Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Auf der gemeinsamen Suche nach Gott
    Auf der gemeinsamen Suche nach Gott
    Ich bin seit zwei Tagen in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach zu einem Kurs. Novizinnen und Novizen, also quasi die Klosterazubis mit ihren NoviziatsbegleiterInnen treffen sich mehrmals im Jahr, um zu Themen des Ordenslebens ins Gespräch zu kommen. Da geht es um die Grundzüge mit den drei Gelübden der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams, um Gemeinschaftsleben und Individualität, um Formen des Kirche-Seins heute und vieles mehr. Da in vielen Klöstern und Gemeinschaften oft einzelne junge Schwestern oder Brüder sind, ist es schwierig, zu vielfältigen Meinungen und Debatten zu kommen. Deshalb sind solche Treffen in großen Gruppen so wichtig.
    Diesmal ist das Thema "Ordensleben heute" und das ist eigentlich das beständige Thema über die Jahrhunderte des Ordenslebens. Wie kann das gehen in der jeweiligen Gesellschaft, in der Art, wie Kirche derzeit lebt, wie die einzelnen Glaubenden ihren Auftrag verstehen? Die einzelnen Klöster und Gemeinschaften leben nach den Ordensregeln ihrer Gründer und Gründerinnen. Aber die Art und Weise, wie das gelebt werden kann, muss immer neu angeschaut und angepasst werden. Und da sind die jungen Leute in den Klöstern oft die treibenden Kräfte, die alles ausprobieren, vieles hinterfragen und manches für absolut nicht mehr lebbar erkennen. Und dann wird es spannend: Gehen die langjährigen Ordensmitglieder damit um, lassen sie sich auf Gespräche und Austausch ein, können sie damit leben, dass Neues ausprobiert und erprobt werden kann? Ganz häufig ist das tatsächlich so und manchmal reichen ein oder zwei engagierte junge Leute, um Dinge in Bewegung zu bringen, die allen helfen, neu über ihren Weg im Orden nach zu denken.
    Klöster und Orden waren damit immer schon Vorreiter und Avantgarde der Kirche auf der gemeinsamen Suche nach Gott und einer Spiritualität des Lebens, die nicht in Strukturen und erarbeiteten Papieren, sondern in lebendigen Glauben und gelebtes Evangelium investiert. Ich bin gespannt, welche Themen wir aus unserem Kurs mit nach Hause nehmen, welche Anregungen uns munter machen für die nächste Zeit.
    3 min
  • Was ist Ihr Hoffnungswort?
    Was ist Ihr Hoffnungswort?
    Am Freitag war eine große Geburtstagsehrung in Berlin. Eine kleine zierliche Frau mit einem strahlenden Lächeln bekommt Glückwünsche zu ihrem 102. Geburtstag, den sie am Sonntag feiert.
    Margot Friedländer ist eine der besonderen starken Frauen, die es in unserem Land so viele gibt. Nachdem ihre Mutter und ihr jüngerer Bruder verhaftet und ins KZ gebracht worden sind, versteckt sie sich zwei Jahre lang und wird dann doch noch 1944 gefasst und ins KZ gebracht.
    Im Kopf behält sie für immer das Wort ihrer Mutter, dass sie ihrer Tochter über eine Bekannte übermitteln ließ: "Versuche Du, Dein Leben zu machen!" Zunächst kann sie damit nichts anfangen und ist eher entsetzt, dass sie sich allein durchschlagen soll. Aber im KZ trifft sie, welch ein Wunder bei diesen Menschenmassen, einen früheren Bekannten. Gemeinsam überleben sie das KZ und das wirre Kriegsende und wandern 1946 in die USA aus, wo sie heiraten und Jahrzehnte zusammenleben.
    Mit 88 Jahren, da ist sie schon lange verwitwet, kehrt sie in ihre Heimatstadt Berlin zurück. Nicht in das Land der Täter, wie sie betont, sondern in das Land derer, die in dritter und vierter Generation nach dem Naziterror hier leben. Und sie geht seit dieser Zeit unermüdlich in Schulen und Jugendtreffs, um jungen Leuten aus dieser Zeit und aus ihrem Leben zu erzählen und um Wachsamkeit gegenüber rechten Tendenzen zu werben.
    Der Berliner Bürgermeister Wegner schreibt zu ihrer Würdigung: "Ihr Lebensweg ist ein eindrucksvolles Zeugnis von Stärke, Resilienz und einer unerschütterlichen Hoffnung, die viele Menschen inspiriert."
    Ihre unerschütterliche Hoffnung ist ihr in einer der schlimmsten Phasen ihres Lebens durch die Botschaft ihrer Mutter zugekommen. Die sie erst ganz schrecklich findet und gar nicht wusste, was sie damit anfangen soll. "Versuche Du, Dein Leben zu machen!"
    Ich glaube, dass viele Menschen so ein Hoffnungswort in sich tragen, dass sie durch einen lieben Menschen, das berührende Letzte Wort eines Sterbenden, oder durch einen Bibelvers, ein Gedicht, einen Song bekommen haben.
    Schauen Sie doch mal, welches Hoffnungswort Ihnen zurzeit zum Leben hilft!
    4 min
  • Sind Sie ein Adventsfan?
    Sind Sie ein Adventsfan?
    Da schaue ich doch mal vergangene Woche ganz früh ins Morgenmagazin hinein und erlebe echt eine Überraschung: mit Begeisterung kündigt die Moderatorin an, dass ja schon bald der Heilige Abend ist und man sich schonmal einstimmen muss, und dass der erste Weihnachtsmarkt in Essen eröffnet worden ist und er auch am längsten dauern wird, nämlich bis zum 30. Dezember.
    Hier dauert Weihnachten länger als 8 Wochen ist eine Hauptschlagzeile und auch, dass er "musikalisch – kinderfreundlich – erlebnisreich" ist.
    Ach ja, und dass Adventsfans in anderen Städten noch ein wenig warten müssen.
    Adventsfan – das hat mir gefallen. Also Menschen, die sich sehr für den Advent begeistern, die seine Ideen supporten, wie man neudeutsch sagt, also unterstützen.
    Ich bin tatsächlich ein Adventsfan. Ich freue mich auf die Zeit der Vorbereitung auf die Feier der Ankunft unseres Herrn, die wir Jahr für Jahr feiern. Ich freue mich auf die, jeden Sonntag ein bisschen hellere Beleuchtung durch die Kerzen am Adventskranz und auf die Texte aus der Bibel, die mich immer mehr hinführen zum großen Geheimnis der Menschwerdung unseres Gottes in Jesus Christus. Ich freue mich auf die ruhigere Zeit des Jahres, in der ich seit Jahren nur wenige Einladungen annehme und immer wieder darauf hinweise, dass nicht der Advent, sondern die Weihnachtszeit die große Zeit des Feierns ist.
     
    Und ich liebe die Musik die zu dieser Zeit gehört, die sehnsuchtsvollen und strengen Lieder und Gesänge und die Roratemessen, die noch mal mehr und anders das Geheimnis verkünden und trotzdem geheimnisvoll bleiben.
    Aber, ganz unter uns: Weihnachtsmärkte sind schon auch schön und den einen oder anderen werden wir auch besuchen. Weil es zusammen Spaß macht, weil das Plaudern mit den Budenbetreibern schön ist, weil man die eine oder andere gute Idee für eine liebe Weihnachtsgabe bekommt, weil kalte Füße und Glühwein, die freudigen Gesichter der Leute und der vielfältige Duft einfach auch zum Winter gehören.
    Alles zu seiner Zeit. Adventsfan sein und Adventsmärkte im Dezember genießen. Vorfreudig.
    3 min
  • Eine große Frau ist gestorben!
    Eine wirklich große Frau, obwohl sie nach Längenmaßen eher klein war, ist am 31.Oktober in Trier gestorben. Schwester Dr. Lea Ackermann.
    In Völklingen geboren wurde sie zunächst Bankkauffrau. Aber weil ihre Sehnsucht nach Freiheit und Weite und Reisen so groß war, ist sie in eine Ordensgemeinschaft eingetreten, die als Missionarinnen in Afrika tätig sind. Sie studierte dann Sprachen, Theologie, Pädagogik und Psychologie und wurde 1977 an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Arbeit "Erziehung und Bildung in Ruanda" in Pädagogik promoviert.
    Als Lehrerin in Ruanda und Kenia hat sie dann erlebt, wie gerade Mädchen und Frauen dort immer öfter zu Sexsklavinnen werden mussten und keine Rechte hatten. Da hat es bei ihr geklickt, wie sie oft betont hat und hat dort für sich ihre Aufgabe und ihre Mission gefunden. 1985 hat sie den Verein SOLWODI gegründet, die sich genau um diese Menschen kümmert und hat gegen unglaublich viele Widerstände, auch in ihrer eigenen Ordensgemeinschaft, ein großes Werk aufgebaut.
    Bei einer Veranstaltung an der Universität Bonn habe ich sie vor Jahren kennengelernt und sie hat mich sehr beeindruckt. Fit und vital und sehr engagiert hat sie aus ihrem Leben erzählt und dann mit noch mehr Energie über die Katastrophe der Ausbeutung von Flüchtlingsfrauen und Frauenhandel auch hier bei uns in Deutschland. Mir persönlich und vielen Menschen, die dabei waren, hat sie die Augen geöffnet für das Leid der Frauen mitten in unserem Land und für die Möglichkeiten die es doch bereits gibt, um ihnen zu helfen.
    Sie hat für ihr Engagement unzählige Preise und Auszeichnungen bekommen und sie hat die ihr dabei gebotene Bühne immer benutzt, um das Thema der Frauenrechte und der Ausbeutung der Prostituierten ins Bewusstsein zu rufen. "Um Gottes Willen, Lea" hat ein Bekannter ausgerufen, dem sie mitgeteilt hatte, dass sie in einen Orden eintreten will. Ja, um Gottes Willen zu erfüllen ist sie Ordensfrau geworden und ER, dieser Gott, hat sie um der Frauen willen, in seinen Dienst genommen und ihr die Sehnsucht nach Freiheit und Weite der Kinder Gottes erfüllt und ihr die Power gegeben, die sie gebraucht hat.
    Um Gottes Willen – setzen Sie doch mal jetzt Ihren Namen dahinter und lassen Sie sich überraschen, was Gottes Wille heute für Sie ist.
    4 min
  • Eine große Frau ist gestorben!
    Eine große Frau ist gestorben!
    Eine wirklich große Frau, obwohl sie nach Längenmaßen eher klein war, ist am 31.Oktober in Trier gestorben. Schwester Dr. Lea Ackermann.
    In Völklingen geboren wurde sie zunächst Bankkauffrau. Aber weil ihre Sehnsucht nach Freiheit und Weite und Reisen so groß war, ist sie in eine Ordensgemeinschaft eingetreten, die als Missionarinnen in Afrika tätig sind. Sie studierte dann Sprachen, Theologie, Pädagogik und Psychologie und wurde 1977 an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Arbeit "Erziehung und Bildung in Ruanda" in Pädagogik promoviert.
    Als Lehrerin in Ruanda und Kenia hat sie dann erlebt, wie gerade Mädchen und Frauen dort immer öfter zu Sexsklavinnen werden mussten und keine Rechte hatten. Da hat es bei ihr geklickt, wie sie oft betont hat und hat dort für sich ihre Aufgabe und ihre Mission gefunden. 1985 hat sie den Verein SOLWODI gegründet, die sich genau um diese Menschen kümmert und hat gegen unglaublich viele Widerstände, auch in ihrer eigenen Ordensgemeinschaft, ein großes Werk aufgebaut.
    Bei einer Veranstaltung an der Universität Bonn habe ich sie vor Jahren kennengelernt und sie hat mich sehr beeindruckt. Fit und vital und sehr engagiert hat sie aus ihrem Leben erzählt und dann mit noch mehr Energie über die Katastrophe der Ausbeutung von Flüchtlingsfrauen und Frauenhandel auch hier bei uns in Deutschland. Mir persönlich und vielen Menschen, die dabei waren, hat sie die Augen geöffnet für das Leid der Frauen mitten in unserem Land und für die Möglichkeiten die es doch bereits gibt, um ihnen zu helfen.
    Sie hat für ihr Engagement unzählige Preise und Auszeichnungen bekommen und sie hat die ihr dabei gebotene Bühne immer benutzt, um das Thema der Frauenrechte und der Ausbeutung der Prostituierten ins Bewusstsein zu rufen. "Um Gottes Willen, Lea" hat ein Bekannter ausgerufen, dem sie mitgeteilt hatte, dass sie in einen Orden eintreten will. Ja, um Gottes Willen zu erfüllen ist sie Ordensfrau geworden und ER, dieser Gott, hat sie um der Frauen willen, in seinen Dienst genommen und ihr die Sehnsucht nach Freiheit und Weite der Kinder Gottes erfüllt und ihr die Power gegeben, die sie gebraucht hat.
    Um Gottes Willen – setzen Sie doch mal jetzt Ihren Namen dahinter und lassen Sie sich überraschen, was Gottes Wille heute für Sie ist.
    4 min
  • Aufgefangen von Gottes Hand
    Aufgefangen von Gottes Hand
    Auf meinem Heimatfriedhof im Eichsfeld habe ich gelegentlich Aufkleber an den Grabsteinen gesehen auf denen gewarnt wurde, dass das „Denkmal“ nicht mehr sicher genug steht und neu befestigt werden muss. Das Wort Denkmal in diesem Zusammenhang finde ich gar nicht so schlecht. Darauf steht ja meist der Name des Verstorbenen und die Geburts - und Sterbedaten.
    Manchmal ist darauf ein Kreuz, oder eine abgeknickte Rose, ein Marienbild oder eine Sonne eingraviert. Und dann bedeutet Denkmal: denk doch mal an mich. Und dafür hat die Kirche einen besonderen, eigenen Tag, den heutigen Tag Allerseelen.
    Wenn wir zum Friedhof gehen, miteinander beten und singen und dann die Gräber gesegnet werden, dann denken wir an unsere Toten. Und mit allen Glaubenden Menschen ahnen wir, dass alle Verstorbenen nicht ins Bodenlose gefallen sind, wenn sie gestorben sind, sondern aufgefangen von Gottes Hand. Die Namen unserer Toten sind also nicht nur eingemeißelt auf dem Grabstein, dem Denkmal, sondern, sie sind geschrieben in die Hand Gottes. „Mein bist Du, ich habe Dich beim Namen gerufen.“ So spricht Gott zu jedem Menschen im Moment des Sterbens.
    Wir leben im Moment in einer Phase, in der der Glaube an ein Leben nach dem Tod nicht mehr selbstverständlich ist. Aber viele Menschen haben eine Sehnsucht nach einem erfüllten, vollen, intensiven Leben hier. Das führt bei vielen zur Sorge etwas zu verpassen, weil ja mit dem Tod, nach ihrer Ansicht alles aus ist.
    Der Glaube an die Auferstehung dagegen schenkt uns eine gewisse Gelassenheit, eine Nüchternheit in der Betrachtung unseres Lebens, wo nicht alles erreicht werden kann und erreicht muss, was es an Möglichkeiten gibt. Unsere Botschaft vom ewigen Leben ist darum auch eine Botschaft für das Leben jetzt. Denk mal daran und besuche die Gräber deiner Lieben im Glauben und in der Hoffnung auf das Leben mit Gott, heute und in den Ewigen Zeiten.
    3 min
  • Heilige waren Menschen wie du und ich
    Heilige waren Menschen wie du und ich
    Heilig sein oder ein heiligmäßiges Leben führen – Das klingt oft alles so weit weg und so unwirklich wie ein unerreichbares Ideal. So als ob Menschen, die wir als heilig bezeichnen, nie irgendwann auch nur irgendeinen Fehler in ihrem Leben gemacht haben dürfen. Und weil niemand von uns fehlerlos ist, wirken Heilige mit den Geschichten, die sich oftmals um sie herum ranken, meist wie Gestalten in weiter Ferne.
    Doch wer sich mal mit der Lebensbeschreibung einzelner Heiliger beschäftigt, wird feststellen, dass da oftmals nicht alles Gold ist, was glänzt. Allein schon im Kreis der zwölf Apostel gab es Maulhelden, die Jesus alles Mögliche versprochen, dann aber völlig versagt haben wie zum Beispiel Petrus, der Jesus gleich dreimal verleugnet hat.
    Mancher Heiliger hatte zuvor ein zügelloses Leben geführt, sich auf Kosten anderer bereichert wie der Zöllner Matthäus. Und schauen wir in die spätere Geschichte, dann entdecken wir Heilige, die ein merkwürdiges Frauenbild hatten, die zum Kreuzzug aufgerufen oder die in manchen anderen Fragen Dinge vertreten haben, über die wir heute mit dem Kopf schütteln.
    Aber alle diese Fehler und Schwächen zeigen uns doch, dass Heilige damals wie heute Menschen wie Du und ich waren und immer noch sind. Und das wiederum rückt sie wieder nah an uns heran. Sie zeigen uns nämlich, dass auch wir zur Heiligkeit berufen sind, wie man so schön sagt.
    Paulus schreibt das an seine Gemeinde in Ephesus: „Gott erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.“ Es ist also kein Führerschein den wir brauchen, um zu beweisen, wie gut wir als Christen funktionieren. Es ist kein Stempel der beweist, welche Stationen wir erfolgreich durchlaufen haben. Es ist kein kirchliches Führungszeugnis das anzeigt, dass wir für bestimmte Jobs etwas taugen.
    Heiligkeit entsteht nicht aus uns selbst heraus. Sie ist ein Geschenk Gottes, das wir nur anzunehmen brauchen. Und da doch fast alle gerne Geschenke bekommen, brauchen wir sie nur anzunehmen. Heute ist eine gute Gelegenheit dazu.
    3 min
  • Ein Gebet für ein Lächeln an diesem Tag
    Ein Gebet für ein Lächeln an diesem Tag
    Im 150. Jubiläumsjahr unserer Ordensgemeinschaft (2013), haben wir alle deutschen Schwestern nach ihren Lieblingsgebeten gefragt. Wir haben sie gesammelt und daraus ein Heft gemacht, das jeder Konvent bekommen hat.
    Und es gibt Gebete, die sind so schön, und passen so gut zur jeweiligen Schwester, dass wir immer neu unsere Freude daran haben. Gestern war ein Gebet dran, dass schon über 500 Jahre alt ist. Es stammt von Teresa von Avila und hat so viel Witz und Charme, dass wir immer wieder vergnügt zuhören. Ich will es Ihnen heute früh in den Tag mitgeben und vielleicht hilft es Ihnen, für ein kleines Lächeln in den Tag. Teresa betet also:
    „Oh Herr, Du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde. Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
    Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch), hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein.  Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben. Aber Du verstehst - oh Herr - dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.
    Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zum Wesentlichen zu gelangen.  Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu - und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.
    Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen. Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
    Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte kein Heiliger sein, mit ihnen lebt es sich so schwer, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.
    Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken und verleihe mir, oh Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. Amen. "
    3 min
  • Miteinander die dunklen Tage durchstehen
    Miteinander die dunklen Tage durchstehen
    Ach je, wenn ich übern Tag aus dem Fenster schaue dann ist es nicht mehr so vergnüglich. Es ist grau als Grundfarbe, es regnet schon wieder, die noch vorhandenen Blätter an den Bäumen sind eher grau-braun-schwarz-matschig und man sieht schon, was man beim Rausgehen merken wird: kalt, windig, nass, usselig.
    Die Natur stirbt ab und die Bäume und Sträucher und alles, was uns vom Frühling bis jetzt so begeistert hat, zieht sich zurück und bereitet sich auf den Winter vor. Und dann kommen für uns die Tage des Totengedenkens und der Gänge zum Friedhof. Irgendwie passt es ziemlich gut zu unserer nasskalten, dunklen Herbststimmung und oft sind die leuchtenden Lampen auf den Gräbern die einzigen Lichtblicke.
    Bei unserer Assisifahrt vorletzte Woche waren auch zwei Frauen dabei, deren Ehemänner erst vor kurzem gestorben waren. Und beide haben zwischendurch geäußert, dass dieses Zusammensein mit anderen, ihnen wunderbar über diese Zeit geholfen hat.
    Eine Begebenheit war besonders berührend. Wie an jedem Abend sind wir in einem schönen Raum zusammen gewesen, haben den Tag reflektiert, manchmal noch gesungen und gebetet und natürlich den köstlichen italienischen Wein sehr genossen. Und am anderen Morgen haben mir einige erzählt, dass am vergangenen Abend Sterben, Tod und Trauer, Beerdigung und Hoffnung auf Leben nach dem Tod das Thema waren.
    Und bei vielen Teilnehmenden sind Tränen geflossen, weil sie alle schon an Sterbebetten gesessen, liebe Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet und Trauerphasen bewältigt haben. Miteinander diese dunklen Tage von Herbst, aber auch Sterben, Tod und Trauer zu begehen, nicht auszuweichen oder zu vermeiden, tröstet sehr und hilft, den eigenen Trauerprozess zu leben und das Denken an die lieben Verstorbenen leichter und hoffnungsfroher zu machen.
    3 min
  • Gutes tun
    Gutes tun
    Manche der Kurzlesungen, die in Laudes oder Morgenimpuls vorgelesen werden, sind so wunderbare Handlungsanweisungen, dass man gar nicht mehr viel dazu sagen muss. Die heutige Lesung aus dem Epheserbrief ist so ein Text. Da heißt es: "Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt. Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat."
    Bei einem Bibelgespräch mit unseren alten Schwestern haben wir zu einer ähnlichen Stelle dann versucht, das Ganze möglichst konkret zu machen. Das mit dem "kein böses Wort sagen" ist ja sehr präsent, aber manchmal rutscht einem doch eins heraus. Aber dann ist Vergebung und die Bitte um Vergebung genau richtig. Nur ein gutes Wort sagen, dass dem anderen Nutzen bringt, ist auch nicht so einfach, wie es klingt. Ein Tipp war: einfach mal jemanden für das, was sie oder er Gutes tut, loben. Vieles ist uns im normalen Ablauf so selbstverständlich. Aber das viele Gute, dass getan wird, ist eben nicht selbstverständlich, sondern die Entscheidung eines Menschen für das Gute. Und so ist ein Lob für das gut Getane, auch eine Anerkennung für die gute Entscheidung.
    Den Heiligen Geist Gottes nicht zu beleidigen, was bedeutet das dann? Wenn wir glauben, dass Gott der Schöpfer alles Guten ist und in uns seinen Geist hineingelegt hat, ist es eine Beleidigung dieses guten Geistes, wenn durch uns Ungutes und Negatives geschieht oder wir sogar Böses oder Verleumderisches gutheißen. Es ist also manchmal nicht ganz so leicht wie es klingt und nicht ganz so easy, wie wir manchmal meinen. Es ist gut, am frühen Morgen darüber nachzudenken und Gott zu bitten, dass er uns bei unserem Mühen hilft.
    3 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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