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Manchmal passieren Dinge im Leben, die man am liebsten ungeschehen machen möchte. Ein Moment der Unachtsamkeit kann eine Kette unbeabsichtigter und dramatischer Folgen auslösen. Ehe man sich versieht, steht man, ohne es zu wollen, vor einem Scherbenhaufen.
Das beste Beispiel ist vermutlich der berühmte Ball, der unvermittelt zwischen parkenden Autos auf die Straße rollt. Gut, wenn ich in einem solchen Moment geistesgegenwärtig reagiere und mein Fahrzeug rechtzeitig zum Stehen kommt, denn bekanntlich taucht hinter einem Ball häufig ein kleines Kind auf. Schlecht, wenn mir infolge der Notbremsung ein anderer Verkehrsteilnehmer hinten auffährt. Schlimmer noch, wenn ich nicht rechtzeitig zum Stehen komme und das Kind verletzt wird!
Ich habe eine ähnliche Situation im Bekanntenkreis miterlebt. Tatsächlich war ein kleiner Junge seinem Ball auf die Straße nachgelaufen. Glücklicherweise verlief alles glimpflich. Niemand wurde verletzt. Aber der Schock hat sowohl bei den Eltern als auch bei dem Autofahrer tief gesessen. Ich glaube, dass auch das Kind fürs Leben gelernt hat.
Leider passieren aber trotz Umsicht und Sorgfalt immer wieder Unfälle mit schwerwiegenden Folgen. Menschen werden ernsthaft verletzt oder kommen sogar zu Tode. Vielleicht sogar jemand, der mir nahesteht. Wut und Rachegedanken können in solchen Momenten mein Denken beeinträchtigen.
Vergleichbare Situationen kannte man auch im alten Israel. Aber anders als heute war es damals üblich, selbst das Recht in die Hand zu nehmen. Sogenannte Bluträcher, meistens waren es Familienangehörige des Getöteten, schwärmten aus, um den Täter zu stellen und umzubringen. – Eine Praxis, die aus heutiger Warte verstörend wirkt!
Um solche Situationen geht es im 5. Buch Mose, Kapitel 19 in den Versen 1 bis 13: Mose gibt genaue Anweisungen, welche Regeln gelten sollen, wenn es zu unbeabsichtigten Unfällen mit Todesfolge kommt.
Jahre später wird diese Anweisung durch Josua umgesetzt. Im Buch Josua 20,7-8 werden je drei Freistädte östlich und westlich des Jordans eingerichtet.
Es sind Kedesch in Galiläa, im Gebirge Naphtali, Sichem im Gebirge Ephraim und Hebron (auch Kirjat-Arba genannt) im Gebirge Juda.
Östlich des Jordan sind es Bezer im Gebiet von Ruben, Ramot in Gilead, im Gebiet von Gad und Golan in Baschan, im Gebiet von Manasse.
Alle Städte können – wie von Mose vorgeschrieben – im Notfall zu Fuß erreicht werden.
Wer also versehentlich den Tod eines Menschen verursacht hat, kann sich vor den Bluträchern in Sicherheit bringen und mit einem unparteiischen Richterspruch rechnen. Stellt sich jedoch heraus, dass es ein Mord gewesen ist, erlischt der Schutzanspruch. Der Täter muss dann zurückgebracht und vor Ort bestraft werden.
Um sicherzustellen, dass es trotz anderslautender richterlicher Entscheidung nicht zu Selbstjustiz kommt, bleibt der Schutz auch nach dem Gerichtsverfahren bestehen, solange sich der oder die Angeklagte innerhalb der Stadtmauern der Freistadt aufhält. Das macht eine weitere Stelle im 4. Mose,35 deutlich. Dabei ist der Aufenthaltsort „innerhalb der Stadtmauern" wörtlich zu nehmen. Findet ein Bluträcher den Betreffenden außerhalb der Stadt und tötet ihn, trifft ihn keine Schuld. Erst mit dem Tod des amtierenden Hohenpriesters darf sich der Beschuldigte wieder frei und unbehelligt im Land bewegen. Mehr noch: Er soll dann zurückkehren in seine Heimat.
Diese Regelungen galten für eine Gesellschaft, die sich stark von unserer unterscheidet. Heute liegt das Gewaltmonopol beim Staat. Selbstjustiz ist grundsätzlich verboten, und das ist gut und richtig so. Eine unabhängige und unparteiische Instanz kann einen Sachverhalt besser beurteilen als unmittelbar Betroffene das können.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was dieser Bibelabschnitt mit Ihnen und mir zu tun haben könnte. Darauf werde ich nachfolgend eingehen.
In der Bibel wird Schuld und ihre Folgen für die betroffenen Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Dabei gibt es bereits so etwas wie Täterschutz. Klar ist, dass einmal entstandene Schuld gesühnt werden muss. Das gilt vor allem dann, wenn die Bluttat vorsätzlich begangen wurde. Gleichzeitig ist es Gott wichtig, dass es gerecht zugeht und die Auswirkungen eines Unfalls mit fatalen Folgen für alle Beteiligten begrenzt werden.
Deshalb hat Gott damals für den Fall der unbeabsichtigten Tötung eines Menschen klare und für alle verbindliche Regeln eingerichtet. An diese musste sich ausnahmslos jeder im Volk Israel halten.
Auch heute gilt, dass Gott gerecht ist und möchte, dass sich Gerechtigkeit durchsetzt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der eine unabhängige Justiz Recht spricht. Dieses Recht schützt Opfer und Täter gleichermaßen.
Einerseits muss das Opfer Genugtuung erfahren, andererseits die Tat gerecht beurteilt und eine angemessene Entscheidung getroffen werden. Liegt kein vorsätzliches Verhalten vor, spricht man heute von Totschlag, nicht aber von Mord. Im Falle eines Totschlags muss beurteilt werden, ob Fahrlässigkeit den Unfall verursacht hat oder es tatsächlich eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen ist. Dementsprechend wird das Urteil ausfallen.
Deutlich wird, dass Gott bereits vor dreieinhalbtausend Jahren Grenzen gezogen hat, um einer möglichen Gewaltspirale vorzubeugen und Leben zu schützen.
Erlauben Sie mir zum Abschluss eine Frage zu stellen, die Sie vielleicht überraschen wird. Könnte es sein, dass die sogenannten Freistädte im alten Israel weit entfernte Vorläufer des heutigen Asylrechts gewesen sind? Es geht heute grundsätzlich nicht mehr um die Bedrohung durch Bluträcher, dafür aber um andere Formen der Verfolgung. Ähnlich wie in der frühen Geschichte der Israeliten, in der Gott vorschrieb, wie man sich zu verhalten hatte, legt heute die Verfassung unseres Staats fest, dass jeder Einzelfall gerichtlich geprüft werden muss. Es gilt zu klären, ob jemandem ein berechtigter Schutzanspruch zusteht oder der Betreffende abgewiesen werden muss.
Wenn das tatsächlich so ist, und ich finde, dass einiges diesen Gedanken nahelegt, dann verbietet sich ein schnelles Urteil. Im Gegenteil: Es erinnert mich daran, dass Gott jeden mit seiner Geschichte sieht und von mir ein umsichtiges Urteil erwartet.
Autor: Wolf-Dieter Kretschmer
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By ERF - Der Sinnsender5
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Manchmal passieren Dinge im Leben, die man am liebsten ungeschehen machen möchte. Ein Moment der Unachtsamkeit kann eine Kette unbeabsichtigter und dramatischer Folgen auslösen. Ehe man sich versieht, steht man, ohne es zu wollen, vor einem Scherbenhaufen.
Das beste Beispiel ist vermutlich der berühmte Ball, der unvermittelt zwischen parkenden Autos auf die Straße rollt. Gut, wenn ich in einem solchen Moment geistesgegenwärtig reagiere und mein Fahrzeug rechtzeitig zum Stehen kommt, denn bekanntlich taucht hinter einem Ball häufig ein kleines Kind auf. Schlecht, wenn mir infolge der Notbremsung ein anderer Verkehrsteilnehmer hinten auffährt. Schlimmer noch, wenn ich nicht rechtzeitig zum Stehen komme und das Kind verletzt wird!
Ich habe eine ähnliche Situation im Bekanntenkreis miterlebt. Tatsächlich war ein kleiner Junge seinem Ball auf die Straße nachgelaufen. Glücklicherweise verlief alles glimpflich. Niemand wurde verletzt. Aber der Schock hat sowohl bei den Eltern als auch bei dem Autofahrer tief gesessen. Ich glaube, dass auch das Kind fürs Leben gelernt hat.
Leider passieren aber trotz Umsicht und Sorgfalt immer wieder Unfälle mit schwerwiegenden Folgen. Menschen werden ernsthaft verletzt oder kommen sogar zu Tode. Vielleicht sogar jemand, der mir nahesteht. Wut und Rachegedanken können in solchen Momenten mein Denken beeinträchtigen.
Vergleichbare Situationen kannte man auch im alten Israel. Aber anders als heute war es damals üblich, selbst das Recht in die Hand zu nehmen. Sogenannte Bluträcher, meistens waren es Familienangehörige des Getöteten, schwärmten aus, um den Täter zu stellen und umzubringen. – Eine Praxis, die aus heutiger Warte verstörend wirkt!
Um solche Situationen geht es im 5. Buch Mose, Kapitel 19 in den Versen 1 bis 13: Mose gibt genaue Anweisungen, welche Regeln gelten sollen, wenn es zu unbeabsichtigten Unfällen mit Todesfolge kommt.
Jahre später wird diese Anweisung durch Josua umgesetzt. Im Buch Josua 20,7-8 werden je drei Freistädte östlich und westlich des Jordans eingerichtet.
Es sind Kedesch in Galiläa, im Gebirge Naphtali, Sichem im Gebirge Ephraim und Hebron (auch Kirjat-Arba genannt) im Gebirge Juda.
Östlich des Jordan sind es Bezer im Gebiet von Ruben, Ramot in Gilead, im Gebiet von Gad und Golan in Baschan, im Gebiet von Manasse.
Alle Städte können – wie von Mose vorgeschrieben – im Notfall zu Fuß erreicht werden.
Wer also versehentlich den Tod eines Menschen verursacht hat, kann sich vor den Bluträchern in Sicherheit bringen und mit einem unparteiischen Richterspruch rechnen. Stellt sich jedoch heraus, dass es ein Mord gewesen ist, erlischt der Schutzanspruch. Der Täter muss dann zurückgebracht und vor Ort bestraft werden.
Um sicherzustellen, dass es trotz anderslautender richterlicher Entscheidung nicht zu Selbstjustiz kommt, bleibt der Schutz auch nach dem Gerichtsverfahren bestehen, solange sich der oder die Angeklagte innerhalb der Stadtmauern der Freistadt aufhält. Das macht eine weitere Stelle im 4. Mose,35 deutlich. Dabei ist der Aufenthaltsort „innerhalb der Stadtmauern" wörtlich zu nehmen. Findet ein Bluträcher den Betreffenden außerhalb der Stadt und tötet ihn, trifft ihn keine Schuld. Erst mit dem Tod des amtierenden Hohenpriesters darf sich der Beschuldigte wieder frei und unbehelligt im Land bewegen. Mehr noch: Er soll dann zurückkehren in seine Heimat.
Diese Regelungen galten für eine Gesellschaft, die sich stark von unserer unterscheidet. Heute liegt das Gewaltmonopol beim Staat. Selbstjustiz ist grundsätzlich verboten, und das ist gut und richtig so. Eine unabhängige und unparteiische Instanz kann einen Sachverhalt besser beurteilen als unmittelbar Betroffene das können.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was dieser Bibelabschnitt mit Ihnen und mir zu tun haben könnte. Darauf werde ich nachfolgend eingehen.
In der Bibel wird Schuld und ihre Folgen für die betroffenen Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Dabei gibt es bereits so etwas wie Täterschutz. Klar ist, dass einmal entstandene Schuld gesühnt werden muss. Das gilt vor allem dann, wenn die Bluttat vorsätzlich begangen wurde. Gleichzeitig ist es Gott wichtig, dass es gerecht zugeht und die Auswirkungen eines Unfalls mit fatalen Folgen für alle Beteiligten begrenzt werden.
Deshalb hat Gott damals für den Fall der unbeabsichtigten Tötung eines Menschen klare und für alle verbindliche Regeln eingerichtet. An diese musste sich ausnahmslos jeder im Volk Israel halten.
Auch heute gilt, dass Gott gerecht ist und möchte, dass sich Gerechtigkeit durchsetzt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der eine unabhängige Justiz Recht spricht. Dieses Recht schützt Opfer und Täter gleichermaßen.
Einerseits muss das Opfer Genugtuung erfahren, andererseits die Tat gerecht beurteilt und eine angemessene Entscheidung getroffen werden. Liegt kein vorsätzliches Verhalten vor, spricht man heute von Totschlag, nicht aber von Mord. Im Falle eines Totschlags muss beurteilt werden, ob Fahrlässigkeit den Unfall verursacht hat oder es tatsächlich eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen ist. Dementsprechend wird das Urteil ausfallen.
Deutlich wird, dass Gott bereits vor dreieinhalbtausend Jahren Grenzen gezogen hat, um einer möglichen Gewaltspirale vorzubeugen und Leben zu schützen.
Erlauben Sie mir zum Abschluss eine Frage zu stellen, die Sie vielleicht überraschen wird. Könnte es sein, dass die sogenannten Freistädte im alten Israel weit entfernte Vorläufer des heutigen Asylrechts gewesen sind? Es geht heute grundsätzlich nicht mehr um die Bedrohung durch Bluträcher, dafür aber um andere Formen der Verfolgung. Ähnlich wie in der frühen Geschichte der Israeliten, in der Gott vorschrieb, wie man sich zu verhalten hatte, legt heute die Verfassung unseres Staats fest, dass jeder Einzelfall gerichtlich geprüft werden muss. Es gilt zu klären, ob jemandem ein berechtigter Schutzanspruch zusteht oder der Betreffende abgewiesen werden muss.
Wenn das tatsächlich so ist, und ich finde, dass einiges diesen Gedanken nahelegt, dann verbietet sich ein schnelles Urteil. Im Gegenteil: Es erinnert mich daran, dass Gott jeden mit seiner Geschichte sieht und von mir ein umsichtiges Urteil erwartet.
Autor: Wolf-Dieter Kretschmer
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