Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Vertrauen wir dem Geist der Kraft und der Liebe!
    Vertrauen wir dem Geist der Kraft und der Liebe!
    "Wie der Herre, so‘s Gescherre" - die Redensart kennen vielleicht noch manche von Ihnen. Damit ist gemeint, dass die Kinder oft so ähnlich werden wie die Eltern. Dass Untergebene ähnlich ticken wie die Chefs, dass das Verhältnis Schüler – Lehrer abfärben kann.
    Dass Paulus einen ziemlichen Verschleiß an Mitarbeitern hatte, kann man gut nachlesen, aber Timotheus und Titus, die sogar als Apostelschüler bezeichnet werden und deren Gedenktag heute ist, scheinen in das Schema zu passen, dass Paulus versucht hat, für alle Gemeinden, in denen er missioniert hat, Menschen zu finden und ein zu setzen, die seine Aufgabe dort weiterführen konnten. Und so sind diese beiden sehr unterschiedlich und haben auch sehr unterschiedliche Aufgaben.
    Aber gemeinsam ist ihnen: nachdem sie Paulus kennengelernt haben, haben sie seine unglaubliche missionarische Kraft erlebt und sind ihm bis in seinen Tod hin treue Begleiter und Mitarbeiter in seinem Dienst geblieben.
    Die Briefe des Paulus haben manchmal kurze Passagen, in denen auch familiäre Hintergründe seiner Schüler auftauchen und in denen Paulus etwas liebevoller, zugewandter und persönlicher wird: in einem Brief an Timotheus schreibt er ihm:
    "Ich denke an deinen aufrichtigen Glauben, der schon in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike lebendig war und der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt.
    Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit."
    Hier wird mir wieder deutlich, wie lang die Überlieferung unseres Glaubens geschieht, und wie einfach es geht, wenn es geschieht: durch Vorfahren, Großeltern, Eltern, Missionare, die eben vorbeikommen, durch Handauflegung und Taufe.
    Aber dass es immer an uns selbst liegt, diese Gnade Gottes wieder anzufachen und nicht verzagt und ängstlich zu sein, sondern dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit zu trauen.
    4 min
  • So etwas darf nie wieder geschehen!
    So etwas darf nie wieder geschehen!
    Ein Chanukka-Leuchter steht auf der Fensterbank und das Foto zeigt, dass am Haus auf der anderen Straßenseite die Hakenkreuzfahnen wehen. Eine entzückend schöne Puppe im Stil ihrer Zeit sitzt in einer Vitrine, das Hörrohr eines Professors liegt fast achtlos da, ein wunderbar emaillierter Kinderkochherd mit Töpfen und Schüsseln lädt zum Spielen ein, die Abendtasche einer jungen Frau wird gleich mit in die Oper genommen.
    16 verschiedene, normale Gegenstände des Alltags sind im Bundestag ausgestellt anlässlich des 70 Jahrestages der Gedenkstätte Yad Vashem. Und an jedem Gegenstand hängt eine Geschichte.
    Eine Geschichte von jüdischen Mitbürgern, die in den Jahren des Nationalsozialismus immer mehr unterdrückt und ausgegrenzt worden sind denen aber, im Gegensatz zu Millionen ihrer Mitbürger, die rechtzeitige Flucht gelungen ist. Und da es in den meisten Fällen keine normale Auswanderung in Friedenszeiten war, sondern unter höchster Geheimhaltung und Not organisierte Flucht, desto mehr beeindrucken mich diese Alltagsdinge, die Menschen unbedingt mitnehmen mussten. Dinge die ihre Identität ausgemacht haben, die vielleicht Erbstücke einer langen Familientradition waren, Geschenke oder einfach die Sachen, die die Menschen um sich haben wollten.
    Bei dieser Ausstellung, die nicht das millionenfache Morden an den Juden durch die Nazis zum Thema haben, sondern 16 gerettete Gegenstände von 16 geretteten Familien, wird unglaublich klar, was millionenfach verloren gegangen ist: die Liebe zu den kleinen Dingen des Alltags, zu den familiären Traditionen, zu dem, was Menschsein ausmacht.
    "Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird." Dieses Zitat von Richard von Weizsäcker in seiner Rede 1985, kann helfen, sich an diesem 27. Januar an all das Schlimme in unserer Vergangenheit zu erinnern, aber auch, mit diesem Erinnern vor Augen zu behalten, dass es immer Arbeit bleibt, dass so etwas nie wieder geschehen darf.
    4 min
  • Heute schon vom Pferd gefallen?
    Heute schon vom Pferd gefallen?
    "Na, wie ist es mit Dir? Wann bist Du eigentlich vom Pferd gefallen?" Das hat mich vor vielen Jahrzehnten ein junger Franziskaner ganz unverblümt gefragt.
    Ich hatte nicht die leiseste Ahnung was er gemeint haben könnte und worauf er hinauswollte. Am Ende des Jugendwochenendes damals kannte ich zumindest ein paar dieser Sprichworte, die wir so kennen: "Wie vom Blitz getroffen", " Vom Pferd gefallen" oder auch "Vom hohen Ross geschubst" und vor allem, das: "Vom Saulus zum Paulus"
    Ein sehr verehrter Bischof damals in Erfurt, Hugo Aufderbeck hat mal gesagt: "Wenn ich damals gelebt hätte, ich wäre auch Paulus gewesen" Also der, der seinen Glauben, sein Jüdischsein, sein Pharisäersein vehement verteidigt und die Christen, die seinem Glauben gefährlich wurden, bis aufs Blut verfolgt hat.
    Ich finde das heutige Fest der Bekehrung des Apostels Paulus ein sehr gefährliches Fest. Wir feiern es fein brav, weil wir Gottes Macht feiern, der damals einen Verfolger zu einem seiner leidenschaftlichsten Nachfolger gemacht hat. Aber ich denke, dass die wenigsten, die das in Gottesdiensten und Gebetszeiten feiern und in Predigten loben, daran denken, dass Gott heute die gleiche Macht hat.
    Er kann uns heute auf die gleiche Weise so vom Pferd unserer kirchlichen Gewissheiten schubsen, dass uns Hören und Sehen vergeht und wir völlig blind sind, für das, was Gott wirklich von uns will.
    Ich bin mir sicher, dass alle aktuellen Probleme unseres Kirche-Seins, vom Macht- und sexuellen Missbrauch durch Kleriker, vom Vertrauensverlust gegenüber Bistumsleitungen, von der als mangelhaft gesehenen Seelsorge derzeit, von der, bis heute geltenden Benachteiligung von uns Frauen in der Kirche, dass in all diesen Dingen, Gott sich seine Kirche erneuern wird.
    Er wird Leute vom hohen Ross schubsen, er wird noch mehr mit Blindheit schlagen und er wird auch viele völlig neu bekehren. Damit sie SEINE Wahrheit verkünden vor aller Welt und die Menschen von der Finsternis des Unglaubens und Aberglaubens zum wahren Licht der Welt führen.
    4 min
  • Stimmen meine Worte mit meinen Taten überein?
    Stimmen meine Worte mit meinen Taten überein?
    Einen besonders gütigen und liebenswerten Heiligen feiern wir mit der Kirche heute.
    Franz von Sales hat von 1567 bis 1622 gelebt, war das älteste von zehn Kindern und sollte nach dem Willen des Vaters in den diplomatischen Dienst gehen. Er hat dann zwar Philosophie und Jura studiert, aber aus persönlichem Interesse auch Theologie.
    Nach seiner Anstellung als Rechtsanwalt und eigentlich mit der Aussicht auf eine glänzende Karriere als Senator, ließ er sich aber zum Priester weihen und wurde einer der besten Prediger seiner Zeit und damit beauftragt, die Bevölkerung rings um den Genfer See wieder zum katholischen Glauben zurück zu bringen.
    Weil die Machthaber den Einwohnern aber verboten haben, seine Predigten zu besuchen, nutzte er intensiv die damals komplett neuen Medien: in einer klaren und einfachen Sprache druckte er die damals hochmodernen Flugblätter und heftet sie an Häuser, Zäune und Bäume. Und er brachte seine Botschaft in der Landessprache, was damals absolut unüblich und sensationell war.
    Franz von Sales war glaubwürdig in einer Sprache, die Gehör und Glauben fand. Franz war ein begnadeter Prediger und ein vorbildlicher Seelsorger, dem es um die persönliche Vertiefung des Glaubens jedes Einzelnen ging. Er leitete als Bischof sein Bistum mit Visitationsbesuchen, Predigt und Katechese.
    Seine Liebenswürdigkeit und die Übereinstimmung von Worten und Taten in seiner Lebensführung brachten ihm das Vertrauen der Menschen.
    Dieser Wesenszug seiner Persönlichkeit gefällt mir besonders gut: die Übereinstimmung von Worten und Taten.
    Nehmen wir doch heute mal diesen Satz auf und schauen, wie es denn bei mir selbst damit ist: stimmen meine Worte mit dem überein, was ich tue? Bin ich in dem, was ich tue, glaubwürdig für das, was ich sage?
    3 min
  • Gottes Schöpfung ist wunderbar!
    Gottes Schöpfung ist wunderbar!
    Wir hatten ein wunderbares Wochenende. Aber tatsächlich nur, weil hier ringsum alles dick verschneit ist. Es ist wunderbar weiß und damit hell und es sieht so zauberhaft aus.
    Die Stadt ist viel stiller als sonst, weil viel weniger Autos fahren. Sauerländer sind den Winter gewohnt, aber sie müssen nicht fahren, wenn es anders geht. Also habe auch ich manchmal einfach nur am Schreibtisch oder im Wohnzimmer gesessen und nach draußen gestaunt. Vorm Fenster die Bäume haben tatsächlich auf jedem noch so kleinen Ästchen und Zweiglein Schnee liegen der wegen der Kälte auch festgefroren ist.
    An den Futterstationen, die wir im Garten für die Vögel platziert haben, balgen sich die Meisen und Amseln und Drosseln um die fettesten Körner. Ab und zu kommt ein Schwarm dicker Dohlen und vertreibt die kleinen Vögel und wenn die wieder weg sind, kommen die Kleinen wieder.
    Wann nimmt man sich eigentlich mal die Zeit, außer vielleicht im Urlaub, einfach nur da zu sein, zu schauen und zu staunen? Und dabei tut das so gut. In vielen biblischen Texten kommt tatsächlich der Schnee vor.
    Am besten gefällt mir der Vers 8 aus dem Psalm 148. Der ganze Psalm ist ein großer Lobpreis auf den Schöpfer, den Herrn des Kosmos. Und in diesem Vers 8 heißt es: "Feuer und Hagel, Schnee und Nebel, Du Sturmwind der sein Wort vollzieht" Der Beter des Psalms ist sich also sicher, dass in allem, was ihm im Kosmos, in den Naturgewalten und in den Jahreszeiten begegnet, Gottes Wort vollzogen und deutlich wird.
    In Gottes Schöpfung wird uns seine Größe und Herrlichkeit wunderbar offenbart und lockt uns heraus zum Staunen und Loben und Danken.
    Und falls bei Ihnen statt wunderbar weißem Schnee nur Regen, Kälte und Nässe herrschen, finden Sie vielleicht in einer Pfütze das Spiegelbild des Himmels und locken ihren Blick nach oben, zum Schöpfer allen Seins mit Dank und Lob.
    3 min
  • Die Kirche und den Glauben schützen
    Die Kirche und den Glauben schützen
    Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des Heiligen Sebastian. Er war Soldat in Mailand und wurde zum Offizier in der Leibgarde von Kaiser Diocletian und Maximian. Da er sich als Hauptmann der Prätorianergarde aber am Hof zu seinem Christsein bekannt und gestanden hatte, notleidenden Christen geholfen zu haben, wurde er zum Tod verurteilt und von Bogenschützen erschossen. In der Meinung er sei tot, wurde er liegengelassen. Aber er war nicht tot, sondern schwer verletzt und wurde gesund gepflegt. Wieder genesen, ging er umgehend wieder zum Kaiser und bekannte sich zu Jesus Christus. Und wieder wurde er verurteilt und um 288 getötet.
    Ich würde heute nicht so ausgiebig von ihm erzählen, wenn er nicht auch unter anderem der Patron der Schützenbruderschaften ist und es hier in Olpe ein sehr ausgiebiges Brauchtum dazu gibt. Am Vorabend gibt es seit einigen Jahren wieder das Beiern, das heißt, die Glocken werden so angeschlagen, dass Musikstücke und Lieder erklingen. Es gibt dann heute Abend ein Festhochamt in rappelvoller Kirche mit Musik mit dem Musikzug der Feuerwehr.
    Am Anfang war mir das so fremd, dass ich nicht so genau wusste ob ich lachen oder ernsthaft bei der Sache sein sollte. Aber wenn mir dann Schützen erklärt haben, dass die Schützen gegründet worden sind, um zu schützen: die Stadt, die Kirche den Glauben, war ich dann doch ein bisschen versöhnt. Und wenn wir zurzeit wissen und darüber erschrocken sind, dass die Christen weltweit die am meisten verfolgte Religionsangehörigen sind, tun wir gut daran, die Kirche und den Glauben zu schützen, für ihn einzutreten und sich auch im normalen Alltag zum Glauben zu bekennen.
    Wenn das vielleicht in der Predigt heute Abend Thema sein wird und die vielen hundert Schützen, die zum Gottesdienst kommen, nicht nur heute Abend daran denken, dass ihr Patron für seinen Glauben umgebracht worden ist, dann ist das ganze drumherum ja auch nicht so verkehrt.
    3 min
  • Wem gilt eigentlich meine ganze Aufmerksamkeit?
    Wem gilt eigentlich meine ganze Aufmerksamkeit?
    Wenn ich dienstags ins Mutter-Kind-Haus gegangen bin, gab es oft sehr angeregte Gespräche mit den jungen Frauen. Ich bin ja dort, zum einen als Ordensfrau im Habit und zum anderen wegen meines Alters, mindestens dreimal so alt wie die jungen Mamas hier, immer irgendwie Exotin. Und das macht sie neugierig und ganz oft hören sie in vielen Dingen tatsächlich auf mich.
    Dann ging es mal wieder ums Smartphone. Eine Mama hat immer das Smartphone dabei und daddelt und telefoniert und schreibt und sucht – egal ob sie ihr Kind auf dem Arm hat, oder ihm das Fläschchen gibt. Und eine andere junge Frau, mit der ich darüber schon vor Monaten gesprochen mal hatte, hat nun quasi meine Worte benutzt, um ihrer Kollegin zu sagen, dass es nicht so toll ist, das Telefon zu nutzen, während das Baby dabei ist: Dann denkt doch Dein Kind, das dieses komische schwarze Ding das wichtigste in Deinem Leben ist und wird, sobald es kann versuchen, dieses schwarze Ding zu bekommen und zu beherrschen. Ganz erschrocken hat die junge Frau das Handy weggesteckt und ganz ungläubig gefragt, ob das wirklich so ist.
    Da ist mir noch mal klar geworden, dass wir selbst in unserem Alltag immer mal schauen müssten: Wem gilt eigentlich meine ganze Aufmerksamkeit, wer oder was fesselt mich, wofür habe ich immer Zeit, was schaue ich immer wieder an?
    Von der Heiligen Klara von Assisi gibt es ein schönes Wort. Sie hat einmal gesagt: "Im Anschauen Deines Bildes o Herr, werde ich verwandelt in Dein Bild."
    In unser heutiges Verständnis übersetzt könnte das heißen: Wenn ich jeden Tag eine Zeit damit verbringe auf Jesus zu schauen, ein Bild oder ein Kreuz zu betrachten, seine Worte zu lesen, sie in ein paar Minuten Stille mal zu bedenken, dann werde ich nach und nach von ihm geprägt: von seiner Liebe und Güte, von seinem Engagement für die Armen, von seinem Eifer für das Reich Gottes. Und ich werde IHM ähnlicher, dem ich meine Aufmerksamkeit gebe.
    3 min
  • Gott will uns nahe sein
    Gott will uns nahe sein
    Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich sitze einfach nicht gern vorne. Ich bin einfach immer lieber mittendrin. Ein paar Leute vor mir, einige hinter mir, rechts und links auch welche. Egal ob in Konferenzen, Gottesdiensten, im Theater oder im Stadion.
    Aber zurzeit sitze ich immer in der ersten Reihe, in unserer Pfarrkirche und auch in der Mutterhauskirche zur Eucharistiefeier. Am Sonntag hat mich das sehr erheitert. Da saß eine sehr alte Dame in der ersten Reihe im Seitenschiff, ihre Unterarmstützen unter die Bank gelegt, daneben eine Frau mittleren Alters, ebenso mit Gehhilfen und dann ich, wegen meines gebrochenen Fußes ebenso auf Stützen angewiesen. Wir haben uns amüsiert angelächelt und auf unsere Malässen hingewiesen. Zum einen hat man in der ersten Reihe einfach mehr Platz für die Stöcke, aber eigentlich geht es um etwas anderes. Zur Kommunionausteilung muss man nicht erst alles sortieren um mühsam nach vorn zu kommen. Sondern die Kommunionhelfer*innen kommen an die Bank und reichen ganz einfach die Kommunion, denen die da sitzen.
    Ich finde, dass es, obwohl es ein so kleines Zeichen ist, sehr deutlich macht, warum Gott seinen Sohn zu uns auf die Erde geschickt hat: um den Mühseligen und Beladenen, den Kranken und Gebrechlichen, denen, die sich kaum selbst helfen können, besonders nahe zu sein. Kommunikation und Kommunion sind zwei Seiten dieses Geschehens: ich kann meine Verletzlichkeit und Schwäche zeigen und zugeben und Gott kommt, um mich zu trösten, mir Kraft zu geben und bei mir zu sein.
    Aber er zeigt es auch auf einer zweiten Seite. Neben jeder von uns, die auf Hilfe angewiesen war, saß auch ein Helfer, eine Helferin. Eine Mitschwester bei mir, der Sohn bei der alten Dame und der Ehemann bei der etwas jüngeren Frau. Gott kommt uns nahe um bei uns zu sein: in den Sakramenten seiner Liebe und in den Mitmenschen, die er uns zur Seite gibt, damit wir gut leben können.
    3 min
  • Mit seinem Glauben Ernst machen
    Mit seinem Glauben Ernst machen
    Es gab einen unglaublichen Trend im Ägypten des dritten und vierten Jahrhunderts. Junge und auch gestandene Männer gingen in die Wüste. Nein, nicht um an der Rallye Paris-Dakar teilzunehmen oder um Selbsterfahrungskurse für Männer zu belegen. Sie konnten, wenn sie in die Wüste flüchteten, Steuern sparen und der Einberufung zum Militärdienst beim jeweiligen Kaiser entgehen. Also zogen Scharen von Menschen in die ägyptischen Wüsten und versuchten dann tatsächlich auch irgendwie asketisch und fromm zu leben, um zu zeigen, dass es nicht um Flucht vor, sondern Hingabe an ging. Und viele hatten von einem Mann gehört, der das schon viele Jahre getan hatte. Antonius, der Vater des Mönchtums.
    Der hatte zunächst ein reiches Erbe gemacht und sich dann nach dem Tod der Eltern um die Verwaltung der Güter und die Erziehung seiner Schwester gekümmert. Aber dann hat er Ausschnitte aus dem Matthäusevangelium gehört, wo es heißt: "Wenn Du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was Du hast, und gib es den Armen. Und: Sorgt euch nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen." Das hat sein Leben komplett auf den Kopf oder vielleicht eher auf die Füße gestellt. Er hat ernst gemacht, alles verkauft, was er besaß und den Erlös den Armen gegeben, seine Schwester hat er frommen Frauen anvertraut und ist dann in die Wüste gezogen, um vor Gott und für die Menschen zu leben. In seine Einsiedelei besuchten ihn immer mehr Menschen und wollten Heilung oder Linderung, Rat oder Hilfe in schwierigen Lebenssituationen oder wollten bei ihm lernen, wie auch sie als Geistliche und Asketen leben konnten. Sie haben gespürt, dass dieser Mann ernst gemacht hat mir dem, was ihn einmal gepackt hatte: die Anfrage Gottes an ihn und seine radikale Antwort. Und er wurde kein weltfremder Asket und komischer Heiliger, sondern einer, der die Fragen und Themen der Menschen, der Politik und der Länder kannte und eine sehr energisch eigene Meinung dazu hatte.
    In allen christlichen Religionen wird er heute gefeiert und dient immer noch vielen Menschen als Vorbild: nicht als Steuerflüchtlinge oder Militärdienstverweigerer, sondern als ein Mensch, der mit seinem Glauben an Gott ernst macht und ihm allein dienen will.
    4 min
  • Heute schon in der Bibel gelesen?
    Heute schon in der Bibel gelesen?
    Morgens kurz die Nachrichtenlage checken, irgendwann zwischendurch in die Lokalzeitung schauen: ein Wohnungsbrand, Hochwassergefahr, wundervoller Schützenball, Geldautomaten aufgesprengt, Direktor für Grundschule gesucht, Rückblick zum Sportwochenende, zwischendurch die Nachrichtenapp durchforsten um in der aktuellen Weltlage informiert zu sein:
    Ukrainekrieg, Hungersnot im Jemen, auch Biden hatte Geheimdokumente zuhause, Erzbischof Gänswein hat mit seinem Buch Papst Franziskus verärgert, die NINA Warnapp ploppt mit Wetterwarnungen dazwischen, ach ja, alles irgendwie viel und nicht toll.
    Man könnte sich ja abschotten und nichts an sich ranlassen. Aber das ist auch keine Art und Weise mit dem Leben in der Welt umzugehen.
    Beim Propheten Jesaja, aus dessen Buch die heutige Lesung ist, steht aber etwas vollkommen anderes. Da heißt es:
    "Kamen Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort war mir Glück und Herzensfreude; denn dein Name ist über mir ausgerufen, Herr, Gott der Heere."
    Mit DIR ist bei Jesaja, um 730 vor Christus, der Gott Jahwe gemeint. Wir Klosterleute haben es ja einfach: wir beten jeden Tag zusammen die Tagzeiten und jedesmal einen Bibeltext, es gibt die Heilige Messe mit Lesung und dem Evangelium und selbst zur Nacht hin, in der Komplet, hören wir ein Wort Gottes.
    Aber wie geht es Ihnen mit diesem "kamen Worte von Dir so verschlang ich sie, dein Wort war mir Glück und Herzensfreude"?
    Manchmal hilft es schon sehr, kurz mal nachzudenken, welches Wort aus der Bibel mir jetzt grad einfallen wird oder einfach, ganz zufällig mal die Heilige Schrift aufzuschlagen, um dann zu lesen und zu schauen, was da steht. Und vielleicht bleibt das eine Wort, das sich mir ins Hirn und ins Herz setzen kann. 
    Mir hat eine Mitschwester, als freundlichen Gag, einen Aufkleber an die Zimmertür geklebt mit einem QR -Code vom Bibelwerk in Stuttgart. Und jeden Tag, wenn ich daran denke, gehe ich mit dem Scanner meines Smartphones darüber und mir wird jeden Tag ein kurzer Bibelvers zugesagt. Jeden Tag ein anderer. Heute heißt er: "Ich bin bei Dir alle Tage".
    Das ist eine gute Aufforderung an mich über den Tag, immer mal wieder an Gott zu denken und sein Wort mir Glück und Herzensfreude sein zu lassen.
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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