ERF Plus - Bibel heute

Die Herrlichkeit des Herrn nimmt Wohnung im Heiligtum


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„Gott führt sein Volk am Tage in einer Wolke und in einer Feuersäule bei Nacht.“

So beginnt im Buch Exodus, dem 2. Buch Mose, der Bericht von der Wüstenwanderung des Volkes Israel.

Heute beschäftigen uns die letzten Verse des Buches Exodus. Sie klingen ganz ähnlich, und doch liegt eine Welt dazwischen mit vielen Höhen und Tiefen.

Schauen wir zunächst kurz zurück:

Gott führt sein Volk nach seiner Befreiung aus Ägypten nicht auf dem kürzesten Weg in seine neue Heimat. Das wäre zu gefährlich gewesen. Er wählt einen Umweg durch die Wüste. Aber er schickt die Seinen nicht ohne Schutz auf einen ungewöhnlich harten Weg. Die Bedingungen in der Wüste sind von Kontrasten geprägt: tagsüber glühende Hitze, und von einer Stunde zur anderen wird es Nacht, und die Nächte können bitterkalt sein. Die Temperaturunterschiede können 50°C und mehr betragen.
Ohne Gottes Schutz und Führung durch eine Wolke, die am Tag Schatten spendet und eine Feuersäule, die nachts für Licht und Wärme sorgt, hätte Israel die Gefahren der Wüste niemals überlebt.
Darüber hinaus sorgen die Wolke und die Feuersäule dafür, dass es dem Pharao und seinem Heer nicht gelingt, die Israeliten nach Ägypten zurückzuholen. Gott will die Freiheit seines Volkes und er setzt sie durch. Aber er ist ein ferner Gott, der sich an keinen Ort und keine Zeit gebunden hat. Die frei wandernde Wolkensäule ist ein Symbol dafür.
Doch das ändert sich. Gott will seinem auserwählten Volk mehr Nähe schenken, um sein ganzes Vertrauen zu gewinnen. Sein Ziel ist es, mit Israel einen ewigen Bund zu schließen. Es soll zu einem Vorbild und zum Heil für alle Völker werden.
Noch vor diesem Bundesschluss gibt Gott seinem Volk Anweisungen für die Errichtung eines tragbaren Heiligtums, das zu einem besonderen Ort der Begegnung mit ihm werden soll. Doch sein Bau verzögert sich durch die dramatischen Ereignisse am Berg Sinai. Während Moses auf dem Berg Sinai noch mit Gott spricht, verlieren die Israeliten am Fuß des Berges die Geduld und suchen nach einer Ersatzreligion in Form eines Goldenen Kalbs. Es zeigt, wie schwer sich Israel mit seiner Berufung tat und immer wieder rückfällig wurde. Aber zugleich sind solche Berichte auch geprägt von Gottes unendlicher Geduld, der auch das Murren seines Volkes ernst nimmt, ihm immer wieder Vergebung schenkt und sich damit uns allen als ein Gott der Liebe offenbart.

Ein zweiter Anlauf ist nötig, um den endgültigen Bund Gottes mit seinem Volk zu besiegeln.

Danach wiederholt Gott auch seine genauen Anweisungen für den Bau des „Zeltes der Begegnung“. In der Lutherübersetzung wird dieses Zelt als „Stiftshütte“ bezeichnet. Dem Bau der Stiftshütte werden im zweiten Buch Mose 13 Kapitel gewidmet. Das ganze Volk soll an seinem Bau beteiligt werden, u. a. mit Spenden, die von begabten Künstlern bearbeitet werden. Der Bauplan ist so genau, dass man später versucht hat, ihn als Modell nachzubauen. Man war überrascht über seine Größe und glaubt deshalb, dass diesem Text eine tragbare Version des späteren Jerusalemer Tempels im Maßstab 2:1 zugrunde liegt.

Im zweiten Buch Mose erfahren wir erst im letzten Kapitel, wie Gott von diesem Heiligtum Besitz ergreift. Damit beginnt eine neue Epoche der Gegenwart Gottes unter seinem Volk. Er ist ein Gott, der mit ihm geht - auch in die größten Strapazen hinein, denn die Wüstenwanderung ist noch lange nicht am Ende. Davon wird im  4. Buch Mose ausführlich weiter berichtet.


Zentrum der Stiftshütte ist die Bundeslade mit den von Gott gegebenen in Stein gehauenen Geboten. Sie wird zu einem sichtbaren Zeichen für die Gegenwart des unsichtbaren Gottes. Gott wohnt unter seinem Volk als ein Gott, der mit ihm geht und doch einen klar erkennbaren eingegrenzten heiligen Ort für sich hat. Gott ist nahe und doch unverfügbar.
Hier kommt der Wolke, die Gottes Volk von Anfang an begleitet hat, wieder eine besondere Bedeutung zu.
Sie ist ein Schutz, weil wir Menschen Gottes Anblick nicht ertragen könnten, aber Gott bleibt sichtbar in seiner Liebe. Die Stiftshütte wird zugleich zu einem „Zelt der Offenbarung“, in der sich Mose bei Gott immer Rat holen konnte, wenn die Wolke nicht darauf ruhte. Das Volk selbst durfte zwar das Heiligtum nicht betreten, aber es hatte die Wolke des Herrn und den Feuerschein bei Nacht immer im Blick.

Wenn sich die Wolke erhob, war das ein Zeichen zum Aufbruch. Israel führte dieses tragbare Zelt auf seiner weiteren Wanderung immer mit sich. Es gab wohl genug Menschen, die sich um seinen Auf- und Abbau und seinen Transport kümmern konnten. Erst als Israel im Land Kanaan sesshaft geworden war und unter König Salomo einen eigenen Tempel baute, verlor die Stiftshütte ihre Bedeutung. Aber die Erfahrungen des wandernden Gottesvolkes werden von Israel bis heute in Psalmen und Lobgesängen lebendig gehalten.

Auch wenn die Ereignisse, die im zweiten Buch Mose geschildert werden, inzwischen etwa 3500 Jahre zurück liegen, so sind sie für uns auch heute noch aktuell. Denn es ist derselbe Gott, der sein Volk damals in der Wüste begleitet hat, der sich uns Menschen Jahrhunderte später in einzigartiger Weise in Jesus Christus zuwendet – unüberbietbar in seiner Liebe. Ich sehe darin sogar den absoluten Höhepunkt von Gottes Zuwendung zu uns Menschen. So wie Gott seinem Volk mit dem Zelt der Begegnung ein Zeichen seiner Gegenwart geschenkt hat, so wusste auch Jesus, wie wichtig solche Zeichen für uns sind. Deshalb hat er vor seinem Tod für seine Jünger und alle, die nach seiner Gegenwart fragen, das Heilige Abendmahl gestiftet. Die Emmaus-Jünger waren die ersten, die Jesus nach seiner Auferstehung erkannten, als er ihnen das Brot brach. Es ist ein besonderes Zeichen seiner Verbundenheit mit uns – gestern, heute und in Ewigkeit.

Autor: Gisela Thimm

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