ERF Plus - Bibel heute

Gottes Wahl kostet


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Gottes Wohnstätte und Segen

Aufs Erste wirkt es schon recht eigenartig. Die gehörten Bibelverse verbinden drei verschiedene Dinge eng miteinander: Was wir „freien, fortschrittlichen" Christen zuweilen auseinanderhalten wollen, gehört hier direkt zusammen:

1. Gott wählt für seinen heiligen Namen eine Wohnstätte – natürlich nicht ohne Zweck.
2. Nahrung, also alle Art von Essen, wird das Volk im endlich bewohnten Verheißungsland produzieren – und das in Fülle und Vielfalt. Dies ist zwar Ergebnis der Arbeitskraft derer, die dieses Land nun nutzen werden. Aber nie kann die eigene Leistung von Gott dem Geber getrennt werden.
3. Ja, Gott erwartet Abgaben von den Landbesitzern, die Ackerbau, Vieh- und Obstwirtschaft betreiben werden. Ihr tägliches Auskommen, wenn das Ergehen der Arbeitenden gut gelingen will, muss unmittelbar auf den Geber des Landes und der Gaben bezogen sein. Gott bekräftigt, durch den Mund seines Knechts, wie Gott letztlich Ursache der Erzeugnisse seines Volkes bleibt. Damit hat er auch Rechtsanspruch auf Anteile darauf.

Wo Gott seinen Namen wohnen lässt – diese Stätte kommt schon in Sicht, wenngleich sie erst Jahrhunderte später errichtet wird. Was Gott einmal tun wird, sind keine leeren Träume, sondern im Geist bereits greifbar. Über alledem wird Mose wieder zum Propheten. Er malt ein Bild der Zukunft, als wäre sie schon eingetroffen: Städte gibt es schon; Entfernungen zur Stadt Gottes gibt es, die überwindbar sind. Für Tempeldienste Auserwählte aus dem Stamm Levi werden eingeteilt. Alles wirkt so, als sei die Wüstenzeit Geschichte und bald wird angebaut, um Lebensmittel zu erwirtschaften, Erträge zu verteilen – Früchte wie Tiere. Und gerade da hinein erklärt Mose in Gottes Namen Wichtiges: Gott erlässt die Verpflichtung zum „berühmten Zehnten" aller Erträge – auf den er Anspruch hat. Genau gesehen geht es dabei nicht einmal um eine Abgabe direkt an ihn oder seine Diener an heiliger Stätte. Lebensmittel sollen Erzeugern ebenso wie anderen Menschen nützlich bleiben.

Alle mit viel Aufwand gewonnenen Erträge des Volkes sind Zeichen des Segens, den Gott seinem Volk schenkt. Um genau dies nie zu vergessen, soll der zehnte Anteil von alledem vor seinem Angesicht verzehrt werden. Statt einer Spende ohne Gegenüber ist der Zehnte an die kommende Tempelstätte zu entrichten. Dieser Anteil soll also immer wieder an den Geber aller guten Mittel erinnern – Gabe statt pures Eigenprodukt. Der Verfügung laut freiem Willen der Erzeuger ist es damit entnommen. Wie sagen wir in Gottesdiensten, wenn kein konkreter Spendenzweck benannt wird? „Zur freien Verfügung", aber gewiss nicht zweckneutral: vielseitig verwendbar, da immer wieder Bedarf vorliegt.

 

Der Zehnte als Ausdruck der Dankbarkeit

Sollte aber der Weg vom Land, den Siedlern mit ihren Äckern zu weit sein – so bleibt Gott konsequent wie auch gütig: Er erspart den Stress anstrengender Transporte zu seiner Stätte. Wohl aber soll im Verkauf ein Erlös zustande kommen, der Gott geweiht ist. Wie und wozu denn? Um eine Art Marktwirtschaft zu betreiben, Geldhandel mit Zinsertrag für Gott? Das wäre zu kurz gedacht. Gott gibt das Land Kanaan seinem Volk, weil dies der Ort seiner Erwählung ist. Dieses Vorrecht bedingt eine Art Gegenleistung: Was er schenkt, soll seinen Namen ehren und bewusst halten, was er alles für die Seinen tat und dies noch täglich tut.

Woran denken Sie, wenn Sie solches hören? An Pflichten, über die manche auch klagen. Wenn in landeskirchlichen Gemeinden ein Anteil von lediglich 8–9 Prozent der Einkommenssteuer für die Arbeit der Kirche einbehalten und verwendet wird, wähnt ein immer größerer Anteil der Mitglieder, diese Abgabe bereite ihnen Not ... Außerdem wüsste man sowieso nicht, wie es um die Verwendung stünde. In freien Gemeinden – und vielen Kirchen in anderen Ländern, nicht nur des Südens – erwartet deren Leitung immerhin zehn Prozent des Einkommens von Mitgliedern. Damit sollen und müssen Gemeinden gut wirtschaften können; die Kasse muss stimmen. Da sind zum einen, wie in den USA und anderen sozial sehr gespaltenen Ländern, Gemeinden mit vielen Reichen, die finanziell sehr gut dastehen. Oder aber sich verleiten lassen, große Beträge in den eigenen Ruf zu investieren. Da geht es auch um eigene Namen, Führungsanspruch, Konkurrenz der Reichen, Klügsten. Wohlstand wird dann missverstanden, so als wäre einer gesegneter als andere. Demgegenüber kämpfen manche Gemeinden wenig Bemittelter um das tägliche Budget und Auskommen.

 

Geben als Spiegel der Güte Gottes

Wann stimmen Perspektive und Einstellungen, so frage ich mich? Was ich habe, ist immer auch für andere bestimmt. Was Jesus von den Seinen erwartet, die weg- und weitergeben, war nie eine Pflicht: wie gewonnen, so zerronnen. Gewiss nicht. Was wir Gott geben, ist Spiegel seiner Güte. Er überfordert niemanden, will aber auch keine Selbstverwirklichungs-Shows derer, die Gelder horten. Um den alltäglichen Bedarf und Nutzen der Gemeinde geht es, damit sie ihre Aufgaben recht wahrnehmen kann. Und dies immer mit Dank dem heiligen Namen Gottes gegenüber, der sein Volk recht führt, ja in der Gemeinde wohnen will. Gerade durchs Weiterreichen und Teilen dessen, der es alles verursachte und schenkte, soll bewusst bleiben, was Paul Gerhardt so demütig dichtete:

 „Was sind wir doch? Was haben wir auf dieser ganzen Erd,
das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd?"

Ich denke an zweierlei, was für unser Christenleben so elementar ist: Dank an unseren gütigen Vater im Himmel, wenn wir Mahlzeiten einnehmen dürfen. Mich sorgt, auch in christlichen Bekanntenkreisen, die eigentlich gute Traditionen kennen, dass bei Tisch weder Dank noch der Name angerufen werden; Nahrung wird weniger mit Wertschätzung Gott gegenüber verzehrt. Wie viele müssen mit kleinen Rationen auskommen; wie viel Lebensmittel vergeuden dagegen oft die, die im Überfluss schwelgen! Sie haben in dem Fall Gottes Namen und Heiligkeit vergessen. Ich höre zuweilen Kollektenreden ungern, in denen mit moralischem Überdruck überredet werden soll, möglichst viel und immer mehr zu geben. Sie und ich dürfen alles im Gewissen und vor Gott prüfen. Unterschiedliches behält seinen Wert.

 

Teilen als Zeichen der Liebe zu den Bedürftigen

Im Namen Gottes, in seinem Angesicht als Gemeinde zu speisen – das ist Ehre und Vorrecht. Zudem achtet Gott darauf, wie es um die vielen echt bedürftigen Menschen, so wie die Leviten damals, bestellt ist. Sie haben ja – gewolltermaßen – weder Anteil noch Erbe am Land. Oder die Fremdlinge, Waisen und Witwen, die Gott besonders im Auge hat. Ob sie in der eigenen Stadt leben oder weiter weg: „Arme habt ihr allezeit!" sagt Jesus. Gerade sie hat Gott lieb. Sie „sollen essen und sich sättigen, auf dass dich der HERR, dein Gott, segne in allen Werken deiner Hand, die du tust." So bedacht, so sozial ist unser Gott – dessen Kinder wir alle sind und über denen letztlich er selber gute Gaben ausschütten kann. Teilen heißt bei Gott Geben und Mehren! Unser Umgang mit Mitarbeitenden, unseren ärmeren Geschwistern und auch Fremdlingen unter uns kann Zeichen der Güte und des Willens unseres Gottes sein – egal wie groß unser Geben ausfällt. In allem ihm die Ehre!

Autor: Pfarrer Dr. Traugott Farnbacher

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