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Diese Woche habe ich in Basel Ferdinand von Schirach in seinem Einpersonenstück «Regen» gesehen. Ich war und bin begeistert, wie perfekt er Form und Inhalt miteinander verknüpft hat. Im Stück spielt er einen Laienrichter, einen Schöffen, der vom Gericht in einem Mordfall wegen Befangenheit abgelehnt wird. Der abgelehnte Schöffe ist Schriftsteller von Beruf – Ferdinand von Schirach war Strafverteidiger, bevor er Schriftsteller wurde. Figur und Autor sind sich also sehr nahe. Im Kern geht es im Stück darum, dass Menschen immer befangen sind. Es geht um Befangenheit und um Ambivalenz. Und dieses Wort, «Ambivalenz», hat sich mir eingebrannt an dem Abend. Es steht für Zwiespältigkeit und Zerrissenheit und die Unmöglichkeit, klare Urteile zu fällen. Wir haben hier miteinander letzte Woche über das neue Stammesdenken in der Politik nachgedacht. Über das stärkere Auseinanderklaffen von Stadt und Land, von Demokraten und Republikanern und die Frage, woher diese grosse Sehnsucht nach der laut verkündeten, starken Position kommt. Im Stück von Ferdinand von Schirach habe ich die Antwort auf diese Frage gefunden. Ich möchte deshalb diese Woche mit Ihnen über Ambivalenz nachdenken.
Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
Website: https://www.matthiaszehnder.ch/
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Diese Woche hat Donald Trump in den USA die ersten Vorwahlen für sich entschieden und zwar gleich mit 51 Prozent der Stimmen. Aus europäischer Sicht ist es rätselhaft, dass drei Gruppen zu Trump halten, die ihn als Person eigentlich verabscheuen sollten: 1. besonders religiöse Amerikaner und evangelikale Christen, 2. die «kleinen Leute», also Menschen, die sich nur mit Mühe über Wasser halten und kaum für ihr Alter vorsorgen können, und 3. besonders konservative Amerikaner. Warum halten diese drei Gruppen zu einem New Yorker Milliardär, der bekannt ist für einen, sagen wir mal, nicht immer besonders moralischen Lebenswandel, der als Bully auftritt und in Washington alles kurz und klein schlagen will? Was versprechen sich diese drei Gruppen von Trump? In den letzten Wochen habe ich hier über Identität nachgedacht. Das hat mich auf die Idee gebracht, die Wahl von Donald Trump nicht aus sachpolitischer Sicht anzuschauen, sondern aus der Sicht der Identität. Aus dieser Perspektive lassen sich einige spannende Erklärungen finden, auch und gerade für Entwicklungen hier bei uns in der Schweiz und in Deutschland. Ich glaube, die drei Gruppen wählen Trump nicht, weil sie sich von ihm eine bestimmte Sachpolitik erhoffen, sondern weil er verspricht, ihre Identität zu verteidigen und ihnen ihren Stolz zurückzugeben. Anders gesagt: Sie wählen Trump als den Anführer ihres Stamms, weil sie Angst davor haben, ihre Identität zu verlieren. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, wo ich die Ursachen dafür sehe und inwiefern sie auch in Europa Konsequenzen haben.
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Letzte Woche habe ich hier kritisch den Trend zur Selbstoptimierung kommentiert. Einer Selbstoptimierung, die den Menschen als möglichst erfolgreiches Unternehmen und als möglichst leistungsfähige Maschine begreift und damit Leistung und Erfolg zu den beiden prägenden Werten macht. Eine solche Selbstoptimierung ist problematisch. Und sie ist hoffnungslos, weil dem Menschen in jenen Leistungsbereichen, die sich zählen und messen lassen, durch die Künstliche Intelligenz gerade eine unschlagbare Konkurrenz erwächst. Diese Art der Selbstoptimierung ist also keine gute Idee. Heisst das, dass wir uns mit uns selbst abfinden müssen? Dass wir schulterzuckend unser Gegenüber im Spiegel hinnehmen und bleiben sollen, was wir sind? Nein, das heisst es nicht. Ich möchte der rein leistungsorientierten Selbstoptimierung ein anderes Konzept gegenüberstellen: die Selbstwahl. Warum wir uns wählen können und was das heisst, das sage ich Ihnen diese Woche in meinem Wochenkommentar.
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Zum Jahresbeginn sind sie besonders beliebt: Bücher und Ratgeber, die uns helfen wollen, zu unserem besseren Ich zu finden. Es geht dabei um gesunde Ernährung, natürlich ums Abnehmen, aber auch um Anti-Aging-Diäten, Fitnesskost und, ganz neu, den «Glukosetrick». Ähnlich wichtig sind Ratgeber rund um Produktivität, die zeigen, wie man mehr aus sich herausholen kann. Am besten in kleinen Schritten, wie das die «1-Prozent-Methode» verspricht. Und dann natürlich alle Themen rund um Arbeit, Geld und Erfolg, von der Selbstbildung und der Selbsterziehung bis zur Selbstvervollkommnung. Bücher, die Tricks zur Selbstoptimierung versprechen, gehören seit Jahren zu den bestverkauften Titeln im Buchhandel. Was sagt das über uns aus? Welches Menschenbild steckt hinter dem Trend zur Selbstoptimierung? Und was sagt das über unsere Gesellschaft aus, dass der Einzelne für sein Schicksal selbst verantwortlich ist? Mein Wochenkommentar zum Jahresbeginn über die Selbstoptimierung.
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Wie immer am Ende des Jahres besteht mein letzter Wochenkommentar aus einem Fragebogen, diesmal mit Fragen rund um das Thema Hoffnung. Den eigentlichen Kommentar schreibe also heute nicht ich, der entsteht beim Lesen in Ihrem Kopf. Ich meine, die Welt hat zu viele Antworten, vor allem zu viele einfache Antworten, die von sich behaupten, auf jeden Fall richtig zu sein. Wichtiger als diese erschlagenden Antworten ist es mir, Fragen zu stellen. Fragen, die das Denken in Bewegung setzen – und so zu denken geben. In diesem Sinne: Denken Sie gut.
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Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht – mir werden all die schlechten Nachrichten manchmal einfach zu viel. Kriege, Terror, Anschläge, Krankheiten und dann auch noch Überschwemmungen, Erdbeben und ein Vulkanausbruch. Ich verstehe, dass sich das viele Menschen nicht mehr antun möchten und am liebsten gar keine Nachrichten mehr lesen, schauen oder hören. Aber das wäre die klassische Vogel-Strauss-Haltung: Man steckt den Kopf in den Sand und schon ist das Bedrohliche verschwunden. Ist es natürlich nicht. Gibt es Alternativen dazu? Ich glaube ja: Besser als Verdrängen ist die Hoffnung. Sie ist auch und gerade dann wichtig, wenn wenig Anlass dafür besteht. Ich glaube sogar, wir überleben nur, wenn wir unsere Hoffnung auf eine bessere Zukunft am Leben erhalten. Zum Jahresende möchte ich mit Ihnen deshalb einige Gedanken rund um diese Hoffnung teilen. Mein Wochenkommentar über Hoffnung wider besseres Wissen.
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Ich habe dieses Jahr unzählige Vorträge über künstliche Intelligenz gehalten und ein gutes Dutzend Kommentare über die KI geschrieben. Nein, das ist nicht einfach ein Modethema, ich beschäftige mich seit vielen Jahren damit. 2019 ist mein Buch «Die digitale Kränkung. Über die Ersetzbarkeit des Menschen» erschienen. Es handelt davon, was passiert, wenn der Computer den Menschen in ganz zentralen intellektuellen Bereichen übertrifft. Vor vier Jahren wollten viele Leute nicht so recht daran glauben. Seit der Veröffentlichung von ChatGPT ist KI plötzlich in aller Munde. Wurden die Möglichkeiten des Computers vor vier Jahren noch unterschätzt, werden sie heute massiv überschätzt. Das, was wir mit künstlicher Intelligenz bezeichnen, hat mit menschlicher Intelligenz so viel zu tun wie ein dressierter Affe an einer Schreibmaschine mit einem Schriftsteller. Die Wirkmacht der KI ist aber so gross, dass sich das Bild zu drehen droht und wir den Menschen auf das reduzieren, was der Computer imitieren kann. Das wäre fatal. Bei aller Faszination für das heute technisch Machbare ist es deshalb Zeit für ein Plädoyer für die menschliche Intelligenz.
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Diese Woche haben mich die Resultate der Pisa-Studie beschäftigt. Jeder vierte Jugendliche in der Schweiz kann kaum mehr lesen. Mit anderen Kompetenzen sieht es nicht viel besser aus. In Deutschland hat der «Spiegel» mit dem schlechten Abschneiden der Jugendlichen im Rechnen aufgemacht. Schlagzeile: «Wir Nullen – warum das Mathematikdesaster den Wohlstand gefährdet.» Das zieht in Deutschland immer. In der Schweiz haben die Medien das Lesen ins Zentrum gesetzt. «Ein Viertel leidet unter Leseschwäche», titelt die NZZ. Aber auch die Schweizer Schüler sind im Rechnen schlechter geworden. Denn Rechnen und Lesen gehören zusammen: Es geht um die Auseinandersetzung mit der Welt. Die Kommentare zum schlechten Abschneiden der Schüler fallen harsch aus und die Schuldigen sind schnell gefunden. Je nach Lesart sind es die Bildungsexperten, die Migranten, die integrative Schule oder der neue Lehrplan. Ich habe mich gefragt, ob es wirklich so einfach ist. Ob es wirklich nur die Schule ist, die versagt. Oder ob wir nicht als Gesellschaft bei uns selbst suchen müssen. Bei uns Erwachsenen als Vorbilder für die Jugendlichen. Denn eigentlich machen die ja bloss das, was wir ihnen vorleben. Mein Wochenkommentar zur schiefen Wahrnehmung der Pisa-Studie.
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Letzte Woche habe ich Ihnen an dieser Stelle fünf Tipps gegeben, wie Sie besser lesen können. Dabei ging es darum, wie Sie Ihre Konzentration so verbessern, dass Sie längere Texte besser verarbeiten können. Zudem habe ich Ihnen meine Tricks verraten, wie ich Texte so markiere und verarbeite, dass ich später wichtige Stellen wiederfinde. Darauf haben mich viele Reaktionen erreicht. Herzlichen Dank dafür. Eine der häufigsten Fragen war: Was ist mit Hörbüchern? Kann es eine Alternative sein, Bücher zu hören, statt mühsam selbst zu lesen? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Ich habe mich deshalb durch die einschlägige Forschung gelesen und mich dazu entschlossen, meine fünf Tipps zum Lesen um fünf Tipps zu Hörbüchern zu ergänzen. In meinem Wochenkommentar verrate ich Ihnen deshalb diese Woche das Geheimnis, wie ich höre. Es sind fünf ganz konkrete Tipps, wie Sie mehr aus dem machen können, was Sie hören. Mit anderen Worten: Ich zeige Ihnen, wie sie (sich) klüger hören können.
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Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, lautet: Wie schaffen Sie das nur, so viele Bücher zu lesen? Die meisten Leute meinen damit bloss das Tempo. Schnell lesen allein genügt aber nicht und manchmal ist das schnelle Lesen sogar kontraproduktiv. Es gibt Bücher, an denen ich monatelang knabbern kann, andere lassen sich in wenigen Stunden sozusagen auf Ex lesen. Wichtig scheinen mir drei Dinge:
1) dass Sie überhaupt lesen, das ist heute alles andere als selbstverständlich.
2) dass Sie Bücher lesen, also in längere Texte und komplexere Gedankenwelten eintauchen.
3) dass Sie die Bücher nicht nur lesen, sondern verdauen, verarbeiten, sich anregen lassen – dass Sie mit anderen Worten von Büchern geistig profitieren.
In meinem Wochenkommentar verrate ich Ihnen diese Woche das Geheimnis, wie ich lese. Es sind fünf ganz konkrete Tipps, wie Sie mehr aus Büchern machen können. Mit anderen Worten: Ich zeige Ihnen, wie sie (sich) klüger lesen können.
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