ERF Plus - Bibel heute

Jesus weint über Jerusalem


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Zwei Szenen voller Menschen und voller Kontraste. Dazwischen – noch unangetastet – Jesus.

In der ersten Szene sehen wir ihn auf einem Esel Richtung Jerusalem reiten. Er wird von vielen Menschen begleitet. Eben noch haben sie ihn als kommenden König bejubelt.

In ihrer Begeisterung glauben sie gar, die Verwirklichung des Reiches Gottes stände unmittelbar bevor. Doch dieser Glauben gründet sich allein auf Wünsche und Träume – inspiriert durch das, was sie mit ihren körperlichen Augen wahrnehmen können – oder wollen. Sie missdeuten das kurze Spektakel des Einzugs Jesu in Jerusalem.

Die tiefere Bedeutung dieses Ereignisses bleibt ihnen verborgen. Und das hat nichts mit Bildung oder IQ zu tun. Kollektiv wird Jesus verkannt. Auch von den Priestern, Theologen, und der Elite des Volkes. Die einen projizieren ihre Wünsche auf ihn und die anderen fürchten deshalb um ihren Einfluss auf das Volk und möchten Jesus am liebsten aus dem Weg räumen. Physisch sind sie alle nah dran an Jesus, dem lange verheißenen Friedefürsten – und doch erkennen sie ihn nicht.

Diese äußere Nähe bei innerer Distanz lässt Jesus nicht kalt. Er zeigt starke Gefühle. Jesus weint: Warum erkennt ihr mich nicht? Warum nehmt ihr nicht an, was ich euch geben möchte?

Vielleicht haben Sie schon mal versucht, sich mit dem Problem eines leidenden Menschen vertraut zu machen, um Hilfe anzubieten, die von Herzen kommt und auch etwas kostet. Sie sehen genau, was ihm helfen könnte – doch er nimmt Ihre Hilfe nicht an und Sie müssen zuschauen, wie dieser Mensch immer weiter ins Elend rutscht. Das ist schwer auszuhalten – besonders wenn es sich um einen nahestehenden Menschen, vielleicht sogar aus der eigenen Familie, handelt.

Wenn Sie solche Erfahrungen kennen, bekommen Sie eine kleine Ahnung davon, was Jesus empfunden haben mag, als er auf Jerusalem schaute, eine Stadt voller Menschen, denen er helfen will und kann. Und die ihn nicht als Retter und Friedensfürst erkennen.

Darüber weint Jesus: „Wenn doch auch du an diesem Tag erkenntest, was zum Frieden dient!“

 

Zu einem tieferen Erkennen braucht es einen tieferen Blick. Den haben die meisten Menschen nicht von sich aus. Und das hat, wie eben schon gesagt, nichts mit Bildung oder Intelligenz zu tun.

Jesus hat diesen tieferen Blick. Er weint nicht nur über das Unverständnis der Menschen ihm gegenüber. Er sieht über die Gegenwart hinaus und sieht die Katastrophe über Jerusalem kommen, wie sie genau so 30 Jahre später eintrifft, als der jüdische Aufstand voller Brutalität von den Römern niedergeschlagen wird.

Welche Entscheidungen führen zum Frieden? Welche in die Katastrophe?

Das sind auch heute ganz aktuelle Fragen. Dabei sind Menschen anfällig für Stimmungen und Propaganda. In Jerusalem haben damals nur wenige Tage später die Machthaber, die eben noch in der Defensive waren, ihren Einfluss auf das Volk zurückgewonnen. Die Stimmung ist gekippt, die Propaganda zeigt Wirkung. Innerhalb kürzester Zeit! Auch heutzutage kann über weitreichende Weichenstellungen innerhalb kürzester Zeit entschieden werden. Und der Druck, sich davon mitreißen zu lassen, kann sehr stark werden.

„Wenn du doch erkenntest, was zum Frieden dient!“, sagt Jesus. Es ist eine einzigartige Zeit, die die Menschen damals erleben. Zu ihrer Generation ist Jesus gekommen. Dadurch sind sie in besonderer Weise privilegiert. Sie sehen die Tür, die Gott ihnen mit Jesus öffnet und doch gehen die meisten Menschen nicht hindurch. Du hast die Zeit nicht erkannt, in der du besucht worden bist, klagt Jesus.

Die kurze Zeit seines ersten Besuchs ist lange vorüber. Wie viele Katastrophen hat es seither gegeben. Jesus sieht damals nicht nur die Katastrophe Jerusalems kommen, sondern er sieht bis ans Ende der Zeit. Es gibt immer wieder Zeiten, in die er hineinspricht. Bis zum heutigen Tag hat Jesus die Welt und die Menschheit nicht aufgegeben. Viele Menschen besucht Jesus im Laufe ihres Lebens irgendwann – nicht physisch, aber sie fühlen sich deutlich von ihm angesprochen und vor eine Entscheidung gestellt.

Sich für ein Leben mit Jesus zu entscheiden, zieht Frieden nach sich. Inneren Frieden und manchmal auch einen friedvolleren Umgang in ihrem Umfeld. Mit Jesus kommt Kraft in ihr Inneres, das hilft, äußerem Druck standzuhalten. Und sein Geist hilft zu tieferer Erkenntnis dessen, was in unserer Zeit geschieht.

Vielleicht teilen Sie manchmal Jesu´ Trauer über diese Welt, über Menschen, über sich selbst. Oder auch Gefühle der Wut, des Zorns – wie Sie sie in der nächsten Szene beobachten können.

Jesus ist in der Stadt, über die er geweint hat, angekommen. Er geht in den Tempel. Über die Händler, die im Tempel ihre Geschäfte machen, weint Jesus nicht, sondern wird wütend und sogar ein wenig handgreiflich. Vordergründig wirft er den Händlern vor, aus dem Bethaus Gottes eine Räuberhöhle gemacht zu haben. Denn sie nutzen den Bedarf der vielen Pilger an Opfertieren zu den Wallfahrtsfesten schamlos aus und treiben deren Preise in die Höhe – so wie heute die Hotels für ihre Zimmer, wenn gerade eine Messe in der Stadt ist.

Jesus findet für den Missbrauch ihres Handels deutliche Worte. Er ruft – wie jede Art von Missbrauch – seinen Zorn hervor. Die Händler im Tempelvorhof spiegeln wider, was im Innern des Tempels durch die Schriftgelehrten und Pharisäer geschieht. Die haben sich des Wortes Gottes beraubt und es für ihren eigenen Machterhalt missbraucht.

Nach dieser symbolischen Tempelreinigung legt Jesus selbst dort das Wort Gottes aus. Er rückt es zurecht, legt seine wahre, heilvolle Bedeutung frei.

Bis heute redet Jesus auf vielfältige Weise. Er wirbt mal laut mal leise, mit Tränen der Trauer oder des Zorns, um unser Erkennen und um unsere Entscheidung, ihm immer wieder neu zu folgen. Wofür entscheiden Sie sich?

Autor: Pastor Ulrich Tesch

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