ERF Plus - Bibel heute

Jesu Beschneidung und Darstellung im Tempel (2)


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Wenn ich einen Menschen um etwas wirklich je beneide, dann ist es Simeon. Was würde ich dafür geben, wenn mir Gott persönlich – wie auch immer – ausrichten ließe: Du wirst nicht sterben, bevor du nicht das Wiederkommen von Jesus erleben wirst! Es ist das Ereignis, das ich mir am allermeisten wünsche! Natürlich gibt es noch andere Wünsche, aber ich weiß, wenn Jesus wieder kommt, wird alles andere, wirklich alles! an Bedeutung verlieren.

Es wird passieren – aber wann? Das weiß niemand! Außer Gott und der hat es nicht einmal seinem Sohn selbst verraten. Wir müssen uns damit begnügen, dass es einmal stattfindet. In der Bibel steht – BALD… Was ist aber bei Gott schon bald? Wir sollen so leben, als könnte es heute noch geschehen, allerdings in dem Wissen, dass es noch Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte dauern kann. Keine leichte Aufgabe für uns Christen.

Wie war es wohl für Simeon? Er lebte in der Zeit des Alten Testaments. Vor der Geburt Jesu. Menschen, die sich in den Schriften und Voraussagen der Propheten gut auskannten, wussten, dass der Messias, der Retter, kommen wird. Da dieser auch Trost Israels genannt wird, ist dieser Name ein Hinweis auf die große Hoffnung, die sein Volk darauf setzt. Genauso, wie Christen auf das Wiederkommen Jesu.

Unsere Welt ist voll von Ungerechtigkeiten, Lieblosigkeit, Umweltkatastrophen, Krankheiten. Ich glaube nicht, dass es uns Menschen noch gelingen wird, die Welt von all dem zu befreien. Es ist zwar richtig, dass wir es in kleinen Schritten versuchen und an dem arbeiten, was in unserer Macht steht, aber wir werden es ohne Gottes Hilfe nicht schaffen. Wenn aber Jesus wieder kommt, wird es eine neue Erde und einen neuen Himmel geben. Ohne all das Leid. Daran glauben Christen.

Damals, zu Simeons Zeiten und die vielen Jahrhunderte davor, wartete man auf das erste Kommen des Messias. Keiner wusste, wie und wann es geschehen wird. Sicher erwartete man etwas Spektakuläres, etwas, was die ganze Welt erschüttern wird. Niemals hätte man sich vorstellen können, dass das Ereignis in einem unscheinbaren Stall in der kleinen Stadt Bethlehem stattfindet. Dass ein Baby, von einer ganz normalen Frau geboren, der Retter der Welt sein wird!

Ich bin also mit meiner Erwartung, die ich habe, viel besser dran, als die Menschen damals. Weil es viele Zeugen aufgeschrieben haben und ich es in der Bibel nachlesen kann, weiß ich: Was Gott verspricht, geht in Erfüllung. Ich muss lediglich die Geduld aufbringen und abwarten, wann. Es kann zu meiner Lebzeit passieren, genauso aber auch erst nach meinem Tod.

Simeon bekam die Zusage, dass er den Christus sehen wird, noch bevor er stirbt.

Vermutlich war er zu der Zeit aber schon so betagt, dass er mit seinem Tod jederzeit rechnen konnte. Daher stelle ich mir vor, dass auch er ab und zu Zweifel bekam und ungeduldig wurde. Wird er den Christus wirklich erleben? Wie lange dauert es noch?

Wir lesen, dass er die Zusage vom Geist Gottes bekam. Das war damals noch ungewöhnlicher als heute. Nach dem Jesus als Mensch auf der Welt lebte, am Kreuz starb, von den Toten auferstanden ist und dann, bevor er wieder zu seinem himmlischen Vater zurückkehrte, sandte er uns seinen Stellvertreter, den Heiligen Geist. Wer sich dafür entscheidet, Jesus nachzufolgen, bekommt diesen Geist – im Normalfall für den Rest seines Lebens. In den Zeiten des Alten Testaments bekamen ihn wirklich nur bestimmte Personen für eine bestimmte Zeit. Für Simeon war es deshalb klar, er wird Christus sehen.

Und genau dieser Geist nötigte Simeon eines Tages, in den Tempel zu gehen. Sicher ging er regelmäßig hin. Es war der Ort, an dem er Gott besonders nahe war! Aber heute drängte es ihn, regelrecht hinzugehen. Anders als sonst. Das wird im Lukasevangelium betont.

Welche Situation traf Simeon dort an? Wahrscheinlich eine alltägliche. Jeden Tag kamen viele Mütter zu dem Reinigungs- und Darstellungsopfer eines Neugeborenen. Denn nach der Geburt eines Kindes galt eine Mutter mindestens 40 Tage als unrein und in dieser Zeit durfte sie den Tempel nicht aufsuchen. Die Menschen damals lebten mit dem Wissen, dass man Opfergaben bringen muss, um vor Gott zu bestehen. Daher war ihnen der Gang in den Tempel sehr wichtig, ja lebenswichtig. Geschweige denn nach so einer langen Zeit der Enthaltung. Es war also ein großer Tag für Maria.

Simeon, in der Gegenwart Gottes, sieht sofort die heilige Familie mit dem besonderen Kind. Es kann nur der Heilige Geist gewesen sein, der ihn erkennen lässt, dass dieses Neugeborene der versprochene Christus ist. Ohne nach weiteren Beweisen zu suchen, ohne irgendwelche Fragen an die Eltern, geht er hin und nimmt das Kind auf seine Arme. Jetzt kann er sterben. Aber vorher muss er noch etwas erledigen.

Zuerst lobt Simeon Gott für das Erfüllen seines Versprechens. Danach kommen aber sofort Worte, die sicher nicht vorbereitet wurden. Prophetische Worte, vom Heiligen Geist eingegeben. Sie richten sich zuerst an das Kind in seinem Arm. Dieses Neugeborene wird das Heil nicht nur für Israel, sondern allen Völkern bringen.

Schwer vorstellbar, was die Umstehenden dabei wohl dachten. Ich kann mir lediglich denken, dass Maria und Josef die Einzigen waren, die die Wahrheit darin erkannten. Was sie allerdings nicht deuten konnten, waren die weiteren Worte Simeons, die an Maria gerichtet wurden. Ihren Sohn sterben zu sehen, wird für sie als Mutter unvorstellbar schmerzhaft sein. Dass Gott, der Vater von Jesus, diesen Schmerz ihr und sich selbst zumutet, zeugt von seiner großen Liebe zu uns Menschen. Simeon sieht hier bereits die Trennung zwischen den Menschen, die Jesu Tod für sich in Anspruch nehmen und den, die ihn verachten. Seine Worte gelten bis heute und bleiben wahr, bis Jesus wieder kommt. Ich möchte darauf geduldig warten, wie es Simeon tat.

Autor: Dajka Krentz

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