ERF Plus - Bibel heute

Mit Gott in Frieden


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Ist Beten eigentlich kinderleicht oder kann ich es lernen? Offensichtlich fällt es einigen nicht schwer. Ich staune immer wieder, wer mir alles erzählt, dass er betet. Abends vor dem Schlafengehen. Viele, wenn sie vor etwas Angst haben. Oder sich in Not befinden. Vor schweren Entscheidungen. Wenn sie sich Sorgen um andere machen… Ach, es gibt so viele Gelegenheiten.

Mir begegnen aber auch Menschen, die ehrlich bekennen: „Ich kann nicht beten!“ Die gute Nachricht: Vieles können wir lernen, auch Beten. Für Menschen, die nicht beten oder vergessen haben, wie Beten funktioniert, können die Psalmen im Alten Testament eine Schule des Betens sein. In ihnen finde ich das gesamte menschliche Spektrum unserer Gefühle wieder, von Todesangst bis Freude über das Leben, von Wut bis zur Vergebung. Ich kann auch lernen, dass ein Gebet nicht lang sein muss. Sie hörten eben gerade einen der kürzesten Psalmen. Er besteht nur aus drei Versen. Was kann ich aus ihnen lernen?

Blick ins Herz

Das Erste: Beten ist Reden mit Gott wie einem der Schnabel gewachsen ist. Mit allem darf ich vor Gott kommen, mit Klagen, Bitten, Dank und Lobpreis. Der Psalm 130 ist zum Beispiel ein Hilfeschrei: „Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme…“ Psalm 131 ist genau genommen kein Gebet, sondern ein Bekenntnis. Hier öffnet einer sein Herz vor Gott und sagt, wie es in ihm aussieht. Auch das ist Beten.

Heute ist Sonntag. Die meisten von uns müssen nicht arbeiten und haben Zeit. Eine Gelegenheit, um einmal darüber nachzudenken: Wie sieht es in meinem Herzen aus? Unser Herz ist ja nicht nur ein muskuläres Hohlorgan, das Blut durch den Körper pumpt und so die Versorgung aller Organe sichert. Unser Herz ist nach der Bibel der Mittelpunkt unseres ganzen Wesens. Hier kommt alles zusammen: Denken, Fühlen und Wollen. Es klingt ernüchternd, was der Prophet Jeremia ausspricht: „Abgründig ist das menschliche Herz, beispiellos und unverbesserlich. Wer kann es durchschauen?“

Nun bekennt der Beter von Psalm 131: „HERR, mein Herz ist nicht hoffärtig…“ Er sagt damit: „HERR, ich bin nicht hochmütig…“ Wie klingt das denn? Mir scheint, dass hier einer lange gebraucht hat, um ehrlich bekennen zu können: „HERR, ich bin nicht hochmütig und schaue nicht auf andere herab.“ Hochmut ist nämlich aus meiner Sicht die gefährlichste Sünde. Der Hochmütige begehrt nicht nur gegen Gott und seine Herrschaft auf, er leugnet, dass er ein hartnäckiger Sünder ist. Er meint, die Erlösung durch Jesus Christus nicht zu brauchen. Ich mache mir über mich selbst keine Illusionen mehr, bekennt der Beter. Ich bilde mir nichts mehr ein auf meine Frömmigkeit. Wie mag er dazu gekommen sein?

Bescheidenheit als Schlüssel

Nun, er hat mit seinen Augen angefangen. Sie sind so etwas wie ein Einfallstor für unsere Wünsche und Sehnsüchte. An dieser Stelle ist etwas beim Beter geschehen. Seine Augen haben eine völlig neue Blickrichtung auf Gott und auf sich selbst bekommen. Deshalb kann er sagen: „… meine Augen sind nicht stolz…“ Ich blicke nicht mehr auf andere herab, ich komme mir nicht besser als andere vor.

Er hat etwas Neues gelernt: bescheiden zu sein. Wie geht das? Nun, der Beter bekennt: „Ich befasse mich nicht mit großartigen Dingen, mit denen, was für mich unbegreiflich ist.“ Mit eigenen Worten: Ich denke nicht den ganzen Tag über Themen nach, die zu hoch für mich sind, die ich nicht ändern kann. Ich ertappe mich dabei oft, zu viel zu wollen, überzogene eigene Ziele zu haben oder mir jede Information der Welt reinzuziehen. Das versetzt meine Seele in Unfrieden. Deshalb will ich nachdenken: Welche Gedanken rauben mir die innere Ruhe? Ist es das Streben nach Ruhm und Ehre, Macht und Einfluss? Der Beter hier verzichtet auf hochfahrende Zukunftspläne und heiße Lebenswünsche. Er will nicht länger seinen Kopf durchsetzen, sondern sein Leben ganz der Hilfe und dem Schutz des Herrn anvertrauen. Er gibt sich zufrieden mit dem, was Gott ihm in seinem Wort zu glauben anbietet.

Aber geht mir nicht etwas dabei verloren? Versäume ich damit nicht etwas? Nein, sagt der Beter, ich habe etwas Wunderbares gewonnen. Er bekennt: „Ja, ich ließ meine Seele still und ruhig werden; wie ein kleines Kind bei seiner Mutter, wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.“ Was sagt er damit?  Ein Baby schreit aus Leibeskräften und gibt keine Ruhe, bis es an der Brust seiner Mutter liegt. Aber irgendwann muss der Tag kommen, an dem einem Kind nicht mehr die Brust gereicht wird. Es muss entwöhnt werden und lernen, mit fester Speise zufrieden zu sein. Gott entwöhnt auch seine Kinder, indem er anfängt, ihnen ein bequemes Leben, das sie bisher genossen haben, zu entziehen. Ein Kind Gottes soll lernen, nicht etwas von Gott zu verlangen, sondern ihn zu suchen, bei ihm zu sein und an ihm zu hängen. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir geistlich dem Säuglingsstadium entwachsen sind, wenn wir zufrieden sind trotz mancher unerfüllter Wünsche.

Ruhe für die Seele

Viele sind von Natur voller Unruhe, dauernd unzufrieden. Mancher Sturm der Leidenschaft bringt sie in Wallung. Nichts als Gottes Gnade kann uns still machen im Leiden und in Enttäuschungen des Lebens. Es geht um mehr als um den Verzicht auf eigene Wünsche. Es geht um die Erfahrung, dass Gottes Wort den Hunger und Durst unserer Seele stillt. Wir sollen begreifen: Ich muss nicht mehr so sein, wie andere Menschen mich haben wollen. Ich muss nicht mehr darüber nachdenken, was heute alles schief gehen könnte. Ich kann meine Seele zu Gott bringen. Ein tiefer, innerer Friede kehrt in mein Herz ein.

Am Schluss ruft er der Beter aus: „Israel, hoffe auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!“ Das heißt doch: Berge dich bei Gott, verlass dich auf ihn. Nimm deine Seele in die Hand und trage sie wie ein kleines Kind an das Herz Gottes. Und wenn sie wieder weg will und sich in Sorge und Nöte verstrickt? Dann trag sie einfach wieder zurück. Vielleicht, indem du ihr zusprichst, wie du einem kleinen Kind zusprechen würdest: “Hey, es wird gut. Ja, das sieht gerade echt schlecht aus, aber Gott ist da und er wird sich um dich sorgen. Deshalb hab doch Vertrauen.“ Das will ich lernen.

Autor: Hartmut Stropahl

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