ERF Plus - Bibel heute

Ein Tod mit weitreichenden Folgen


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Jesus ist in Jerusalem angekommen. In der Stadt, in der viele Pilger zum bevorstehenden Passahfest schon eingetroffen sind. Und wie so oft findet Jesus die Aufmerksamkeit der Menschen, auch wenn er diese nicht suchte. Was ihn allein bestimmt, ist sein Wunsch, den Weg zu gehen, den sein Vater ihn führt und auf dem er seinen Auftrag erfüllen soll. Auf diesem Weg tritt er nun in eine kritische Zeit, in die entscheidende Stunde. Ihm steht klar vor Augen, was jetzt passieren wird: Sein Sterben am Kreuz. Er hat wiederholt davon gesprochen und erklärt, sein Tod werde weitreichende Folgen haben. Und doch geht er, obwohl er Gottes Sohn ist, diesem Augenblick nicht mit heroischem Mut entgegen. Er ist zutiefst beunruhigt, innerlich zerrissen, ja verwirrt: „Jetzt ist meine Seele voll Unruhe." (Joh 12,27 LUT)

In diesen kritischen Augenblicken fragt er sich selbst: „Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde?" (Joh 12,27 LUT) Das wäre naheliegend und ich weiß, wie er im Garten Gethsemane mit seinem Vater in dieser Frage gerungen hat. Jetzt gibt er sich selbst die Antwort: „Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen." (Joh 12,27 LUT) Jetzt, wo scheinbar alles einem tragischen Ende entgegenläuft, ist gerade der Höhepunkt seiner Sendung gekommen. Alles ergibt jetzt einen Sinn. Er wird erfüllen, was schon am Anfang über ihn gesagt wurde: „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!" (Joh 1,29 LUT) Das erschüttert ihn, „der von keiner Sünde wusste" (2. Kor 5,21 LUT) und doch „für uns zur Sünde gemacht" wurde (2. Kor 5,21 LUT). Wir können wohl kaum ermessen, was das im Tiefsten für ihn bedeutet. Für uns Menschen bedeutet es, dass wir die Chance bekommen, von unserer Sünde befreit zu werden.

„Vater, verherrliche deinen Namen!"

Deshalb will Jesus diesen Weg gehen und bittet: „Vater, verherrliche deinen Namen!" (Joh 12,28 LUT) Jetzt soll aufleuchten, wie Gott ist. Wie er zu uns Menschen ist. Die Antwort kommt prompt: „Ich habe ihn verherrlicht." (Joh 12,28 LUT) Ein Hinweis darauf, dass Jesus durch alles, was er ist und was er tut, seinen Vater unter den Menschen erkennbar gemacht hat. Doch das findet mit dem bevorstehenden Tod nicht sein Ende. Jetzt erst recht will der Vater seinen Namen „abermals verherrlichen." (Joh 12,28 LUT) Der Vater bestätigt seinen Sohn: „Indem du dich am Kreuz für diese Welt hingibst, erfüllst du bis zum Äußersten meinen Wunsch und meinen Willen." Am Kreuz leuchtet unübersehbar auf, was Gott im Innersten bewegt, wenn er an uns Menschen denkt. Es ist seine unermessliche Liebe. Ich beginne zu ahnen, was das alles bedeuten soll.

Für die umstehende Menschenmenge bleibt es allerdings unverständlich. Sie sind von der mächtigen Stimme zwar beeindruckt, aber sie wissen es nicht einzuordnen. Ist es „Donner", den Gott schickt, oder eine Stimme aus einer anderen Welt, von einem „Engel" etwa? (Joh 12,29) Obwohl sie die Botschaft nicht verstehen, so gilt die Stimme doch vor allem ihnen, denn Jesus sagt: „Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen." (Joh 12,30 LUT) Es betrifft sie und ihre Welt. Die Welt, die gerade dabei ist, Jesus zu verurteilen, ans Kreuz zu bringen und somit endgültig zu beseitigen. Doch sie täuschen sich. Nicht sie richten Jesus und stoßen ihn hinaus, sondern es ist umgekehrt: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen." (Joh 12,31 LUT)

„Von der Erde erhöht"

Wenn Jesus zweimal von „jetzt" spricht, zeigt er damit, was am Kreuz alles passiert. Und das ist viel weitreichender als ich bisher beschrieben habe. Denn es findet eine Zäsur statt. Am Kreuz entscheidet sich die Zukunft und das Schicksal der Welt. Die sich gegen Gott auflehnende Welt wird dort gerichtet. Wenn vom Jüngsten Gericht am Ende der Zeit die Rede ist, ist das nur die letzte Konsequenz von dem, was am Kreuz schon grundsätzlich entschieden und geschehen ist. Soweit die Welt bei ihrer auflehnenden Haltung gegen Gott bleibt, geht sie dem endgültigen Gericht entgegen.

So ist es auch mit dem „Fürsten dieser Welt", der die Welt in Sklaverei festgehalten hat. Der Teufel wird verurteilt und ist damit ein besiegter Feind. Das ist am Kreuz entschieden und es bleibt nicht mehr offen, wer den Sieg davonträgt. Das Kreuz und die Auferstehung Jesu bedeuten die Niederlage Satans. Damit wird all das umgekehrt, was Satan zu erreichen versucht hat. Satans Macht bringt Zerstörung und Tod; Jesu Macht dagegen bringt Erneuerung und Leben. Obwohl Satan noch immer aktiv ist, ist es letztlich der verzweifelte Versuch, sich gegen seinen endgültigen Niedergang zu stemmen.

Doch bei Jesus kann von Niedergang keine Rede sein. Denn er wird „erhöht werden von der Erde …" (Joh 12,32 LUT) Das sagte Jesus, „um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde." (Joh 12,33 LUT) Er wurde ans Kreuz genagelt und mit dem Kreuz aufgerichtet, also „von der Erde erhöht". Doch er hat nicht nur diese Tatsache im Sinn, sondern auch, dass er durch die Auferstehung und durch die darauf folgende Himmelfahrt erhöht wird. Es ist diese Perspektive, die Jesus befähigt, entschlossen seinen Weg bis zum Äußersten zu gehen.

„So will ich alle zu mir ziehen"

Doch er denkt dabei nicht nur an sich. Er denkt in seiner entschlossenen Liebe an uns Menschen: „Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen." (Joh 12,32 LUT) Er ist nicht nur in diese Welt gesandt, um dann wieder aus ihr zu verschwinden. Jesus ist gesandt, um Menschen mitzunehmen in die vertraute Beziehung zu Gott. Er möchte sie für immer bei sich haben. So ergreift er die Initiative und zieht die Menschen zu sich. Das steht hinter dem „Und ich … will ziehen". Wir können nur zu ihm kommen, weil er zieht. Doch genau das geschieht vom Kreuz her. Wenn Jesus heute Menschen zu sich zieht, bleibt der Ausgangspunkt das Geschehen am Kreuz. Deshalb ist so oft vom Gekreuzigten die Rede, weil unser Leben daran hängt, und das für immer und ewig.

Wenn Jesus sagt: „… so werde ich alle zu mir ziehen" (Joh 12,32 LUT), heißt das zunächst, dass es dafür keine Grenzen gibt. Er hat nicht nur sein Volk, das jüdische Volk, sondern die ganze Welt mit ihren Menschen im Blick. Das ist von Anfang seiner Sendung an klar. Doch ebenso macht Jesus deutlich, dass er dabei den Willen des Menschen nicht einfach übergeht.

Das Volk ist mit seinen Vorstellungen vom Messias beschäftigt und kann Jesus und seine Äußerungen nicht einordnen. Damit stehen sie in der Gefahr, gerade das zu verpassen, was Jesus ihnen anbietet: Licht in der Finsternis. Ihre Zukunft hängt davon ab, wie sie sich zu ihm verhalten. So ist der eindringliche Aufruf von Jesus zu verstehen: „Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, auf dass ihr des Lichtes Kinder werdet." (Joh 12,36 LUT) Also: Verschiebt die Entscheidung nicht auf später oder irgendwann. Sie können das Licht verlieren, wenn sie es nicht nutzen. Sie haben eine Gelegenheit, die sich nicht einfach wiederholt. Und diese Gelegenheit ist jetzt. Es gibt allen Grund, sich jetzt auf die Seite des Gekreuzigten zu schlagen. Nur so kommen wir ins Licht. Mehr noch, wir werden „Kinder des Lichts". Unsere Zukunft wird vom Licht bestimmt, das heißt von Christus selbst. Was kann uns Besseres passieren? Das ist Leben pur! Leben, wie Gott es sich für uns gedacht hat.

Autor: Pastor Siegfried Leferink

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