Die Menschenrechtslage im Gastgeberland China bringt viele Athletinnen und Athleten in ein Dilemma.
Denn die Situation in China ist vielen von ihnen keineswegs egal - so äussert sich zum Beispiel der Schweizer Snowboard-Profi und Olympiasieger Nevin Gasparini im SRF-Club. Aber ein Verzicht brächte nicht nur finanzielle Einbussen, sondern auch den Wegfall einer vielleicht einmaligen Karrierechance.
In dieser Folge fragen wir im Podcast Newsplus deshalb: Sind Athletinnen und Athleten diejenigen, die gefragt sind - oder eher die Staaten? Bringt es etwas, dass zumindest einige Regierungen wie die der USA keine politische Delegation an die Spiele in China schicken und andere unter einem Vorwand fernbleiben?
Der deutsche Journalist Ronny Blaschke befasst sich mit der Verquickung von Sport und Politik und sagt: Selbst die ganz grossen Olympiaboykotte aus den achtziger Jahren hätten nur wenig Wirkung gezeigt. Damals boykottierten sich die Sowjetunion und die USA sowie die Verbündeten gegenseitig, bei den Spielen in Moskau und Los Angeles. Das war mitten im Kalten Krieg.
Auch wenn die Wirkung solcher Boykotte also begrenzt ist, sagt Blaschke: Ein bewusster Umgang mit der Problematik sei hilfreich. Staaten setzten immerhin diplomatische Zeichen, und Sportlerinnen und Sportler könnten einen Mittelweg suchen: Sich mit offizieller Kritik zurückhalten, aber sich zum Beispiel auch nicht mit Funktionärinnen und Funktionären des Regimes ablichten lassen oder diese Bilder zumindest nicht noch selber teilen.
Dasselbe gelte auch für das Publikum: Die Wettkämpfe zu geniessen, sei völlig in Ordnung - es müsse vielleicht aber nicht jeder Fanartikel gekauft werden.