LiteraturPur #73: "Ich bin ein Überlebender", schreibt der Schriftsteller und Dramatiker Lukas Bärfuss. Was er damit meint, erfährt man in seinem neusten Buch "Königin der Nacht, ein kurzes Buch über meine Mutter". Es ist ein schonungsloses, ein gesellschaftskritisches, aber auch ein sehr persönliches und zärtliches Buch über die Mutter. Ich habe Luaks Bärfuss im Waldhaus in Sils Maria zu einem Gespräch getroffen. Er erzählte mir, weshalb ein rosa Bankzettel mit einem Kontostand von 60 Franken am Anfang des Buches steht. Wir sprachen über Herkunft, was sie mit uns macht und wie sie ein Leben lang an einem haften bleibt. Ich wollte auch wissen, wie man über eine Mutter schreibt, die nie getröstet, nie eine Wunde verbunden, keine Liebe gezeigt, ja den Sohn im Alter von 15 Jahren auf die Strasse gesetzt hat und abgehauen ist? Lukas Bärfuss meint dazu, dass er die Mutterliebe nie vermisst habe. Er kenne sie nicht. Aber die Armut, die habe er kennengelernt. Und er äussert sich zu seinem provokativen Satz im Buch: "Die Schweiz macht Jagd auf die Armen."
Das Gespräch mit Lukas Bärfuss hat grossen Spass gemacht, das Publikum im Hotelsaal war begeistert von seiner Erzähllust und seinen Lesungen. Hört rein!
Lukas Bärfuss, Königin der Nacht, ein kurzes Buch über meine Mutter, Rowohlt Verlag