Georgien ist das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Einer der bekanntesten Autoren in Georgien ist Archil Kikodze. Er ist auch Fotograf, Regisseur und Schauspieler. "Der Südelefant" ist sein erster Roman. Ruthard Stäblein hat mit dem Schriftsteller zusammen die Orte seines Romans in Tiflis besucht
Kikodze ist nicht nur Autor, sondern auch Bergführer. Das ist praktisch für Tiflis. Denn in der georgischen Hauptstadt geht es ständig auf und ab. Historisch und topographisch. Die Stadt liegt an steilen Hängen. Sie wurde fast 30-mal zerstört und wieder aufgebaut.
Archil Kikodze erzählt in seinem Roman, wie Beria mitten in Tiflis einen Schriftsteller terrorisierte. Er soll ihn eigenhändig gefoltert und ermordet haben. Am Haus von Beria hängt kein Schild, dass hier der georgische Zyniker und Despot wohnte. Aber Kikodzes Erzähler erinnert an diese verdrängte georgische Schuld wie er auch an die persönliche Schuld seines Freundes Tazo erinnert. In einem außergewöhnlichen Freundschaftsdienst übernimmt er dessen Schuld, bringt sein Leben in Gefahr, um das Leben von Tazos Sohn zu retten.
Fazit
"Der Südelefant" ist ein archäologischer Roman, in dem ein Spaziergang durch Tiflis zur Ausgrabung einer verdeckten, verdrängten Vergangenheit führt, zur Anerkennung einer Schuld, zum Wagnis der Freundschaft und zur Sehnsucht nach einer Arche, nach einem Neubeginn. Ein schmerzhafter, ein glorreicher Roman, in dem ein Flaneur auf abblätternden Fassaden Tiflis und sich selbst entdeckt.
Archil Kikodze: Der Südelefant
Übersetzung: Nino Haratischwili, Martin Büttner
Ullstein
Euro 22