ERF Plus - Bibel heute

Die Tempelrede


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Die Tempelrede des Propheten Jeremia erinnert mich an die Figur der Parabel aus der Mathematik: wie beim Buchstaben U geht es erst runter und dann wieder hoch! So führte der Prophet seine Landsleute erst einmal in die Tiefen ihrer Sünde, um dann zur ‚Perspektive Hoffnung‘ zu kommen: ‚Ich will bei euch wohnen!“

Aber eins nach dem andern: ca. 600 vor Christus unterwarfen die Babylonier unter ihrem König Nebukadnezar den ganzen Orient, und nun standen sie vor den Toren Jerusalems. Die Oberen und Priester in der Stadt waren überzeugt: Gott würde es doch nicht zulassen, dass seine Stadt den Feinden zum Opfer fiele. Schon gut 100 Jahre vorher hatte Gott ja den Angriff der damals herrschenden Assyrer wunderbar abgewehrt.

Doch Jeremia hielt dagegen: die Stadt würde zerstört werden, sofern das Volk nicht von seinem Götzendienst abließe und zu Gott zurückkehrte. Und diese Zerstörung würde Gottes Gerichtshandeln sein, ausgeführt durch den König Nebukadnezar, den Gott sogar seinen „Knecht“ nennt (Jeremia 25,9).

Dieses Wissen belastete Jeremia sehr, er war in der Stadt sehr verhasst. Bei einem der großen Jahresfeste stand Jeremia im Hof des Salomonischen Tempels und sprach zum versammelten Volk. Er riss es aus seiner Feststimmung. Mit Engelszungen ermahnte der Prophet Jeremia das Volk, umzukehren zu seinem Gott.

Jeremia führt den Weg nach unten, Ziel: Sündenerkenntnis

Er war ein Mann klarer Worte, er nahm kein Blatt vor den Mund, nannte die Sünde unmissverständlich beim Namen, wie es zum Beispiel in Vers 8 und 9 heißt: „Aber nun verlasst ihr euch auf Lügenworte, die zu nichts nütze sind. Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt.“

Jeremia legte den Finger in die Wunde des Götzendienstes, des Unglaubens, der Leichtfertigkeit, der Abkehr von Gott. Und er warnte vor dem Gericht Gottes, dass die Stadt zerstört würde. Aber das Volk war ja überzeugt, dass Gott doch nicht seine Stadt Jerusalem der Zerstörung preisgeben würde. Das hat sich später als fataler Irrtum herausgestellt.

Auch wenn wir heute nicht, jedenfalls noch nicht, mit Repressalien oder Gefängnis wie Jeremia rechnen müssen, will ich mir den Mund nicht verbieten lassen. Ob im Gespräch oder in der Predigt ist es notwendig, dass die biblische Botschaft eindeutig verkündigt wird: nämlich, dass Gott uns liebt, aber wir Menschen vor Gott schuldig sind. Dass wir unsere Sünden bekennen sollen, weil sie nur durch das Opfer Jesu am Kreuz vergeben werden können. Dabei macht der Ton die Musik, der Ton der Liebe! Ich habe es öfter erlebt, dass bei einem Gespräch bei anderen die Herzenstür (Kolosser 4,3) aufging und ich die Botschaft des Evangeliums zwanglos entfalten konnte.

Aber nicht nur klares Reden, auch ein klares und eindeutiges Verhalten ist gefordert, zum Beispiel, wenn Gott gelästert wird. Ich denke an den älteren Christen bei einer Geburtstagsfeier, wo eine Gruppe einen gotteslästerlichen Sketch anfing. Sofort schritt der Mann ein und rief laut, dass diese Gotteslästerung nicht sein darf. Die Gruppe war völlig perplex und hörte damit auf. Ein längeres Gespräch folgte.

Das habe ich mir zum Vorbild genommen. Wenn ein klares Verhalten und Wort von mir gefordert ist, will ich nicht mit der Reaktion und dem Bekenntnis zu Gott zögern.

Die Tempelrede des Jeremia führt weiter zur

Hoffnungsbotschaft – sozusagen: der Weg der Parabel nach oben

„Bessert euer Leben und euer Tun, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort“ (Vers 3).

Trotz aller Bedrohung und Gottlosigkeit damals bestand Hoffnung: die Zerstörung Jerusalems wäre abwendbar gewesen, wenn das Volk zu seinem Gott umgekehrt wäre: „So will ich bei euch wohnen an diesem Ort“ (Vers 3). Es gab noch Hoffnung! Wie damals, ca. 100 Jahre vorher, als die Soldaten der Assyrer angerückt waren, hätte Gott auch dieses Mal die Belagerung der Stadt abgewendet. Bei Gott ist es nie zu spät zur Umkehr. Jeremia betont: Gott will bei seinem Volk wohnen, und zwar an diesem Ort, Jerusalem. Aber das Volk hörte nicht auf Gott und seinen Boten Jeremia ...

Wie Jeremia damals will auch ich heute ein Hoffnungsmensch sein!

In der persönlichen Begegnung: Zeit haben für die Menschen, viel zuhören, denn schon, dass man sich überhaupt aussprechen kann, ist eine seelsorgerliche Hilfe. Ich will keine Patentantworten parat haben, manchmal ‚mit den Weinenden weinen‘ (Römer 12, 15) und möglichst weitergeben, was mir selbst schon geholfen hat, womit ich selbst schon getröstet wurde (vergleiche 2. Korinther 1, 4).


Und in der Predigt bekenne ich es:

* Ich habe den auferstandenen Herrn Jesus Christus in mein Leben eingeladen und freue mich an ‚Christus in mir, die Hoffnung der Herrlichkeit!‘ (Kolosser 1, 27).

* Sein Wort soll meine Richtschnur sein, ich möchte ihm folgen, ihn lieben, denn Jesus sagt: „Wer meine Gebote hält, der ist’s, der mich liebt.“ (Johannes 14, 21)

* Wenn ich schuldig geworden bin, will ich meine Schuld bereuen und bekennen und wissen: Gott ist treu und gerecht, dass er mir die Sünde vergibt (1. Johannes 1, 9).

* Ich kann anderen Menschen, die durch das finstere Tal gehen, zusprechen: ‚Und ob ich schon wanderte durchs finstere Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.‘ (Psalm 23, 4).

* Und ich weiß: Wer den Sohn hat, der hat das – ewige – Leben

(1. Johannes 5, 12 und 13)

So kann ich, so können Christen Hoffnungsmenschen für andere sein – wie Jeremia es für die Menschen seiner Zeit war.

Autor: Hubert Weiler

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