ERF Plus - Bibel heute

Die Verteidigungsrede des Paulus (2)


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„Du bist von Sinnen, Paulus!“, ruft Festus laut. „Das viele Studieren macht dich verrückt!“

Wir sind mitten in einer Gerichtsszene – aber nicht irgendeiner. Vor den Augen des römischen Statthalters Festus, des Königs Agrippa und zahlreicher Ehrengäste verteidigt sich Paulus. Doch seine Rede ist weit mehr als eine Verteidigung. Sie ist ein leidenschaftliches Zeugnis. Eine Einladung zum Glauben.

Was hier in Apostelgeschichte 26 geschieht, ist faszinierend – und herausfordernd. Denn Paulus bleibt nicht bei Argumenten stehen. Er bleibt auch nicht bei sich. Er zielt auf die Herzen seiner Zuhörer.

Wie kommt es zu dieser Szene?

Paulus sitzt seit zwei Jahren in Untersuchungshaft – in Cäsarea. Die jüdischen Autoritäten werfen ihm Irrlehre vor, doch Festus, der neue römische Statthalter, versteht die religiösen Streitfragen nicht. Als König Agrippa II mit seiner Schwester Berenike zu Besuch kommt, bittet Festus ihn um Hilfe.

Paulus wird vorgeführt. Doch statt nur seine Unschuld zu beteuern, erzählt er seine Geschichte: Wie er Christen verfolgte. Wie er auf dem Weg nach Damaskus Jesus begegnet ist. Und wie ihn das für immer verändert hat. Er sagt: „Ich war nicht ungehorsam gegen die himmlische Erscheinung.“

Mit anderen Worten: „Was ich jetzt tue, tue ich, weil Jesus mich gerufen hat.“ Das ist mutig. Denn Paulus weiß: Seine Botschaft ist anstößig. Dass der Messias leiden, sterben – und auferstehen sollte – das passte nicht ins Weltbild vieler seiner Zuhörer. Und doch bleibt Paulus dabei: „Ich rede Worte der Wahrheit und der Besonnenheit.“

Dann wendet er sich direkt an Agrippa: „Glaubst du den Propheten, König Agrippa? Ich weiß, dass du glaubst.“ Agrippa reagiert mit Ironie – doch in seinen Worten liegt auch Respekt. Paulus’ Argumentation hat Eindruck gemacht. Und Paulus zeigt sein Herz: „Ich bete zu Gott, dass über kurz oder lang nicht allein du, sondern alle, die mich heute hören, solche würden wie ich – ausgenommen diese Fesseln.“

Ein starkes Zeugnis. Paulus sitzt in Ketten – und spricht mit einer Freiheit, die seine Zuhörer verlegen macht. Er will nicht recht behalten. Er will Menschen gewinnen – für Jesus Christus.

Was können Sie von Paulus lernen – wenn Sie jemand fragt?

1. Paulus kennt seine Zuhörer.

Er weiß, was Agrippa über die Propheten denkt. Er kennt die Denkweise der römischen Beamten. Und er nimmt sie ernst – auch wenn sie ihn nicht ernst nehmen.

2. Paulus spricht von sich – aber zeigt auf Jesus.

Er erzählt seine Geschichte nicht, um sich zu profilieren. Sondern um zu zeigen: Auch Sie können diesem Jesus begegnen.

3. Paulus bleibt ruhig, aber entschieden.

Weder Ironie noch Spott bringen ihn aus der Fassung. Denn es geht nicht um ihn – sondern um das Evangelium. Um das Leben der Menschen. Um ewige Dinge.

Wie reden wir heute von Jesus?

Paulus inspiriert uns. Was bedeutet das ganz praktisch – im Alltag? Im Gespräch mit Nachbarn, Kolleginnen, Freunden, Enkeln? Das „Wie“ fragt: Kommt unser Reden von Jesus an? Was können wir tun, damit es verständlich und glaubwürdig bleibt? Drei Haltungen können uns dabei helfen:

1. Wir reden von Jesus als Betroffene.

Wir geben keine neutrale Information weiter. Der 1. Johannesbrief sagt: „Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ (1. Johannes 1,3)

Betroffen sein heißt: Jesus hat mit unserem Leben zu tun. Mit Beziehungen, Arbeit, Freizeit, Hoffnungen und Ängsten – mit dem ganzen Alltag. Und da liegt der Knackpunkt.

Während Christen früher fragten: „Lohnt es sich, mit Christus zu sterben?“, fragen viele heute: „Zum Sterben mag er ja taugen – aber das Leben, das schaffen wir doch selbst, oder?“

Wozu also Jesus? Unsere Antwort kommt aus dem eigenen Leben – und zeigt: Doch, Jesus erfüllt das Leben.

2. Wir reden von Jesus als Begeisterte.

Wir sind, wie Paulus sagt, „ein Brief Christi“. Nur Begeisterte können begeistern. Alles andere ist wie kalter Kaffee.

Die Emmausjünger fragten nach der Begegnung mit dem Auferstandenen: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete?“ (Lukas 24,32) Und dann hielten sie es nicht mehr aus. Sie mussten davon erzählen. Halten Sie Jesus so wichtig, dass Sie nicht schweigen können? Geht es Ihnen wie Petrus und Johannes: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apostelgeschichte 4,20)

3. Wir reden von Jesus als Liebende.

Liebende finden Worte – weil sie sich auf den anderen einstellen. Sie reden nicht von oben herab, sondern suchen die Sprache, die verstanden wird. Wenn wir Menschen lieben, zu denen wir von Jesus reden, zeigt sich das in Geduld und Echtheit. Wir drängen uns nicht auf – aber wir bleiben dran. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Liebe. „Die Liebe Christi drängt uns“, sagt Paulus (2. Korinther 5,14).

Wenn wir so reden – als Betroffene, als Begeisterte, als Liebende –dann wird klar: Jesus hat mit unserem Leben zu tun. Und deshalb reden wir von ihm. Nicht, weil wir müssen. Sondern weil wir nicht anders können.

Das Urteil

Am Ende zieht sich der König mit Festus und den anderen zurück. Das Urteil ist klar: Paulus ist unschuldig. Hätte er sich nicht auf den Kaiser berufen – man hätte ihn gehen lassen. Doch so geht seine Reise weiter – nach Rom. In Ketten. Und doch mit einer inneren Freiheit, die bis heute inspiriert.

Vielleicht ist das die größte Lektion aus Apostelgeschichte 26: Sie müssen kein freier Mensch sein, um frei zu reden. Sie müssen nicht alles wissen, um Zeugnis zu geben. Aber: Wenn Sie von Jesus reden, spricht er durch Sie. Mir hilft da häufig die Erinnerung an den Text aus dem Lied von Manfred Siebald:

„Gib mir die richtigen Worte, gib mir den richtigen Ton…

Worte, die klären, Worte, die stören – wo man vorbei lebt an dir.“

Beten wir darum, dass Gott uns solche Worte schenkt –für den Moment, in dem uns jemand fragt. Keine Antworten auf alles – aber auf das Wichtigste.

► Hintergrundinfos zur Apostelgeschichte:

Buchvideo: Apostelgeschichte Kap. 13-28

 

Autor: Pastor Jan-Peter Graap

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