ERF Plus - Bibel heute

Gebet des Volkes für seinen König


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Der Psalm 20 erscheint mir wie ein wunderschönes, detailliertes Gemälde. Jedes Mal, wenn ich es betrachte, entdecke ich ein neues Detail. Ich lade Sie ein, mich auf meiner Entdeckungsreise durch die Verse zu begleiten.

Bevor es richtig losgeht, werfen wir einen Blick auf die Situation, in der der Text entstanden ist. David betet im Tempel mit anderen Priestern. Die Feier erstreckt sich wahrscheinlich von Psalm19 bis 21. Wir haben also das Privileg uns einen 3000 Jahre alten Gottesdienst anzuschauen. In Psalm 20 wirkt es, als ob gerade ein Priester das Wort ergreift und David segnet.

Der Beter wünscht David, dass Gott ihn erhört, wenn er ihn im Leid anruft. Ist das nicht herrlich? Zur Zeit des Ausspruchs ist es ein Gebet des Priesters. Heute wissen wir, dass Gott dieses Gebet treu in Davids Leben umgesetzt hat. David verbringt viele Jahre auf der Flucht vor seinem Vorgänger, den Gott bereits abgesetzt hat. Er kämpft als König in vielen Schlachten. Gott lässt ihn nie fallen. Er hört ihn, wann immer David ihn anruft. Gott ist absolut treu.

Vielleicht regt sich da in dem ein oder anderen Herzen ein kleiner Widerstand. Mir geht es zumindest so. Ja, in Davids Leben hat Gott absolut treu gewirkt. Natürlich muss David durch viele Täler. Manches Leid hat er selbst verursacht, doch anderes trifft ihn unverdient. Bei David ist Gott also treu. Wird er es aber auch bei mir sein? Wenn ich auf die Lasten in meinem Leben schaue, dann bin ich verunsichert.

Spannenderweise hilft mir gerade die Geschichte von David in meinen Zweifeln. Über weite Strecken seines Lebens sieht es nicht danach aus, als ob Gott souverän handelt. Das beginnt schon damit, dass David in frühen Jahren als Hirtenjunge zum König gesalbt wird. Warum wird er dann nicht direkt als König eingesetzt?  Er dient dem amtierenden König noch eine lange Zeit. Dieser mag David zwar, doch wird er ihm immer mehr zum Feind für den König Saul. Letztendlich muss David vor ihm fliehen, da er ihn umbringen will. Er versteckt sich in Höhlen und zieht mit Gleichgesinnten durchs Land.

An jeder Stelle des letzten Absatzes könnte ich die Geschichte anhalten. Aus der Perspektive von David würde sie an keinem Punkt wirklich Sinn ergeben. David lernt von Anfang an, Gott vollkommen zu vertrauen, gerade weil die Dinge vor seinen Augen oft so verwirrend sind. David hält sich an Gott fest. So ist David für mich ein gutes Vorbild. Ich muss meinen himmlischen Vater nicht verstehen. Er streckt mir liebevoll seine Hand entgegen und fragt mich: „Vertraust du mir?“

Der nächste Abschnitt hat mich beim ersten Lesen ein wenig stutzig gemacht. Hier heißt es, dass Gott sich an alle Speiseopfer erinnern und Davids Brandopfer annehmen soll. Das klingt ja fast so, als ob David einen Tauschhandel mit Gott gemacht hat. Er hat ihm geopfert und jetzt kann er dafür erwarten, dass Gott ihn beschützen wird.


Ich bin überzeugt, dass der Priester in seinem Gebet etwas ganz anderes meint. Wenn David im Tempel ein Opfer bringt, dann tut er das aus Liebe und Ehrerbietung gegenüber Gott. Es ist ein Ausdruck ihrer Beziehung. Dem Schöpfer des Universums ist nicht die kleine Gabe auf dem Altar wichtig, sondern Davids Herzenshaltung. Diese ist rein, und unendlich kostbar für Gott. Daran wird sich dieser erinnern, wenn David ihn um Hilfe bittet.

Das ist eine wunderbare Überleitung zu dem Wunsch des Priesters, dass der Herr David alle Bitten erfüllen soll. Er kann das so beten, weil Davids Herz Gott gehört. Diese Erkenntnis ist für mich ein echter Schatz. Wenn mein Herz ganz auf Gott ausgerichtet ist, dann schlägt es mit seinem im Gleichklang. Meine Wünsche werden dann immer mehr zu seinen und er erfüllt mir gerne, worum ich ihn bitte.


Ich bin Gott so dankbar, dass ich ihm in meinem Wesen ähnlich werden darf. Mein ehrlicher Wunsch beinhaltet alles, was dafür nötig ist. In seiner unendlichen Gnade gestaltet Gott mein Herz immer weiter um und füllt es mit seiner vollkommenen Liebe.

Ab Vers 7 tritt eine neue Stimme auf. Sie ergreift entschlossen das Wort: „Jetzt habe ich erkannt, dass der HERR seinem Gesalbten hilft.“ Die Ansage ist deutlich und voller Autorität. Gott hat einem der Priester während der Feier wohl einen Eindruck für David geschenkt. Das wird für mich daran deutlich, dass er von einem Gesalbten spricht. David ist in jungen Jahren zum König gesalbt worden, deshalb gelten die folgenden Worte nun vor allem ihm.

David erhält die Versicherung, dass Gott auch in Zukunft treu sein wird. Er wird ihm in Kriegen und Auseinandersetzungen beistehen. Gott tut das, weil David ihm vertraut. Die Feinde des Volkes Israel verlassen sich auf ihre Pferde und Wagen. David und sein Volk aber erwarten ihre Hilfe von Gott. Sie wissen, dass sie ohne ihn nichts ausrichten können. David ist abhängig von der Unterstützung seines Herrn und steht deshalb demütig vor ihm. Diese Herzenshaltung ist die Grundlage eines Lebens mit Gott. Deshalb endet der Psalm auch mit der Bitte an den Herrn, sein Volk auch in Zukunft zu beschützen.


Ich bin dankbar, dass uns dieser 3000 Jahre alte Gottesdienst so wunderbar in der Bibel überliefert ist. Er ermutigt mich, Gott ohne Kompromisse zu vertrauen. Ich lade Sie ein, einmal darüber nachzudenken, wo Sie in ihrem Leben schon Gottes Hilfe erlebt haben. In mir wächst durch solch einen Rückblick Zuversicht. Ja, in meinem Leben gibt es viele Dinge, die ich nicht verstehe und die mir Leid verursachen. Wahrscheinlich werden sie auch erst in Ewigkeit gelöst werden. Gleichzeitig sehe ich, dass Gott mir in Jesus Christus in allem Chaos ein Fels und starker Begleiter ist. Diesen Blick auf Gott und seine sichtbare Treue für ihr Leben wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

Autor: Christian Bangert

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