„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Ja, dieses unglaubliche Ereignis feiern wir heute, an diesem Ostersonntag 2025. Jesus, der brutal gefoltert wurde und dann einen furchtbaren Tod am Kreuz sterben musste, ist am dritten Tag auferstanden.
Einige Frauen kamen zum Grab, um Jesus zu beweinen und zu betrauern. So berichten es alle vier Evangelien im Neuen Testament. Die Berichte bei Matthäus, Markus, Lukas und Johannes fallen etwas unterschiedlich aus. Aber allen gemeinsam ist das Erschrecken der Frauen über das leere Grab. Der schwere Stein vor der Grabkammer ist weggerollt, das Grab ist leer. Der Leichnam ist weg, spurlos verschwunden. Es ist wirklich nicht zu fassen!
Gut, dass zwei Männer kommen. Sie werden nicht weiter vorgestellt oder beschrieben, nur dass sie glänzende Kleider trugen. So berichtet es Lukas. Also schon besondere Männer. Sollten sie Engel sein? Boten Gottes? Von Gott geschickt? „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden“, sagen sie zu den Frauen.
Während einer Rundreise durch Israel stand auch der Besuch des Gartengrabs in Jerusalem auf dem Programm, eine schöne Gartenanlage, ein Park, in dem sich ein Felsengrab befindet. Die Forscher sagen: „Dieses Grab ist nicht das originale Grab Jesu, aber so ähnlich war auch wohl das Steingrab, das Josef von Arimathäa für das Begräbnis Jesu bereitgestellt hat.
Es war für uns als Reisegruppe sehr wohltuend, in dieser Anlage zu sein, inmitten der unruhigen, hektischen Stadt ein Ort der Ruhe. Der Zugang zur Grabkammer war durch eine Holztür verschlossen, die aber geöffnet werden konnte. Auf der Holztür standen in englischer Sprache die Worte der Engel an die Frauen, wie wir sie bei Lukas lesen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“
Ja, wirklich, wer Jesus sucht, wer den Auferstandenen sucht, der findet ihn nicht in dieser Grabkammer, damals nicht, und erst recht nicht in heutiger Zeit.
Die Frauen sind erschrocken und verunsichert. Aber die Engel lassen sie damit nicht allein. Sie erinnern die Frauen an Worte Jesu. Hatte er nicht gesagt, dass er, der Sohn Gottes, in die Hände der Menschen gegeben würde, die über ihm zu Gericht sitzen und ihn zum Tode verurteilen würden? Hatte er nicht davon gesprochen, dass er am dritten Tag auferstehen würde?
O ja, die Frauen erinnern sich offenbar. Ich denke mir, dass sie immer noch damit zu tun haben, das alles einzuordnen und zu verkraften, was sie erlebt haben. So machen sie sich auf zu den 11 Jüngern Jesu.
Ich stelle mir vor, dass die Frauen ganz aufgeregt zu dieser Männergruppe kommen. Sofort erzählen sie, was sie erlebt haben. Und wie reagieren diese Männer? „Sie glaubten ihnen nicht“, heißt es. Was diese Frauen erzählen, das kommt ihnen wie Geschwätz vor, wie eine Einbildung.
Es ist ja auch wirklich nicht zu glauben, dass ein Toter nach zwei Tagen wieder zum Leben erweckt wird. Wo hat es das jemals gegeben?
Ich wurde einmal als Notfallseelsorger gerufen. Ein Mann war plötzlich gestorben. Seine Lebensgefährtin fand ihn tot in seinem Bett. Als ich dort eintraf, flehte mich die Frau an: „Beten Sie, dass er wieder lebendig wird! Es kann doch nicht sein, dass er tot daliegt und tot bleibt!“ Ja, ich habe gebetet. Aber ich konnte nicht dafür beten, dass der Mann wieder lebendig wird. Ich hatte doch nicht die Macht über den Tod. Und ob Jesus, dem alle Macht von Gott gegeben ist, ihn auferweckt hätte?
Ich glaubte es nicht. War mein Glaube zu klein? Ich habe Jesus um Beistand gebeten, um Trost für die Frau, deren ganze Lebensperspektive so plötzlich in Nichts versunken war. Sie war eine Litauerin und war wegen des Verstorbenen, eines einheimischen Ostfriesen, nach Deutschland gekommen. Gemeinsam wollten sie ihr Leben aufbauen. Nun war alles vorbei.
Sie schimpfte mit mir. Sie machte mir Vorhaltungen. Aber langsam beruhigte sie sich. Ich konnte mit ihr überlegen, welche nächsten Schritte jetzt zu gehen waren und was zu regeln war.
Mir wurde an diesem Tag die Macht des Todes sehr bewusst. Und ich dachte auch an andere Menschen, die ich als Pastor und Seelsorger begleitet hatte, die aber im Glauben an Jesus verstorben waren in der Gewissheit: „Ich werde in der Ewigkeit bei Jesus sein. Er ist meine Hoffnung, auch wenn ich dem Tod entgegengehe.“
Ja, sicher, die Macht des Todes ist groß. Wir kommen gegen diese Macht nicht an. Aber angesichts dieser gewaltigen Macht dürfen wir uns an Jesus wenden. Wir alle haben unseren Tod noch vor uns. Aber Jesus hat den Tod hinter sich. Und wir können und dürfen singen: „Jesus lebt, mit ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine Schrecken?“
Lukas erzählt von Petrus, der sich überzeugt hat: „Ja, das Grab ist leer. Die Frauen haben recht.“ Aber er wunderte sich doch. Später, so lesen wir bei Lukas und auch bei den anderen Evangelisten, ist Jesus, der Auferstandene, seinen Jüngern erschienen. Da war nicht ein Toter wieder ins Leben zurückgeholt worden, um dann eines Tages endgültig zu sterben. Nein, da war Jesus auferstanden mit einem neuen, anderen Körper. Er erschien den Jüngern, wurde oft nicht gleich erkannt. Aber doch merkten die Jünger bald: „Jesus ist da. Und er sendet uns los, damit wir es als seine Zeugen verkündigen: Jesus, der Gekreuzigte, ist auferstanden. Er lebt. Und wer an ihn glaubt, wird auch leben, und das in Ewigkeit.“
In dieser Gewissheit dürfen und können wir Ostern feiern, das Fest der Auferstehung Jesu.
Und wo ist er nun zu finden, wenn nicht in Jerusalem im Gartengrab? Durch seinen Geist ist er da. Nicht zu sehen und nicht zu fühlen. Aber als seine Gemeinde feiern wir ihn in unserer Mitte. In unserer Welt, die von den Schrecken des Todes umgeben ist, bezeugen wir Jesus als den Lebendigen, als den Grund unserer Hoffnung.
Autor: Pastor Bernhard Berends
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