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„Heuchler!“ - das ist interessanterweise einer der Vorwürfe, die Christinnen und Christen am häufigsten zu hören bekommen. Ich sage „interessanterweise“, weil Jesus selbst diesen Vorwurf nie zu hören bekommen hat. Warum halten viele Jesus für aufrichtig, seine Nachfolger aber eher weniger?
Schon die ersten Christen hatten mit einer Lücke zwischen Sein und Schein zu kämpfen, denn der Apostel Johannes setzt sich in seinen Briefen schon kurz nach Tod und Auferstehung von Jesus selbstkritisch damit auseinander. Er schreibt im 1. Johannesbrief Kapitel 2:
Wer sagt: Ich habe [Christus] erkannt, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll so leben, wie er gelebt hat.
„In ihm sein“, damit meint Johannes die vollkommene Identifikation eines Menschen mit Jesus. Ein inniges Zusammenleben mit dem unsichtbaren, auferstandenen Christus durch Dick und Dünn. Und Johannes besteht dabei auf Wahrhaftigkeit: Sich derart vollkommen mit Jesus zu identifizieren, das ist schnell gesagt. Aber am Ende zählt, was im echten Leben ankommt. Ob der Mensch, der sich da so selbstsicher mit Jesus identifiziert, am Ende auch „seine Gebote hält“. Alles andere hätte den Vorwurf der Heuchelei wirklich verdient.
Johannes fordert nicht Tugendhaftigkeit, sondern Wahrhaftigkeit. Für mich atmet das Freiheit: Ich muss vor Gott nicht so tun, als wäre ich vollkommen. Vielleicht hilft diese Erkenntnis dabei, es auch vor Menschen weniger oft zu versuchen. Und mehr von dem auszustrahlen, was Jesus so unfassbar anziehend macht: Er interessiert sich nicht wirklich für den Schein, sondern wahrhaftig für mein Sein.
Autor: Dr. Jörg Dechert
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Vorsicht vor dem Hund – diese oder ähnliche Warnbotschaften kann man an der einen oder anderen Eingangstür lesen. Manche dieser Warnungen sind recht kreativ gestaltet oder sogar ins Lächerliche gezogen. Wenn etwa - statt vor dem bissigen Hund - vor dem „bisschen“ Hund gewarnt wird und auf dem entsprechenden Grundstück ein Hündchen von der Größe einer mittleren Faust wohnt, zaubert dieses Schild ein amüsiertes Lächeln auf die Gesichter der Passanten.
Was aber wäre, wenn irgendwo ein Schild hinge „Warnung vor dem gefräßigen Löwen“? Am Eingang eines Safariparks würde man das vermutlich ernst nehmen. An einem gewöhnlichen Gartenzaun in Mitteleuropa wohl kaum.
Und doch gibt es diese Warnung – sie steht in der Bibel, im ersten Petrusbrief, Kapitel 5, Vers 8: „Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.“ [EÜ 2016] Das ist eine deutliche Ansage – ohne Verniedlichung.
Petrus warnt in seinem Brief die christliche Gemeinde und ihre Leiter vor einer Gefahr, die unsichtbar auf ihre Opfer lauert. Vor dem Feind, der die Menschen und manchmal auch ganze Gemeinden oder Kirchen irreführen und zerstören will. Das einzige Mittel dagegen ist: Auf Jesus Christus schauen, alles ihm anvertrauen und immer wieder seine Nähe suchen. Damit der Widersacher keine Macht gewinnt. Dann mag der Löwe brüllen, wie er will – verschlingen wird er niemanden, der sich an Jesus Christus klammert.
Autor: Annegret Schneider
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Wir schreiben das Jahr 587 vor Christus. Es ist Sommer. Israel ist von den Babyloniern besetzt, die Hauptstadt Jerusalem ist nach eineinhalb Jahren Belagerung gefallen. Nach vier Wochen rücken Nebukadnezars Truppen in die Stadt ein, plündern und zerstören den Tempel, schleifen die Stadtmauer und verhaften den traurigen Rest der Oberschicht. Vielen droht der Tod, die meisten werden nach Babylon deportiert. Nur für einen bessert sich die Lage: Der Prophet Jeremia hat die letzten Monate als Gefangener im Wachhof des Palastes verbracht. Auf Geheiß des babylonischen Großkönigs wird Jeremia befreit und gut behandelt – die Babylonier sehen keinen Grund, den Propheten länger festzuhalten.
Glück im Unglück, könnte man meinen. Eine Extrawurst für den unbequemen Mahner und Warner. Aber Jeremia empfindet keine Genugtuung. Er teilt das Schicksal der im Land verbliebenen Menschen. Er weiß: Die Heimkehr der Deportierten und den Wiederaufbau wird er nicht mehr erleben. Aber immerhin wird es eine Heimkehr und einen Wiederaufbau geben. Gott ist mit seinem auserwählten Volk noch nicht fertig. – Mehr als 40 Jahre lang hat Jeremia gewirkt, vier Könige Judas hat er überlebt. Er hatte im Auftrag Gottes zwar viel Gericht anzusagen, aber auch jede Menge Heil zu verkünden.
Jeremia ist Geschichte. Aber die Erfüllung eines guten Teils der Verheißungen, die Jeremia im Namen Gottes verkündet hat, steht noch aus. Dauerhafter Frieden im Land der Bibel zum Beispiel lässt noch auf sich warten – aber Gott hat alle Zeit der Welt, und die Zeit, die er sich lässt, die lässt er uns.
Autor: Markus Baum
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Im Medienbereich gibt es einen Grundsatz: Kinder und kleine Tiere funktionieren immer. Das bedeutet, wenn man z. B. seine Präsentation auflockern will: ein Bild mit einem drolligen Kind oder einem süßen Tierbaby entlockt den meisten Menschen ein spontanes: „ooooh!“.
In unserem heutigen Bibeltext kommen die Tierkinder allerdings nicht so gut weg:
Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben; denn unsere Weinberge haben Blüten bekommen. So kann man nachlesen im Hohenlied der Liebe. Dieses Buch wird Salomo zugeschrieben, dem dritten König Israels. Es enthält eine Sammlung von Liebesliedern.
Also: wer die Bibel für ein prüdes, verstaubtes Buch hält – hier wird er eines Besseren belehrt.
Zurück zu den kleinen Füchsen, die da im Weinberg herumtollen. Sie sind doch sicher drollig anzuschauen. Auf den ersten Blick zumindest.
Aber im Zusammenhang gibt uns das Hohelied der Liebe hier einen Super-Tipp für den Alltag:
Schwierigkeiten fangen im Kleinen an. Schlechte Gewohnheiten stellen sich nicht über Nacht ein, sondern wachsen mit der Zeit.
Die kleinen Füchse drohen mit ihrem Spiel einen ganzen Weinberg zu verwüsten. Harte Arbeit wird vernichtet. Das kann man auf eine partnerschaftliche Beziehung deuten, aber auch einfach für das eigene Leben.
Regelmäßig zu spät ins Bett und am nächsten Tag müde und gereizt? Immer bereit, bei Gerede über andere zuzuhören und mitzureden? Wenn ich den Weinberg meines Lebens betrachte, sehe ich vielleicht tatsächlich einige Füchslein herumflitzen. Es lohnt sich, Fallen aufzustellen, bevor sich die kleinen Macken zu echten Problemen auswachsen.
Autor: Claudia Mertens
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Achtung, hier kommt ein sehr christlicher Begriff: "Heiligung". Manchmal kommt mir der Verdacht, dass einige Christenmenschen bei diesem Thema an eine Art frommes Fitnessstudio denken. Dass sie sie als Übung verstehen, in der man immer besser werden muss. Um dann auf die anderen herabsehen zu können und ihnen mehr oder weniger subtil mitzuteilen, dass sie noch nicht so weit sind.
Das dritte Buch Mose wäre für diese Leute dann der Trainingsplan, mit all seinen Regeln und Geboten. In Kapitel 20 steht ja auch: "(...) heiligt euch und seid heilig; denn ich bin der HERR, euer Gott."
Heiligung ist also keine fromme sportliche Übung, um danach besser auf die anderen herabschauen zu können. Heiligung ist nötig, um Gott nahe zu sein. Keiner schafft sie aus sich heraus. Gott sagt: "Ich bin der HERR, der euch heiligt." (3. Mose 20,8b)
Autor: Mirjam Langenbach
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Nichts wird so gerne besungen wie die Liebe. In allen ihren Schattierungen und in sämtlichen musikalischen Stilrichtungen wird sie behandelt. Auch in der Bibel spielt die Liebe eine wesentliche Rolle. Im neuen Testament wird davon berichtet, wie sehr Jesus die Menschen liebt. Und dann wird seine Liebe zum Vorbild und Erkennungszeichen für alle Menschen, die an Jesus glauben und ihm nachfolgen. Das ist auch Thema in den Johannesbriefen im Neuen Testament. Dort steht zum Beispiel: "Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat." (1. Johannes 4,19)
In anderen Übersetzungen steht da auch "Lasst uns lieben, weil ..." oder "Wir lieben, weil ..." Hier gibt es leichte Unterschiede. Was aber bei allen gleich ist, das ist der Grund, warum Christen lieben können: "Weil er uns zuerst geliebt hat". Gemeint ist Gott. Gott hat die Menschen von Anfang der Welt an geliebt. Aus Liebe zu den Menschen hat er seinen Sohn Jesus Christus auf diese Welt gesandt und ihn für die Menschen geopfert. Aus Liebe zu Ihnen und mir ist Jesus diesen Weg gegangen. Wer so eine Liebe erfahren hat und begriffen hat, wie groß dieses Geschenk ist, sollte in der Lage sein, auch andere Menschen zu lieben.
Soweit die Theorie. Doch in der Praxis sind die Worte des Johannes nicht nur Aufforderung, sondern auch Herausforderung. Denn auch in der christlichen Gemeinschaft sind nicht alle Menschen automatisch liebenswert. Doch sie waren und sind Gottes Liebe wert. Deshalb bin ich immer wieder in Frage gestellt, wenn ich anderen Menschen lieblos begegne, nicht nur in der christlichen Gemeinde, sondern überall.
Autor: Horst Kretschi
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"Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach." In welchem Zusammenhang haben Sie diesen Satz schon gehört? Beim Widerstehen gegenüber dem Naschen von Süßigkeiten? Beim sich Aufraffen zum Sport? Er taucht auch bei der Versuchung der Sexualität auf, da scheint er irgendwie ganz besonders hinzugehören. Dabei hat der Satz eine ganz andere Bedeutung, und die erkennt man nur, wenn man den Zusammenhang dieser Aussage in der Bibel betrachtet, nachzulesen im Matthäusevangelium, Kapitel 26. Die Situation: Jesus ist im Garten Gethsemane vor den Toren Jerusalems. Er betet, allein. Seine Jünger warten auf ihn an einer anderen Stelle im Garten. Warten? Nein, sie sind eingeschlafen. Und als Jesus zu ihnen kommt, schärft er ihnen ein: "Bleibt wach und betet, damit ihr die kommende Prüfung besteht. Denn der Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist schwach!"
Nein, keine Süßigkeiten, kein Sport, kein Sex! Darum geht es nicht. Es geht um das Erkennen: Ich schaffe es nicht ohne Gott! Ich erschöpfe, ich schlafe ein. Auch, wenn ich mich noch so sehr anstrenge und vom Kopf her das Richtige will: Ich bin überfordert, mache Fehler, versage. Die einzige Rettung ist: Gottvertrauen, wie es Jesus praktiziert hat. Wir Menschen schaffen es nicht allein, wir brauchen Gottes Beistand. Darum: Beten Sie! Auch, wenn Sie selbst dazu manchmal zu erschöpft sind, zu hoffnungslos. Gott weiß das und kommt immer wieder auf Sie zu. Denn er liebt Sie! Bedingungslos!
Autor: Hans Wagner
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Saulus hat Zeugen für das, was er behauptet. Sie können bezeugen, was vor den Toren von Damaskus, der syrischen Hauptstadt, passiert ist. Mindestens zwei Männer sind mit ihm unterwegs. Zwei Männer reichen vor 2000 Jahren sogar für eine rechtskräftige Zeugenaussage.
Ihr Problem: Sie sind keine richtigen Augenzeugen, sie sind Ohrenzeugen. In der Apostelgeschichte, Kapitel 9, Vers 7 heißt es:
„Die Männer, die mit Saulus reisten, standen sprachlos vor Bestürzung dabei; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand.“ (NGÜ)
Die Reisebegleiter von Saulus hören, wie Saulus zum Paulus wird. Vom Christenverfolger zum Missionar. Zu dem Mann, der ab dem Zeitpunkt nicht mehr anders kann, als von Jesus erzählen.
Sind diese Männer von dem, was Saulus erlebt hat, genauso überzeugt, wie Saulus selbst? Sie hören alles und sind sprachlos. Vermutlich ist das ihre erste Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, der vom Himmel aus eingreift. Sind sie offen für neue Pläne wie Saulus? Sie begleiten Saulus nach Damaskus – mit welchem Ziel?
Einmal angenommen Sie und ich werden heute zum Zeugen, wie Jesus einen Plan durchkreuzt. Was löst das bei Ihnen und bei mir aus? Ich möchte dann wie Saulus erzählen, was Jesus getan hat.
Autor: Pastorin Elke Drossmann
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Neulich haben wir als Großfamilie den 90. Geburtstag meiner Mutter gefeiert. Es war ein schönes Fest mit vier Generationen, 20 sehr lebhafte Urenkel eingeschlossen.
Teil der Feier war eine Fotopräsentation mit Bildern aus einem langen Leben. Wir haben meine Mutter als Kind erlebt, als Jugendliche, glückliche Ehefrau, trauernde Witwe, berufstätige Mutter, Oma und Uroma. Haben ihr erfülltes Leben gefeiert und über Gottes Güte gestaunt, die in guten und schweren Lebensumständen deutlich sichtbar gewesen ist.
Mir ist bei dieser Gelegenheit etwas sehr deutlich geworden: Selbst das lange Leben meiner Mutter fühlt sich in der Rückschau kurz an.
Diesen Gedanken finde ich auch in Psalm 39. In Vers 6 lese ich:
Meine Lebenszeit gleicht in deinen Augen nur einer Handbreite, meine Zeit auf dieser Erde ist vor dir wie ein Nichts. Der Mensch ist nur ein Hauch, selbst wenn er noch so kraftvoll dazustehen scheint. Psalm 39, Vers 6 (NGÜ)
Je älter ich werde, desto eindringlicher empfinde ich die Worte des Psalmbeters. Und deshalb bin ich dankbar, dass ich mich bei Gott geborgen weiß.
Weil das so ist, kann ich das, was gewesen ist, zur Ruhe kommen lassen. Was heute geschieht, gestalte ich bewusst, und auf meine Zukunft gehe ich gelassen zu. Denn ich weiß: Meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind sicher in den Händen meines himmlischen Vaters.
Autor: Wolf-Dieter Kretschmer
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„Um das Gleichgewicht zu halten, hilft es, den Blick auf einen festen Punkt zu fixieren“, erklärt mir die Fitnesstrainerin während einer Übung. Ein solcher Fixpunkt unterstützt dabei, Stabilität zu gewinnen und die Balance zu halten.
Der Rat ist gut. Er erinnert mich daran, dass nicht nur mein Körper, sondern auch mein Leben eine gute Balance benötigt. Gesundheit, ein harmonischer Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhe sowie intakte Beziehungen dienen mir als Fixpunkte für ein ausgewogenes Leben.
Im Johannesevangelium, Kapitel 1, Vers 29, finde ich einen weiteren Fixpunkt. Johannes der Täufer setzt ihn, indem er von Jesus sagt:
„Siehe, das ist Gottes Lamm, das die Sünde der Welt trägt.“
Johannes ist überzeugt: Wer auf Jesus schaut, hat einen festen Halt im Leben.
Kürzlich konnte ich in Colmar den Isenheimer Altar betrachten. Besonders beeindruckt hat mich die Kreuzigungsszene. Obwohl Johannes der Täufer bei der Kreuzigung Jesu nicht mehr lebte, hat ihn der Künstler Matthias Grünewald unter das Kreuz gestellt. Mit einem übergroßen Zeigfinger deutet Johannes auf Jesus.
Damit bezeugt er eine zeitlos gültige Wahrheit: Der sicherste Fixpunkt im Leben ist der gekreuzigte und auferstandene Jesus. Wer sich an ihm orientiert, findet Halt trotz allem, was das Leben aus dem Gleichgewicht bringt – Sünde und Schuld, aber auch Ängste, Sorgen und Lebensstürme. Weil Jesus trägt, was mich ins Wanken bringt, gewinnt mein Leben an Stabilität.
Deshalb will ich heute meinen Glauben trainieren, indem ich mich auf Jesus fixiere.
Autor: Ellen Hörder-Knop
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