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  • Vom biblischen Text zum ethischen Urteil – Prof. Dr. Christoph Raedel
    Vom biblischen Text zum ethischen Urteil – Prof. Dr. Christoph Raedel
    In seinem Vortrag entfaltet der Gießener Systematiker Prof. Dr. Christoph Raedel die verschiedenen Möglichkeiten, zu einem theologisch begründbare ethischen Urteil zu kommen. Dem Ansatz, dass allein das Individuum über ethische Normen, also über Recht und Unrecht entscheidet, steht nach historischer christlicher Auffassung entgegen, dass in der Bibel Gottes Wegweisung und Willen entfaltet wird, und dass darüberhinaus die christliche Kirche eine Interpretationsgemeinschaft bildet.
    Christoph Raedel weist auf die Bedeutung des theologischen Begründungszusammenhangs, also auf das „Meta-Narrativ“ der Offenbarung des drei-einigen Gottes in Schöpfung, Erlösung und Erneuerung durch den Heiligen Geist hin. Dabei sind Gottes Schöpfung, Gottes Bund sowie Gottes Erlösung und die von ihm verheißene Vollendung in gleicher Weise Grundaxiome nicht nur des Glaubens, sondern auch biblisch begründbarer Ethik. Zur Grundlegung christlicher Ethik seien Gebot und Gnade, Sünde und Vergebung sowie Altes und Neues Testament gerade in ihrer zum Teil dialektischen Spannung festzuhalten und beschreibt insgesamt christliche Ethik als den Weg der Nachfolge Jesu Christi.
    58 min
  • Die unbekannten Evangelien – Warum stehen sie nicht in der Bibel? - Dr. Guido Baltes
    Die unbekannten Evangelien – Warum stehen sie nicht in der Bibel? - Dr. Guido Baltes
    Neben den uns allen bekannten Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes gibt es eine Reihe von anderen so genannten Evangelien: Das Thomasevangelium, das Jakobusevangelium, das Evangelium der Kindheit Jesu, das der Maria Magdalena, das Evangelium des Bartholomäus, das des Philippus und so weiter. Warum sind sie nicht in unserer Bibel enthalten? Sind diese „verborgenen“ - griechisch: „apokryphen“ Evangelien vielleicht bewusst versteckt oder gar auf frühen Bibelausgaben entfernt worden, um die Wahrheit von Jesus unter der Decke zu halten?
    Dr. Guido Baltes (Marburg) geht als Neutestamentler und Kenner der frühen Christenheit diesen Fragen nach. Dabei kommt er zu wichtigen und für manche vielleicht überraschenden Ergebnissen: Sie sind gar nicht so verborgen, sondern für jedermann einsehbar und auch in deutscher Übersetzung lesbar.
    Anstatt uns neue, verlässlichere Informationen über Jesus zu geben, stellen sie sich als viel spätere Texte heraus, die ohne historische Verankerung vor allem von der Geistesströmung der Gnosis beeinflusste Spekulationen enthalten.
    Nicht umsonst lehnten die damaligen Christen diese erst mehrere Generationen nach Jesus neu erscheinenden sogenannten Evangelien als neue Erfindungen ihrer Zeit ab. Gerade durch ihre häufige phantasievolle Ausschmückung – wie z.B. die der Auferstehung im Petrusevangelium – unterstreichen sie die nüchterne Sachlichkeit und historische Verlässlichkeit der vier „kanonischen“ Evangelien.
    Der Jesus, der in diesen romanhaften Spätschriften erscheint, ist ganz anders als der, der uns im Neuen Testament begegnet. So bieten diese apokryphen Evangelien kein neues, bisher verborgen gehaltenes Wissen über Jesus, sondern spiegeln stattdessen den (gnostischen) Zeitgeist des 2. und 3. Jahrhunderts wieder, der die Jesusgeschichte in ihrem Sinn umdeuten wollten.
    Und damit sind wir auf einmal mitten in den Diskussionen über Jesus, die in unserer Zeit geführt werden: Ist das historische Bild von Jesus, das die christliche Kirche über 2.000 Jahre geglaubt und verkündet hat, authentisch - oder müssen wir Jesus, seine Worte und Weisungen heute ganz anders verstehen und interpretieren?
    48 min
  • Die historisch-kritische Methode in der Bibelwissenschaft – Prof. Dr. Armin Baum
    Die historisch-kritische Methode in der Bibelwissenschaft – Prof. Dr. Armin Baum
    Über die „historisch-kritische Methode“ wird immer wieder intensiv diskutiert. Doch was genau ist damit eigentlich gemeint? Wie ist diese Methode entstanden? Welche Fragestellungen lassen sich damit bearbeiten? Welche Arbeitsschritte gehören dazu? Was kann sie leisten? Und wo liegen ihre Grenzen und Probleme?
    Prof. Dr. Armin Baum (Gießen) beschreibt die antiken Wurzeln der exegetischen und der historischen Methode und des schillernden Ausdrucks „Kritik“. Außerdem zeigt er, wie die wissenschaftliche Arbeit an den Bibeltexten im 19. Jahrhundert von einflussreichen Theologen um eine weltanschauliche Wunderkritik erweitert wurde. Aufgrund dieser komplizierten Vorgeschichte kann der Ausdruck „historisch-kritische Methode“ heute je nach Kontext ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Die Frage, ob jemand „die“ historisch-kritische Methode befürwortet, lässt sich nicht mit einem einfachen „ja“ oder „nein“ beantworten.
    Armin Baum hält sowohl die exegetische wie auch die historische Methode für unverzichtbar, warnt jedoch vor einem methodischen Misstrauen gegenüber den biblischen Texten und vor einer historischen Hyperkritik, weil diese ein wirkliches Verstehen verhindern. Außerdem plädiert er für eine weltanschaulich offene Herangehensweise, die aus Überzeugung darauf verzichtet, die Gottheit Gottes prinzipiell zu begrenzen.
    49 min
  • Sollen wir die Bibel wörtlich nehmen? (Grundfragen der Bibelauslegung, Teil 2/4)

    Sollen wir die Bibel wörtlich nehmen? - ”Ich nehme die Bibel nicht

    wörtlich, sondern ernst - (Grundfragen der Bibelauslegung, Teil 2/4)
    Was bedeutet das eigentlich? Was wäre das Gegenteil davon ? Was ist der Unterschied zwischen buchstäblich, metaphorisch und wortwörtlich?
    Dr. Guido Baltes (Marburg) analysiert in seinem Vortrag landläufige Missverständnisse und erläutert die damit verbundenen Fragestellungen unter anderem anhand des Buches „Generation Lobpreis“. Er deckt denkerische Sackgassen von allzu simplen Deutungsversuchen biblischer Texte auf. Dabei referiert er verschiedene Versuche in der Theologiegeschichte, aufgrund von Vorverständnissen und Vorentscheidungen den angeblich „eigentlichen“ Sinn der Bibel festzulegen und somit eine Art „Kanon im Kanon“ festzulegen.
    Stattdessen zeigt der Neutestamentler Guido Baltes einen Weg, wie gerade das „wörtliche“ Verständnis den Raum für angemessenes Verstehen und Deuten der unterschiedlichen Textgattungen und Sprachfiguren eröffnet.
    Lebendig und anschaulich und häufig humorvoll zeigt er Fehlwege der Hermeneutik (Auslegungskunde) auf und plädiert für einen vernünftigen, differenzierten und unaufgeregten Umgang mit den Texten der Bibel. Erst durch das vorurteilsfreie Wahrnehmen und echte Ernstnehmen der biblischen Texte, auch derer, die für uns heute auf den ersten Blick unverständlich oder gar anstößig erscheinen, erschließt sich der Sinn dieses grundlegenden Dokuments des christlichen Glaubens.


    Dieser Vortrag war Teil eines Seminartags am 19.10.2019 in Marburg.

    Der Vortrag war ebenfalls Teil einer Vortragsreihe zu Grundfragen der Bibelauslegung am 28.10.2023 in der Jesus AG, Ludwigsburg.
    Er wurde nicht noch einmal neu aufgezeichnet.
    Die anderen 3 Teile der Vortragsreihe sind unter "Grundfragen der Bibelauslegung" zu finden.



    59 min

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