Sebastians erstes US-Auto, Clemens' nächster E-Großroller und ein ehrlicher Blick auf Bürokratie, Nachbarschaft und Straßenverkehr im neuen Zuhause
Sebastians im VW Atlas Cross Sport
Sebastian brauchte schnell ein Auto in den USA und hat dabei den Tipp eines Freundes beherzigt: sonntags auf Autohaus-Parkplätzen nach Autos schauen, wenn kein Verkäufer nervt. Am Ende gekauft wurde, entgegen der ursprünglichen Planung, doch etwas Deutsches: ein VW Atlas Cross Sport, Baujahr 2020, mit dem bekannten 2,0-Liter-EA888-Turbomotor (285 PS), 70.000 Meilen auf dem Tacho und für rund 20.000 Dollar, umgerechnet etwa 16.000 Euro. Statt Doppelkupplungsgetriebe steckt in der US-Version eine Aisin-Wandlerautomatik, eine Kombination, die es in Europa gar nicht gibt und die Sebastian aus Zuverlässigkeits- und Wartungsgründen gezielt gewählt hat. Mit 4,97 Metern ist der Atlas übrigens länger als ein aktueller Touareg, ein echtes "Landesprodukt" für den US-Markt.
Clemens' E-Großrollersaga geht weiter: Zero LS1
Nachdem elektrische Großroller bislang außer dem BMW CE 04 als durch die Bank enttäuschend galten, hat sich Clemens jetzt den Zero LS1 zum Testen besorgt. Mit rund 5.195 Euro deutlich günstiger als die BMW-Konkurrenz und aktuell sogar mit Sommerbonus. Der Roller kam allerdings ramponiert an, unter anderem mit zerstörtem Topcase, und musste erst beim Händler wieder in Ordnung gebracht werden. Mit drei Akkupacks (zwei im Unterboden, einer hochkant im Gepäckfach, das dadurch praktisch nutzlos wird) sind laut erster grober Schätzung rund 160 bis 170 Kilometer Reichweite drin. Auffällig: Die "Höchstgeschwindigkeit" von 100 km/h gilt offenbar nur bei vollem Akku, und Anmutung wie Bedienung erinnern stark an chinesische Rollerkonzepte. Ein ausführlicher Test folgt, hier gibt's nur dann mehr zu hören, wenn er wirklich überzeugt.
Hauptthema: Vier Wochen USA: Ein erster Alltagscheck
Seit dem 25. Juni lebt Sebastian nun mit Frau und Katzen im Großraum Denver, nach Green Card, Probeeinreisen und einem Umzug, der zuletzt richtig hektisch wurde. Zeit für eine erste Bilanz. Überraschend entspannt liefen ausgerechnet die Behördentermine: die Führerscheinstelle in Denver war freundlich und unkompliziert, ebenso die Einreise mit Green Card, selbst die Katzen interessierten die Bundesbeamten herzlich wenig, obwohl vorher jede Menge Papierkram beim Veterinäramt nötig war. Deutlich mehr Nerven kostete dagegen der Abschied von den deutschen Behörden und Institutionen: das Finanzamt mit verwechselten Steuernummern und "Entstrickungsbesteuerung", die gesetzliche Krankenversicherung, die partout keine Abmeldebestätigung akzeptieren wollte, und die Solaris-Bank, die das Konto wegen der US-Steuerpflicht praktisch von einem Tag auf den anderen komplett eingefroren hat, lange vor der eigentlichen Kündigungsfrist.
Im direkten Vergleich zeigt sich: Die USA regeln vieles über Eigenverantwortung statt über Vorschrift, mit klaren Schattenseiten. Unversicherte, klapprige Autos mit sichtbar wackelnden Rädern sind auf dem Interstate keine Seltenheit, Temporary-Tags am Auto laufen sichtbar ab, ohne dass es irgendwen zu stören scheint, und ganz nebenbei fährt gefühlt jeder zweite Harley-Fahrer ohne Helm.
Auch das Thema Wohnen und Kreditwürdigkeit kommt zur Sprache: Ohne Credit Score und Social Security History gilt man in den USA quasi als unbeschriebenes Blatt, was die Wohnungssuche erschweren kann. Bei Sebastian hat am Ende der persönliche Eindruck beim privaten Vermieter mehr gezählt als jeder Report, inklusive einer Solaranlage auf dem gemieteten Haus, die die Stromkosten für die Klimaanlage im Sommer erfreulich niedrig hält und nebenbei auch ein Elektroauto wieder attraktiver macht.
Zum Ausklang blicken wir schon auf die nächsten Motorradpläne: In zehn Minuten von der Haustür direkt in die Rocky Mountains, Craigslist als überraschend zeitgemäße Fundgrube für gebrauchte Bikes eingeschlossen.
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