Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Neu anfangen
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Seit fast 40 Jahren gibt es vor Ostern und Weihnachten die Nacht der Versöhnung hier in Olpe. Als Bußgottesdienst hat sie immer das Anliegen, den Teilnehmenden einen Rahmen zu bieten, um sich mit der eigenen Schuld, mit persönlichen Fehlern oder Schwächen, mit den Brüchen des Lebens auseinanderzusetzen. Gleichzeitig möchte sie aber auch den Raum öffnen neu anzufangen, umzukehren, sich mit sich selbst und/oder dem anderen zu versöhnen. Und sie möchte die Möglichkeit bieten, alles Schwere in Gottes Hände zu legen, um seine Unterstützung für den Neuanfang und Vergebung zu bitten.Und dieser Abend heute steht unter dem Thema: Neu anfangen. Die Nacht der Versöhnung lädt ein, die Blickrichtung zu wechseln, zu schauen, wo man auf andere zugehen kann, an welchen Stellen man das Gespräch suchen und versuchen kann, die Position des Anderen zu verstehen, ohne sich ihr anschließen zu müssen und gleichzeitig selbst bereit zu sein, die Hand, die jemand anderes mir reicht, zu ergreifen, das Gesprächsangebot zu nutzen, nicht mehr kompromisslos auf der eigenen Sichtweise zu beharren und nur die persönlichen Interessen in den Mittelpunkt zu stellen.Nach dem Bußgottesdienst um 19:30 Uhr, der immer wirklich unter die Haut geht, gibt es die Möglichkeit, einen Einzelsegen zu empfangen oder ein Beicht- oder Lebensgespräch zu führen. Bei Tee und Gebäck sind dann alle Teilnehmenden eingeladen miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Vielleicht ist das eine gute Idee für die eine oder den anderen von Euch, die Karwoche mit diesem besonderen Abend zu beginnen und ihn ganz bewusst nochmal als einen Neuanfang zu setzen für diese unglaubliche Woche, die mit Jesu Abendmahl mit seinen Jüngern beginnt, mit Verrat, Verzweiflung, Verurteilung und Tod weitergeht und nach Todesnacht und allem Nichtwissen in der strahlenden Auferstehung Jesu mündet.
    4 min
  • Begegnungen können etwas verändern
    Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen
    Manchmal ist man ahnungslos und dann passiert einfach etwas. Der Palmsonntag ist ein Tag, liebe Hörerinnen und Hörern, an dem wir an den Beginn der Passion Jesu denken, an den Weg, den er geht, getragen von Liebe und Verantwortung. Und auf diesem Weg begegnen auch wir ihm als Menschen, vielleicht etwas ahnungslos, wie zufällig in unserem Leben. Und gerade in diesen Begegnungen kann sich etwas verändern.Da sind zwei Ahnungslose, die Jesus heute begegnen: Simon von Cyrene, ein Mann, der gerade von der Arbeit kam, müde und erschöpft. Er wurde gezwungen, das Kreuz eines anderen zu tragen. Er wollte nicht, aber er hatte auch keine Wahl. Und doch erwuchs aus dieser zufälligen Begegnung etwas Neues. Simon musste ein Stück des Weges gehen, anfangs widerwillig, später vielleicht mit innerer Freiheit. Diese Begegnung hinterlässt Spuren, sie wird erinnert und weitergegeben. Die Erinnerung ist sogar so stark, dass wir heute noch die Namen seiner beiden Söhne Alexander und Rufus kennen.Auch ein anderer Zeuge, ein Hauptmann, dem die Geschichte den Namen Longinus gegeben hat, begegnet dem Leidenden auf diesem Weg, ein Soldat gewohnt an Härte und Gewalt. Er wird plötzlich still. "Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn", sagt er dann. Ein Moment der Erkenntnis mitten im Alltag, im scheinbar Gewöhnlichen.Beide, Simon und Longinus, sind ahnungslose Zeugen. Sie wollen nichts Besonderes tun. Und doch begegnet ihnen das Besondere, der Besondere. Begegnungen, die herausfordern, die auf dem Weg rufen, auch wenn wir es nicht geplant haben.Palmsonntag, der heutige Tag, erinnert uns daran: Wer dem Weg folgt, begegnet oft Herausforderungen oder Kreuzen. Aber gerade auf diesem Weg kann das Herz geöffnet werden. Wo entdecke ich den Sohn Gottes? Vielleicht nicht im großen Zeichen, sondern in den unerwarteten Begegnungen, in den Menschen am Rand des Weges.Und so lädt uns heute der Palmsonntag ein, genau hinzuschauen, wahrzunehmen, mitzugehen. Denn Zufall gibt es bei Gott ja nicht. Alles kann zu einer Begegnung werden, die unser Herz verändert. Eine solche Begegnung wünscht euch Stefan Wißkirchen, Hochschulpfarrer in Düsseldorf.
    5 min
  • Liebe hat mehr Recht als Hass
    Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen
    Morgen beginnt die Karwoche, eine Zeit, die uns an das erinnert, was Menschen als Dunkelstes tun können. Der Schriftsteller Max Frisch hat einmal ganz hart formuliert: "Gesetzt den Fall, Sie haben noch keinen umgebracht. Womit erklären Sie sich das?" Ein unbequemer Gedanke, der uns aus der Komfortzone holt. Denn er erlaubt uns nicht, Gewalt immer nur bei den anderen zu verorten, bei den Fanatikern, bei den Tätern, die in den Nachrichten kommen, bei denen, die die großen Konflikte dieser Welt lenken. Max Frisch hat nach dir gefragt, nach dem, was in dir steckt, und auch natürlich in mir.Wir Menschen reden gern davon, das Gute zu wollen, und doch kennen wir alle dunkle Regungen, verletzten Stolz, Machtfantasie, Rivalität und ab und an auch Rache. Die kleinen Kriege im Alltag, in Worten und im Schweigen, in der Kälte, sie zeigen uns, Gewalt beginnt selten mit der Faust, sie beginnt in deinem Herzen.Die Bibel ist da erstaunlich ehrlich, sie verschweigt nicht, wozu wir Menschen fähig sind, auch im Namen Gottes, Menschen, die überzeugt sind, im Recht zu sein, die nicht ertragen, dass jemand anders glaubt, denkt oder hofft. Hass, Verleumdung und Gewalt, sie gehören zur Geschichte der Menschheit und auch zur Geschichte des Glaubens. Und sie sind, weiß Gott, nicht eine ferne Vergangenheit. Deshalb brauchen wir christliche Hoffnung, die nicht naiv sein will.Die Mystikerin Madeleine Delbrêl sagt: "Der Christ liebt niemals christlich, wenn er das Böse außer Acht lässt." Liebe heißt nicht, das Dunkle zu verdrängen, sondern ihm etwas entgegenzusetzen. Vielleicht beginnt der Friede genau hier, indem ich mir eingestehe, wozu auch ich manchmal fähig wäre und mich trotzdem immer neu für einen anderen, einen neuen Weg entscheide: für das Wort statt der Härte, für Vergebung statt Vergeltung, für die leise, aber starke Hoffnung, für die auch diese Karwoche stehen wird.Die Liebe hat am Ende mehr Recht als der Hass.
    5 min
  • Frieden beginnt im Kleinen
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Wir sind mitten im Krieg, wir und unsere betroffenen Brüder und Schwestern in der Ukraine, im Jemen, in Syrien, Iran, Gaza, Mali, Nigeria, Kamerun, Kongo, Burundi, Äthiopien.Viele dieser Kriege und kriegerischen Auseinandersetzungen gehen seit Jahren und oft ist einfach kein Ende abzusehen. Städte und Dörfer werden sinnlos zerstört, jegliche Infrastruktur wird über Jahre unbrauchbar gemacht, unsinnige, grausame Gewalt wird ausgeübt, Menschen bedroht, beleidigt, gefoltert, getötet. Warum das alles? Jeder weiß, dass Kriege keinen Frieden bringen und besiegte Völker niemals Ruhe geben werden, bis das Unrecht beseitigt wird. Meine Oma Katharina, die sich ja im Nachkriegsdeutschland auf der eingesperrten ostdeutschen Seite wiederfand, hat immer wieder ein sehr markantes Sprichwort gesagt: "Unrecht Gut gedeihet nicht und kommt nicht in die dritte Generation." Da man früher pro Generation 20 Jahre gerechnet hat, ist das mit der DDR genauso gekommen: Nach zwei Generationen war das Unrechtsregime am Ende und die Menschen haben sich darum gekümmert, dass aus zwei Teilen wieder ein Land wurde.Was in der großen Politik gilt, gilt aber auch im normalen Zusammenleben der Menschen. Es gibt ungerechte Strukturen, ungerechte Gesetzeslagen, ungerechte Verteilung der Güter, Vorurteile und Negativberichte. Die großen Kriege beginnen mit den vielen kleinen Streitereien und Ungerechtigkeiten, dem Streben nach Macht und Einfluss und dem Runtermachen und Kleinhalten der anderen.Die geforderte Umkehr dieser Österlichen Bußzeit beginnt genau dort: bei uns selbst und unseren eigenen Möglichkeiten: Streit beenden, Frieden untereinander halten, die Schwachen unterstützen, die Kranken besuchen, sich um die Fremden kümmern, die Nachbarschaft pflegen, sich den eigenen Verwandten nicht entziehen, am Arbeitsplatz fair miteinander umgehen.Mit den vielen Kriegen in der Welt fühlen wir uns häufig klein und ratlos und hilflos. Krieg beginnt im Kleinen, aber auch Frieden beginnt im Kleinen, im täglichen Engagement und Einsatz füreinander in der einen Welt, mit den nahen und den fernen Geschwistern.
    5 min
  • Frühmorgens in St. Martinus
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Unser Konvent San Damiano hier in Olpe ist genau neben der Martinuskirche. Und manchmal übernehmen wir den Dienst, morgens die Kirche auf und abends abzuschließen. So war das auch dieser Tage. Also bin ich in der Frühe durch die Sakristei gegangen, habe an der metallenen Tafel die angezeichneten Knöpfe gedrückt, die die Beleuchtung anmachen. Dann gehe ich durch die Kirche, um an verschiedenen Stellen Kerzen anzuzünden. Beim Eingang gleich links, vor einem Bild, dann um die Ecke, wo ein stilisierter Mensch die Kerze auf einer Schale über dem Kopf trägt, dann an einer Schale, die Teelichte bereithält, die angezündet werden können im Gedenken an alle Opfer des Ukrainekrieges. Im Februar 2022, zu Beginn dieses Krieges, ist dieser Ort geschaffen worden, um miteinander für die vielen Opfer und betroffenen Familien um ein Ende zu beten.Dann geht es weiter mit einer Kerze vor einer schönen Madonna mit dem Kind, das mit dem Licht sehr schön in Szene gesetzt wird. Dann führt mich mein Weg nach hinten in die eine Seitenkapelle, in der ein Tabernakel mit dem Allerheiligsten steht, der angeleuchtet und mit zwei großen Kerzen in Szene gesetzt wird. In dieser Kapelle ist auch das Grab unserer Gründerin und so bleibe ich einen Moment und bitte sie in einigen Anliegen unserer Gemeinschaft.Dann gehe ich in die andere Seitenkapelle, in der ein Bild der Schmerzhaften Mutter Maria mit dem Kind verehrt wird. Und hier muss ich erst ganz viele ausgebrannte Teelichte wegräumen und eine große Kerze anzünden. Diese Kapelle ist die am meisten besuchte in der Kirche. Da sind immer Leute im Gebet vertieft und es werden immer viele Kerzen angezündet. Hier kommen die Ahnung und das Wissen der Menschen zusammen, dass diese Frau, die selbst so viel Schmerz und Leid erlebt hat, sie und ihre Anliegen versteht, zuhört und sie tröstet. Auf der Bank vor dem Bild klebt ein Gebetstext. Oft kommen die Menschen mit ihren Anliegen, wissen aber nicht, wie und was sie beten können. Da ist es eine große Hilfe, einen vorformulierten Text zu haben.Und jetzt muss ich mich beeilen, weil jemand an der Tür rüttelt und reingelassen werden möchte. Es ist ein junger Mann mit Schülerrucksack und er geht sofort zur Kapelle mit dem Muttergottesbild, zündet ein Teelicht an und ich merke ihm an, dass er ein Anliegen hat. Vielleicht hat er heute eine Prüfung.
    4 min
  • Auf die Zusagen Gottes setzen
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Neun Monate vor dem Fest der Geburt des Herrn wird das Fest der Verkündigung gefeiert: der Tag, an dem der Engel zu Maria gesandt wurde und ihr verkündete, dass sie zur Mutter des Messias, des Gottessohnes, erwählt war. Der Engel begrüßt Maria als die "Begnadete" – also von Gott besonders Ausgewählte und darüber erschrickt sie sehr. Und sie überlegt sehr gründlich, was das denn zu bedeuten hat.Dann wird ihr angekündigt, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen soll, dem sie den Namen Jesus geben soll, der groß sein wird und Sohn des Höchsten genannt werden soll; der, der den Thron des Hauses David übernehmen wird und dessen Herrschaft kein Ende haben wird. Jeder von uns würde verstehen, dass sie von einer solchen Ankündigung wie erschlagen wäre und sprachlos und verwirrt und ängstlich.Aber Maria ist es nicht, sondern fragt in Ruhe nach, wie das geschehen soll, da sie noch nicht verheiratet ist. Der Engel erläutert ihr, dass es keine normal gezeugte Schwangerschaft nach menschlichem Maß sein wird, sondern dass der Geist Gottes mit seiner Kraft in ihr Mensch werden wird und das Kind deshalb heilig und Sohn Gottes genannt werden wird.Und trotz dieser Erklärung gehen der jungen Frau garantiert blitzschnell tausend Gedanken durch den Kopf. Sie weiß genau, dass sie davon kaum jemandem erzählen kann, dass sie ihren Eltern ziemlichen Kummer zumuten wird und ahnt, dass es auch ihr Josef zunächst nicht verstehen wird. Und was noch viel schlimmer ist: Sie weiß genau, wenn ihre Schwangerschaft sichtbar wird, wird sie, weil sie nicht verheiratet ist, nach dem Gesetz gesteinigt, also auf sehr brutale Weise ums Leben gebracht werden.Und trotz all dieser schlimmen Zukunftsaussichten sagt sie dem Engel zu, dass alles nach seiner Ankündigung geschehen soll. Das macht wiederum uns sprachlos, weil wir ein so anderes Marienbild im Kopf haben, das über die Jahrhunderte gepredigt und verkündet worden ist. Sie ist also auf keinen Fall die liebe und brave, demütige und fromme Jasagerin, die ja eigentlich keine Wahl hat. Nein, sie ist eine starke Frau, die tatsächlich mehr den Ankündigungen und Zumutungen dieses Gottes vertraut als den Katastrophen, die das für ihr eigenes Leben mit sich bringen könnte. Und viele von uns, die die vielen schlimmen Episoden aus dem Leben Marias kennen, ahnen das auch. Und Magd des Herrn heißt in diesem Fall, dass sie ihr Leben auf die Zusagen Gottes setzen will, egal was kommt. Das ist nicht das schlechteste Vorbild.
    5 min
  • Eine kleine Veränderung
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Am Wochenende war ich zu einer Tagung zum 800-jährigen Gedächtnis an den heiligen Franziskus. In dem Bildungshaus war ich noch nie und als ich nach dem Einchecken aus dem Fenster meines Zimmers geschaut habe, war ich hin und weg. Ein schöner Frühlingsmittag mit blauem Himmel und weißen Wolken und beginnendem Grün an den Bäumen und Hecken. Und ein unglaublicher Weitblick hat mir gut sichtbar, den Kölner Dom und den Fernsehturm gezeigt, der ungefähr 17 Kilometer von hier entfernt ist. Und dann, als ich staunend nur ein bisschen weiter nach links geschaut habe, habe ich einen Riesenwohnpark gesehen, der ein bisschen wie eine große Burg aussieht und Wohnraum in 700 Wohnungen bietet.Manchmal braucht es also nur eine kleine Veränderung, um etwas völlig Neues zu sehen und den Focus ebenso zu ändern. Das eine war der Blick auf den Dom, der zur Ehre Gottes gebaut worden ist und sogar aus solcher Entfernung gut zu sehen ist. Und das andere sind die Wohnungen für viele Menschen, die dicht an dicht zusammen oder nebeneinander leben und so verschieden sind, wie Menschen verschieden sein können. Und so, am Fenster stehend, war es mir sehr leicht, dann später die Vesper zu beten und zur Ehre Gottes die Anliegen der Menschen, die man so ahnt, mit ins Gebet zu nehmen.Ein Teil der Tagung ging um den Lobgesang der Kreaturen des Franziskus und dort spiegelt sich, also schon vor mehr als 800 Jahren, diese Gebetsweise wider. Die Geschöpfe werden aufgefordert, unentwegt das Lob Gottes zu singen im Schein von Sonne, Mond und Sternen, im Wesen der Elemente von Feuer, Wasser, Luft und Erde und am Ende auch in den Menschen, die Krankheit ertragen und Drangsal, die vergeben und verzeihen und die den Tod als Schwester begrüßen, die uns am Ende im Empfang nehmen wird, wenn wir unser Leben hier zu Ende gebracht haben. Mit einem aufmerksamen Herzen ist Beten leichter, weil die Themen auf dem Weg, oder wie in meinem Fall, direkt vor dem Fenster ausgebreitet liegen.Also mein Gebet in diesen Morgen mit Dir: Sei gelobt mein Herr mit allen Deinen Geschöpfen. Amen.
    4 min
  • Lerchen- oder eher Eulentyp?
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Morgens um diese Zeit sind sie immer zu hören. Von überall her erklingt der Gesang der vielen Vögel und ihr freundliches Gezwitscher. Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass unsere Singvögel in der Zeit vor dem Sonnenaufgang besonders aktiv sind? So als würden sie bereits erahnen, dass gleich die Sonne mit ihrem Licht erscheint und dem Tag seine Farbe gibt. Tatsächlich gibt es so etwas wie eine Vogeluhr, so wie wir Menschen auch unsere biologische Uhr haben. Manche Menschen sind Frühaufsteher und werden dann als Lerchentypen bezeichnet und die, die erst im Laufe des Tages wach werden und am Abend zur Hochform auflaufen, nennt man Eulentypen. Die Vogeluhr orientiert sich am Sonnenaufgang. Warum die Vögel morgens vor Sonnenaufgang singen, das hat ganz verschiedene Gründe. Einige wollen mit ihrem Gesang beeindrucken, die Vogelmännchen vor allem die Vogelweibchen. Andere hingegen tun dies vor allem zur Revierabgrenzung. Aber interessant ist, dass nicht alle Vögel gleichzeitig singen. Es gibt eine klare Reihenfolge. Als erstes wird die Nachtigall aktiv, meist schon 1 ½ Stunden vor Sonnenaufgang. Die Amsel beginnt eine Stunde, bevor der Tag anbricht. Zu den letzten Vögeln gehören Star und Buchfink. Warum beeindruckt mich das so? Offensichtlich gibt es auch bei Vögeln klare Regeln oder eine Ordnung der Kommunikation. Wir Menschen reden oft einfach durcheinander, hören gar nicht aufeinander. Und manchmal ist es uns auch einfach egal, was der andere zu sagen hat. Manchmal kommt es mir wie ein unerträgliches Durcheinandersabbeln vor. Vielleicht können wir das von den Vögeln lernen, dass wir nicht einfach durcheinanderreden, sondern zunächst dem anderen zuhören. Das spannende dann ist, wenn wir nicht mit unserem geplanten Beitrag weitermachen, sondern tatsächlich auf die Worte der anderen reagieren. Manches Gespräch läuft dann anders und wird ruhiger und sachlicher. Und nochmal zur Chronobiologie von uns Menschen. Wenn Du ein Lerchentyp bist, geht also das Gebet eher am Morgen und bringt den beginnenden Tag und alles, was so kommen wird vor Gott. Und wenn Du ein Eulentyp bist, dann ist es für Dich einfacher, am Abend zu beten und den Tag vor Gott zu bringen. Tu es, wie es dir entspricht und stimme ein in das unaufhörliche Gebet der Menschen vor Gott. Jeden Tag.
    5 min
  • Gott kann nichts tun, oder?
    Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
    Freiheit erlangen durch Fasten. Freiheit haben – ist das schon Frieden? Oder ist Freiheit die Grundlage für Frieden?  Wenn Menschen mir erzählen, dass sie für bestimmte, ganz konkrete Ereignisse beten, dann kann ich das oft nicht verstehen. Was soll Gott denn machen? Er greift einfach nicht pauschal und platt ein. Kann er nicht. Wegen mir. Wegen dir. Wegen uns. Weil er will, dass wir frei sind.  Frei sein bedeutet eben immer, die Wahl haben. Aber ich glaube auch, dass Gottes Freiheit, die er mir geschenkt hat, eben mehr ist. Mehr als bloße Entscheidungsfreiheit. Eine Freiheit, die aus Liebe geschenkt ist, weil Gott für mich der Ursprung des Lebens ist. Freiheit, die Liebe und Leben ermöglicht. Das ist eine schwer zu denkende und vielleicht auch eingeschränkte Freiheit.  Weil, wenn Gott mich echt liebt, so richtig, keine “situationship”, also eine Beziehung, die man nicht so richtig nach außen als solche zeigen will, weil man verdammt unsicher ist, sondern eine echte Beziehung.   Also, wenn das stimmt, dass Gott mich liebt und ich von Anfang an – gewollt, gebraucht und geliebt bin – dann muss Gott seine ganze Macht aufgeben und kann echt nichts tun. Er kann wegen meiner – unserer – Freiheit nicht eingreifen. Ganz egal, wie viel wir beten. Beten ist was ganz anders als Forderungen stellen.  Gott kann nichts tun. Wie Eltern oder Patentanten, die zuschauen, wie ihre Kinder Fehler machen, damit sie wachsen können, sich entwickeln und echt leben…  Dann kann man manchmal eben nichts tun, als mit dem Pflaster in der Hand im Türrahmen warten. Mit Taschentüchern und einem riesigen Becher voller Eis und Esslöffel am Küchentisch sitzen. Oder eben einfach nur eine Hand halten am Krankenbett…  Mehr kann Gott auch nicht mehr tun… wenn er uns echt liebt … aber wie viel mehr kann das sein… als ein blindes Eingreifen und Entscheiden für und über uns…   Freiheit durch Fasten? Freiheit durch Pflaster, Taschentücher, Eiscreme und Dasein…  Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
    5 min
  • Die Fastenzeit mit sinnvollen Dingen füllen
    Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
    Zeit - Zeitgeist – Zeitverlust – Zeit verschwenden – Zeit verlieren – Zeit haben – Zeit verschenken – Gute, alte Zeit – Nimm dir Zeit und nicht das Leben – sagt meine Mutter oft.  Jetzt auch noch Fastenzeit… Es ist doch eh schon eine schwere und unfassbare Zeit … oder geht’s es uns wirklich zu gut? Immerhin wird ja seit längerem darüber geklagt, dass alle nur noch Teilzeit arbeiten wollen, zu wenig arbeiten oder eben zu viel krank sind. Mit den jungen Menschen heute gewinne man eben keinen Krieg mehr.  Kommt da die Fastenzeit nicht zur rechten Zeit? Ist Fasten nicht bewusstes Verzichten und die Zeit der Entbehrungen, um wieder Kraft zu tanken?  Die Arten zu fasten, werden zahlreicher und immer modernen. Entgiftungskur, Achtsamkeitsübungen, Mediation und Me-Time. Alles nicht mehr peinlich, sondern für die work-life-Balance sogar wichtiger. Nicht nur Burnout, sondern Burnon gegen das Burnout. Aber was dann? - Alles entgiftet, entleert und entlastet.  Fasten bedeutet aber dann diese Leere nicht einfach so hinzunehmen. Das wäre doch auch ein trauriges Ziel. Ein leeres Gefäß zu sein. Fasten bedeutet für mich, leer werden, um sich dann mit den Dingen zu fülle, die wirklich guttun, die wirklich wertvoll sind. Die Dinge zu finden, die mehr sind als wir selbst. Damit wir nicht immer um uns selbst drehen.  Dinge, die uns unbedingt angehen, die uns wirklich bewegen und eine Begegnung mit dem ermöglichen, was Gott im Christentum ist. Liebe, Leben und Wahrheit. Und ganz besonders eben auch Frieden! Den wir gerade so sehr ersehnen.Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
    5 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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