ERF Plus - Bibel heute

Mahnung zur Einigkeit und zur Freude im Herrn


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Was ist für Sie eine lebendige Gemeinde?

Ein Kirchenvorstand macht sich Gedanken darüber, wie die eigene Gemeinde attraktiver werden könnte, so dass sie mehr ausstrahlt und Menschen sich hingezogen fühlen. Verschiedene Vorschläge werden eingebracht: eine neue Veranstaltungsreihe beginnen, einen bestehenden Kreis verändern, so dass er sich für neue Menschen öffnet, an den Gottesdiensten einiges ändern, eine moderne Technikanlage installieren, neuere Lieder, Angebote passgerechter auf die Zielgruppen zuschneiden, Kinder und Jugendliche mehr einbeziehen, niederschwellige Begegnungsmöglichkeiten schaffen. Viele Ideen liegen schließlich auf dem Tisch. Alle Mitglieder im Kirchenvorstand haben das Ziel vor Augen: eine lebendige Gemeinde mit Strahlkraft. Man muss nur genug verändern und Neues zulassen, dann wird das Ziel erreicht! So die Erwartung.

Dabei hat der Gemeindevorstand versäumt, eine Grundfrage zu klären, die vor allen Lösungsvorschlägen steht: Was macht eine Gemeinde lebendig?

Die Antwort von Paulus

Unser Bibeltext gibt auf diese Frage eine Antwort: Paulus schreibt seinen Brief an eine lebendige Gemeinde. Es ist die Gemeinde in Philippi. Er gibt ihr Hinweise, wie sie lebendig bleibt, beziehungsweise, wie sie noch lebendiger wird. Paulus interessiert sich dabei nicht für die Veranstaltungen, eine Technikanlage, Lieder oder Gottesdienstformen in Philippi. Denn diese machen eine Gemeinde noch nicht lebendig. Für Paulus sind andere Dinge wichtiger:

Steht fest im Herrn!“ Mit dieser Aufforderung an die Gemeinde beginnt der Briefabschnitt. Das ist die Grundlage, wenn eine Gemeinde lebendig sein und bleiben möchte. Sie muss fest gegründet sein auf dem Fundament, das Jesus Christus ist. In einem Gleichnis sprach Jesus von einem klugen Menschen, der sein Haus auf Felsen baute. Als eine Flut kam, blieb das Haus fest. Jesus meinte sich selbst mit diesem Felsen. Was für jeden Christen gilt, das gilt auch für die Gemeinde. Gemeinden sind klug, wenn sie auf dem Felsen Jesus Christus stehen und in ihm fest verankert sind. Wenn sie dieses Fundament verlieren, dann ist jeder Versuch einer Gemeinde, lebendiger zu werden, so, wie wenn jemand die Fassade seines Hauses verschönert, aber dabei übersieht, dass das Fundament brüchig ist. Gemeinden sind immer Gemeinden von Jesus Christus. Sie sind der Leib Jesu. Sie müssen in ihm gegründet sein. Sonst werden sie leer und kraftlos.

Das klingt selbstverständlich. Welche Gemeinde möchte dieses Fundament Christus nicht unter sich haben?

Dennoch passiert es schnell und oft unbemerkt, dass Gemeinden das Fundament verlassen. Selbst die Gemeinde in Philippi, eine Gemeinde, die gut lief und die Paulus sehr gelobt hat, wurde ermahnt.

Gemeinschaft mit Jesus

Der Herr ist nahe“, schreibt Paulus im 5. Vers. Das ist die Dimension, in der christliche Gemeinden leben. Sie müssen auf dieses Ziel ausgerichtet bleiben. Jesus will seine Gemeinde für den Zeitpunkt vorbereiten, an dem er wiederkommen und sich mit ihr vereinigen wird. Jesus selbst kündigte die Vereinigung an als eine Hochzeit zwischen dem Bräutigam – ihm selbst – und der Braut – seiner Gemeinde. Jesus selbst verändert und reinigt seine Gemeinde so, wie er sie haben will, damit sie zu dem Zeitpunkt bereit ist für die Hochzeit.

Gemeinden sind und bleiben lebendig, wenn sie dieses Ziel vor Augen behalten und wenn Jesus an und in ihnen wirken kann.

Gemeinden, die mit sich selbst zufrieden sind, hindern Jesus daran, dass er sie nach seinen Vorstellungen verändert und gestaltet.

Was hindert uns?

Gemeinden, die mit sich selbst beschäftigt sind, haben den Blick von Jesus Christus, der wiederkommen wird, abgewendet. Sie blicken nur auf sich selbst.

Paulus spricht im 2. Vers einen Konflikt zwischen zwei Frauen an. Evodia und Syntyche waren Frauen, die in der Gemeinde wichtige Aufgaben bei der Verbreitung des Evangeliums hatten. Vielleicht gehörten sie zu den ersten Mitgliedern und hatten damals schon am Bach zugehört, als Paulus seine erste Predigt in Philippi hielt. Nun war ein Konflikt zwischen ihnen entstanden. Er belastete und lähmte die ganze Gemeinde. Paulus geht auf ihre Streitpunkte nicht ein. Er fordert sie aber dazu auf, einmütig zu sein. Das war von Paulus sehr weise. Die beiden Frauen sollten selbst erkennen, wie sich ihr Streit belastend auf die Gemeinde auswirkte. Sie sollten erkennen, dass sie das Ziel aus den Augen verloren hatten. Sie sollten aus eigener Einsicht sich wieder auf Jesus Christus ausrichten.

Sorgt euch um nichts“ – so ein weiterer Hinweis von Paulus. Eine Gemeinde, die sich in ihren Sorgen verliert, wird kraftlos. Sie verliert die Ausstrahlung. Sie dreht sich um sich selbst. Die Gemeinde in Philippi hatte genug Grund, sich Sorgen zu machen. Sie war unscheinbar in dieser großen und wohlhabenden Stadt. Auch angefeindet war sie.

Unsere Gemeinden hätten ebenfalls genug Grund, sich Sorgen zu machen. Die meisten Gemeinden werden kleiner, verlieren Mitglieder, die Finanzkraft geht zurück. Sie erleben Umbrüche mit starken Veränderungen. Aber das Sorgenmachen ist wie ein Brandbeschleuniger. Paulus ermahnt die Christen in Philippi: „In allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!“ Auch hier wieder: Ausrichtung auf Christus, der uns entgegenkommt, Rückkehr zu dem Fundament, das die Gemeinde trägt – damit sie lebendig bleibt!

Eine lebendige Gemeinde ist eine fröhliche Gemeinde, eine Gemeinde, in der die Freude zu Hause ist. Zu freudlosen und bedrückten Gemeinden finden Menschen keinen Zugang. Sie erodieren und zerfallen. „Freut euch in dem Herrn allewege!“, fordert Paulus die Christen in Philippi auf. Keine gemachte, oberflächliche Freude ist damit gemeint, sondern eine Freude, die in Jesus Christus ihre Wurzel hat. Gemeinden, die auf den wiederkommenden Christus ausgerichtet sind, werden von einer tiefen Freude erfüllt, selbst dann, wenn sie Not erleben. Diese Freude strahlt aus.

Eure Güte lasst kund sein allen Menschen“, schreibt Paulus. Wie sehr die Gemeinde in Christus verwurzelt ist, zeigt sich darin, wie die Gemeindeglieder miteinander – aber auch mit Menschen, die nicht zu ihr gehören –, umgehen. Eine Gemeinde, die von Jesu Liebe lebt, strahlt diese Liebe aus.

Autor: Pfarrer Eckehard Graubner

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