ERF Plus - Bibel heute

Ein Umbruch wird zum Aufbruch


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Der Bibeltext Psalm 76 – ausgelegt von Wolfgang Weidinger.
Gott als Schutz und Stärke in Zeiten des Umbruchs

Der Psalm 76 ist ein Dank und Lobpreis für den Gott Israels. Entstanden vermutlich nach einer Rettung vor den Assyrern. Davon geht jedenfalls ein Teil der Ausleger aus. Gott steht den Menschen, die ihm vertrauen, immer zur Seite, egal wann und wo auch immer. Er ist immer für seine Leute erreichbar, auch heute, für glaubende Menschen. Rund um die Uhr – sieben Tage die Woche. Es ist auch ein Mutmachpsalm. Gerade in Zeiten wie diesen, wo wir uns wieder einmal in einem Umbruch befinden. In Zeiten der Unruhe und des Unfriedens. Gott steht seinen Leuten zur Seite, er kämpft für sie. So wie auch in diesem Psalm.

Umbrüche und Unfrieden gab es leider schon immer. Doch nach jedem Umbruch gab es auch wieder einen Aufbruch – einen Neuanfang. So wie damals, als die Assyrer Israel praktisch den Krieg erklärten. Wie war das damals, wie kam es dazu?

Die Assyrer – Eine Weltmacht als Bedrohung Israels

Im 8. Jahrhundert v. Chr. stieg das Neuassyrische Reich zur Großmacht auf und beherrschte teilweise auch Babylonien und Ägypten. Die Assyrer wollten unter allen Umständen die Vorherrschaft über Nordmesopotamien und Nordsyrien. Viele Bibelwissenschaftler bringen Psalm 76 mit der Belagerung durch den assyrischen König Sanherib in Verbindung. Nachzulesen im 2. Buch der Könige in den Kapiteln 18 und 19.

Wer waren die Assyrer?

Sie waren eine Großmacht im Vorderen Orient. Die Hauptstädte waren u. a. Ninive und Assur. Auch militärisch waren sie hoch entwickelt, mit den besten und modernsten Waffen aus Eisen und mit Belagerungsmaschinen ausgerüstet. Sie waren brutal, grausam und vor allem dafür gefürchtet, dass sie ganze Völker deportierten. Also ein Gegner, dem man besser ausweicht. Israel war dieser Großmacht absolut unterlegen. Wer sich gegen sie auflehnte, wurde niedergemetzelt.

Assyrien war damals so etwas wie der Riese Goliath in XXL – eine militärische Supermacht, brutal, grausam, gefürchtet. Scheinbar unaufhaltsam. Das Südreich Juda unter König Hiskia war im Vergleich dazu klein, politisch schwach, menschlich ohne Chance. Und genau da hinein passt dieses geistliche Muster:

Der assyrische König Sanherib hatte schon viele Städte erobert. Seine Truppen standen vor Jerusalem. Seine Boten verspotteten Gott, verhöhnten den Glauben Israels. Menschlich gesehen war klar: Diese Stadt hat keine Chance. König Hiskia reagiert nicht mit Gegenwehr, sondern mit Gebet. Er breitet den Drohbrief vor Gott aus. Und Gott greift ein: Psalm 76,2–3

Warum griffen die Assyrer Israel an?

Es ging um Macht und Unterwerfung. Assyrien wollte ein gigantisches Imperium – eine damalige Weltmacht erschaffen. Eine Weltmacht mit Satellitenstaaten und Tributzahlungen. Israel lag strategisch wichtig zwischen Mesopotamien und Ägypten. Ein konkreter Anlass war, dass sich Hiskia in Juda von der assyrischen Knechtherrschaft lossagte. Er verweigerte Tributzahlungen. Nachzulesen in 2. Könige 18,7. Das ließen sich die Assyrer natürlich nicht bieten und begannen mit einem Feldzug. Denn wer sich gegen Assyrien stellte, stellte sich nicht nur gegen den Staat, sondern auch gegen ihre Götter. Das konnten die Assyrer unter keinen Umständen dulden.

Gottes Eingreifen – Sieg durch Glauben, nicht durch Stärke

Wie ich schon erwähnte: Es war wie David gegen Goliath. Der eine mit modernsten Waffen und Rüstung – der andere „im Namen des HERRN Zebaoth" (1. Samuel 17,45). Mit einem König, der betet und sich auf Gottes Zusage verlässt.

Psalm 76 feiert genau das: Gott ist der eigentliche Sieger, nicht Israel/Juda. Er zerbricht Bogen, Schwert und Krieg (Psalm 76,4). Wie bei David: Ein kleiner Stein, von Gotteshand geführt. Gott stand Israel/Juda bei, vernichtete den Feind und verherrlichte sich selbst. Gelobt und gepriesen sei unser Herr. Da sind die, die eben noch mächtig und unbesiegbar wirkten, machtlos. Genau das spiegelt Psalm 76,6 wider:

Die stolzen Krieger – sie schlafen. Die Kriegsmaschinerie steht still. Nicht, weil Israel so stark ist, sondern weil Gott eingegriffen hat. Das ist der rote Faden, der sich durch die Weltgeschichte zieht:

Mächte, die übergroß wirken – und ein Gott, der zeigt: Bis hierher und nicht weiter.

„Gott setzt der Wut der Menschen Grenzen – so wie er auch dem Meer Grenzen setzt: Bis hierher und nicht weiter."

Psalm 76,10 ist dabei eine Schlüsselstelle:

„Als Gott sich aufmachte zum Gericht, zu helfen allen Elenden auf Erden."

Das ist die Kernaussage, die besagt, dass nicht nur Gericht gehalten und gestraft wird, sondern wie eingangs bereits erwähnt ein Neuanfang ohne Unterdrückung und Tyrannei, in Freiheit stattfindet. Wenn Gott richtet, dann stellt er Recht her – sein Recht, seine Gerechtigkeit. Er befreit die Unterdrückten, alle, die Unrecht erleiden mussten. Die geknechtet und ausgenutzt wurden.

In Vers 11 lesen wir über die Souveränität Gottes. Für glaubende Menschen heute bedeutet das:

Auch das, was Menschen aus Wut, Hass oder Stolz gegen Gläubige oder gegen Gottes Wege tun, ist für Gott nicht das Ende, sondern Grundstoff, den er in seine Gerechtigkeit von Rettung und Herrlichkeit einbezieht. Gott begrenzt den Zorn. Was er nicht in Lob verwandelt, mit dem „gürtet" er sich wie eine Waffe: Er benutzt selbst das Übriggebliebene, um seiner Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen. Nichts läuft außer Plan.

Vertrauen statt Angst – Die Botschaft für uns heute

Was sagt uns das?

Unsere Aufgabe ist nicht, die Weltmächte zu kontrollieren oder politisch tätig zu werden, sondern Gott zu vertrauen, zu beten, gerecht zu leben und nicht in Angst zu versinken.

Gibt es in Ihrem und meinem Leben nicht auch Dinge, die uns in irgendeiner Form bedrohlich vorkommen, oder die wir insgeheim fürchten? Wo wir uns vielleicht auch unterlegen fühlen? Wie gehen wir damit um? Fügen wir uns unserem Schicksal oder kämpfen wir? Kämpfen, obwohl wir schon von vornherein wissen, dass wir nicht gewinnen können? Ergibt das Sinn? Genau da können wir uns an Psalm 76 orientieren. Wir können uns auf die Zusage Gottes verlassen. Er tritt für die Menschen ein, die ihm vertrauen. Auch für Sie persönlich. Er kämpft für Sie und steht Ihnen bei. Ja, Er erlöst und befreit Sie.

Bibellesen unter bibleserver.com

Autor: Wolfgang Weidinger

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