Bereits in der Antike sah man im Hoffen etwas allgemein Menschliches. Gefragt, was die Menschen am stärksten verbinde, soll der griechische Philosoph Thales im 6. Jahrhundert v. Chr. geantwortet haben: "Die Hoffnung. Denn sie ist auch bei denen, die nichts anderes haben." Die Römer sagten: "Solange ich atme, hoffe ich." Das Sprichwort, das heute dem US-amerikanischen Bundesstaat South Carolina als Motto dient und das Wappen der schottischen Stadt St. Andrews ziert, ist im lateinischen Original noch eindrücklicher: "dum spiro spero" - der Gleichklang lässt das Ohr die Liaison von Hoffen und Atmen hören. (...) In der Redewendung "guter Hoffnung sein" findet das Verwobensein der Hoffnung mit Leben einen alltagssprachlichen Ausdruck: Sie setzt Hoffnung nicht mit Leben in eins, sondern macht dieses zum Gegenstand des Hoffens, ohne es explizit nennen zu müssen. Entnommen aus Jonas Grethlein "Hoffnung - Eine Geschichte der Zuversicht von Homer bis zum Klimawandel", C.H.Beck Verlag, München 2024