Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Wenn das Evangelium an- und aufregt
    Wenn das Evangelium an- und aufregt
    Am kommenden Sonntag ist die Bundestagswahl und ich habe mir mal das Evangelium vom kommenden Sonntag angeschaut.  Im 6. Kapitel des Lukasevangeliums heißt es da: "Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand das Deine wegnimmt, verlang es nicht zurück!"Das ist wieder so ein Satz, der uns eigentlich gar nicht mehr aufregt, weil wir ihn so hören und kaum noch die Sprengkraft seiner Aussagen in der Zeit Jesu im Hinterkopf haben.Jesus spricht mit diesen Worten nicht die Regierenden in ihrer Arbeit an. Ja, natürlich, der Staat muss Diebstahl verfolgen, soll sich auch um die Armen und Hilfsbedürftigen kümmern und wenn seine Sozialsysteme missbraucht werden, dann muss er dagegen vorgehen. Jesus spricht in unseren Predigtworten zu denen, die ihm zuhören. Er spricht uns alle als seine Jünger an und schaut auf unser persönliches Leben. Und er meint nicht nur unsere Hände, die geben sollen, was möglich ist, sondern er meint auch unser Herz. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Es geht um unser warmes, gütiges und mitleidendes Herz. Dieser Umkehrschluss ist der Entscheidende. Wenn ich jeden Tag erkennen kann, wie barmherzig Gott mit mir und meinen Schwächen ist, wie kann dann ich, diese Barmherzigkeit für mich behalten? Bei Franz von Assisi, unserem Ordensvater, gibt es in einem Brief an den gesamten Orden eine entsprechende Ermahnung. Er schreibt: "Behaltet darum nichts von euch für euch zurück, damit euch ganz aufnehme, der sich euch ganz hingibt”Wenn ich all das Gute schätze und achte, dass ich in meinem Leben bisher erhalten habe, dann sollte es das Gebot der Stunde sein und bleiben, mit Herz und Hand zu geben, was möglich ist, um dem Mitmenschen zu geben, was er zum Leben braucht. Und trotzdem bleibt es ein Stachel in mir, wenn es mir nicht gelingt, und das ist auch gut so und zeigt mir, dass mich dieser Text doch immer noch aufregt und anregt.
    3 min
  • Liebt eure Feinde?!
    Liebt eure Feinde?!
    Für diese Woche stehen viele Termine in meinem Kalender. Und eben sehr viel Verschiedenes:- die täglichen Impulse hier im Domradio - Besuche im Schwesternaltenheim - Sitzungen verschiedener Gremien - Chorprobe – Arzttermin - Karnevalssitzung mit den Frauen an St. Martinus - Nacht der Lichter mit Gesängen aus Taizé und ihrem ganz eigenen spirituellen Glanz - Einweihung einer neuen Einrichtung zur Kinderbetreuung, die wir Schwestern vornehmen - Gottesdienste und Gebetszeiten – eine größere Einkaufstour – und dann am Sonntag die Bundestagswahl.Bei Ihnen ist es garantiert oft ebenso, wenn auch mit anderen Inhalten. Und dann ist das eine, die Übersicht zu behalten, das zweite, nicht nur den Terminen nachjagen oder von ihnen gejagt werden und das dritte, in Hirn und Herz zu behalten, worum es mir in dieser Woche insgesamt geht. Und dann habe ich mir mal das Evangelium vom kommenden Sonntag angeschaut und bin überrascht, wie gut dieser Text aus dem Lukasevangelium im 6. Kapitel zu dem Herangehen auf Termine und Jobs und noch mehr zum Herangehen auf die Wahl passt. Schauen wir in dieser Woche mal jeden Tag auf einige Zeilen aus diesem Evangelium. Da heißt es: "In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euch, die ihr zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen!" Und ehrlich gesagt ist das jetzt für viele Menschen ein sehr kritischer Punkt: Politiker von ganz oben in der Regierung bis ganz unten in den Kommunen, können ein Lied davon singen, wie sie gehasst, verflucht, beschimpft und beleidigt, sogar bedroht werden. Das eine ist dann, dass das wirklich verfolgt und belangt werden muss, um Recht und Gerechtigkeit zu bewahren. Und die andere Seite ist der Umgang jedes Betroffenen damit. Diese Verse: "Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen!" waren immer ein Stachel im Gerechtigkeitsgefühl der Menschen und werden immer der Ernstfall für Christen bleiben.
    4 min
  • Lesen Sie das Kleingedruckte?
    Lesen Sie das Kleingedruckte?
    Hier schneit es dieser Tage wieder und es ist winterkalt. Und ich habe beim Sortieren meiner Weihnachtspost viele nochmal gelesen und dann weggetan. Und dann sind mir zwei in den Händen geblieben. Zwei Karten mit der Zeile "Es ist ein Ros' entsprungen, aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, aus Jesse kam die Art". Aus irgendeinem Grund habe ich sie angeschaut, nochmal gelesen, mich gefreut und dann ganz unten hinten das Kleingedruckte gesehen. Da war eine Anleitung drauf: "Dies ist Samenpapier. Reißen sie die Karte in kleine Stücke und lassen sie diese 24 Stunden in Wasser liegen. Dann mit Erde in einen Topf und immer gut feucht halten. Nach 10 bis 14 Tagen werden die Blumen sprießen" Ich werde es am Wochenende mit Vergnügen tun und bin schon jetzt vorfreudig auf das, was da kommen wird. Da habe ich für mich zwei schöne Erkenntnisse. Zum einen ist es manchmal tatsächlich gut, das Kleingedruckte zu lesen, was ich sonst nicht so tue. Und dann ist es doch eine herrliche Einladung, gespannt auf das zu Warten, was da kommen wird. Und das etwas kommen wird, war ja im Kleingedruckten verheißen worden. In der heutigen Lesung sind auch so zwei Zeilen, die wie das doch sehr bekannte Kleingedruckte wirkt. Da heißt es: "Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei fremde Lehren irreführen!"Im Moment werden wir scheinbar überschwemmt mit fremden, irreführenden Lehren und Botschaften und Wahlslogans und Versprechungen für die Zeit nach der Wahl. Und da ist es sehr notwendig immer wieder zu schauen, wie kann ich mit dem was ich glaube und hoffe verantwortungsvoll umgehen und meine Wahlentscheidung nach dem treffen, was in den Programmen so steht und wo es am Ehesten die Möglichkeit gibt, dass es auch umgesetzt wird. Dann ist es auch wirklich gut, sich die Mühe zu machen und das scheinbar Kleingedruckte dort zu lesen und mit dem scheinbar Kleingedruckten, in der frohen Botschaft in Beziehung zu setzen. "Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei fremde Lehren irreführen!"
    4 min
  • Welches Vorbild wollen Sie sein?
    Welches Vorbild wollen Sie sein?
    Immer wieder rufen bei uns Leute an und erkundigen sich nach der einen oder anderen Schwester und fragen, ob sie noch leben, wo sie sind und ob man sie noch besuchen kann. Und wenn ich das alles beantwortet habe, dann frage ich, was sie denn mit der Schwester verbinden. Und dann kommen oft Erlebnisse und Ereignisse in früheren Jahren bei persönlichen Problemen oder schlimmen Unfällen oder Todesfällen, wo die Schwester die auffangenden Arme hatte, immer zum Gespräch da war oder sogar im Haushalt, bei der Betreuung von Kindern oder Kranken eingesprungen ist. Heute tragen wir eine Schwester zu Grabe, bei der Generationen von Mädchen und jungen Frauen Nähen gelernt haben. Viele Jahre hat sie von Montag bis Samstag Nähkurse gegeben. Und, das erzählen Anruferinnen oft, sie haben bei ihr sehr viel mehr gelernt als Nähen. Sie haben Gebete und Gedichte gelernt und Lieder und Gesänge. Sie haben, je nach Jahreszeit und Zeit im Kirchenjahr, Tipps und Ideen bekommen, wie man Advent, Weihnachten, Fastenzeit und Osterzeit gestalten kann und wie das innere und äußere Leben zusammengehören können. Und vieles davon haben sie ihr ganzes Leben lang so gehalten. Ich bin beeindruckt davon. Ich habe diese Schwester in ihren letzten, eher schwierigen Jahren mit Krankheit und Leid und Schwerhörigkeit erlebt und mich immer gefreut, wenn etwas aufgeblitzt ist von ihren früheren, fröhlichen Liedern und Gesängen, die sie auch mit endlos vielen Strophen immer noch auswendig konnte. Immer mal habe ich sie, wenn sie sich mühsam im Rollstuhl durch die Flure bewegt hatte, an einer kleinen Marienstatue beten gesehen, und dann war sie so versunken, dass sie den Trubel ringsum nicht bemerkt und sich nicht hat beeindrucken lassen. Seien wir dankbar für das Lebens- und Glaubenszeugnis so vieler älterer und alter Mitschwestern, Verwandten und Bekannten, die in allem, was sie in den früheren Jahrzehnten getan und gebetet haben, oft so viele Menschen bewegt, beeindruckt, begleitet und geleitet haben, ohne davon selbst viel Gedöns zu machen, wie man in Köln sagen würde. Und immer an solchen Tagen ist es mir wichtig zu bedenken, wie sehr wir selbst heute Vorbilder und Begleiter anderer sind, in allem, was wir tun und lassen und sagen und beten.
    4 min
  • Tür und Herz und Hände öffnen!
    Tür und Herz und Hände öffnen!
    Es klingelt an der Haustür und da ich in meinem Büro bin und dort keine Kamera habe, gehe ich immer mit etwas angehaltenem Atem an die Tür. Man weiß ja nie. Selbst in unserem beschaulichen Städtchen ist es nicht mehr so ohne, einfach die Tür auf zu machen, ohne sich zu vergewissern, wer da draußen steht. Diesmal ist es ein Pärchen und ich grüße freundlich und ein bisschen verblüfft. Und die beiden schauen auch etwas irritiert und sie bricht die kurze Verwirrung mit der Bitte: "Wir haben einen Termin zum Gespräch für unsere kirchliche Trauung" und mir ist dann rausgerutscht: "Das ist bei uns im Kloster aber eher selten" Wir haben alle drei gelacht und ich habe sie drei Häuser weiter ins Pfarrhaus geschickt. Und dann haben sie noch auf das Schild am Haus geschaut und gelesen, dass hier Olper Franziskanerinnen leben und dann kam ihr Erstauntes: "Ach, wusste ich gar nicht, dass es hier ein Kloster gibt!" Wir haben uns verabschiedet und die beiden sind drei Häuser weitergegangen zu ihrem Termin mit dem Pfarrer, ich bin schmunzelnd zurück in mein Büro und habe Gott gedankt, dass es Menschen gibt, die ihr gemeinsames Leben unter seinen Segen stellen wollen. Und dass es jetzt zwei junge Leute mehr gibt, die wissen, dass es da mitten in der Stadt ein Kloster gibt und man da klingeln und fragen kann und eine Auskunft bekommt und Wegweisung. Und gestern waren es verschiedene Schulklassen unserer Franziskusschule, die am Grab der Gründerin ihrer Schule waren und mit der jeweiligen Klassenlehrerin einen Abstecher um die Ecke zu uns gemacht haben. Eine der Klassen war mit mir zum Klostertag im Mutterhaus und als ich sie begrüßt habe, hat ein Mädchen mich erkannt und hocherfreut gesagt: "Ach hier wohnen Sie. Dann weiß ich das jetzt auch. Das ist gut" Ich hatte ihnen vor Wochen an dem Tag erzählt, wo ich wohne. Aber das eine ist das Wissen und das andere ist die freudige persönliche Entdeckung und dieses: Das ist gut. Ich habe es übersetzt in "Gut zu wissen und zu kennen und vielleicht brauch ich das mal" Türen öffnen kann auf viele Weisen geschehen und ein freudiges oder auch verblüfftes Erkennen ist eine gute Weise, in guten Kontakt zu kommen und das Zusammenleben in der Stadt leichter zu machen. Und dann kommt noch ein DHL-Bote, eine Frau, die etwas abgeben möchte und ein Mann, der alle paar Monate kommt und Kaffee und Brot und Zeit möchte. Es gilt für alle: Tür und Herz und Hände öffnen.
    4 min
  • Trauen wir Gott noch Wunder zu?
    Trauen wir Gott noch Wunder zu?
    Mitte der 70er Jahre gab es mal einen kleinen Schlager: "Ich glaube an Wunder" und es geht am Ende um die Liebe zwischen ihm und ihr, die einfach wunderbar ist. Glauben Sie eigentlich an Wunder? Wir nüchternen Deutschen sind da doch eher skeptisch. Aber auch viele von uns haben schon Dinge erlebt, die so unerklärlich und so gegen jede Logik und jede Art von wissenschaftlichem Denken sind, dass wir gelegentlich eine Ahnung haben, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht nüchtern und rational erklären können. Am 11. Februar 1858 sieht das vierzehnjährige Hirtenmädchen Bernadette Soubirous in einer Felsgrotte bei Lourdes zum ersten Mal die "Dame", die sich als "die Unbefleckte Empfängnis" vorstellte. Bernadette hatte diesen Namen für Maria noch nie gehört und es machte ihr Mühe, ihn richtig weiter zu geben. Die Erscheinung wiederholte sich bis zum 16. Juli an weiteren siebzehn Tagen. Dabei hat Maria die Menschen zur Wallfahrt an diesen Ort, vor allem aber zu Gebet und Umkehr zu Gott eingeladen. Zu der Grotte, in der auch eine Quelle entspringt, sind seither Millionen von Pilgern mit ihren leiblichen und seelischen Nöten gekommen. Seitdem soll es dort rund 30.000 Heilungen gegeben haben; 6.000 sind dokumentiert und 2.000 davon gelten als "medizinisch unerklärlich". Nur 70 Heilungen wurden von der Kirche als Wunder eingestuft. Aber der Glaube der Pilger weiß viel mehr. Ich habe Menschen erlebt, die eine Reise nach Lourdes geschenkt bekommen haben und tatsächlich aus Neugier gefahren sind. Und sie sind nach Hause gekommen mit einem inneren Getröstetsein, mit einer Gewissheit von Gottes Nähe und Güte, dass man das sogar als Außenstehende das gespürt hat. Trauen wir Gott eigentlich wunderbare Geschehnisse zu? Ein Gast hier bei uns im Konvent hat mir mal eine Postkarte dagelassen, die mich seitdem sehr unmissverständlich auffordert. Da steht nämlich ganz einfach: "Sei realistisch. Plane ein Wunder."
    3 min
  • Wichtiger ist immer die Liebe!
    Wichtiger ist immer die Liebe!
    Haben Sie schon mal von einer Gewitterhexe gehört oder von einer Donnerschwester? Das sind witzig gemeinte und liebevoll gewählte Beschreibungen für eine Frau, die im sechsten Jahrhundert gelebt hat. Wir wüssten wahrscheinlich nicht so viel von ihr, wenn nicht ihr berühmter Bruder einiges von dem notiert hat, was er mit seiner Schwester erlebt hat. Es ist die Geschichte von den zwei Geschwistern, die mir schon lange richtig gut gefällt. Benedikt von Nursia, der große Vater des abendländischen Mönchtums, hat eine wunderbar ausgewogene Ordensregel geschrieben. Ora et Labora – das gute Verhältnis von Gebet und Tätigkeit, von Stille und Gemeinschaft, ist so klug geschrieben, dass diese Regel hunderttausende Mönche in der ganzen Welt über eineinhalb Jahrtausende bis heute sehr gut leben und beten und wirken lässt. Den Benediktinern verdanken wir die Kultivierung Europas in vielerlei Hinsicht. Eine Regel in dieser Ordnung besagt, dass es nur unter außergewöhnlichen Umständen erlaubt ist, außerhalb des Klosters zu übernachten. Immer am Abend sollen alle Brüder zurück sein. Und dann gibt es seine Schwester Scholastika. Die wahrscheinlich durch das Vorbild des Bruders Nonne geworden ist und in ihrem Kloster in der Nähe lebt. Gelegentlich besucht Benedikt seine Schwester und sie reden über Gott und das Leben in seiner Nachfolge. Eines Abends, als Scholastika weiß, dass ihre Lebenszeit zu Ende geht, will sie ihren Bruder überzeugen, dass er noch bei ihr bleibt und sie weiter miteinander reden und meditieren können. Aber Benedikt weist das entrüstet zurück, weil er niemals die Ordensregel brechen wird. Scholastika faltet still die Hände und bittet Gott kurz um seine Hilfe. Ein mordsmäßiges Gewitter bricht herauf und niemand kann auch nur einen Fuß vor die Tür setzen. "Was hast Du gemacht?" klagt Benedikt zunächst, weil er schon ahnt, dass seine Schwester das erbeten hat. Aber er bleibt und sie reden die ganze Nacht und sie spüren beide, dass Gott ganz nahe ist und sie durch ihr Leben trägt. Ein paar Tage später stirbt Scholastika und Benedikt sieht ihre Seele zu Gott gehen. Sie konnte bei Gott viel erreichen – weil sie die größere Liebe hatte. Regeln einhalten ist gut und notwendig, damit das Gemeinwohl lebendig und funktionstüchtig bleibt. Aber wichtiger ist immer die Liebe. Und dazu kann man schon mal um Blitz und Donner bitten, wenn der eigene Bruder mal wieder nichts kapiert vom wirklichen Leben mit Gott.
    4 min
  • Immer an den Zäunen entlang!
    Immer an den Zäunen entlang!
    Vorgestern früh, als ich die Haustür aufgeschlossen habe, stand unser Laudesmitbeter schon dort und wollte dringend Salz rings um unser Haus streuen. Es war spiegelglatt und niemand war sonst unterwegs. Also haben wir gestreut und versucht, dabei nicht selbst auszurutschen. Bei meiner Frage, wie er es denn bis zu uns geschafft hat, hat er geschmunzelt. "Immer an den Zäunen entlang. Und, was man will, schafft man auch." Wir kennen im Umgangssprachlichen auch den Ausdruck "aufs Glatteis geführt werden", was bedeutet, dass jemand mit falschen Aussagen und Tricks und Finten versucht, uns zu einer Handlung zu bewegen, die falsch ist oder eine Meinung aufzuzwingen, auf die wir normalerweise nicht reinfallen würden. Fast jeden Morgen, wenn man die ersten Nachrichten hört, hat man das Gefühl, dass die Meldungen irgendwie aus dem Tollhaus sind. Es kann doch nicht sein, denkt man dann, das ist doch falsch und ungerecht und völlig an der Normalität vorbei. Aber was hilft mir dann, übern Tag meine heitere Freudigkeit zu bewahren und mich nicht von all den Katastrophennachrichten und Irrsinnsmeldungen verrückt machen zu lassen?Der lapidare Satz unseres Mitbeters gefällt mir da sehr gut: "Immer an den Zäunen entlang." Das kann heißen, die eigenen Werte und Vorstellungen immer wieder hinterfragen und dann an ihnen festhalten. Den eigenen Glauben an den einen Gott nicht loslassen, auch wenn es manchmal scheint, als sei auch er machtlos gegen den Irrsinn der irdisch Mächtigen. Das kann auch heißen, in Ruhe und Geduld dem täglichen Auftrag nachzugehen, den ich habe und zu tun, was heute dran ist. Und das zweite Wort unseres Mitbeters gestern früh, ist dann in die gleiche Richtung gedacht: "Was man will, schafft man auch". Paulus sagt heute in seinem Brief an die Galater: "Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat." Das ist ein guter Zaun, an dem entlang wir in diesen Tag gehen können und uns festhalten, damit wir nicht von allem Irrsinn, der heute auch wieder aufploppen wird, aufs Glatteis geführt werden.
    3 min
  • Das schaffen, was dran ist!
    Das schaffen, was dran ist!
    Zwei Freundinnen wachsen in behütetem Umfeld auf. Die Eltern sind vermögend, die kleine Stadt mittelständisch und gutsituiert, die Kirche gleich neben dem Elternhaus, die Seelsorge geordnet und das kirchliche Leben geht seinen ruhigen Gang durchs Kirchenjahr. Aber eine der beiden, Aline, lässt sich davon nicht täuschen. Jahrelang hat ihr tieffrommer Onkel Arnold sie nicht nur mit zu jedem Gottesdienst genommen, sondern auch mit zu den versteckt und verschämt armen Leuten der Stadt, denen er im Rucksack die notwendigen Lebensmittel gebracht und manche Rechnung bezahlt hat. Und trotz vieler verschwurbelter Wege und Hindernisse gründet sie mit ihrer Freundin und noch einer dritten Frau eine Ordensgemeinschaft, um Gott in den Armen, und zunächst hier besonders den Waisenkindern. zu dienen.  Das erleben wir ja ganz oft: da sind Omas oder Großväter, Onkel oder Tanten diejenigen, die in jungen Leuten ganz beharrlich ihre guten Werte, Themen und Überzeugungen grundlegen und sie so scheinbar nebenbei ins Leben, in den Glauben, ins tatkräftige Christsein einführen. Mir ging das so ähnlich: Bei meiner Tante, die bei uns im Haus gewohnt hat, habe ich das tägliche Beten gelernt, bei meiner Oma Katharina im Nachbardorf die Überzeugung, dass nicht nur Reden, sondern Tun wichtig ist und bei meiner Tante Elisabeth, dass Gott auch nach zerbrochenen Beziehungen an unserer Seite bleibt. Aline Bonzel, an deren Todestag wir heute denken, hat deshalb auch keine soziale Organisation oder eine Partei gegründet, die genau in ihrer Zeit auch entstanden sind, sondern eine Ordensgemeinschaft. Sie wollte vor Gott und für die Menschen da sein, weil sie wusste, dass die eigenen Kräfte und Fähigkeiten nie ausreichen würden, sie aber mit Gottes Hilfe all das schaffen kann, was gerade dran ist.
    3 min
  • Kämpfen um die Sache Gottes
    Kämpfen um die Sache Gottes
    Jakob ist einer der Patriarchen, Erzvater im Judentum, Christentum und Islam. Er durchwandert das gelobte Land und ist bis in seinen Rufnamen hinein mit ihm verbunden – Israel. Es gibt in der Bibel einige sehr prägnante Erzählungen mit ihm. Manche kennen die schöne Geschichte von der Jakobsleiter – Jakob träumt von einer hohen Leiter, die Himmel und Erde verbindet und auf der Engel hinauf- und hinabsteigen.Eine andere Szene ist nahezu unglaublich. Als Jakob den Jabbok erreicht hatte, einen linken Nebenfluss des Jordans im heutigen Jordanien, führte er seine Familie und alles, was er hatte, hinüber und blieb allein zurück. In der Nacht griff ihn ein Mann an und rang mit ihm bis zum Morgengrauen, konnte ihn aber nicht überwältigen. Jedoch gab er Jakob einen Schlag auf die Hüfte, so dass dieser hinkte. Als es dämmerte, wollte der Fremde gehen. Doch Jakob ließ ihn nicht und verlangte, dass er von ihm vorher gesegnet wurde, was der Fremde auch tat und um Jakobs Namen bat. Dann sagte er: "Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel - Gottesstreiter. Denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und bestanden." (Genesis 32,25-30)Dies ist das letzte Mal im Alten Testament, dass ein Mensch körperlichen Kontakt mit Gott hatte; weder Moses noch David erfuhren diese Ehre. Keiner von beiden, weder Jakob noch der Fremde kann gewinnen, aber im intensiven Kampfgeschehen, so zumindest in meiner Vorstellung, lässt sich zwischen wütendem Kampf und inniger Umarmung nicht mehr unterscheiden.Das ist eine der beeindruckendsten Szenen aus der Geschichte des Erzvaters Jakob, an den wir mit der Kirche heute denken. Wer kann schon sagen, dass er mit Gott und den Menschen gekämpft und bestanden hat. Aber was hält uns davon ab, es ebenso zu tun – mit Gott und den Menschen kämpfen um die Sache Gottes, um die wir oft zu wissen scheinen, die wir aber immer neu erkämpfen müssen.
    3 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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