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„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn…“
Mit diesen Worten beginnt das apostolische Glaubensbekenntnis, das weltweit von hunderten Millionen Christen gesprochen und gebetet wird. Darin werden die zentralen christlichen Glaubensinhalte, wie unter einem Brennglas, auf den Punkt gebracht. Es zeigt auf, worin alle Christen miteinander verbunden sind, was christlicher Glaube formal bedeutet und wo die Grenzen zu anderen Religionen oder Glaubenssystemen verlaufen. Ein solches Bekenntnis richtet sich an den Verstand und kann mir verdeutlichen, wo ich mit meinen Überzeugungen stehe.
Schwieriger wird es nun, wenn ich mir die Frage stelle, ob die Zustimmung zu allen Punkten des Credos aus mir tatsächlich schon einen Christen macht.
Noch komplizierter ist es allerdings, mir eine Antwort darauf zu geben, warum ich überhaupt glauben kann. Wie kommt es, dass die einzelnen Artikel für mich zur Wahrheit werden? Wie finde ich einen Zugang dazu? Kurz: Warum kann ich glauben, mein Nachbar aber nicht?
Die Zustimmung zu den Inhalten des Apostolikums ist sicherlich nicht der erste Schritt im Leben eines Christen, sondern eher die Konsequenz aus dem, was er schon vorher erlebt hat und was in seinem Herzen gewachsen ist.
Die Frage aber, warum der Glaube in dem Einen erstarkt und vom Anderen abgelehnt wird, kann damit nicht beantwortet werden. Woran hängen Glaube und Unglaube eines Menschen?
Ein Blick in den aktuellen Bibeltext zeigt ein ernüchterndes Bild. Obwohl die Menschen Jesus damals vor Augen hatten, ihm zuhören konnten und seine Wunder sahen, blieben viele ungläubig. Vers 37 liest sich wie eine resignierte Zusammenfassung von Jesu Wirken: Ein Großteil des Volkes glaubt nicht an ihn.
Doch es gab auch die anderen. Die Begleiter Jesu, seine Jünger und Sympathisanten. Warum können sie diesen Jesus von Nazareth anders sehen? Woher kommt ihr Glaube? Sind sie von Haus aus frömmer, klüger oder aufgeschlossener gewesen?
In den Versen 38-41 wird eine Antwort darauf gegeben, warum viele Menschen ungläubig geblieben sind, obwohl sie die gleichen Dinge gehört und gesehen haben. Demnach ist der Grund dafür eine Verstockung des Herzens, die von Gott herrührt. Das kann ich so nicht akzeptieren und lese die Verse nochmals – doch es bleibt dabei: So steht es da. Der Evangelist Johannes spannt in diesen Zeilen eine Brücke zum Alten Testament, in dem es der Prophet Jesaja ähnlich ausgedrückt hat: Gott blendet Augen und verstockt Herzen, damit die Menschen nicht sehen und nicht glauben können. Die Ursache des Unglaubens soll demnach in Gott selber liegen? Das kann nach meinem Empfinden doch unmöglich so sein. Beim längeren Nachdenken darüber wird mir allerdings bewusst, dass dieses Motiv tatsächlich öfter in der Bibel zu finden ist. Beispielsweise heißt es vom Pharao, der Mose und sein Volk nicht aus Ägypten ziehen lässt, dass Gott sein Herz verhärtet habe (2.Mose 7,3ff). Und auch Paulus spricht im Römerbrief davon, dass Gott sich nach seinem Willen dem Einen erbarmt und den Anderen verstockt (Röm 9,18). Mir fällt es schwer, diesen Gedanken zu folgen. Wäre das nicht ungerecht?
In den Versen 42+43 berichtet Johannes über eine weitere Gruppe von Menschen: Es gibt auch die, die zum Glauben gekommen sind, ihn aber öffentlich verleugnen oder wenigstens verschweigen, um gesellschaftlichen Nachteilen zu entgehen. Sie treffen offensichtlich selber eine Entscheidung, wie sie mit ihrem Glauben umgehen wollen. Wie passt das nun zur gottgewollten Verstockung? Ist es hier nicht der Mensch selber, der die Entscheidung trifft?
In den restlichen Versen macht Jesus deutlich, was der Glaube an ihn und sein Wort für den Menschen bedeutet. Er spricht vom Licht in der Finsternis. Sein Wort ist Gottes Wort und es macht frei, schenkt Orientierung und Leben. Der Glaube daran macht es in und um die Menschen hell. Jesus ist der Weg, der in Gottes Reich führt.
So tröstlich das klingt, so fragwürdig werden diese Zeilen mit Blick auf den Menschen, der sein Herz dafür nicht öffnen kann, weil Gott es verschlossen hat? Widerspricht diese Ansicht nicht jeder christlichen Missionstätigkeit – ja Jesu Wirken und Reden selber. Warum ruft Jesus im Vers 47 wie an vielen anderen Stellen zu einer Entscheidung auf, die ich doch letztlich gar nicht selber treffen kann, weil sie bereits von Gott getroffen wurde? Wie passt das alles zusammen?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich darauf eine vollends befriedigende Antwort geben kann. Mir macht dieser und vergleichbare Texte der Bibel deutlich, dass selbst meine Entscheidung, an Gott zu glauben und auf sein Wort zu hören, ein Geschenk ist. Meine Hinwendung zu ihm ist kein Entscheidungsakt, der allein in meiner Kraft lag und auf den ich stolz sein kann. Nein, er entspringt genauso der Gnade Gottes wie mein Leben als Ganzes. Oft genug sehe ich meinen Glauben als eine Art Leistung, die Gott eines Tages belohnen müsste. Doch ich darf und soll wissen, dass letztlich alles an seiner Gnade liegt. Ich kann keinerlei Verdienste, auch keine willentliche Entscheidung vor Gott ins Feld führen, sondern mich nur bedingungslos in seine Arme geben.
Und dennoch zeigt der Bibeltext, dass auch mein Wille Bedeutung hat. Gottes Handeln und meine Freiheit verhalten sich ambivalent zueinander. Dass Gott in Jesus Mensch wird und um mich wirbt, zeigt, dass es auch um meine Entscheidung geht. Wenn ich diese dann treffe, ist sie im Rückblick dennoch sein Gnadenwerk. In diesem Sinne kann auch jederzeit aus Verstockung neue Offenheit werden, aus Ablehnung Vertrauen und aus Unglaube Glaube. Weil Gott für alle Menschen ans Kreuz gegangen ist, gilt auch sein Heilswillen prinzipiell für alle. Ich könnte auch sagen, dass sich selbst verstockte Herzen in Gottes Hand befinden. Deshalb wird es das Phänomen des Unglaubens nur begrenzte Zeit geben. Und wer darunter leidet, für den wird Gottes Erlösungshandeln bereits spürbar.
Ich darf mich also in Freiheit für Christus entscheiden und gleichzeitig wissen, dass dies ein Geschenk ist.
Wenn ich das nächste Mal das Glaubensbekenntnis spreche, soll es für mich nicht nur eine gedankliche Positionsbestimmung sein, sondern ein Lobpsalm und jeder Artikel ein Dankvers – Lob und Dank dafür, dass ich glauben darf.
Autor: Ralf Krumbiegel
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By ERF - Der Sinnsender5
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„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn…“
Mit diesen Worten beginnt das apostolische Glaubensbekenntnis, das weltweit von hunderten Millionen Christen gesprochen und gebetet wird. Darin werden die zentralen christlichen Glaubensinhalte, wie unter einem Brennglas, auf den Punkt gebracht. Es zeigt auf, worin alle Christen miteinander verbunden sind, was christlicher Glaube formal bedeutet und wo die Grenzen zu anderen Religionen oder Glaubenssystemen verlaufen. Ein solches Bekenntnis richtet sich an den Verstand und kann mir verdeutlichen, wo ich mit meinen Überzeugungen stehe.
Schwieriger wird es nun, wenn ich mir die Frage stelle, ob die Zustimmung zu allen Punkten des Credos aus mir tatsächlich schon einen Christen macht.
Noch komplizierter ist es allerdings, mir eine Antwort darauf zu geben, warum ich überhaupt glauben kann. Wie kommt es, dass die einzelnen Artikel für mich zur Wahrheit werden? Wie finde ich einen Zugang dazu? Kurz: Warum kann ich glauben, mein Nachbar aber nicht?
Die Zustimmung zu den Inhalten des Apostolikums ist sicherlich nicht der erste Schritt im Leben eines Christen, sondern eher die Konsequenz aus dem, was er schon vorher erlebt hat und was in seinem Herzen gewachsen ist.
Die Frage aber, warum der Glaube in dem Einen erstarkt und vom Anderen abgelehnt wird, kann damit nicht beantwortet werden. Woran hängen Glaube und Unglaube eines Menschen?
Ein Blick in den aktuellen Bibeltext zeigt ein ernüchterndes Bild. Obwohl die Menschen Jesus damals vor Augen hatten, ihm zuhören konnten und seine Wunder sahen, blieben viele ungläubig. Vers 37 liest sich wie eine resignierte Zusammenfassung von Jesu Wirken: Ein Großteil des Volkes glaubt nicht an ihn.
Doch es gab auch die anderen. Die Begleiter Jesu, seine Jünger und Sympathisanten. Warum können sie diesen Jesus von Nazareth anders sehen? Woher kommt ihr Glaube? Sind sie von Haus aus frömmer, klüger oder aufgeschlossener gewesen?
In den Versen 38-41 wird eine Antwort darauf gegeben, warum viele Menschen ungläubig geblieben sind, obwohl sie die gleichen Dinge gehört und gesehen haben. Demnach ist der Grund dafür eine Verstockung des Herzens, die von Gott herrührt. Das kann ich so nicht akzeptieren und lese die Verse nochmals – doch es bleibt dabei: So steht es da. Der Evangelist Johannes spannt in diesen Zeilen eine Brücke zum Alten Testament, in dem es der Prophet Jesaja ähnlich ausgedrückt hat: Gott blendet Augen und verstockt Herzen, damit die Menschen nicht sehen und nicht glauben können. Die Ursache des Unglaubens soll demnach in Gott selber liegen? Das kann nach meinem Empfinden doch unmöglich so sein. Beim längeren Nachdenken darüber wird mir allerdings bewusst, dass dieses Motiv tatsächlich öfter in der Bibel zu finden ist. Beispielsweise heißt es vom Pharao, der Mose und sein Volk nicht aus Ägypten ziehen lässt, dass Gott sein Herz verhärtet habe (2.Mose 7,3ff). Und auch Paulus spricht im Römerbrief davon, dass Gott sich nach seinem Willen dem Einen erbarmt und den Anderen verstockt (Röm 9,18). Mir fällt es schwer, diesen Gedanken zu folgen. Wäre das nicht ungerecht?
In den Versen 42+43 berichtet Johannes über eine weitere Gruppe von Menschen: Es gibt auch die, die zum Glauben gekommen sind, ihn aber öffentlich verleugnen oder wenigstens verschweigen, um gesellschaftlichen Nachteilen zu entgehen. Sie treffen offensichtlich selber eine Entscheidung, wie sie mit ihrem Glauben umgehen wollen. Wie passt das nun zur gottgewollten Verstockung? Ist es hier nicht der Mensch selber, der die Entscheidung trifft?
In den restlichen Versen macht Jesus deutlich, was der Glaube an ihn und sein Wort für den Menschen bedeutet. Er spricht vom Licht in der Finsternis. Sein Wort ist Gottes Wort und es macht frei, schenkt Orientierung und Leben. Der Glaube daran macht es in und um die Menschen hell. Jesus ist der Weg, der in Gottes Reich führt.
So tröstlich das klingt, so fragwürdig werden diese Zeilen mit Blick auf den Menschen, der sein Herz dafür nicht öffnen kann, weil Gott es verschlossen hat? Widerspricht diese Ansicht nicht jeder christlichen Missionstätigkeit – ja Jesu Wirken und Reden selber. Warum ruft Jesus im Vers 47 wie an vielen anderen Stellen zu einer Entscheidung auf, die ich doch letztlich gar nicht selber treffen kann, weil sie bereits von Gott getroffen wurde? Wie passt das alles zusammen?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich darauf eine vollends befriedigende Antwort geben kann. Mir macht dieser und vergleichbare Texte der Bibel deutlich, dass selbst meine Entscheidung, an Gott zu glauben und auf sein Wort zu hören, ein Geschenk ist. Meine Hinwendung zu ihm ist kein Entscheidungsakt, der allein in meiner Kraft lag und auf den ich stolz sein kann. Nein, er entspringt genauso der Gnade Gottes wie mein Leben als Ganzes. Oft genug sehe ich meinen Glauben als eine Art Leistung, die Gott eines Tages belohnen müsste. Doch ich darf und soll wissen, dass letztlich alles an seiner Gnade liegt. Ich kann keinerlei Verdienste, auch keine willentliche Entscheidung vor Gott ins Feld führen, sondern mich nur bedingungslos in seine Arme geben.
Und dennoch zeigt der Bibeltext, dass auch mein Wille Bedeutung hat. Gottes Handeln und meine Freiheit verhalten sich ambivalent zueinander. Dass Gott in Jesus Mensch wird und um mich wirbt, zeigt, dass es auch um meine Entscheidung geht. Wenn ich diese dann treffe, ist sie im Rückblick dennoch sein Gnadenwerk. In diesem Sinne kann auch jederzeit aus Verstockung neue Offenheit werden, aus Ablehnung Vertrauen und aus Unglaube Glaube. Weil Gott für alle Menschen ans Kreuz gegangen ist, gilt auch sein Heilswillen prinzipiell für alle. Ich könnte auch sagen, dass sich selbst verstockte Herzen in Gottes Hand befinden. Deshalb wird es das Phänomen des Unglaubens nur begrenzte Zeit geben. Und wer darunter leidet, für den wird Gottes Erlösungshandeln bereits spürbar.
Ich darf mich also in Freiheit für Christus entscheiden und gleichzeitig wissen, dass dies ein Geschenk ist.
Wenn ich das nächste Mal das Glaubensbekenntnis spreche, soll es für mich nicht nur eine gedankliche Positionsbestimmung sein, sondern ein Lobpsalm und jeder Artikel ein Dankvers – Lob und Dank dafür, dass ich glauben darf.
Autor: Ralf Krumbiegel
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