Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Mensch und Mitmensch werden
    Mensch und Mitmensch werden
    Jetzt hat mich der Alltag wieder. Gestern Abend aus Assisi heimgekehrt, heißt es nun: auspacken, Wäsche waschen, Mitbringsel an die Frau oder die Schwester bringen, Fotos sortieren und erzählen, erzählen, erzählen. Es war eine wunderschöne Reise mit 25 gleichgesinnten Frauen, die neugierig waren auf Franziskus und Klara und auf all das Schöne dieser Reise. Und ich habe immer gemerkt, wie sehr sie aufgesogen haben, was ich so erzählt habe und immer auch wieder nachgefragt und Bücher gekauft und so weiter. Und jede hat natürlich auch ihre innere Sammlung schöner Bilder, herzlicher Begebenheiten und zufällig erlebtem Wunderbaren.
    Und jetzt ist, wie nach allen Reisen, die Frage nach der Nachhaltigkeit; nicht unbedingt nach der ökologischen, die mit Busfahren und in einem Quartier bleiben sehr gut ist. Es geht um die Nachhaltigkeit im Christsein. Die Begeisterung für Franziskus, der auf die Bitte Jesu hört, ihm seine Kirche wieder auf zu bauen, ist die eine Seite. Die andere Seite ist immer die Frage an uns selber, was ich, was Sie, was wir machen können, um diesen Auftrag Jesu zu erfüllen. Und die Antwort gilt nicht kollektiv, sondern einzeln und persönlich. "Was geht ab?" fragen Jugendliche und wollen wissen, was dran ist, was gerade läuft, was gerade gemacht oder unternommen werden könnte. Genau das ist die Frage.
    In Greccio haben wir bewundert, dass Franziskus in seiner Krippenspielinszenierung das neugeborene Gotteskind in den Herzen der Menschen wieder erweckt hat. Welche Bedeutung hat dann die kommende Advents- und Weihnachtszeit? Feiern wir wieder unser behaglich, betulich, gut bürgerliches Fest oder lassen wir den menschgewordenen Gottessohn unser Leben durcheinanderbringen? "Machs wie Gott – werde Mensch" ist ein netter Slogan. Aber notwendiger scheint mir, mit der eigenen Menschwerdung immer weiter zu machen und Mensch und Mitmensch zu werden und mich und meine Möglichkeiten zu nutzen.
    Aus deiner unbegreiflichen Liebe bist du als Mensch zu uns gekommen. Niemand willst du allein lassen. Herr, gib uns offene Herzen für dich und für die Menschen: für die, mit denen wir unser Leben teilen, für die, die zu uns kommen, für die, an die uns dein Auftrag weist.
    4 min
  • Der große Friede beginnt im Kleinen
    Der große Friede beginnt im Kleinen
    In diesen Tagen des aktuellen Krieges in Israel und Palästina und im Gedenken an all die anderen Kriege, die zurzeit geführt werden, liegt immer ein wenig Verzweiflung in allen Friedensgebeten, in allen Bemühungen um Frieden. Wir haben bei unserem Aufenthalt in Assisi gleichzeitig mit einer unserer Pfarrkirchen zu Hause ein Friedensgebet gehalten, um uns zu beteiligen und die dringende Bitte um Frieden Gott und den Staatslenkern und den Kriegsparteien ans Herz zu legen.
    In einem Flur im Sacro Convento in Assisi, direkt gegenüber der Sala di Pace, hängt seit kurzem ein sehr eindrückliches graffitiähnliches Gemälde von Mauro Pallotta, das er dem Konvent geschenkt hat. Es zeigt Papst Franziskus, der sehr behände und sehr energisch eine steile Mauer hinaufklettert, um zu Franziskus von Assisi zu kommen, vor dem das Wort "Peace" prangt. Am Fuß der Wand liegt die Aktentasche des Papstes, aus der der Fanschal seines argentinischen Lieblingsfußballvereins heraus lugt. Daneben steht eine Leiter, die er für die ersten Meter wohl benutzt hat. Dieses Bild hat mich berührt und gleichzeitig aufgeheitert. Wenn man weiß, dass der Papst ein alter Herr ist, der bestimmt nicht mehr klettern kann, versteht man das Anliegen des Künstlers.
    Viele von uns denken auch, dass wir wohl kaum etwas an diesen Kriegen ändern können und schon gar nichts an der hohen Mauer des Hasses und der Gewalt. Aber wir können beten und selbst die kleinsten Möglichkeiten sollten wir nutzen, um Frieden in uns selbst, in unseren Familien, in den Nachbarschaften und Gemeinden zu schaffen. Der große Friede beginnt im Kleinen. Und die Bitte um Frieden ist der Schrei der Kinder Israels und Palästinas, der Ukraine, des Jemen und all der vielen, die ganz real heute um ihr Leben bangen müssen.
    Beten wir heute und jeden neuen Tag um Frieden auch mit den Worten von Papst Franziskus: "Mach uns bereit, auf den Notschrei unserer Bürger zu hören, die uns bitten, unsere Waffen in Werkzeuge des Friedens zu verwandeln, unsere Ängste in Vertrauen und unsere Spannungen in Vergebung. Halte in uns die Flamme der Hoffnung am Brennen, damit wir mit geduldiger Ausdauer Entscheidungen für den Dialog und die Versöhnung treffen, damit endlich der Friede siege. Amen."
    4 min
  • Eine Aussteigerin völlig anderer Art
    Eine Aussteigerin völlig anderer Art
    Mit 17 haut sie von zuhause ab, weil sie nicht machterhaltend verheiratet werden will. Sie flüchtet zu Brüdern eines neuen Bettelordens, beansprucht Kirchenasyl und klammert sich am Altar fest, als sie mit Gewalt zurückgeholt werden soll. Sie lebt nur ganz kurz bei gut abgesicherten Benediktinerinnen und dann bei Aussteigerinnen, die als Waldschwestern leben. Dann findet sie ihren Ort und immer mehr junge Frauen folgen ihr. Sogar ihre leiblichen Schwestern und ihre Mutter. Ein Kardinal hat die Idee, einen neuen weltweiten Klausurorden zu gründen und will diese Gemeinschaft als Prototyp. Aber die junge Frau kommt immer mehr in Konflikt mit der Amtskirche, weil die Ideen dazu zu lasch sind. Ein Papst mischt sich ein und schreibt eine Ordensregel für Frauen. Da wird es der Frau zu bunt. Sie schreibt als erste Frau der Kirchengeschichte eine eigene Ordensregel mit demokratischen Elementen, der Betonung der Eigenverantwortung jeder Schwester und dem besonderen Augenmerk auf dem Privileg der Armut, also dem Privileg, ohne Absicherung zu leben.
    Bei einem Besuch legt sie sich lautstark mit dem Papst an und hat nicht vor nachzugeben. Als ein anderer, späterer Papst den Schwestern jeglichen Kontakt mit den Minderbrüdern verbieten will, tritt sie in den Hungerstreik, bis diese weltfremde Verordnung aufgehoben wird. Mit einer Königstochter in Prag tritt sie in einen angeregten Briefwechsel und die beiden Frauen bestärken sich auf ihrer Suche nach dem Weg der Art, wie sie vor Gott und für die Menschen leben wollen. Bei einem drohenden Überfall einer fremdländischen Armee stellt sie sich ihnen betend mit der Monstranz in den Weg. Das Kloster und die Stadt werden vor der Zerstörung bewahrt.
    Sie ist die liebevolle Chefin und macht auch jede Drecksarbeit. Aber sie bleibt stur, streng und energisch, wenn es darum geht die Zukunft ihrer Gemeinschaft zu verwässern oder in seichte Bahnen zu lenken. Zwei Tage vor ihrem Tod gibt der Papst nach und bestätigt ihre Ordensregel mit dem Privileg der Armut. Klara von Assisi, eine Aussteigerin völlig anderer Art. Mit energischen Zielen und liebevollem Dienst an den Mitmenschen, mit Bereitschaft bis in den Tod zu gehen und unkaputtbarem Gottvertrauen, mit jugendlich-fraulicher Frische und innerer und äußerer Schönheit und einem Leben im Dienst vor Gott und in brennender Liebe zu Christus, die auf dem Sterbebett sagt: "Herr sei gelobt, weil Du mich geschaffen hast." Ein Gebet für Sie und mich für heute über den Tag.
    4 min
  • "Kleiner Gott, wir lieben dich"
    "Kleiner Gott, wir lieben dich"
    In zwei Monaten und einem Tag ist der Heilige Abend. Und dann ist Weihnachten und wir feiern das unbegreifliche Geheimnis, dass Gott seinen Sohn sendet, um den Menschen deutlich zu machen, dass sie geliebt und erlöst sind. Und Franz von Assisi möchte das noch mehr deutlich machen und nicht nur das Evangelium vom Fest vorlesen und darüber predigen, sondern er möchte es sehen und spüren und erleben. Also bittet er einen bekannten Mann, ihm in Greccio alles vorzubereiten mit Ochs und Esel und Schafen und den Hirten aus der Umgebung. Und sie singen und beten und hören das wunderbare Evangelium und Franziskus predigt selbst so ergriffen, dass die Leute fast fühlen können, wie das schlafende Kind in der Krippe lebendig wird. Und es ist ein Sinnbild dafür, dass der Glaube an die Gegenwart des neugeborenen Gottessohnes in den Herzen der Menschen wieder erwacht ist.
    Diese Feier war genau vor 800 Jahren, an Weihnachten 1223 in Greccio, der Einsiedelei im Rietital. Und wir machen heute, also nachher gleich, eine Fahrt dorthin. Wir werden hören und schauen, die alten Texte lesen und Gesänge singen, die genau das zum Inhalt haben: "Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein" – Und es geht nicht um rührseliges Feiern und Erinnern. Es geht um das Erkennen, dass dieser Gott nicht der strenge, strafende Richtergott ist, der hoch oben in der Ferne thront, sondern der liebende Vater, der seinen eigenen Sohn sendet, damit wir wieder klar kriegen, dass wir geliebte Kinder dieses Gottes sind. Und dann werden wir ein Lied singen, dass ich gerade erst entdeckt habe. Es hat auf die Melodie "Großer Gott wir loben Dich" einen ganz anderen Text, den Pfarrer Ueli Greminger geschrieben hat:
    Kleiner Gott, wir lieben dich. Kind, uns rührt das Schwache, Zarte.
    Wieder zeigt an Weihnacht sich: Weiches bricht das Starke, Harte.
    Klein fängst du auf Erden an, dass der Mensch dich lieben kann.
     
    Gott zeigt sich als Menschenkind, denn wir fürchten seine Größe.
    Weil wir eingeschüchtert sind, zeigt sich Gott in seiner Blöße.
    Und er zittert und er friert, dass der Mensch die Angst verliert.
     
    Kleiner Gott, dich lieben wir. Klein ist noch dein Reich auf Erden.
    Schwache Menschen dienen dir, und dein Reich wird grösser werden.
    Friede sei in diesem Haus und dring in die Welt hinaus.
    4 min
  • Tragen wir unsere Entscheidungen vor Gott!
    Tragen wir unsere Entscheidungen vor Gott!
    In Assisi sind wir unterwegs und schauen und hören Stationen des Lebens von Franziskus und Klara und ihre Prägungen.
    Bei den Elternhäusern der beiden ergab sich natürlich die Frage, nach der Prägung durch die Eltern und vielerlei Hinsicht. Auf Religion und Kultur, auf Bildung und Herzensbildung. Und die Frage an jede und jeden von uns, was uns von unseren Eltern so mitgegeben worden ist, welche Eigenschaften ich eher vom Vater, welche Prägungen ich von der Mutter habe, wem ich äußerlich und innerlich ähnlich bin, wie das abnabeln und das distanzieren gelungen ist und auch, wie ich Dinge an die eigenen Kinder und Kindeskinder weitergegeben habe.
    Bei Franziskus hat der nach Reichtum und Macht strebende Vater sein restliches Leben nicht geschafft damit umzugehen, dass sein Sohn so aus der Art geschlagen ist und seine Reichtümer verschmäht hat. Und auch Franziskus hat später sehr darunter gelitten, dass er seinem Vater vor aller Augen die Klamotten vor die Füße geworfen hat und verkündet hat: „Von nun an werde ich nicht mehr sagen: Vater Pietro Bernardone, sondern nur noch Unser Vater im Himmel“ Später hat ihm das immer selbst leid getan, aber in dieser Phase des Suchens nach dem je eigenen Weg, war das so radikal notwendig.
    Ich denke viele von Ihnen haben ähnliche Erfahrungen gemacht. In der Phase der Selbstfindung im eigenen Leben oder auch der eigenen Kinder, muss man manchmal radikal sein. Aber es ist nie zu spät, wieder neu zu beginnen und alte Fäden neu zu knüpfen. Franziskus hatte eine sehr schöne Version gefunden. Immer wenn er in der Stadt seinen Vater getroffen hat, und der ihn beschimpft und bedroht hat, hat er den nächst besten Bettler gebeten, ihn zu segnen.
    Und bei Klara war es sogar so, dass die Verwandtschaft sie mit Gewalt aus dem Kloster nachhause holen wollte. Und erst als sie den Schleier vom Kopf gerissen und ihren kahlrasierten Kopf gezeigt hat, haben sie begriffen, dass es ihr voller Ernst war und man sie von nun an in Ruhe gelassen hat. Aber diese radikale Entscheidung hat bewirkt, später ihre eigene Schwester und sogar ihre Mutter ihr nachgefolgt ist.
    Die Prägungen durch die Eltern ist das eine, die eigenen Entscheidungen dann das andere. Und vielleicht ist heute beim „Vater Unser“ die Gelegenheit, unsere Entscheidungen vor Gott zu tragen und um seinen Segen zu bitten für alles, was heute zu entscheiden ist.
    4 min
  • "Weltanschauung kommt von Welt anschauen!"
    "Weltanschauung kommt von Welt anschauen!"
    Wir sind im Bus in Richtung Italien gefahren, haben eine Zwischenübernachtung eingelegt und sind dann über die Alpen gedüst. Es ist ein Traum. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich etwas verpasse, wenn ich nicht aus dem Fenster schaue um alles zu sehen: die wundervollen Berge, den Nebel am morgen und die Sonne später, die Flüsse und Bäche und die tobenden Wolken.
    Und dabei fiel mir interessanter weise ein, dass ein Slogan der friedlichen Proteste in der DDR hieß: "Weltanschauung kommt von Welt anschauen!" Das kann nur verstehen, wer im abgeschotteten Land leben musste und nur, wenn man genug Geld hatte, in die Länder östlich der DDR fahren konnte, aber immer eingetrichtert bekommen hat, dass die sozialistische Weltanschauung die Beste ist. Das fand ich als reisehungrige Jugendliche irgendwie ein Hohn, weil man sich ja nichts anschauen konnte.
    Und jetzt, jetzt können wir reisen, aber schauen wir uns die Welt und die Menschen an oder bleiben wir in einer abgeschotteten Touristenblase ohne Kontakt zur realen Welt unseres Reiselandes? Manche aus meiner Verwandtschaft bleiben mit Vergnügen in ihren perfekten Urlaubsressorts und verlassen es nur für geführte Bustouren. Meine Pilgergruppe ist da anders. Und ich freue mich darüber. Wir schauen jeden Tag ein oder zwei bedeutsame Stätten von Franziskus und Klara an und sie hören und erfahren die Geschichten dazu und sie sind den Rest des Tages damit beschäftigt, die Stadt zu erleben, zu durchstreifen, sich ruhige Plätze zum Verweilen zu suchen, Tagebuch zu führen und sich am Abend darüber auszutauschen, was sie Neues für sich selbst entdeckt haben.
    Und sowas geht ja nicht nur auf Reisen. Auch Sie zuhause können heute mal aufmerksam schauen, ob Sie anderes sehen oder hören oder erfahren als an normalen Tagen, ob sie eine Zeit der Stille im Trubel Ihres Alltags finden, in dem sie ihren Herzschlag zur Ruhe bringen und Ihre Gedanken in andere Richtungen bewegen können. Und vielleicht finden Sie am Abend jemanden, mit dem Sie die neu gemachten Erfahrungen austauschen können: die Menschen mit denen Sie leben, Kollegen oder Nachbarn, Zufallsbekanntschaften oder Gott, der immer da ist und zuhört, wenn Sie mit ihm plaudern möchten.
    3 min
  • Der Evangelist mit dem sozialen Schwerpunkt
    Der Evangelist mit dem sozialen Schwerpunkt
    Heute feiert die Kirche, feiern wir das Fest des heiligen Lukas. Er gilt als Verfasser des gleichnamigen Evangeliums und der Apostelgeschichte, auch wenn das nach der neuesten theologischen Forschung wahrscheinlich gar nicht stimmt. Aber das kennen wir ja von vielen anderen Zuschreibungen auch. Und ändern wird das vermutlich nicht viel daran, dass weiterhin diese beiden wundervollen Bücher im Neuen Testament dem heutigen Tagesheiligen zugeschrieben werden.
    Was mich an den Lukas-Texten so fasziniert, ist ihre soziale Ausrichtung. Das Lukas-Evangelium ist das einzige der vier kanonischen Evangelien, das die Kindheitsgeschichte Jesu beinhaltet. Was wäre der Heilige Abend ohne diese herzzerreißende Erzählung von Maria und Josef, die in einem Stall übernachten müssen, weil in der Herberge kein Platz ist? Jesus kommt mitten in unserer kalten Realität, in unserem Chaos zur Welt. Um wem wendet sich Jesus als Erwachsener im Lukasevangelium zu? Es sind gerade hier die Armen, die Verachteten und die Verlassenen, die seine Nähe spüren. Das Gleichnis vom reichen Prasser, der in Saus und Braus lebt, während an seiner Türschwelle der arme Lazarus liegt und Hunger leidet, das findet sich nur bei Lukas. Mir gefällt dieser starke soziale Aspekt in diesen Texten, der auch heute von seiner Aktualität nichts verloren hat. Was geht es uns hier in Mitteleuropa gut, während an den Außengrenzen Menschen unter unwürdigen Bedingungen leben müssen.
    Aber Gott lässt die Armen und Ausgegrenzten nicht allein. "Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehn", singt Maria im Magnificat, auch ein Text aus dem Lukasevangelium. Und jeden Morgen im Morgengebet beten wir einen weiteren wundervollen Gesang aus diesem Evangelium, das Benedictus. Da singt Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer: "Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens." – Wie aktuell doch diese knapp 2.000 Jahre alten Texte sind! Aber sind sie nicht auch furchtbar naiv, wenn wir uns die Realität anschauen?
    Ich glaube, dass Lukas realistisch genug war. Sein Evangelium und seine Apostelgeschichte sind zugleich eine Botschaft an uns, nämlich dass es an uns liegt, diese Welt menschlicher und sozial gerechter zu machen. So wird das Reich Gottes dann auch sichtbar.
    4 min
  • Auf nach Assisi!
    Auf nach Assisi!
    Und jetzt gleich sitzen wir im Bus.
    25 Frauen auf dem gemeinsamen Weg nach Assisi. Wir haben drei Jahre Verspätung, Sie wissen schon, wir hatten da eine Pandemie, die eine solche Reise für Jahre unmöglich gemacht hat. Aber wir haben es für dieses Jahr probiert. Zuerst ein Infoabend mit viel mehr Anmeldungen, als wir mitnehmen wollten und dann, ein paar Wochen vorher einen wunderbaren Abend mit italienischem Mit- bring-Buffett.
    Und jetzt ist es soweit. Die Koffer sind gepackt und jeweils ein Rucksack für den Tag und die Übernachtung unterwegs. Und Liederbücher und Gebetshefte, Reiseführer für eine der schönsten Städte, die ich kenne. Und im Herzen ganz viele Geschichten und Gebete von Franziskus und Klara und unbändige Lust, das alles den Frauen zu vermitteln, die schon in den Vortreffen Vorfreude hatten. Wir alle sind gespannt. Ich bin immer wieder überrascht und begeistert, dass zwei Heilige, die schon vor mehr als 800 Jahren gelebt haben, weiterhin eine solche Anziehungskraft auf die Menschen in aller Welt ausübt. Zwei Heilige, die unterschiedlicher nicht sein konnten: er als reicher Sohn eines erfolgreichen europareisenden Tuchhändlers, der alles daransetzt, seinen Sohn reich und berühmt zu machen. Und sie, von Adel aber informiert über alles, was die Helikoptereltern damals von ihren Töchtern lieber fernhalten wollten: Not, Krankheit, Krieg und Tod in der Umgebung.
    Und Franz legt Reichtum und den berühmten Namen wie alte Kleider ab und schnappt sich ein graues Bettelgewand mit Strick, und Klara flüchtet den Reichtum und den behüteten Wohnturm durch die Tür des Todes, lässt sich die Haare abschneiden und findet eine neue Version weiblichen, selbstbestimmten Lebens in dieser Kirche und der sich auflösenden mittelalterlichen Gesellschaft.
    Beide Geschichten sind überaus spannend und nicht ein bisschen fromm und glatt. Eher hart und abenteuerlich mit Hunger und Krankheit, mit Missverstehen und kirchlicher Verfolgung, mit eigenen Verwandten, die sie erst zurückholen wollen und dann selbst ins Kloster gehen. Diese beiden Menschen, auf deren Spuren wir uns ab heute begeben, zeigen immer wieder, dass Gott immer Ideen hat, wie er seine Menschen verlocken kann, sein Evangelium zu leben und seine frohe Gottesbotschaft zu verkünden. Damals wie heute.
    4 min
  • Vertrauen wir auf die Wegweiser Gottes!
    Vertrauen wir auf die Wegweiser Gottes!
    Ich bin mit meinem Auto bisher immer noch überall da hingekommen, wo ich hin wollte oder musste. Also bin ich auch dieser Tage mittags losgefahren zu einem Termin. Unsere kleine Straße ist eine Einbahnstraße und am Ende muss man links abbiegen. Da standen aber zwei Fahrzeuge. Ein Sprinter mit Stahlstufen für eine Baumaßnahme und ein anderes Fahrzeug, regulär geparkt. Kein Durchkommen.
    Der Chef der Firma rät mir, drehen und zurückfahren. Aber das ging nicht, wegen der engen Einbahnstraße. Dann schaute er sich das Ganze an und sagte ganz locker: Da passen sie mit ihrem kleinen Auto durch. Ich bin nicht sehr mutig in solchen Sachen und dachte sofort: Oh ich trau mich nicht. Und, als ob er es gehört hätte ruft er: "Vertrauen Sie mir, ich winke sie durch"
    Also hab ich tief Luft geholt und mich ganz auf seine winkenden Hände verlassen und bin, nach seinen Anweisungen gefahren und bei gefühlt 10 Millimeter auf jeder Seite, tatsächlich da durchgekommen. "Sie fahren 1 A" hat er mir noch zugerufen und ich habe mich gefreut. Aber mir war klar, ohne sein Winken, und ohne mein Vertrauen in seine Fähigkeiten, hätte ich das nie geschafft. Ich bin mir sicher, dass das schon Viele von Ihnen auch so erlebt haben. Menschen die in ihrer Zeit ihren Mitmenschen Wegweiser geworden sind, feiern wir heute auch dafür.
    Hedwig v. Andechs, die Herzogin von Schlesien, hat zu Beginn des 13. Jahrhunderts dafür gesorgt, dass die Menschen in ihrem Land in Kriegen und Katastrophen versorgt und in Glauben und Leben unterrichtet wurden. Fast 600 Jahre vorher hat Gallus, als Mönch und Einsiedler den Glauben im Frankenreich und am Bodensee verkündet und die große Abtei Sankt Gallen steht am Ort seiner Einsiedlerzelle.
    Und Margareta Maria Alacoque, die im siebzehnten Jahrhundert gelebt und entdeckt hat, dass die Liebe zu Jesus Christus ihr alle Möglichkeiten des Lebens eröffnet, wenn sie wirklich an sein liebevolles Herz glaubt und ihm vertraut. Ihre Formen der Herz-Jesu-Verehrung sind uns heute eher fremd und komisch, aber viele ihrer Aussagen sind absolut normal und heutig. Sie sagt einmal: "Beunruhigen Sie sich nicht, sondern haben Sie großes Vertrauen in die barmherzige Güte Jesu"! Da ist es wieder, das Vertrauen in die, die uns helfen, die uns Wege weisen, auf deren winkende Hände wir uns voll und ganz verlassen können.
    4 min
  • Geboren, um den Glanz Gottes zu manifestieren
    Geboren, um den Glanz Gottes zu manifestieren
    Für heute früh habe ich für die Gebetszeit einen Text ausgewählt, der mir so gut gefällt, dass ich ihn auch für Sie hier im Morgengebet nehmen möchte. Er ist von Marianne Williamson aus ihrem Buch "A return to love". Darin heißt es:
    "Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind.
    Unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.
    Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns Angst macht.
    Wir fragen uns: Wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?
    Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?
    Du bist ein Kind Gottes.
    Sich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt.
    Es ist nichts erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen.
    Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun.
    Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren.
    ER ist nicht nur in einigen von uns, ER ist in jedem Einzelnen.
    Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,
    geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
    Wenn wir von unserer Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere." Soweit Marianne Williamson.
    Wow, was für eine Ermutigung: Wir sind als Kinder Gottes geboren worden, damit wir sein Licht in die Welt bringen. Wir brauchen uns für unsere Talente und Fähigkeiten nicht zu entschuldigen, wir haben sie ja von Gott. Unsere Aufgabe ist es, sie einzusetzen für die Menschen in allem, was wir heute zu tun und zu tragen und zu lassen haben.
    "Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun.
    Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren."
    3 min

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