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Zwei Briefe hat der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth geschrieben. Vor knapp 2000 Jahren. Weitere Briefe an diese Gemeinde sind uns zumindest nicht erhalten geblieben. Der heutige Abschnitt ist zugleich der Abschluss des zweiten Briefes an die Christen in jener Stadt.
Deshalb heißt es für Paulus, jetzt noch einmal etwas Wegweisendes zu schreiben. Etwas Aufbauendes zum Schluss. Die Überschrift dieses Kapitels klingt allerdings alles andere als aufbauend: „Mahnungen vor dem dritten Besuch“ lautet die Überschrift in der Lutherbibel. Das, was folgt, scheint nicht sonderlich verlockend zu werden.
Denn wer bekommt schon gerne Ermahnungen? Wenn Eltern ihre Kinder ermahnen, hören die das oftmals überhaupt nicht gerne. Wenn der Lehrer seine Schüler ermahnt, dann stellen die ihre Ohren manchmal genervt „auf Durchzug“. Worte wie „mahnen“ und „ermahnen“ sind deshalb häufig negativ besetzt.
Aber jetzt lässt auch der Apostel Paulus eine Reihe von Mahnungen los. Und das auch noch ganz am Ende seiner Briefe an die Christen in Korinth. „Mahnungen vor dem dritten Besuch“. Ist ihm nichts Besseres eingefallen?
Worum geht es? Paulus schreibt von Gemeindegliedern, die eine nicht näher beschriebene Sünde auf sich geladen haben. Diese Gemeindeglieder werden zur Buße gerufen. Andernfalls würden sie die Strenge und die Vollmacht des Apostels erfahren, wenn er zu einem weiteren Besuch zu ihnen kommt. Und, so schreibt Paulus weiter, die Gemeinde möge sich selbst erforschen. Alle sollen sich prüfen, ob sie im rechten Glauben an Jesus Christus stehen. Dass sie in ihm sind und er in ihnen ist. Dass es da eine ganz enge Vertrauensbeziehung gibt. Und dass dieser Glaube an Jesus sich auch im Gemeindealltag bewährt. Dass sie nichts Böses tun. Einerlei Sinn haben. Frieden halten.
„Mahnungen vor dem dritten Besuch“. Ja, die Überschrift passt. Hatte Paulus also vielleicht einen schlechten Tag, als er diesen Briefschluss verfasst hat? – Nein. Ganz und gar nicht. Denn es geht um das Motiv, das hinter seinen mahnenden Worten steckt.
Das Motiv des Paulus ist nicht Rechthaberei oder Besserwisserei. Er will nicht den Chef raushängen lassen. Er will nicht der Bestimmer sein, weil das seiner Ichsucht schmeicheln würde.
Das Motiv des Apostels ist ein ganz anderes. Es ist die Retterliebe, die ihn – auch am Ende des zweiten Korintherbriefes – so reden und schreiben lässt. Es ist seine Liebe zu Gottes Wort. Und es ist seine Liebe zu den Menschen, die ihm anvertraut sind. Die Liebe auch zu der Gemeinde in Korinth.
Wenn mir das aufgeht, sehe ich die vielen Mahnungen plötzlich in einem ganz anderen Licht. Paulus möchte gar nicht selber groß rauskommen. Vielmehr möchte er die Christen in Korinth zum rettenden Glauben an Jesus rufen. Und zum fröhlichen Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Damit auch sie Vergebung von Sünden erfahren. Damit sie den Frieden Gottes im eigenen Leben haben – und diesen Frieden auch in der Gemeinde leben. Dass sie sich gegenseitig als geliebte Kinder Gottes verstehen – und miteinander auf dem rechten Weg des Glaubens sind.
Dieser Herzenswunsch, dieses Motiv der Retterliebe steckt hinter den Worten des Apostels. Er möchte lieber selbst als schwach gegenüber den Christen in Korinth dastehen. Was für eine Demut legt Paulus an den Tag! Hauptsache, die Christen haben schon heute durch Jesus das wahre Leben – und kommen später auch einmal im ewigen Leben an.
Aus dieser leidenschaftlichen Liebe heraus schließt Paulus den Brief mit den Worten: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
Paulus hatte bei der Abfassung dieser Zeilen also keinen schlechten Tag. Ganz im Gegenteil: ihm hätten keine besseren Worte einfallen können. – Ob die Christen in Korinth das in dieser Weise verstanden haben? Ob sie diese werbende Liebe hinter den Worten gespürt haben? Diese Liebe zu Gottes Wort und zu ihnen als Gemeinde? So dass die Christen in Korinth die Mahnungen dankbar und fröhlich angenommen haben? Als wegweisend und aufbauend? Oder haben sie ihre Ohren „auf Durchzug“ gestellt?
Plötzlich denke ich an unsere Gemeinden heute – und an die, die sie leiten. Wenn ich als Gemeindeleiter tätig bin, als Pastor oder Pfarrer, als Diakon, Jugendreferent oder in welcher Funktion auch immer, vielleicht als Ehrenamtlicher: welche Motive treiben mich in der Gemeindearbeit an? Die Frage ist entscheidend.
Denn wie schnell kommt es zu unseligem Streit und zu Auseinandersetzungen, wenn meine Motive falsch sind. Wenn das, was ich sage und tue, eigentlich dazu dient, dass ich groß rauskomme. Wenn Rechthaberei und Ichsucht heimlich meinen Dienst prägen – dann wird auf einer solchen Gemeindearbeit kein Frieden und kein Segen ruhen.
Ganz anders ist es, wenn meine Motive dieselben sind wie bei Paulus. Er will lieber selbst ganz gering sein und schwach – Hauptsache, die Gemeinde wird im rechten Glauben auferbaut. Hauptsache, die ihm anvertrauten Menschen leben immer entschiedener und fröhlicher im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Unter seiner Gnade. In seiner Liebe und seinem Frieden. Und das gemeinsam.
Welche Motive treiben mich in meiner Gemeindearbeit an? In meinem Dienst? Vor dieser Frage stehen alle, die in einer christlichen Gemeinde Verantwortung übernehmen. Egal an welcher Stelle.
Und als Gemeindemitglied? Lasse ich mir eine solche Mahnung gefallen? Wegweisung aus dem Wort Gottes? Aus der Liebe heraus gesprochen? Wie viel Schaden kann angerichtet werden, wenn ich mich als Gemeindeglied stattdessen als Wichtigtuer aufspiele. Oder mich beleidigt abwende, weil ich keine Korrektur durch Gottes Wort haben will.
Aber wieviel Segen ruht darauf, wenn ich Worte annehmen kann, die aus echter Liebe und aus der biblischen Wahrheit heraus gesprochen werden. Wenn ich im Licht des Wortes Gottes prüfe, ob der andere vielleicht Recht hat und ich mich ändern muss. Welch fröhliche Gemeinschaft unter Gottes Wort kann da entstehen und wachsen. Dass eine Gemeinde auflebt. Im demütigen Hören auf Gottes Wort und seine Mahnungen.
Und so wünsche ich allen, die in einer Gemeinde Dienst tun, wie auch allen anderen Gemeindegliedern, das, was der Apostel Paulus am Ende seines Briefes schreibt: „Prüft euch selbst!“ Und: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
Autor: Michael Klaus
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By ERF - Der Sinnsender5
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Zwei Briefe hat der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth geschrieben. Vor knapp 2000 Jahren. Weitere Briefe an diese Gemeinde sind uns zumindest nicht erhalten geblieben. Der heutige Abschnitt ist zugleich der Abschluss des zweiten Briefes an die Christen in jener Stadt.
Deshalb heißt es für Paulus, jetzt noch einmal etwas Wegweisendes zu schreiben. Etwas Aufbauendes zum Schluss. Die Überschrift dieses Kapitels klingt allerdings alles andere als aufbauend: „Mahnungen vor dem dritten Besuch“ lautet die Überschrift in der Lutherbibel. Das, was folgt, scheint nicht sonderlich verlockend zu werden.
Denn wer bekommt schon gerne Ermahnungen? Wenn Eltern ihre Kinder ermahnen, hören die das oftmals überhaupt nicht gerne. Wenn der Lehrer seine Schüler ermahnt, dann stellen die ihre Ohren manchmal genervt „auf Durchzug“. Worte wie „mahnen“ und „ermahnen“ sind deshalb häufig negativ besetzt.
Aber jetzt lässt auch der Apostel Paulus eine Reihe von Mahnungen los. Und das auch noch ganz am Ende seiner Briefe an die Christen in Korinth. „Mahnungen vor dem dritten Besuch“. Ist ihm nichts Besseres eingefallen?
Worum geht es? Paulus schreibt von Gemeindegliedern, die eine nicht näher beschriebene Sünde auf sich geladen haben. Diese Gemeindeglieder werden zur Buße gerufen. Andernfalls würden sie die Strenge und die Vollmacht des Apostels erfahren, wenn er zu einem weiteren Besuch zu ihnen kommt. Und, so schreibt Paulus weiter, die Gemeinde möge sich selbst erforschen. Alle sollen sich prüfen, ob sie im rechten Glauben an Jesus Christus stehen. Dass sie in ihm sind und er in ihnen ist. Dass es da eine ganz enge Vertrauensbeziehung gibt. Und dass dieser Glaube an Jesus sich auch im Gemeindealltag bewährt. Dass sie nichts Böses tun. Einerlei Sinn haben. Frieden halten.
„Mahnungen vor dem dritten Besuch“. Ja, die Überschrift passt. Hatte Paulus also vielleicht einen schlechten Tag, als er diesen Briefschluss verfasst hat? – Nein. Ganz und gar nicht. Denn es geht um das Motiv, das hinter seinen mahnenden Worten steckt.
Das Motiv des Paulus ist nicht Rechthaberei oder Besserwisserei. Er will nicht den Chef raushängen lassen. Er will nicht der Bestimmer sein, weil das seiner Ichsucht schmeicheln würde.
Das Motiv des Apostels ist ein ganz anderes. Es ist die Retterliebe, die ihn – auch am Ende des zweiten Korintherbriefes – so reden und schreiben lässt. Es ist seine Liebe zu Gottes Wort. Und es ist seine Liebe zu den Menschen, die ihm anvertraut sind. Die Liebe auch zu der Gemeinde in Korinth.
Wenn mir das aufgeht, sehe ich die vielen Mahnungen plötzlich in einem ganz anderen Licht. Paulus möchte gar nicht selber groß rauskommen. Vielmehr möchte er die Christen in Korinth zum rettenden Glauben an Jesus rufen. Und zum fröhlichen Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Damit auch sie Vergebung von Sünden erfahren. Damit sie den Frieden Gottes im eigenen Leben haben – und diesen Frieden auch in der Gemeinde leben. Dass sie sich gegenseitig als geliebte Kinder Gottes verstehen – und miteinander auf dem rechten Weg des Glaubens sind.
Dieser Herzenswunsch, dieses Motiv der Retterliebe steckt hinter den Worten des Apostels. Er möchte lieber selbst als schwach gegenüber den Christen in Korinth dastehen. Was für eine Demut legt Paulus an den Tag! Hauptsache, die Christen haben schon heute durch Jesus das wahre Leben – und kommen später auch einmal im ewigen Leben an.
Aus dieser leidenschaftlichen Liebe heraus schließt Paulus den Brief mit den Worten: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
Paulus hatte bei der Abfassung dieser Zeilen also keinen schlechten Tag. Ganz im Gegenteil: ihm hätten keine besseren Worte einfallen können. – Ob die Christen in Korinth das in dieser Weise verstanden haben? Ob sie diese werbende Liebe hinter den Worten gespürt haben? Diese Liebe zu Gottes Wort und zu ihnen als Gemeinde? So dass die Christen in Korinth die Mahnungen dankbar und fröhlich angenommen haben? Als wegweisend und aufbauend? Oder haben sie ihre Ohren „auf Durchzug“ gestellt?
Plötzlich denke ich an unsere Gemeinden heute – und an die, die sie leiten. Wenn ich als Gemeindeleiter tätig bin, als Pastor oder Pfarrer, als Diakon, Jugendreferent oder in welcher Funktion auch immer, vielleicht als Ehrenamtlicher: welche Motive treiben mich in der Gemeindearbeit an? Die Frage ist entscheidend.
Denn wie schnell kommt es zu unseligem Streit und zu Auseinandersetzungen, wenn meine Motive falsch sind. Wenn das, was ich sage und tue, eigentlich dazu dient, dass ich groß rauskomme. Wenn Rechthaberei und Ichsucht heimlich meinen Dienst prägen – dann wird auf einer solchen Gemeindearbeit kein Frieden und kein Segen ruhen.
Ganz anders ist es, wenn meine Motive dieselben sind wie bei Paulus. Er will lieber selbst ganz gering sein und schwach – Hauptsache, die Gemeinde wird im rechten Glauben auferbaut. Hauptsache, die ihm anvertrauten Menschen leben immer entschiedener und fröhlicher im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Unter seiner Gnade. In seiner Liebe und seinem Frieden. Und das gemeinsam.
Welche Motive treiben mich in meiner Gemeindearbeit an? In meinem Dienst? Vor dieser Frage stehen alle, die in einer christlichen Gemeinde Verantwortung übernehmen. Egal an welcher Stelle.
Und als Gemeindemitglied? Lasse ich mir eine solche Mahnung gefallen? Wegweisung aus dem Wort Gottes? Aus der Liebe heraus gesprochen? Wie viel Schaden kann angerichtet werden, wenn ich mich als Gemeindeglied stattdessen als Wichtigtuer aufspiele. Oder mich beleidigt abwende, weil ich keine Korrektur durch Gottes Wort haben will.
Aber wieviel Segen ruht darauf, wenn ich Worte annehmen kann, die aus echter Liebe und aus der biblischen Wahrheit heraus gesprochen werden. Wenn ich im Licht des Wortes Gottes prüfe, ob der andere vielleicht Recht hat und ich mich ändern muss. Welch fröhliche Gemeinschaft unter Gottes Wort kann da entstehen und wachsen. Dass eine Gemeinde auflebt. Im demütigen Hören auf Gottes Wort und seine Mahnungen.
Und so wünsche ich allen, die in einer Gemeinde Dienst tun, wie auch allen anderen Gemeindegliedern, das, was der Apostel Paulus am Ende seines Briefes schreibt: „Prüft euch selbst!“ Und: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“
Autor: Michael Klaus
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