Davit Gabunia, 1982 in Poti am Schwarzen Meer geboren, ist einer der wichtigsten Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer von Georgien. Zweimal wurde er mit dem georgischen Theaterpreis Duruji ausgezeichnet, 2015 erhielt er den bedeutendsten georgischen Literaturpreis Saba. Jetzt erschien sein erster Roman "Farben der Nacht" auf Deutsch, der in Georgien Furore gemacht hat.
Er spielt im Sommer 2012,kurz vor den Wahlen.Im Mittelpunkt steht eine Liebesbeziehung zwischen zwei Männern, die von einem Nachbarn beobachtet und fotografiert wird. Georgien ist noch immer patriarchalisch machohaft geordnet. Die Kirche hat großen Einfluss. Sie greift Homosexualität als unnatürlich an.
Gabunia weist die Verunsicherungen in der georgischen Gesellschaft auf, die Männlichkeitskrise. Eine allgemeine Misogynie und Homophobie, den Hass auf die Andersartigen. Das Land befindet sich seit den 90er-Jahren in einer Übergangszeit. Und das große Ding ist das Aufbrechen von Geschlechterrollen. Er beschreibt, wie die überkommen männliche Identität zerbricht.
Er schafft es, durch Andeutungen, das allmähliche Abgleiten von einem stillen zu einem beteiligten Beobachter spannend zu erzählen. Gabunia, leuchtet wie ein „Profiler“ seine Personen in allen Licht- und Schattenseiten aus. Z.B. den Ehermann Surab, ein armes Würstchen, das bei der Musik von Amy Winehouse weint. Und er lässt Fragen offen. Surab verleugnet vielleicht seine eigene Homosexualität und fühlt sich auch deshalb von dem Spektakel angezogen, das sich gegenüber von seinem Balkon ereignet. Fast so spannend wie Hitchcocks "Fenster zum Hof" gibt der Roman einen guten Einblick in den aktuellen Wandel der georgische Mentalität.
Davit Gabunia: Farben der Nacht | Übersetzung: Rachel Gratzfeld | Rowohlt Berlin Verlag 2018 | Preis: 20 EuroDavit Gabunia: Farben der Nacht | Übersetzung: Rachel Gratzfeld | Rowohlt Berlin Verlag 2018 | Preis: 20,-- Euro