ERF Plus - Bibel heute

Jesus Christus, Herr über die Zeit


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Hätte, hätte – Fahrradkette: Marthas Vertrauen trotz Enttäuschung

Wenn das Wörtchen ‚Wenn' nicht wär, wär mein Vater Millionär: Hätte ich damals anders gehandelt, hätte ich mich nicht schuldig gemacht. „Wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben". Das sagt Martha zu Jesus, der zu spät gekommen ist.

Hätte, hätte – Fahrradkette. Kennen Sie das auch? Aus dem Teufelskreis der verpassten Chancen, der Selbstanklagen, der Vorwürfe an andere komme ich nicht heraus. Dabei ist doch eines erstaunlich und wunderbar an Martha: ihr Vertrauen in Jesus. Wäre er rechtzeitig eingetroffen, Lazarus wäre noch am Leben.

Großartig! Ein solches Gottvertrauen wünsche ich mir auch, so eine Einstellung wie Martha, dass Gott auch die schlimmsten Krankheiten heilen kann. Aber leider bleibt es dabei: Jesus ist zu spät. Bestimmt hat er alles getan, was in seinen Möglichkeiten stand. Lazarus war sein geliebter Freund. Mit Sicherheit hat Jesus sich beeilt, ihm zur Hilfe zu kommen. Vielleicht war er verhindert durch einen anderen Hausbesuch, so ist das manchmal bei Ärzten.

Merken Sie, was ich gerade gemacht habe? Ich habe meinen Glauben an Jesus an eine bestimmte Erwartungshaltung angepasst: Jesus, der Arzt. Ich habe Jesus auf ein menschliches Maß reduziert. Wer ist Jesus für mich, für Martha, wer ist Jesus für Sie? Ein guter Mensch, ein Wundertäter, der Sohn Gottes? „Ich bin die Auferstehung und das Leben": das sagt Jesus über sich selbst. Klingt nicht nach der Tätigkeitsbeschreibung eines Mediziners, oder?

„Dein Bruder wird auferstehen" – Vertröstung oder Verheißung?

Zunächst aber geht es im Text nicht um Jesus, sondern um Martha und Lazarus. „Dein Bruder wird auferstehen". Nicht: ich werde Lazarus von den Toten erwecken, nein: „Dein Bruder wird auferstehen". Wie würden Sie an Marthas Stelle diese Aussage verstehen? Würden Sie erwarten, dass der Tote wenige Minuten später aus dem Grab treten wird? Ich nicht – und Martha auch nicht.

Ich weiß ja, sagt Martha, und ich höre geradezu ihren resignierten Unterton, „ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung der Toten am Jüngsten Tage". Das kommt mir sehr bekannt vor. Martha fühlt sich auf die Zukunft vertröstet. Ich will einmal alle historischen und gegenwärtigen theologischen Lehrsätze weglassen. Dann heißt dieser Satz der Martha: ich werde meinen Bruder wiedersehen, wenn ich selbst gestorben bin, im Jenseits, im Himmel, in der Ewigkeit. Jedenfalls nicht hier und jetzt, sondern irgendwo anders und irgendwann später.

Ja, ich weiß, sagt Martha. Weiß ich ja alles schon, der übliche Trost, den der Pfarrer spendet, begleitet von einem – hoffentlich – warmen Händedruck. Das war zu erwarten. – Nein! War es nicht! Denn das, was Jesus nun sagt, das hat noch niemand vor ihm gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben"! Das ist mal eine Ansage! Da fliegt der Martha ihr gesamtes Weltbild um die Ohren – und vielleicht auch Ihnen heute.

 

Jesus Christus – Herr über die Zeit

Über die Ich-bin-Worte Jesu im Johannes-Evangelium ist schon viel Richtiges und Gutes geschrieben und gesagt worden. Ich will einmal einen Aspekt beleuchten, der mich persönlich sehr beschäftigt: Jesus Christus ist Herr über die Zeit. Zeit vergeht in unserer menschlichen Wahrnehmung in der Regel entweder zu schnell oder zu langsam. Wenn Sie schon einmal auf ein Ereignis gewartet haben, das in ferner Zukunft liegt; oder aber wenn Sie einen schönen Augenblick festhalten wollen, aber er gleitet Ihnen durch die Finger: dann wissen Sie, was ich meine.

Zeit habe ich entweder zu viel oder zu wenig, aber nie im richtigen Maß. Zugespitzt könnte ich sagen: ich lebe nicht in der Gegenwart, oder aber: ich lebe nicht. Deshalb sagt Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben". Was genau meint er damit? Auferstehung und Leben sind auf den ersten Blick zwei Begriffe aus ganz unterschiedlichen Bereichen, nämlich einem ewigen (Auferstehung) und, getrennt davon, einem zeitlichen (Leben).

Das aber ist ein Missverständnis! Denn Jesus fügt erklärend hinzu: „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben". Jesus gibt hier eine kurze Auslegung zu seinen eigenen Worten. Darin werden Auferstehung und Leben verbunden, und zwar durch den Glauben an ihn.

Jesus gibt hier zwei feste Zusagen für jeden, der ihm vertraut. Erstens: du wirst leben, wenn du auch durch das Sterben hindurchgehen musst. Zweitens: wenn du das Leben hast, das in mir ist, wirst du nie wieder sterben müssen. Merken Sie, was hier geschieht? Jesus stellt meine Vorstellung vom Ablauf des Lebens auf den Kopf.

Gewöhnlich nehme ich doch an, ohne das zu hinterfragen: ich lebe jetzt und werde später irgendwann einmal sterben: erst Zeit, nämlich Gegenwart und Vergangenheit, danach Zukunft, d.h. Ewigkeit. Irgendwie habe ich mich mit diesem Weltbild ganz bequem eingerichtet. Es hat einen großen Vorteil, der aber zugleich sein großer Haken ist: ich kann über meine Zeit selbst verfügen. Nein, das kannst du nicht, ruft Jesus mir zu: deine Zeit gehört mir; ich habe sie dir nur geliehen. In Wahrheit ist es genau umgekehrt: erst Sterben und Auferstehen, danach das Leben. Zukunft vor Vergangenheit und Gegenwart: wie kann das sein?

 

Gestorben und auferstanden – befreit zur Gegenwart

Nun, ich kann Jesu Worte heute besser verstehen als damals Martha: denn die Ereignisse von Karfreitag und Ostern liegen hinter mir, auch wenn ich mich in wenigen Tagen wieder an sie erinnern werde. Ich weiß, was Martha noch verborgen war: Jesus ist stellvertretend für mich gestorben und auferstanden. Er hat den Weg vorgegeben.

Wenn ich mit Jesus gestorben und auferstanden bin, dann liegt meine Vergangenheit erst wirklich hinter mir: mein, vielleicht von anderen übernommenes, falsches Bild von Gott; meine verkehrte Wahrnehmung von mir und der Welt. Am Kreuz nimmt er all dies auf sich. Wenn ich diesen Rucksack vor ihm öffne – und auch vor mir selbst, wenn ich durch diesen Tod gegangen bin, dann nimmt er mir diese Last ab. Ich muss sie nicht mehr tragen. Die Folge: ich habe meine Zukunft sozusagen in der Tasche. Sterben und Tod haben ihren Schrecken verloren.

Das befreit mich zur Gegenwart: das Leben liegt vor mir, jeden Tag aufs Neue. Das ist genau das, was ich brauche; das bekomme ich nirgendwo anders als bei Jesus Christus. Wenn ich ihm vertraue, mich ihm anvertraue, wenn ich glaube, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes: dann habe ich Gegenwart, das Leben. Dann kann ich jeden Morgen aufstehen, weil ich schon auferstanden bin. Dann kann ich einen Satz mitbeten, den ich in einem Gedicht gefunden habe: „Durch dich bin ich wie jemand, der täglich aufersteht."

Autor: Nils Bremer

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