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Wie immer am Ende des Jahres besteht mein letzter Wochenkommentar vor Weihnachten aus einem Fragebogen, diesmal mit Fragen rund um das Thema Frieden. Was sonst. Den eigentlichen Kommentar schreibe also heute nicht ich, der entsteht beim Lesen in Ihrem Kopf. Ich meine, die Welt hat zu viele Antworten, vor allem zu viele einfache Antworten, die von sich behaupten, auf jeden Fall richtig zu sein. Wichtiger als diese erschlagenden Antworten ist es mir, Fragen zu stellen. Fragen, die das Denken in Bewegung setzen – und so zu denken geben. In diesem Sinne: Denken Sie gut.
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Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
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Für viele Medien sind bekanntlich nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten. Das gilt ganz besonders im digitalen Raum, wo die Klicks das Mass aller Dinge sind. Klicks erhält, was Aufmerksamkeit auf sich zieht und das ist viel eher das Sensationelle, Aufregende und Empörende als das Nützliche, das Schöne und das Gute. Entsetzen und Wut bringen die Menschen eher dazu, auf einen Link zu klicken oder einen Kommentar zu hinterlassen. Die fatale Folge: Gute Nachrichten haben es schwer in den Medien. Das heisst aber nicht, dass es sie nicht gibt. Ich habe das Jahr deshalb Revue passieren lassen und für Sie die besten Nachrichten des Jahres zusammengetragen.
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Ein künstlich-intelligenter Chat-Roboter sorgt für Aufsehen: Mit ChatGPT kann man über das Web sprechen wie mit einem Menschen. Die künstliche Intelligenz beantwortet Fragen, schreibt auf Kommando Artikel, Kommentare und Gedichte und weiss alles über die Welt. Na ja: fast alles. Die Antworten sind erschreckend gut, auch auf Deutsch. Das stellt die alte Frage neu: Überflügeln uns die Maschinen? Ist die künstliche Intelligenz bald klüger als wir Menschen? Welche Konsequenzen hat es für Schulen, Universitäten und Schreiber wie mich, dass der Chat-Roboter so perfekt schreiben kann? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, warum das nicht auf die Maschine ankommt, sondern auf uns Menschen. Denn das Kernproblem ist nicht, dass die Maschinen werden wie die Menschen, – sondern umgekehrt.
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Sie kennen diesen Witz sicher: Ein Betrunkener sucht mitten in der Nacht unter einer Strassenlaterne am Boden nach etwas. Ein Polizist fragt ihn, was er da mache. Der Betrunkene sagt, er suche seinen Schlüssel. Der Polizist: «Den haben Sie hier verloren?» «Nein», sagt der Betrunkene, «da drüben. Aber dort hat es kein Licht.» An diesen Witz habe ich in den letzten Tagen oft gedacht. Denn Medien diskutieren immer häufiger Fragen der Identität, der Repräsentanz und des Stils - also das, was grad im Licht steht. Woher ein Politiker stammt. Ob eine Parlamentarierin freundlich und charmant ist. Ob die Geste des Mittelfeldspielers in der Nationalmannschaft am Platz war. Statt um die Sache geht es um die Herkunft und um Äusserlichkeiten. Repräsentanz ist wichtiger als Leistung. Warum? Und welche Folgen hat das? In meinem Wochenkommentar gehe ich diese Woche der Frage nach, warum Medien darüber diskutieren, wer Politiker sind, statt ihre Leistung zu beleuchten.
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Die «Basler Zeitung» hat diese Woche Schlagzeilen gemacht: Die Zeitung baut ihren Kulturteil um. Beobachter sagen, die «BaZ» dampfe die Berichterstattung über die Kultur in Basel ein – die Zeitung selbst spricht von einer Verschiebung der Kultur in den Lokalteil. So oder so entspricht die Entwicklung einem Trend: Kulturberichterstattung klickt nicht. Wiesen gedruckte Zeitungen früher einen ganzen Kulturbund auf, sind es heute noch ein, zwei Seiten. Meistens muss sich die Kultur den Platz dabei mit Softthemen teilen: Elton Johns Unterhosen sind wichtiger als Mozart und Beethoven. Oder die Musik von Elton John. Es wäre einfach, jetzt im Brustton der Empörung den Untergang der abendländischen Kultur zu bedauern. Doch so einfach ist es nicht: Als Gesellschaft haben wir uns diese Entwicklung selbst eingebrockt. In meinem Wochenkommentar schaue ich deshalb mit Ihnen die Situation aus drei verschiedenen Perspektiven an und mache ein paar konkrete Vorschläge, wie sich die Situation verbessern liesse.
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Natürlich ist rund um die Fussball-WM jetzt auch von Fussball die Rede. Von den vielen Toren der Spanier, von den fehlenden Toren der Deutschen. Vom Knöchel von Neymar und der Gehirnerschütterung von Irans Torwart Alireza Beiranvand. Neben dem Fussballplatz ist aber vor allem ein Wort zu hören: «Doppelmoral». Fifa-Präsident Gianni Infantino verbat sich «heuchlerische Kritik» und sprach von Doppelmoral gegenüber Katar. Seine Kritiker bezeichnen ihn selbst als «personifizierte Doppelmoral». Für Katar-Kritiker ist es ein Zeichen von Doppelmoral, sich Fussballspiele anzuschauen – für Fussballfans ist es Doppelmoral, sie nicht zu schauen. In meinem Wochenkommentar dekonstruiere ich für Sie die Doppelmoral-Vorwürfe und zeige Ihnen, welche rhetorischen Tricks dahinterstehen.
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Haben Sie sich auch schon gefragt, ob Sie den Fernseher einschalten und den einen oder anderen Match der Fussball-Weltmeisterschaften in Katar anschauen sollen? Viele Menschen in Europa sehen sich im Clinch zwischen Sport und Ethik und nehmen sich vor, die Fussballspiele nicht zu schauen. Doch das bringt rein gar nichts. Schauen Sie ruhig zu, wie die Männer in den Wüstenstadien dem Ball nachrennen. Die Fernsehrechte sind schon vor elf Jahren verkauft worden. Für Milliardenbeträge übrigens. Zudem gibt es einen viel wirksameren Weg, wie wir die Fifa daran erinnern können, auf den Pfad der, na ja, vielleicht nicht gerade der Tugend, aber doch der Akzeptanz zurückzukehren. In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen diese Woche, wie Sie der Fifa wirklich weh tun können.
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Die Republikanische Partei hat in den USA Google verklagt: Angeblich filtere Google mit seinem Maildienst Gmail Wahlspende-Anfragen der Republikaner als Spam-Mails aus. Seit Jahren schimpfen Republikaner in den USA, dass sie auf den sozialen Medien benachteiligt würden. Den Höhepunkt haben die Klagen erreicht, als Twitter und Facebook das Konto von Donald Trump sperrten. Jetzt trägt die Republikanische Partei die Auseinandersetzung über die Sozialen Medien hinaus. Denn auch Mailprogramme filtern Inhalte, vielleicht sogar eher stärker als die Sozialen Medien. Ich habe nachgefragt, ob auch bei uns die Parteien mit Maildienstleistern kämpfen und was sie vom Vorschlag von Google halten, politische Mails künftig zu kennzeichnen. Mein Wochenkommentar zur Politik im Mailpostfach.
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«The bird is freed», twitterte Elon Musk letzte Woche, als er Twitter definitiv gekauft hatte, also «Der Vogel ist befreit». Die politische Rechte jubelt: Endlich kehre die Meinungsfreiheit zurück in die sozialen Medien. Gleichzeitig kritisiert sie die «woken Linken», dass sie die freie Debatte nicht aushalte. Die Linke umgekehrt fürchtet sich davor, dass Twitter jetzt von Hass und Hetze überschwemmt wird und will dem Netzwerk den Rücken kehren. Was stimmt? Wird Elon Musk nach der Raumfahrt und dem Automobilbau jetzt auch die Medien revolutionieren? Bringt er Freiheit in die Debatte? In meinem Wochenkommentar sage ich Ihnen, warum sich ein Medienhaus, das Twitter letztlich ist, nicht führen lässt wie irgendeine Raketenfirma. Warum Elon Musk mit Twitter also abstürzen wird.
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Der freie Markt ist eine Gratwanderung zwischen zwei Abgründen: Auf der einen Seite droht das Marktversagen: Das tritt zum Beispiel ein, wenn Konzerne ihre Freiheit nutzen und Monopole bilden. Auf der anderen Seite droht das Staatsversagen: Das bedeutet nicht, dass gleich der ganze Staat versagt. Es meint, dass der Staat sich zu sehr einmischt. Wie steht es in der Schweiz um den Medienmarkt zwischen diesen beiden Abgründen des Versagens? Der wirtschaftsliberale Thinktank Avenir Suisse hat den Schweizer Medienmarkt untersucht und kommt zum Schluss, dass das Problem ein Staatsversagen sei: Der Staat greife zu stark und zu wenig gezielt in den Medienmarkt ein. Ich zeige Ihnen in meinem Wochenkommentar, warum Avenir Suisse aus meiner Sicht falschliegt – und zwar ausgerechnet im Kern der Argumentation.
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