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„Schön wär’s“, denkt vielleicht der eine oder die andere bei diesem Text: Wenn die, die Verantwortung tragen, in erster Linie gerecht sein wollen würden; wenn Geld und Bildung und Bekleidung und persönliches Auftreten keine Rolle spielen würden bei denen, die über mich zu entscheiden haben. Aber so ist es oft nicht, und das ist nicht fair.
Ich lebe in der insgesamt gesehen reichen Millionenstadt Hamburg, im Stadtteil Jenfeld, einem sozialen Brennpunkt. Und ich bin mir sicher: Für viele der Menschen, die dort leben, wäre das die erste Reaktion. Viele fühlen sich vom Leben abgehängt. Sie haben keine Arbeit, leben teils seit Generationen von staatlichen Transferleistungen, können ihren Kindern zu Weihnachten oder zum Geburtstag kaum etwas schenken. Und sie haben das Gefühl, dass „die da oben“, die Mächtigen, sie benachteiligen oder sich zumindest nicht für sie interessieren. Häufig ist dieses Gefühl auch berechtigt. Manchmal ist es aber auch eine selbst gewählte Opferrolle, in der man die Verantwortung für das eigene Leben überall sucht – nur nicht bei sich selbst.
Und trotzdem: Ganz unabhängig von Ihrer gesellschaftlichen Position, liebe Hörerin, lieber Hörer – geht es Ihnen nicht manchmal ähnlich? Ich jedenfalls kenne das Gefühl von Kontrollverlust, wenn andere über mich entscheiden. Wenn ich abhängig bin vom Wohlwollen derjenigen, die Entscheidungen über mein Leben treffen. In der Schule und am Arbeitsplatz, bei Fragen der Gesundheit gegenüber Krankenkasse oder Versicherung oder auch dann, wenn ich vor Gericht um mein Recht streiten muss.
Vielleicht kann der Bibeltext helfen, mit solchen Situationen und Gefühlen künftig besser umzugehen. Treten wir innerlich einen Schritt zurück und schauen genauer hin.
Diese Worte sind von Gott an Mose geredet worden, damit er sie dem Volk Israel als Gesetz weitergibt. Gott setzt damit Richter und Amtleute ein, die unbestechlich und gerecht handeln sollen – klar und transparent. Gott hat es also gut eingerichtet. Wenn sich jede und jeder daran hielte, gäbe es eigentlich keinen Grund zur Klage. Dass es dennoch anders kommt, davon berichtet die Bibel selbst. Der Prophet Amos redet etwa 700 Jahre später sehr deutlich darüber. Und Jesus selbst erlebt rund anderthalb Jahrtausende später das Versagen dieses von Gott eingesetzten Systems ganz unmittelbar – die Evangelien berichten davon.
Jesus steht vor Gericht. Und fast jeder Satz aus 5. Mose 16,18–20 wird dabei verletzt.
Zunächst das Gebot: „Sie sollen das Volk richten mit gerechtem Gericht.“ Doch das Verfahren gegen Jesus ist von Anfang an auf ein Ziel ausgerichtet: seinen Tod. Es werden Zeugen gesucht – nicht Wahrheit. Aussagen widersprechen sich, und dennoch wird weiterverhandelt. Gerechtigkeit ist längst nicht mehr Maßstab.
Dann heißt es: „Du sollst das Recht nicht beugen.“ Doch genau das geschieht. Eine religiöse Anklage wird politisch umformuliert. Das Recht wird instrumentalisiert. Es dient nicht mehr der Wahrheit, sondern der Absicherung von Macht.
Weiter sagt Gott: „Du sollst die Person nicht ansehen.“ Doch sowohl der Hohe Rat als auch Pilatus tun genau das. Sie sehen auf die Menge, auf den Kaiser, auf die eigene Position. Pilatus weiß, dass Jesus unschuldig ist. Mehrfach sagt er es. Und doch verurteilt er ihn – nicht aus Überzeugung, sondern aus Furcht.
Und schließlich: „Du sollst keine Geschenke nehmen.“ Geld spielt eine Rolle – bei Judas, bei falschen Zeugen, später auch bei der Vertuschung der Auferstehung. Selbst dort, wo kein Geld fließt, wirken andere Formen der Bestechung: politischer Druck, Angst vor Konsequenzen, der Wunsch nach Ruhe um jeden Preis.
Jesus hat also all das erlitten, worüber wir am Anfang nachgedacht haben. Und er ist daran gestorben. Christen glauben: Er starb stellvertretend – auch für die Schuld, die mit dem Bruch von Gottes gutem Gesetz verbunden ist. Er hat die Strafe dafür getragen.
Wenn Sie das glauben können, liebe Hörerin, lieber Hörer, dann bedeutet das für Sie: Wenn Menschen ihre Macht über Sie missbraucht haben, dann war das nicht in Ordnung. Biblisch gesprochen: Es war Sünde. Jesus erkennt diese Sünde an – und vergibt sie zugleich.
Deshalb können auch Sie vergeben. Sie müssen das Unrecht nicht festhalten, nicht nachtragen, nicht Ihr Leben davon bestimmen lassen. Vergeben heißt dabei nicht, dass Unrecht gut war oder keine Folgen haben darf. Es heißt aber, dass es Sie nicht mehr gefangen hält. Sie können loslassen. Frei werden. Frei für die Zukunft.
Natürlich nimmt dieser Text auch jede und jeden Einzelnen persönlich in die Pflicht. Das wird besonders deutlich am letzten Vers: „Was recht ist, dem sollst du nachjagen, damit du leben und das Land einnehmen kannst, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.“
Da, wo in der Lutherübersetzung „Was recht ist“ steht, findet sich im hebräischen Urtext zweimal hintereinander das Wort Gerechtigkeit. Diese Wiederholung unterstreicht die besondere Wichtigkeit dieses Begriffs.
In Aufbau und Inhalt erinnert dieser Vers an ein Wort Jesu aus der Bergpredigt, Matthäus 6, 33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“
Wenn wir so leben, Gottes Maßstäben in unserem Leben Priorität einräumen, dann werden wir auch die Verantwortung, die uns für andere Menschen anvertraut ist, nicht missbrauchen. Sondern wir werden – von Gott geführt – zum Wohl aller handeln.
Und genau auf dieser Lebenshaltung liegt Gottes große Verheißung: Er selbst kümmert sich um unser Leben und versorgt uns mit dem, was wir wirklich brauchen.
Autor: Pastor Thies Hagge
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By ERF - Der Sinnsender5
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„Schön wär’s“, denkt vielleicht der eine oder die andere bei diesem Text: Wenn die, die Verantwortung tragen, in erster Linie gerecht sein wollen würden; wenn Geld und Bildung und Bekleidung und persönliches Auftreten keine Rolle spielen würden bei denen, die über mich zu entscheiden haben. Aber so ist es oft nicht, und das ist nicht fair.
Ich lebe in der insgesamt gesehen reichen Millionenstadt Hamburg, im Stadtteil Jenfeld, einem sozialen Brennpunkt. Und ich bin mir sicher: Für viele der Menschen, die dort leben, wäre das die erste Reaktion. Viele fühlen sich vom Leben abgehängt. Sie haben keine Arbeit, leben teils seit Generationen von staatlichen Transferleistungen, können ihren Kindern zu Weihnachten oder zum Geburtstag kaum etwas schenken. Und sie haben das Gefühl, dass „die da oben“, die Mächtigen, sie benachteiligen oder sich zumindest nicht für sie interessieren. Häufig ist dieses Gefühl auch berechtigt. Manchmal ist es aber auch eine selbst gewählte Opferrolle, in der man die Verantwortung für das eigene Leben überall sucht – nur nicht bei sich selbst.
Und trotzdem: Ganz unabhängig von Ihrer gesellschaftlichen Position, liebe Hörerin, lieber Hörer – geht es Ihnen nicht manchmal ähnlich? Ich jedenfalls kenne das Gefühl von Kontrollverlust, wenn andere über mich entscheiden. Wenn ich abhängig bin vom Wohlwollen derjenigen, die Entscheidungen über mein Leben treffen. In der Schule und am Arbeitsplatz, bei Fragen der Gesundheit gegenüber Krankenkasse oder Versicherung oder auch dann, wenn ich vor Gericht um mein Recht streiten muss.
Vielleicht kann der Bibeltext helfen, mit solchen Situationen und Gefühlen künftig besser umzugehen. Treten wir innerlich einen Schritt zurück und schauen genauer hin.
Diese Worte sind von Gott an Mose geredet worden, damit er sie dem Volk Israel als Gesetz weitergibt. Gott setzt damit Richter und Amtleute ein, die unbestechlich und gerecht handeln sollen – klar und transparent. Gott hat es also gut eingerichtet. Wenn sich jede und jeder daran hielte, gäbe es eigentlich keinen Grund zur Klage. Dass es dennoch anders kommt, davon berichtet die Bibel selbst. Der Prophet Amos redet etwa 700 Jahre später sehr deutlich darüber. Und Jesus selbst erlebt rund anderthalb Jahrtausende später das Versagen dieses von Gott eingesetzten Systems ganz unmittelbar – die Evangelien berichten davon.
Jesus steht vor Gericht. Und fast jeder Satz aus 5. Mose 16,18–20 wird dabei verletzt.
Zunächst das Gebot: „Sie sollen das Volk richten mit gerechtem Gericht.“ Doch das Verfahren gegen Jesus ist von Anfang an auf ein Ziel ausgerichtet: seinen Tod. Es werden Zeugen gesucht – nicht Wahrheit. Aussagen widersprechen sich, und dennoch wird weiterverhandelt. Gerechtigkeit ist längst nicht mehr Maßstab.
Dann heißt es: „Du sollst das Recht nicht beugen.“ Doch genau das geschieht. Eine religiöse Anklage wird politisch umformuliert. Das Recht wird instrumentalisiert. Es dient nicht mehr der Wahrheit, sondern der Absicherung von Macht.
Weiter sagt Gott: „Du sollst die Person nicht ansehen.“ Doch sowohl der Hohe Rat als auch Pilatus tun genau das. Sie sehen auf die Menge, auf den Kaiser, auf die eigene Position. Pilatus weiß, dass Jesus unschuldig ist. Mehrfach sagt er es. Und doch verurteilt er ihn – nicht aus Überzeugung, sondern aus Furcht.
Und schließlich: „Du sollst keine Geschenke nehmen.“ Geld spielt eine Rolle – bei Judas, bei falschen Zeugen, später auch bei der Vertuschung der Auferstehung. Selbst dort, wo kein Geld fließt, wirken andere Formen der Bestechung: politischer Druck, Angst vor Konsequenzen, der Wunsch nach Ruhe um jeden Preis.
Jesus hat also all das erlitten, worüber wir am Anfang nachgedacht haben. Und er ist daran gestorben. Christen glauben: Er starb stellvertretend – auch für die Schuld, die mit dem Bruch von Gottes gutem Gesetz verbunden ist. Er hat die Strafe dafür getragen.
Wenn Sie das glauben können, liebe Hörerin, lieber Hörer, dann bedeutet das für Sie: Wenn Menschen ihre Macht über Sie missbraucht haben, dann war das nicht in Ordnung. Biblisch gesprochen: Es war Sünde. Jesus erkennt diese Sünde an – und vergibt sie zugleich.
Deshalb können auch Sie vergeben. Sie müssen das Unrecht nicht festhalten, nicht nachtragen, nicht Ihr Leben davon bestimmen lassen. Vergeben heißt dabei nicht, dass Unrecht gut war oder keine Folgen haben darf. Es heißt aber, dass es Sie nicht mehr gefangen hält. Sie können loslassen. Frei werden. Frei für die Zukunft.
Natürlich nimmt dieser Text auch jede und jeden Einzelnen persönlich in die Pflicht. Das wird besonders deutlich am letzten Vers: „Was recht ist, dem sollst du nachjagen, damit du leben und das Land einnehmen kannst, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.“
Da, wo in der Lutherübersetzung „Was recht ist“ steht, findet sich im hebräischen Urtext zweimal hintereinander das Wort Gerechtigkeit. Diese Wiederholung unterstreicht die besondere Wichtigkeit dieses Begriffs.
In Aufbau und Inhalt erinnert dieser Vers an ein Wort Jesu aus der Bergpredigt, Matthäus 6, 33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“
Wenn wir so leben, Gottes Maßstäben in unserem Leben Priorität einräumen, dann werden wir auch die Verantwortung, die uns für andere Menschen anvertraut ist, nicht missbrauchen. Sondern wir werden – von Gott geführt – zum Wohl aller handeln.
Und genau auf dieser Lebenshaltung liegt Gottes große Verheißung: Er selbst kümmert sich um unser Leben und versorgt uns mit dem, was wir wirklich brauchen.
Autor: Pastor Thies Hagge
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