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Unzählige Menschen und so viele Völker haben nichts zu lachen; wenig Freude, kaum mal etwas zu feiern. Im Gegenteil: derart Dramatisches wurde oder wird erlitten, dass es nur ums nackte Überleben geht, in Unterdrückung, Ängsten, Flucht, Elend. Statt Aussicht auf eine gute Zukunft nur die Perspektive auf ein Ende mit Schrecken. Niemand weiß mehr ein oder aus. Lebensberichte Bekannter in der Nähe, gerade die Medien führen uns vor Augen, was Viele in großer Not durchmachen: die Kriegsgebiete unserer Zeit, all die sinnlose Zerstörung durch üble Machthaber. Manch einer von uns kann das nicht mehr hören oder sehen – all das Klagen, auch weil es uns selbst beinahe das Herz bricht.
Hunderte Millionen hungern wegen zumeist menschengemachtem Elend. Wir begegnen Schwerkranken, jemandem, der seine Liebsten verloren hat. Woher soll Hoffnung kommen? Klagen über Klagen. Viele wollen dieses Leben nicht mehr. Da bleiben uns einfach die Worte weg, verlieren auch wir Lebensfreude. Vielleicht weichen wir von Traumata gezeichneten oder in großen Schwierigkeiten gefangenen Menschen aus. Wir sind ja so hilflos. Wenn wir ansehen, wie Lebensräume in der Ukraine zerstört wurden, viele starben. Ich halte ein, denn diese Liste würde zu lang.
Eine derartige Situation hatte der Prophet vor Augen – im Anschauen der im Jahr 586 vor Christus zerstörten Stadt Jerusalem. Im Namen Gottes hatte er jahrzehntelang über Juda Unheil ankündigen müssen. Im Ergebnis hat dieser am längsten dienende Prophet im Alten Testament Recht behalten: „Wie liegt die Stadt so verlassen, die voller Volks war! Sie ist wie eine Witwe …; sie weint des Nachts …“
Von Gott unterwiesen, wusste dieser treue Botschafter, dass dieses Verderben eintreten würde. Wenn er nun diese leeren Wüsteneien ansieht, dann schüttelt es ihn. Wo einmal pulsierendes Leben war, große Scharen zu Festen hinaufzogen, frohes Feiern war, da wandert sein Geist jetzt hinüber in ferne Länder, zu den Verbannten und Unterjochten aus Juda. Die Feinde kosten ihre Siege aus. Und niemand ist da, der Juda beigestanden hätte, nichts als Gegner und Zeugnisse von Vernichtung, soweit das Auge reicht.
Jeremia ist gewiss alles andere als zufrieden damit, dass er mit seiner fatalen Ankündigungs-Serie Recht gehabt hat. Ja, er hatte sich sogar gewünscht, dass Gott ihn nicht zum Propheten berufen hätte, oder dass er besser gar nicht geboren worden wäre. So bleibt auch ihm erst mal nichts als Klagen. Der große Redner und Schreiber bleibt Realist, aber er ist am Ende – fast. Seine negative Mission ist offenbar vollzogen, das Unglück ist eingetreten – und das von Gott selbst her. Fremde Völker wurden Gottes Werkzeug der Zerstörung. Manche der Verbannten fragen sich: Haben damit auch deren Götter gesiegt?
Jeremia erfüllte keinen Job; seine ganze Person ist erschüttert. Kann er dieses dunkle Kapitel „abschließen“, sich davon machen? Nein, was Juda widerfahren ist, das erleidet er zutiefst betroffen selber mit. Wer könnte nun Frieden und Wohlstand verkünden, dem Volk Hoffnung machen? Er hatte alle Schritte des Abstiegs erlebt und bezeugt dies. Ja, Gott selbst hat ihn in diese Finsternis gehen lassen, sein Gebein zerschlagen, ihn gefesselt, schreibt er. Ganz unten angekommen wähnt er, nicht einmal Gott höre mehr sein Rufen. Diese Lebens-Beziehung ist wie tot. Er erlebt sich ähnlich wie Hiob, dessen Klagen über sein Schicksal wir kennen.
Und dennoch: Jeremia schreit diese seine Trauer heraus, er schreibt sie nieder – und richtet dies alles letztlich doch an den Gott, der auf diese drastische Weise sein Volk, das seine Gebote verachtete, massiv bestraft hat. Ihm klagt er das Los der Stadt, des Landes, der Verschleppten und seine eigene so unerträgliche Sendung.
Was lehrt mich und uns dies?
* Menschen mit ihren Klagen, worüber und wann auch immer, kommen in der Bibel durchgehend zu Wort. Gerade die Klage-Psalmen fassen die erlebte Not, oft stammelnd, in Worte. Auch hier ist die Bibel so ehrlich, so menschlich, so wahr. Solches musste unbedingt auch für die Nachkommen aufgeschrieben werden, damit sie daraus lernen. Andere sollen wissen, was das Leben zufügen kann, und nach Gott fragen.
Was geht das uns heute an?
* Wenn Sie und ich einmal klagen, dann müssen Sie und ich uns nicht allein, ganz verloren vorkommen. Zu unser aller Menschsein gehört auch unser Versagen, unsere Engpässe, und wer Not verleugnet oder aber nicht mehr ausdrückt, leidet umso mehr. Wir können dann diese Worte nachbeten.
* Jeder von uns, auch treue Beter, die an Gottes Führungen glauben und dabei Wunderbares erlebten, kann an Grenzen kommen, so wie wir es nie erahnt hätten. Auch dunkle Seiten gehören zum Glaubensleben, als Menschen im Hier und Jetzt. Niemand darf glauben, den Frommen erginge es gesichert besser.
Wir erleben Zeiten, wo wir Gott rühmen, seiner Durchhilfe danken, ihn preisen über dem, was wir aus seiner Hand Gutes empfangen haben, wie wir Segens-Menschen an die Seite gestellt bekommen haben.
* Klagen kommen leichter als Lob, Bitten schneller als der Dank aus unserem Mund heraus. Bei alledem zeigen wir doch, dass wir in einer lebendigen Beziehung mit unserem Herrn leben. Nichts muss unterdrückt bleiben, auch wenn keine rasche Antwort von oben kommt.
* Klagen, Notvolles aussprechen oder niederschreiben kann unseren Seelen guttun. Es gibt Menschen, die die Last mit uns tragen, wenigstens offen zuhören. Keine Not muss in unserem Herzen bleiben, womit wir ja nur um uns selber rotieren. Und: alle Not tragen wir dem an, der Herr bleibt in der Not. Er bleibt der Grund unserer Hoffnung.
* Gerade diese Klagelieder enthalten Hoffnungsworte. Mitnichten ist jetzt alles zu Ende und verloren! Schon in seinem Prophetenbuch wird der neue Bund des Friedens und der Versöhnung so wunderbar angesagt. Keine schönfärbenden Randnotizen oder ein harmonisches Happy End. Im Ringen mit Gott bekennt Jeremia: „Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat kein Ende!“ (Kap.3)
Daher dürfen wir auch die so traurigen, depressiven Aussagen unseres heutigen Bibeltextes zur Sprache bringen. Am besten liest man den Text vom Ende her, mit der Bitte: „Bringe uns, Herr, zu dir zurück …“ Was damals an Juda und dann an Israel insgesamt gerichtet war, ist erhört worden. Gott hat sich über sein Volk des Ersten Bundes erbarmt, es zurück in seine von ihm den Vätern schon versprochene Heimat gebracht. Dass er nicht auf immer zürnen wird, seine Menschen nicht verlässt, dafür steht vor allem Jesus Christus, Retter und Heiland aller Menschen. Auf den können wir schauen, und dem können wir auch unsere Klagen vorbringen – und ihn dabei immer wieder an seine wunderbaren Verheißungen erinnern. Auch dies lehrt uns Jeremia: „Du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht.“ Gott stand damals und steht auch heute zu jeder Verheißung!
Autor: Pfarrer Dr. Traugott Farnbacher
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By ERF - Der Sinnsender5
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Unzählige Menschen und so viele Völker haben nichts zu lachen; wenig Freude, kaum mal etwas zu feiern. Im Gegenteil: derart Dramatisches wurde oder wird erlitten, dass es nur ums nackte Überleben geht, in Unterdrückung, Ängsten, Flucht, Elend. Statt Aussicht auf eine gute Zukunft nur die Perspektive auf ein Ende mit Schrecken. Niemand weiß mehr ein oder aus. Lebensberichte Bekannter in der Nähe, gerade die Medien führen uns vor Augen, was Viele in großer Not durchmachen: die Kriegsgebiete unserer Zeit, all die sinnlose Zerstörung durch üble Machthaber. Manch einer von uns kann das nicht mehr hören oder sehen – all das Klagen, auch weil es uns selbst beinahe das Herz bricht.
Hunderte Millionen hungern wegen zumeist menschengemachtem Elend. Wir begegnen Schwerkranken, jemandem, der seine Liebsten verloren hat. Woher soll Hoffnung kommen? Klagen über Klagen. Viele wollen dieses Leben nicht mehr. Da bleiben uns einfach die Worte weg, verlieren auch wir Lebensfreude. Vielleicht weichen wir von Traumata gezeichneten oder in großen Schwierigkeiten gefangenen Menschen aus. Wir sind ja so hilflos. Wenn wir ansehen, wie Lebensräume in der Ukraine zerstört wurden, viele starben. Ich halte ein, denn diese Liste würde zu lang.
Eine derartige Situation hatte der Prophet vor Augen – im Anschauen der im Jahr 586 vor Christus zerstörten Stadt Jerusalem. Im Namen Gottes hatte er jahrzehntelang über Juda Unheil ankündigen müssen. Im Ergebnis hat dieser am längsten dienende Prophet im Alten Testament Recht behalten: „Wie liegt die Stadt so verlassen, die voller Volks war! Sie ist wie eine Witwe …; sie weint des Nachts …“
Von Gott unterwiesen, wusste dieser treue Botschafter, dass dieses Verderben eintreten würde. Wenn er nun diese leeren Wüsteneien ansieht, dann schüttelt es ihn. Wo einmal pulsierendes Leben war, große Scharen zu Festen hinaufzogen, frohes Feiern war, da wandert sein Geist jetzt hinüber in ferne Länder, zu den Verbannten und Unterjochten aus Juda. Die Feinde kosten ihre Siege aus. Und niemand ist da, der Juda beigestanden hätte, nichts als Gegner und Zeugnisse von Vernichtung, soweit das Auge reicht.
Jeremia ist gewiss alles andere als zufrieden damit, dass er mit seiner fatalen Ankündigungs-Serie Recht gehabt hat. Ja, er hatte sich sogar gewünscht, dass Gott ihn nicht zum Propheten berufen hätte, oder dass er besser gar nicht geboren worden wäre. So bleibt auch ihm erst mal nichts als Klagen. Der große Redner und Schreiber bleibt Realist, aber er ist am Ende – fast. Seine negative Mission ist offenbar vollzogen, das Unglück ist eingetreten – und das von Gott selbst her. Fremde Völker wurden Gottes Werkzeug der Zerstörung. Manche der Verbannten fragen sich: Haben damit auch deren Götter gesiegt?
Jeremia erfüllte keinen Job; seine ganze Person ist erschüttert. Kann er dieses dunkle Kapitel „abschließen“, sich davon machen? Nein, was Juda widerfahren ist, das erleidet er zutiefst betroffen selber mit. Wer könnte nun Frieden und Wohlstand verkünden, dem Volk Hoffnung machen? Er hatte alle Schritte des Abstiegs erlebt und bezeugt dies. Ja, Gott selbst hat ihn in diese Finsternis gehen lassen, sein Gebein zerschlagen, ihn gefesselt, schreibt er. Ganz unten angekommen wähnt er, nicht einmal Gott höre mehr sein Rufen. Diese Lebens-Beziehung ist wie tot. Er erlebt sich ähnlich wie Hiob, dessen Klagen über sein Schicksal wir kennen.
Und dennoch: Jeremia schreit diese seine Trauer heraus, er schreibt sie nieder – und richtet dies alles letztlich doch an den Gott, der auf diese drastische Weise sein Volk, das seine Gebote verachtete, massiv bestraft hat. Ihm klagt er das Los der Stadt, des Landes, der Verschleppten und seine eigene so unerträgliche Sendung.
Was lehrt mich und uns dies?
* Menschen mit ihren Klagen, worüber und wann auch immer, kommen in der Bibel durchgehend zu Wort. Gerade die Klage-Psalmen fassen die erlebte Not, oft stammelnd, in Worte. Auch hier ist die Bibel so ehrlich, so menschlich, so wahr. Solches musste unbedingt auch für die Nachkommen aufgeschrieben werden, damit sie daraus lernen. Andere sollen wissen, was das Leben zufügen kann, und nach Gott fragen.
Was geht das uns heute an?
* Wenn Sie und ich einmal klagen, dann müssen Sie und ich uns nicht allein, ganz verloren vorkommen. Zu unser aller Menschsein gehört auch unser Versagen, unsere Engpässe, und wer Not verleugnet oder aber nicht mehr ausdrückt, leidet umso mehr. Wir können dann diese Worte nachbeten.
* Jeder von uns, auch treue Beter, die an Gottes Führungen glauben und dabei Wunderbares erlebten, kann an Grenzen kommen, so wie wir es nie erahnt hätten. Auch dunkle Seiten gehören zum Glaubensleben, als Menschen im Hier und Jetzt. Niemand darf glauben, den Frommen erginge es gesichert besser.
Wir erleben Zeiten, wo wir Gott rühmen, seiner Durchhilfe danken, ihn preisen über dem, was wir aus seiner Hand Gutes empfangen haben, wie wir Segens-Menschen an die Seite gestellt bekommen haben.
* Klagen kommen leichter als Lob, Bitten schneller als der Dank aus unserem Mund heraus. Bei alledem zeigen wir doch, dass wir in einer lebendigen Beziehung mit unserem Herrn leben. Nichts muss unterdrückt bleiben, auch wenn keine rasche Antwort von oben kommt.
* Klagen, Notvolles aussprechen oder niederschreiben kann unseren Seelen guttun. Es gibt Menschen, die die Last mit uns tragen, wenigstens offen zuhören. Keine Not muss in unserem Herzen bleiben, womit wir ja nur um uns selber rotieren. Und: alle Not tragen wir dem an, der Herr bleibt in der Not. Er bleibt der Grund unserer Hoffnung.
* Gerade diese Klagelieder enthalten Hoffnungsworte. Mitnichten ist jetzt alles zu Ende und verloren! Schon in seinem Prophetenbuch wird der neue Bund des Friedens und der Versöhnung so wunderbar angesagt. Keine schönfärbenden Randnotizen oder ein harmonisches Happy End. Im Ringen mit Gott bekennt Jeremia: „Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat kein Ende!“ (Kap.3)
Daher dürfen wir auch die so traurigen, depressiven Aussagen unseres heutigen Bibeltextes zur Sprache bringen. Am besten liest man den Text vom Ende her, mit der Bitte: „Bringe uns, Herr, zu dir zurück …“ Was damals an Juda und dann an Israel insgesamt gerichtet war, ist erhört worden. Gott hat sich über sein Volk des Ersten Bundes erbarmt, es zurück in seine von ihm den Vätern schon versprochene Heimat gebracht. Dass er nicht auf immer zürnen wird, seine Menschen nicht verlässt, dafür steht vor allem Jesus Christus, Retter und Heiland aller Menschen. Auf den können wir schauen, und dem können wir auch unsere Klagen vorbringen – und ihn dabei immer wieder an seine wunderbaren Verheißungen erinnern. Auch dies lehrt uns Jeremia: „Du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht.“ Gott stand damals und steht auch heute zu jeder Verheißung!
Autor: Pfarrer Dr. Traugott Farnbacher
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