füße zu waschen. Als er bei Petrus ankommt, wehrt dieser ab. Keinesfalls soll sein Meister ihm die Füße waschen. Selbst als Jesus meint, dass Petrus später begreifen wird, was er jetzt tut, lehnt Petrus vehement ab. Erst als Jesus ihm droht, dass er so keine Gemeinschaft mit ihm hat, lenkt Petrus ein. Wenn das so ist, dann möchte er auch Hände und Haupt gewaschen haben.
An dieser Stelle wird deutlich, dass Jesus mit der Fußwaschung mehr bezweckt als die äußere Reinigung. Es ist eine symbolische Handlung. Denn offensichtlich machen saubere Füße nicht die Gemeinschaft mit Jesus aus. Es geht um mehr. Die äußere Reinigung verweist auf eine innere Reinigung. Diese Reinigung ist bei den Jüngern bereits geschehen, erklärt Jesus. Wie? Durch den Glauben an sein Wort, wird Jesus später erklären (15,3). Die Jünger sind also schon rein. Dennoch benötigten sie eine wiederkehrende Reinigung. Es ist wie mit einem Menschen, der sich gebadet hat, erklärt Jesus. Er macht sich auf der Straße die Füße wieder schmutzig. Daher braucht er immer wieder eine teilweise Reinigung.
Was aber bedeutet das für die Jünger Jesu? Auch sie brauchen im Umgang mit dieser Welt immer wieder eine teilweise innere Reinigung von ihren sündigen Flecken. Wie geschieht diese? Durch Sündenbekenntnis und dem Vertrauen in die Vergebung Jesu. So bleiben sie mit Jesus verbunden. So ist echte Gemeinschaft möglich.
Nachdem Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, fordert er sie auf seinem Beispiel zu folgen. Meint er damit, dass sie einander im wörtlichen Sinne die Füße waschen sollen? Manche christlichen Gemeinschaften praktizieren das so. Und das ist sicher gut für den eigenen Charakter. Aber sie haben gesehen, dass es um mehr geht. Ich verweigere mich auf diese Weise echter Gemeinschaft. Jesus meint damit, dass die Jünger einander helfen sollen, von Sünde rein zu werden. Wie aber geschieht das? In der Beichte.
Dort wird der Bruder dem anderen zum Christus. So sagt es Bonhoeffer in seinem Buch „Gemeinsames Leben“[1]. Ein ganzes Kapitel widmet Bonhoeffer dem Thema Beichte. In der Beichte bekennt ein Christ dem anderen seine Sünden. Wird die Sünde ehrlich beim Namen genannt und ist echte Reue und die Abwendung von der Sünde erkennbar, so spricht der Beichtnehmer den Beichtenden von seiner Schuld frei. Die Autorität dazu hat Jesus seinen Jüngern verliehen, bevor er aus dieser Welt ging (Joh 20,23). Wenn die Jünger so handeln, handeln die Jünger in Jesu Namen. Nicht der Bruder oder die Schwester vergeben, sondern Gott (15,2). Gott hat die Welt durch Jesu sterben und auferstehen mit sich versöhnt. In seinem Namen können Christen einander die Beichte abnehmen und die Vergebung der Sünden zusprechen.
In der Beichte liegt der Schatz echter Gemeinschaft verborgen. Ich glaube es ist heute an der Zeit, diesen wieder neu zu entdecken.
Seine Sünden offen zu legen vor einem Bruder oder einer Schwester, heißt sie Jesus offen zu legen. Das tut weh, ist unangenehm, peinlich? Vielleicht möchte ich dem anderen auch nicht zur Last werden. Und so weise ich den Dienst von mir, wie Petrus. Aber damit bleibe ich mit meiner Sünde allein.[2] Damit verweigere ich mich echter Gemeinschaft. Ist es nicht die traurige Realität in unseren christlichen Gemeinden, dass wir trotz gemeinsamer Andacht und Gebet letztlich oft allein bleiben? Ich trage eine fromme Fassade. Aber ich bleibe mit meiner Sünde allein, mit meiner Heuchelei, mit meiner Lüge. Ist es nicht an der Zeit, dass wir einander wieder erlauben, Sünder zu sein? In dem Offenlegen der Sünde geschieht der Durchbruch zu echter Gemeinschaft, erklärt Bonhoeffer. Und er teilt in seiner Schrift „Gemeinsames Leben“ mit „Die ausgesprochene, bekannte Sünde hat alle Macht verloren. Sie ist als Sünde offenbar geworden und gerichtet. Sie vermag die Gemeinschaft nicht mehr zu zerreißen.“[3] Deshalb sage ich nicht: „Das mache ich ganz alleine mit Jesus aus!“ Denn auf diese Weise verweigere ich mich echter Gemeinschaft. Christliche Gemeinschaft ist Gemeinschaft von Sündern, die auf Gnade angewiesen sind. Der Dienst der Reinigung ist notwendig für unsere Gemeinschaft mit Jesus und als Kirche. Jesus nimmt uns hier in eine heilige Pflicht. Das ist der Dienst der Liebe, den wir als Christen einander schulden. Bekenntnis und Absolution, also Vergebung zusprechen, befreit. Echte Gemeinschaft ist möglich und Kräfte werden freigesetzt. Darf mein Bruder oder meine Schwester vor mir ein Sünder sein und ich vor ihm oder ihr? Das ist hier die Frage.
[1] Gemeinsames Leben, Dietrich Bonhoeffer, Gießen, Nachdruck der 4., unveränderten Auflage 1940
[2] Ebd., 123.
[3] Ebd., 125.
Autor: Dietrich Wiebe
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By ERF - Der Sinnsender5
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Woran denken Sie, wenn Sie das Wort Beichte hören? Vielleicht an einen hölzernen Beichtstuhl, den Sie mal in einer Kirche gesehen haben? Drinnen sitzt der Priester durch eine Tür mit Sichtfenster getrennt vom Beichtenden. Wenn Sie evangelisch geprägt sind, fragen Sie sich vielleicht: Ist das nicht katholisch? Vorbehalte regen sich. Dabei ist das Bekennen von Schuld befreiend und der Zuspruch der Vergebung macht froh. Als Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht, fordert er sie heraus, aneinander hierin zu dienen. Zum Beispiel in der Beichte. So helfen die Jünger einander in der Gemeinschaft mit ihrem Herrn zu bleiben.
Das Passahfest steht vor der Tür. Bei diesem Fest denken Juden an die Herausführung aus der Sklaverei in Ägypten. Bei der Herausführung aus Ägypten musste ein Lamm sterben. Durch das Blut an den Türpfosten wurden die israelitischen Familien vom Todesengel verschont. Dieser zog durchs Land und tötete den erstgeborenen Sohn in jeder ägyptischen Familie. Das war die letzte Plage, durch die Gott den Pharao bewegte, sein Volk ziehen zu lassen. Jetzt war sein Volk frei. Aber ein Lamm starb anstelle eines Menschen.
Jesus weiß, dass sein Ende in dieser Welt bevorsteht. Er wird als das echte Passalamm sterben. Er wird stellvertretend für seine Jünger sterben. So wird er sie in die Gemeinschaft mit sich und seinem Vater führen, in die Freiheit führen.
Vor dem Passahfest trifft Jesus sich mit seinen Jüngern zum Abendessen. Bei einem Gastmahl war es damals üblich, dass ein Knecht oder eine Magd den Gästen die Füße wusch. Der Staub der Straße wurde abgetan, bevor man sich zu Tisch legte. An diesem Abend aber ist kein Knecht zugegen und keiner der Jünger denkt daran, diesen Dienst zu übernehmen. Also greift Jesus nach Handtuch und einer Schüssel mit Wasser und fängt an, den Jüngern die Füße zu waschen. Als er bei Petrus ankommt, wehrt dieser ab. Keinesfalls soll sein Meister ihm die Füße waschen. Selbst als Jesus meint, dass Petrus später begreifen wird, was er jetzt tut, lehnt Petrus vehement ab. Erst als Jesus ihm droht, dass er so keine Gemeinschaft mit ihm hat, lenkt Petrus ein. Wenn das so ist, dann möchte er auch Hände und Haupt gewaschen haben.
An dieser Stelle wird deutlich, dass Jesus mit der Fußwaschung mehr bezweckt als die äußere Reinigung. Es ist eine symbolische Handlung. Denn offensichtlich machen saubere Füße nicht die Gemeinschaft mit Jesus aus. Es geht um mehr. Die äußere Reinigung verweist auf eine innere Reinigung. Diese Reinigung ist bei den Jüngern bereits geschehen, erklärt Jesus. Wie? Durch den Glauben an sein Wort, wird Jesus später erklären (15,3). Die Jünger sind also schon rein. Dennoch benötigten sie eine wiederkehrende Reinigung. Es ist wie mit einem Menschen, der sich gebadet hat, erklärt Jesus. Er macht sich auf der Straße die Füße wieder schmutzig. Daher braucht er immer wieder eine teilweise Reinigung.
Was aber bedeutet das für die Jünger Jesu? Auch sie brauchen im Umgang mit dieser Welt immer wieder eine teilweise innere Reinigung von ihren sündigen Flecken. Wie geschieht diese? Durch Sündenbekenntnis und dem Vertrauen in die Vergebung Jesu. So bleiben sie mit Jesus verbunden. So ist echte Gemeinschaft möglich.
Nachdem Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, fordert er sie auf seinem Beispiel zu folgen. Meint er damit, dass sie einander im wörtlichen Sinne die Füße waschen sollen? Manche christlichen Gemeinschaften praktizieren das so. Und das ist sicher gut für den eigenen Charakter. Aber sie haben gesehen, dass es um mehr geht. Ich verweigere mich auf diese Weise echter Gemeinschaft. Jesus meint damit, dass die Jünger einander helfen sollen, von Sünde rein zu werden. Wie aber geschieht das? In der Beichte.
Dort wird der Bruder dem anderen zum Christus. So sagt es Bonhoeffer in seinem Buch „Gemeinsames Leben“[1]. Ein ganzes Kapitel widmet Bonhoeffer dem Thema Beichte. In der Beichte bekennt ein Christ dem anderen seine Sünden. Wird die Sünde ehrlich beim Namen genannt und ist echte Reue und die Abwendung von der Sünde erkennbar, so spricht der Beichtnehmer den Beichtenden von seiner Schuld frei. Die Autorität dazu hat Jesus seinen Jüngern verliehen, bevor er aus dieser Welt ging (Joh 20,23). Wenn die Jünger so handeln, handeln die Jünger in Jesu Namen. Nicht der Bruder oder die Schwester vergeben, sondern Gott (15,2). Gott hat die Welt durch Jesu sterben und auferstehen mit sich versöhnt. In seinem Namen können Christen einander die Beichte abnehmen und die Vergebung der Sünden zusprechen.
In der Beichte liegt der Schatz echter Gemeinschaft verborgen. Ich glaube es ist heute an der Zeit, diesen wieder neu zu entdecken.
Seine Sünden offen zu legen vor einem Bruder oder einer Schwester, heißt sie Jesus offen zu legen. Das tut weh, ist unangenehm, peinlich? Vielleicht möchte ich dem anderen auch nicht zur Last werden. Und so weise ich den Dienst von mir, wie Petrus. Aber damit bleibe ich mit meiner Sünde allein.[2] Damit verweigere ich mich echter Gemeinschaft. Ist es nicht die traurige Realität in unseren christlichen Gemeinden, dass wir trotz gemeinsamer Andacht und Gebet letztlich oft allein bleiben? Ich trage eine fromme Fassade. Aber ich bleibe mit meiner Sünde allein, mit meiner Heuchelei, mit meiner Lüge. Ist es nicht an der Zeit, dass wir einander wieder erlauben, Sünder zu sein? In dem Offenlegen der Sünde geschieht der Durchbruch zu echter Gemeinschaft, erklärt Bonhoeffer. Und er teilt in seiner Schrift „Gemeinsames Leben“ mit „Die ausgesprochene, bekannte Sünde hat alle Macht verloren. Sie ist als Sünde offenbar geworden und gerichtet. Sie vermag die Gemeinschaft nicht mehr zu zerreißen.“[3] Deshalb sage ich nicht: „Das mache ich ganz alleine mit Jesus aus!“ Denn auf diese Weise verweigere ich mich echter Gemeinschaft. Christliche Gemeinschaft ist Gemeinschaft von Sündern, die auf Gnade angewiesen sind. Der Dienst der Reinigung ist notwendig für unsere Gemeinschaft mit Jesus und als Kirche. Jesus nimmt uns hier in eine heilige Pflicht. Das ist der Dienst der Liebe, den wir als Christen einander schulden. Bekenntnis und Absolution, also Vergebung zusprechen, befreit. Echte Gemeinschaft ist möglich und Kräfte werden freigesetzt. Darf mein Bruder oder meine Schwester vor mir ein Sünder sein und ich vor ihm oder ihr? Das ist hier die Frage.
[1] Gemeinsames Leben, Dietrich Bonhoeffer, Gießen, Nachdruck der 4., unveränderten Auflage 1940
[2] Ebd., 123.
[3] Ebd., 125.
Autor: Dietrich Wiebe
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