ERF Plus - Bibel heute

Hoffnung in der Bedrängnis


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Von Problemen und Krisen höre ich täglich. Schlimme Bilder aus den Medien können mich verfolgen und mir den Schlaf rauben. Doch wie geht es erst jenen, die direkt betroffen sind – von Krieg, Hunger und anderem schweren Leid!

Im Psalm 129 hören wir im ersten Teil von einer langen unerträglichen Bedrängnis. Auch Sie haben sicher Zeiten erlebt, auf die Sie gern verzichtet hätten. Oder Sie haben solche Zeiten bei anderen gesehen und mitgelitten.

Eine junge Mutter hat früh in ihrer Schwangerschaft Zwillinge verloren. Was für ein Elend, für sie und auch für ihre Familie, die sich schon auf den Zuwachs gefreut hatte! Nun kam alles anders und leicht hatten sie alle es ohnehin nie. Wenn ich auf diese Not fokussiert bleibe, liegt die Frage auf der Hand: „Gott, warum hast du das zugelassen?“ Dieselbe Frage habe ich in einer ähnlich schwierigen Lebensphase auch gestellt. In unserem Wohnzimmer hängt ein Bild, das Jesus mit einem kleinen Kind auf dem Arm zeigt, das er liebevoll und beschützend heimbringt in den Himmel. Darüber ist der Heilige Geist in Form einer Taube in sanften Farben abgebildet. Von ihm sagt die Bibel, dass Jesus ihn seinen Jüngern als Tröster dalässt. Mich hat dieses Bild tatsächlich oft getröstet. Das Leid ist erstmal schmerzhaft, doch Jesus hilft, es zu tragen.

Trauer und Leid erfahren

Trauer hat viele Facetten, bedeutet innere Arbeit und verläuft in unterschiedlichen Phasen, die für einen selbst – und manchmal auch für andere – nicht immer leicht auszuhalten sind. Mal geht es vorwärts und dann wieder zurück. Ich verstehe mich manchmal selbst nicht mehr. Kennen Sie das?

Im ersten Moment, wenn etwas Schlimmes geschieht, kommt vielleicht der Gedanke auf: „Das kann doch nicht wahr sein!“ Sie sind geschockt, es kann sein, dass Ihnen schwindelig und übel wird. Sie fühlen sich der Ohnmacht nahe, hilflos und ausgeliefert. Zeit und Raum scheinen sich aufzulösen.

Dann, nach und nach, macht sich Wut breit. Sie fragen sich: „Wer hat das zu verantworten? Wer ist schuld daran? Wer hat mir das angetan?“ Je nach Art des Verlusts, klagen manche Menschen in dieser Phase Gott an, andere Menschen oder auch sich selbst. Da kann es hoch hergehen – emotional und auch körperlich. „Zornesrot“ ist ein Wort, das eine gute Beschreibung gibt. Jemand in meinem Umfeld hat einmal grollend gesagt: „Mirrr kocht derrr Blut!“ Auch kulturelle Prägungen können sehr unterschiedliche Ausprägungen in den einzelnen Phasen der Trauer mit sich bringen.

Im weiteren Verlauf keimt die Frage auf: „Wie kann ich das Geschehene wieder gutmachen?“ Vielleicht gibt es tatsächlich Wege, z. B. Versöhnung, die mir in den Sinn kommen. Es kann aber auch sein, dass alles innere Verhandeln wenig bringt – ist jemand verstorben, ist es für manches zu spät. Da kann ich mich innerlich martern, sogar auf die Idee kommen, dass ich anstelle des Verstorbenen mein Leben hätte lassen können. Manchmal höre ich hier Sätze wie: „Er war noch so jung! Ich habe mein Leben gelebt. Ich hätte sterben sollen - nicht er!“

Depression als Grundstimmung macht sich breit und die Erkenntnis: „Ich kann es nicht ändern!“ Vielleicht fühlen Sie sich als Opfer von jemandem oder der Umstände. Vielleicht drehen sich die Gedanken wie ein Karussell – sie lassen sich kaum stoppen, so scheint es.

Erst später setzt – im besseren Falle – eine Akzeptanz ein. Sie ist notwendig, um aus der Trauer nach und nach aufzutauchen.

Trauer und Leid vor Gott

Ich kehre noch einmal zu Psalm 129 zurück. Dort haben wir gehört, dass Gott, der gerecht ist, die Not sieht und eingreift. Er zerhaut die Stricke der Frevler.

Dann folgt das, was Gott – bitte oder gefälligst! – den Bedrängern tun möge. Sie sollen eingehen, sind zu nichts nutze und der Segen soll ihnen und allen, die profitieren wollen, vorenthalten werden. Die Wut brandet hoch.

Sieht so ein frommer Wunsch aus, nach dem Motto: „liebt eure Feinde!“? Für meine Ohren klingt er – rein menschlich betrachtet - nur zu verständlich. Sich wieder „einzukriegen“, sich zu beruhigen, scheint in einem solchen Moment kaum vorstellbar. Manch eine Kurzschlusshandlung, über die dann in den Medien berichtet wird, erfolgt aus unbändigem Zorn heraus. Dann zieht die Katastrophe im Leben von Menschen weitere Katastrophen nach sich. Sicher hat der Teufel viel Freude an dieser Zerstörung, das Leid potenziert sich.

Die Frage: W. w. J. d. abgekürzt – „What would Jesus do? – Was würde Jesus tun?“ beschäftigt mich auch in diesem Zusammenhang. Wie mag es ihm in seiner Leidenszeit gegangen sein?

„Die Pflüger haben auf meinem Rücken geackert“, heißt es in Vers 3 unseres heutigen Bibeltextes. Auch auf Jesu Rücken gab es Furchen von Peitschenhieben, die er erduldet hat, obwohl er sich nichts zu Schulden kommen lassen hat. Anders als wir es als Menschen vielleicht erwarten würden, greift Gott nicht ein: sein Heilsplan mit Jesus für uns Menschen wird vollständig erfüllt. Jesus stirbt am Kreuz. Dies ist die Voraussetzung für seine Auferstehung vom Tod. Gottes Gerechtigkeit erfordert dieses sündlose, aber keineswegs sinnlose Opfer, um den Weg zu Gott wieder frei zu machen, auch wenn wir Menschen gesündigt haben und immer wieder (hoffentlich mit der Zeit weniger) sündigen, selbst wenn wir danach streben, Jesus ähnlicher zu werden, in unserer Persönlichkeit und allem, was damit zusammen hängt wie Denken, Fühlen und Verhalten.

Mit Gott an der Seite

Ich will lernen – auch in Trauerzeiten – nicht verdammen, sondern Jesu Vergebung anzunehmen und anderen zu vergeben. Auch wenn ich Gott vorwurfsvoll anklage, ihm meinen Schmerz am liebsten ins Gesicht schreie oder vor die Füße werfen will, hält er das aus und liebt mich trotzdem. Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an. Er weiß um meine Not und möchte mich innerlich wieder aufrichten – wie ein geknicktes Schilfrohr, das nicht zerbricht. Ist das nicht tröstlich? Gott ist bei unserem Psalmbeter und auch an Ihrer und meiner Seite – heute und an jedem neuen Tag.

In diesem Sinne: seien Sie getrost und bleiben Sie behütet!

Autor: Claudia Volkmann

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