Matthias Zehnders Wochenkommentar

Matthias Zehnders Wochenkommentar

By Matthias ZehnderSociety & CulturePhilosophy
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Matthias Zehnders Wochenkommentar episodes

  • Was heisst da schon normal? Über die Normalität

    Wir leben in seltsamen Zeiten: «Mainstream» ist zum Schimpfwort geworden, gleichzeitig sehnen sich die Menschen nach Normalität. Aber was ist Normalität anderes als das Gewohnte, das Gewöhnliche, das Akzeptierte – also der Mainstream? Niemand will der Norm entsprechen, aber alle wollen irgendwie normal sein. Aber ja nicht bloss Durchschnitt. Dazu passt, dass sich die meisten Autofahrer  für überdurchschnittlich gut halten. Bis zu 90 Prozent antworten auf die Frage: «Gehören Sie zur besseren Hälfte der Autofahrer?» mit Ja. Die Realität, wir wissen es, sieht anders aus. Aber diese Wirklichkeit verändert sich schneller, als es manchem lieb ist. Normalität ist deshalb zum Sehnsuchtsbegriff geworden. Zur Chiffre für eine heile Welt, in der das Normale noch, nun ja: normal war. Doch das war es, bei Lichte besehen, nie. Es gibt nur einen Ort, wo wir das finden und auch noch beeinflussen können, was wir normal finden: in unseren Köpfen. Mein Wochenkommentar über die Normalität.

    Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
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    14 min
  • Verwirrung der Gefühle

    Diese Woche habe ich mich mit dem neuen Buch des deutschen Filmemachers Werner Herzog beschäftigt: «Die Zukunft der Wahrheit» heisst das Buch. Es ist ein autobiographisch gefärbter Essay über die Frage, ob es so etwas wie Wahrheit gibt in der Kunst, der Kultur und natürlich vor allem im Film. Herzog schreibt in seinem Buch, es gebe keine falschen Gefühle. Gefühle seien immer wahr. Als Beweise führt Herzog die globale Gefühlsaufwallung nach dem Tod von Prinzessin Diana an – und die Oper: Die Geschichten, die Opern erzählen, mögen noch so an den Haaren herbeigezogen sein – die Gefühle, die eine Oper im Publikum erzeugt, sind echt. Es gibt keine falschen Gefühle. Die grosse Frage ist: Was bedeutet das für unser Zusammenleben? Heisst das, dass alle Gefühle echt und wahr und damit berechtigt sind? Dass auch Fremdenhass oder Fremdenangst wahre Gefühle sind, die man ernst nehmen muss? Ich glaube nicht. Warum, das sage ich Ihnen diese Woche in meinem Wochenkommentar über die Verwirrung der Gefühle.

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    14 min
  • Unsere leichtgläubige Gesellschaft

    Ich schreibe diese Zeilen am Gründonnerstag, also am Tag vor Karfreitag und damit vor den wichtigsten kirchlichen Feiertagen der christlichen Konfessionen. Am Karfreitag gedenken die Christen der Kreuzigung von Jesus von Nazareth, an Ostern feiern sie seine Auferstehung. Für gläubige Menschen bilden diese Tage das Zentrum ihrer Religion. Für alle anderen sind es einige willkommene Ferientage. Die Folgen sind kilometerlange Staus am Gotthard und voll besetzte Züge. Feiertage sind zu blossen Freitagen geworden, weil Religion in unserer Gesellschaft nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Wer meint, damit habe sich der Glaube aus der Welt verabschiedet, irrt sich aber ganz gewaltig. Die Menschheit weiss zwar immer mehr und dieses Wissen ist immer einfacher verfügbar, das heisst aber nicht, dass der einzelne Mensch sich nur auf sein Wissen beschränken könnte. Was Realität ist, hängt im Gegenteil sehr stark davon ab, was wir glauben. Weil das, was die Menschen glauben, heute so individuell und persönlich ist, haben wir uns nicht in eine besonders rationale, sondern in eine besonders leichtgläubige Gesellschaft verwandelt. Mein Wochenkommentar vor Ostern zu Glaube und Realität.

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    12 min
  • Warum haben Computer keinen Humor?

    Computer können fast alles. Rechnen, schreiben, komponieren, Röntgenbilder analysieren und manchmal sogar einparken. Sie sind schnell, präzise, ermüden nicht und brauchen keine Pausen. Etwas aber haben sie nicht: Humor. Gleich mehrere Studien zeigen, dass die KI keinen Witz hat. Auch die neuesten Versionen der künstlichen Intelligenz scheitern daran: Sie schaffen es nicht, lustig zu sein. Auf Befehl generieren sie zwar Witze, aber erstens sind viele davon kaum lustig und zweitens kann die KI selbst nicht darüber lachen. Warum eigentlich? Was lässt die schnellsten Rechenprozessoren daran scheitern, lustig zu sein? Und wenn das so ist: Könnte es sein, dass nicht Philosophie, Juristerei und Medizin und auch nicht die Theologie den Menschen ausmachen, sondern das Lachen? Mein Wochenkommentar über die Unfähigkeit der KI zum Humor. 

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    13 min
  • Ist die KI gut oder schlecht für die Demokratie?

    Es ist keine Frage mehr, ob die Künstliche Intelligenz in unser aller Leben Einzug halten wird. Sie ist längst da. Mal versteckt in der Steuerung einer Ampel, der individualisierten Werbung im Internet oder der Betrugsprävention Ihrer Bank, mal offen sichtbar als Chatbot oder Bildergenerator. Es ist daher an der Zeit, dass wir uns mit den Auswirkungen von KI beschäftigen. Gerade im Superwahljahr 2024 ist eine wichtige Frage: Welche Auswirkungen hat die Verfügbarkeit von KI auf die Demokratie? Genau dazu habe ich letzte Woche am Politforum Thun einen Vortrag gehalten. Ich möchte Sie an meinen Überlegungen teilhaben lassen. Nützt oder schadet die KI der Demokratie? Auf den ersten Blick klingt es immer vielversprechend, wenn mächtige Werkzeuge der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Man spricht dann von einer Demokratisierung. Und die KI? Macht sie uns zu mündigeren Bürgerinnen und Bürgern? Macht die KI die Medien besser – oder nur die Medienproduktion effizienter? Was ist mit Falschinformationen? Könnte die KI vielleicht ein Werkzeug gegen Fake News sein? Mein Wochenkommentar zur Frage, ob die KI gut oder schlecht ist für die Demokratie.

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    20 min
  • Fake News in der Literatur von Böll bis Lewinsky

    Wenn ich an das Wort «Fake News» denke, dann höre ich die Stimme von Donald Trump. Doch Falschinformation ist viel älter als der Wüterich von Mara Lago. In der Literatur hat Fake News immer wieder eine zentrale Rolle gespielt, die Handlung von Romanen in Gang gesetzt oder für Irrungen und Wendungen gesorgt – nur nennen wir Fake News da meistens nicht so. Aber vielleicht können wir trotzdem daraus lernen? Ich bin deshalb vor mein Bücherregal gestanden und habe nach Geschichten gesucht, die um Fake News kreisen. Fünf Beispiele habe ich herausgegriffen. Ich glaube, dass uns diese fünf Geschichten dabei helfen, zu verstehen, welche Macht Fake News haben können – und warum es nicht bloss eine Frage der Wahrheit ist. Es spielen und spielten immer auch ganz andere Faktoren mit. Ich glaube mit anderen Worten, dass uns die literarischen Geschichten dabei helfen, besser zu verstehen, wie Fake News heute funktionieren und wirken können. Deshalb gibt es diese Woche meinen Streifzug durch die Literatur auf der Suche nach Fake News. 

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    19 min
  • Gedruckte Medien: Geld oder Leben?

    Es war ein Erdbeben für die Schweiz. Registriert wurde es nicht auf der Richterskala, aber in den Medien: Am vergangenen Wochenende wurde klar, dass die grossen Schweizer Medienhäuser dem Zeitungs- und Zeitschriftendruck den Stecker ziehen. Swissprinters, die Zeitschriftendruckerei von Ringier und NZZ, macht im Herbst 2024 dicht, Tamedia will ihre Zeitungsdruckereien in Zürich, Bern und Lausanne bald verkaufen. Überraschend ist, wie schnell und mit welcher Nonchalance das geschieht. Ohne rot zu werden, trennen sich die Manager von der Identität und der Geschichte ihrer Unternehmen. Logisch, sagen Sie jetzt vielleicht, wenn es sich nicht mehr lohnt… Die Frage sei erlaubt: Ist das, was gut ist für die Kassen dieser Unternehmen, auch im Interesse unseres Landes? Wie kann die Politik und Zukunft dafür sorgen, dass wir jene Medien bekommen, die wir brauchen? Was können Sie, was können wir alle dafür tun? Und schliesslich: Sind Sie sicher, dass wirklich gut ist für die Firmen, was nur gut ist für ihre Kassen?

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    15 min
  • Was Franz Kafka uns heute zu sagen hat

    Am 3. Juni ist es hundert Jahre her, dass Franz Kafka gestorben ist. 2024 wird deshalb zu einem Kafka-Jahr: In einer ganzen Reihe neuer Bücher, in Ausstellungen, Theateraufführungen und Veranstaltungen wird an den vielleicht bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller erinnert. Darunter «Ein Kafka-Projekt» am Theater Basel, eine grelle, laute Tanzperformance. Ich hab mir die Aufführung angeschaut und war abgestossen von der Lärmigkeit dessen, was da auf der Bühne geboten wurde. Franz Kafka schrieb klar und mit poetischer Präzision. Als Jugendlicher habe ich seine Bücher geliebt, vor allem die kurzen Erzählungen. Seinen schwarzen Humor, seine lakonische Art, die rätselhaften Gleichnisse. Ich fand in seinen Texten jenes Gefühl der Fremdheit und Verlorenheit, das ich als Jugendlicher intensiv erlebte und bis heute aus Träumen kenne. Aus Ärger über das Kafka-Projekt im Theater Basel habe ich mich noch einmal in die Texte von Franz Kafka vertieft und mich gefragt: Was hat Kafka uns heute zu sagen?

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    15 min
  • «Poor Things» als Spiegel unserer Gesellschaft

    Emma Stone begeistert gerade in der Rolle der Bella Baxter in «Poor Things», dem neuen Film von Yorgos Lanthimos. Sie spielt darin eine weibliche Frankenstein-Figur, eine Frau, die kurz nach ihrem Tod im Labor eines Arztes mit dem Gehirn ihres eigenen, ungeborenen Babys ausgestattet wird. Der Film erzählt, wie diese Bella als erwachsene Frau mit dem Gehirn eines Kleinkindes die Welt entdeckt. Weil dabei ihre Sexualität eine grosse Rolle spielt, wird der Film auch scharf kritisiert. Doch Bella Baxter kombiniert als Figur zwei Archetypen der Kulturgeschichte: das zum Leben erwachte Experiment (oder Kunstwerk) und das mit dem Leben konfrontierte naive Wesen. Beide, das erwachte Kunstwerk und die Naive, haben immer schon als Kunstgriff zur Gesellschaftskritik gedient. Als Wesen ohne Scham und Moral spiegeln sie nämlich unverstellt, wie die Gesellschaft funktioniert. Ich glaube deshalb, «Poor Things» kritisiert genau das, was dem Film vorgeworfen wird. In meinem Wochenkommentar tauche ich diese Woche ein in den Film. Ich zeige Ihnen die Urtypen der Bella-Figur und den Bezug zu unserem Alltag. Zu unserer heutigen Gesellschaft. 

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    12 min
  • Taylor Swift: Zwischen Hexe und Madonna

    Sie ist die Frau des Jahres, der grösste weibliche Superstar der Pop-Geschichte und der erste Mensch, der mit Musiksongs und Konzerten zum Milliardär geworden ist: Taylor Swift kann wörtlich die Erde beben lassen, wenn sie will. Im Dezember ist die Sängerin aus Nashville, Tennessee, 34 Jahre alt geworden. Längst ist sie nicht mehr das blonde, lächelnde Mädchen. Jetzt ist sie eine blonde, selbstbewusste Frau, die für Frauenrechte und die LGBTQ-Community einsteht. Mehr als die Hälfte der Amerikaner gelten als loyale Swift-Fans, als «Swifties». Weil im November in den USA Präsidentschaftswahlen sind und ein ähnlich knappes Resultat erwartet wird wie 2020, könnte Taylor Swift die Wahl entscheiden. Sie hat genau da Einfluss, wo einige zehntausend Stimmen über den Ausgang der Wahl entscheiden: in den Vorstädten und den Swing-States. Rechtskonservative Medien haben sich deshalb bereits auf die junge Frau eingeschossen. Sie bezeichnen sie als Pentagon-Marionette und (wörtlich) als «Hexe». Dabei hat Taylor Swift mehr Züge von Madonna. Und zwar nicht von der Popsängerin Madonna Ciccone, sondern von der richtigen Madonna. Ich habe mich diese Woche mit Taylor Swift, ihrer Musik und ihrem Einfluss beschäftigt und bin aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Mehr dazu in meinem Wochenkommentar.

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    14 min

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