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Robin, Tim und Mara haben sich mal wieder zusammengefunden, um über drei neue Bücher zu sprechen. Nachdem die drei bereits die letzte Folge bestritten haben, kommen sie ohne große Umschweife zum Vorgeplänkel.
Mara macht den Anfang mit etwas besonderem, denn sie stellt den neuesten Fall der drei ??? vor – “Die drei ??? und der dunkle Taipan”. Der Roman ist Teil der aktuell laufenden Live-Tour, die sich Mara angesehen hat. Es dreht sich um ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten der drei Detektive, die Justus, Peter und Bob darum bittet, auf ihren Hund aufzupassen. Doch natürlich kommt es nicht so wie erwartet, und es entwickelt sich ein mysteriöser und spannender neuer Fall. Mara war begeistert von der Performance und empfiehlt jedem, der die Gelegenheit hat, sich das Spektakel live anzusehen!
Anlässlich seines kürzlich erschienenen dritten Soloalbums “Junkies und Scientologen” macht Tim weiter mit dem Debütroman von Musiker Thees Uhlmann, “Sophia, der Tod und Ich”. Der namenlose Erzähler lebt zurückgezogen und alleine, bis es eines Tages bei ihm klingelt und der Tod vor seiner Tür steht. Er muss also sterben, und hat noch nicht mal Zeit, sich zu verabschieden. Allerdings klingelt, sehr zur Verwunderung des Todes erneut, und seine Exfreundin Sophia kommt ins Spiel. Zu dritt unternehmen sie einen Roadtrip in dem Wissen, dass der Erzähler nichts desto trotz bald sterben wird. Eine lustige, zynische, aufrichtige und tragische Geschichte, die darauf hoffen lässt, dass Uhlmann noch viel mehr Bücher schreiben wird.
Robin macht den Abschluss mit einem Frühwerk eines der wohl wichtigsten Autoren der Moderne: “Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache” von David Foster Wallace. In der Novelle geht es um metaphorische Beschreibung von Psychosen und folgenden Depressionen, die den Erzähler plagen. Dabei wird in einer eindrücklichen Sprache viel aufgeschlüsselt und auch für Außenstehende nachvollziehbar, als auch visuell präsent projiziert. Vor allem durch das Vorlesen von Lars Eidinger im Hörbuch entfaltet das Ganze eine besondere Wirkung, weshalb Robin das Werk auch uneingeschränkt empfiehlt – gerade wegen nicht einmal einer Stunde Lauflänge.
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Titel: Die drei ??? und der dunkle Taipan
Titel: Sophia, der Tod und ich
Titel: Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache
Der Beitrag Folge 81: Lauschangriff erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Nach längerer Zeit haben sich Robin, Mara und Tim mal wieder zusammengefunden, um über drei neue Bücher zu sprechen!
Das erste Buch dieser Folge stellt Tim vor, anlässlich des bald erscheinenden Films zu “Doctor Sleep” von Stephen King. Es handelt sich hierbei um eine Fortsetzung des Klassikers “Shining” und baut somit hohe Erwartungen auf. Nach den Ereignissen in “Shining” dreht sich die Handlung um Danny Torrence, der bereits während der Highschool angefangen hat, viel Alkohol zu trinken. Er kann keinen Job behalten und streift nach dem Tod seiner Mutter durch’s Land, bis er beginnt, sein Leben zu ordnen. Er tritt den Anonymen Alkoholikern bei, hat einen Job als Krankenpfleger, bei dem sein Shining positiv zur Anwendung kommt. Parallel dazu geht es um den “Wahren Knoten”, eine Art Gruppe von Shining-Vampiren. Das Buch schafft es nicht zu enttäuschen und eine eigenständige Geschichte zu erzählen, die sich nicht hinter dem Vorgänger verstecken braucht.
Robin stellt das Buch eines Kollegen vor, “Stichling” von Florian Schwarz – den meisten wahrscheinlich besser bekannt als Buchfink auf Instagram, der damit sein Debüt abliefert. Das Buch handelt von einem jungen Soldaten im ersten Weltkrieg, dessen Vorgeschichte, Grundausbildung und schließlich dem Einsatz im Schlachtfeld. Dabei schafft es Schwarz, in starken Bildern alle Sinne zu bespielen und so den Schrecken des Krieges näher zu bringen. Es gibt harte und schonungslose Gewalt, Gerüche und Geräusche werden detailliert beschrieben und erzeugen so ein Gesamtbild, dass einen so schnell nicht loslässt. Eine absolute Empfehlung von Robin!
Bei Mara gibt es eine Premiere, denn sie stellt nicht nur zum ersten Mal eine Biografie vor, sondern hat auch zum ersten Mal eine gelesen: “Wie einmal ein Bagger auf mich fiel” von René Marik. Dabei schildert der Komiker seine Kindheit und Jugend, die er in einer Kaserne verbracht hat. Seine Eltern haben dort die Kantine geleitet und er ist mit seinen Geschwistern auf Armeegelände groß geworden. Dabei beschreibt er mit einer Ehrlichkeit die nicht besonders rosigen familiären Verhältnisse, versammelt Anekdoten und absurde Begebenheiten in einer tragikomischen Form, die das Ganze zu einem runden Buch werden lassen.
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Titel: Doctor Sleep
Titel: Stichling
Titel: Wie einmal ein Bagger auf mich fiel: Eine Provinzjugend
Der Beitrag Folge 80: Düstere Zeiten erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Robin und Meike kurz vor der Hyperventilation: Podcast-Liebling Sibylle Berg hat den Schweizer Buchpreis gewonnen! Und dann veröffentlichen auch noch die ersten Verlage ihr Frühjahrsprogramm! Was muss man demnächst lesen und warum? Erste Begeisterungsstürme angesichts anstehender Veröffentlichungen (Sibylle Berg plaudert mit Nerds! Dave Eggers kommt mit einer Parabel über eine Parade anmarschiert! James Ellroy im Bann des Verbrechens! Thorsten Nagelschmidt uffe Arbeit, empfohlen von Bela B!) im Vorgeplänkel.
Und weil man einfach nicht zu viel Spaß mit zu vielen guten Büchern haben kann, geht’s dann auch gleich weiter mit Ocean Vuongs hochgelobtem Debütroman „Auf Erden sind wir kurz grandios“. In dieser Mischung aus Brief, Roman und Memoir erzählt der Autor, der selbst im Alter von zwei Jahren mit seiner Mutter aus Vietnam in die USA emigriert ist, die Geschichten eines Teenagers mit vietnamesischen Wurzeln, der mit seiner Großmutter und Mutter im ländlichen Amerika lebt. Der Protagonist verliebt sich in Trevor, der von Opioiden abhängig ist. Gleichzeitig erlebt er die Auswirkungen der Traumata, mit denen die Frauen in seiner Familie kämpfen: Die Großmutter musste sich zur Zeit des Vietnam-Krieges prostituieren, die Mutter ist Analphabetin und versucht die Familie mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser zu halten. Ein ambitioniertes Buch, das mit einer Sprache, die lyrischer nicht sein könnte, schonungslos Themen wir Gewalt und Diskriminierung beschreibt.
Auch Nico Walkers Buch beschäftigt sich unter anderem mit der Opioid-Krise, doch aus einer völlig anderen Perspektive: In dreckiger, kruder Sprache – die angesichts des Inhalts aber umso glaubwürdiger wirkt – erzählt Walker von einem instabilen jungen Mann, der in den Militärdienst eintritt, um seinem Leben eine Richtung zu geben. Als er aus dem Irak zurückkehrt, ist er schwer traumatisiert und sein Drogenkonsum wird immer stärker zu einer Form der fehlgeleiteten Selbstmedikation, bis sein Leben vollkommen außer Kontrolle gerät. Autor Nico Walker war selbst als Sanitäter im Irak und sitzt derzeit eine Gefängnisstrafe ab: Um seine Drogenabhängigkeit zu finanzieren, hat er Banken überfallen. Ein faszinierendes, radikal subjektives Buch mit einem komplexen, widersprüchlichen Protagonisten – und ein echter Pageturner.
Und zu guter, nein, zu bester Letzt gibt’s noch the one and only Julian Barnes auf die Ohren! Letzte Woche ist in England sein brandneues Buch „The Man in the Red Coat“ erschienen, und schon –bäm! – gibt’s hier ein paar Infos dazu (na klar haben wir ein Rezensionsexemplar, danke @aaknopf, und na klar haben wirs schon gelesen! ). Hauptthema ist aber Barnes‘ Meisterwerk „Der Lärm der Zeit“, dieses wunderschöne, traurige Buch über ein Künstlerschicksal in der Sowjetunion: Was tut ein Komponist, der angetreten ist, sich in der Musik auszudrücken, um Schönheit und Wahrheit in Noten zu bannen, wenn ihn das Regime vereinnahmen will? Protagonist des Romans ist Dmitri Schostakowitsch, doch was dieser Autor beschreibt, das geht weit über das Leben einer einzelnen Person hinaus. Julian Barnes at his best.
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Titel: Auf Erden sind wir kurz grandios
Titel: Cherry
Titel: Der Lärm der Zeit
Der Beitrag Folge 79: Die Troublemaker erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Nach längerer Abwesenheit ist Tim mal wieder mit dabei, und gemeinsam mit Mara und Robin gibt es wieder drei neue Bücher!
Den Anfang macht Mara mit “Thalamus” von Ursula Poznanski. Das Buch handelt von einem Jungen, der in ein Krankenhaus eingeliefert wird, weil er sich nach einem Motorradunfall nicht mehr wirklich bewegen und artikulieren kann. Nichts desto trotz bekommt er alles um sich herum mit und beobachtet seine Umgebung genau. Sein Bettnachbar, der sich in der gesamten Zeit, in der er da ist, nicht bewegt hat und ein schwerer Pflegefall ist, scheint nachts sein Bett zu verlassen. Er bekommt langsam mit, dass er nicht der einzige ist, der das macht, und dass in der Klinik einige andere merkwürdige Sachen vorfallen. Mara fand das Buch spannend geschrieben, hatte Spaß beim miträtseln und hatte Gefallen an der Unvorhersehbarkeit.
Tim macht weiter mit dem Debütroman von Kat Kaufmann, “Superposition”. Das Buch handelt von Izy Lewin, eine Musikerin in ihren zwanzigern, die sich in ihrem Leben verloren und unzugehörig fühlt. Als sie ein Kind war, sind ihre Eltern von Russland nach Deutschland geflüchtet, und seitdem fühlt sie sich drei Seiten gleichzeitig zugehörig: deutsch, russisch und jüdisch. Das Buch verpackt diese Gefühle vor allem in Wut und Liebe, die rauschartig beschrieben werden. Vor allem stilistisch ist Kaufmanns Debüt herausragend und packend, und einen Blick alle Male wert.
Robin macht den Abschluss mit “Die Farbe von Milch” von Nell Leyshon, das von Wibke Kuhn übersetzt wurde. Das Buch dreht sich um Mary, die auf dem Bauernhof ihrer Eltern bereits von Anfang an schwer arbeiten muss. Von den beiden bekommt sie wenig Zuneigung. Das ändert sich jedoch, als sie anfängt, bei einem Pfarrer zu arbeiten, dessen Frau sie pflegen soll. Dort wird ihr das erste Mal richtig Aufmerksamkeit geschenkt und ernsthaft mit ihr gesprochen, was sie erst skeptisch werden lässt. Das Buch schafft es, durch kurze Dialoge und kleine Gesten viel über die Charaktere zu sagen und ist stilistisch wie inhaltlich sehr zu empfehlen.
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Titel: Thalamus
Titel: Superposition
Titel: Die Farbe von Milch
Der Beitrag Folge 78: Wind of Change erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Muaaaa-hahaha: Eure gar schaurigen Podcast-Kürbisköpfe Robin, Mara und Meike melden sich diesmal aus einem dunklen Schacht in einem Spukhaus in Maine, wo die Regierung grausame KI-Experimente an einem Geist ohne Kopf durchführt (oder so)!
Nachdem die drei zur Beruhigung mit Graf Zahl ein paar Fledermäuse gezählt haben, steigt der Blutdruck dann gleich wieder: Robin stellt Mark Z. Danielewskis „Das Haus“ vor. Der Indie-Grusel-Klassiker nimmt den Leser mit in ein Spukhaus, in dem sich Gänge und Zimmer befinden, die rein physikalisch gar nicht existieren dürften. In einem Mash-up aus pseudo-wissenschaftlicher Abhandlung und Found Footage-Horrorfilm rennt, stolpert und irrt der Leser mit den Protagonisten durch die Tiefe des nicht vorhandenen Raumes, auf der Suche nach Hinweisen im Text und begleitet von dem unguten Gefühl, dass da verdammt noch mal IRGEND ETWAS hinter ihm her ist…was für ein wahnsinnig schlaues und furchterregendes Buch!
Danach geht es ebenso wild und experimentell weiter, es wird aber auch ein bisschen lustiger: In „Frankissstein: Eine Liebesgeschichte“ verbindet Jeanette Winterson die zum großen Teil wahre Entstehungsgeschichte des Grusel-Klassikers „Frankenstein“ von Mary Shelley mit einer Storyline über den größenwahnsinnigen Forscher Dr. Viktor Stein (ha!), der den Tod mit den Mitteln der Künstlichen Intelligenz besiegen will. In diesen halben Dr. Frankenstein verliebt sich Ry (eine halbe „Mary“ Shelley, doppel-ha!) und das Vexierspiel mit klassischen Horror-Motiven nimmt seinen gesellschaftskritischen, aber häufig auch schreiend komischen Lauf. Nehmt Euch in Acht vor der Lord Byron-Parodie Ron Lord, der KI-Sexroboter unters Volk bringen will!
Danach geht es weiter mit der allseits beliebten „Gänsehaut“-Reihe, denn was wäre eine Halloween-Folge ohne eine großzügige Prise Horror-Trash? Hier wird aus harmlosen Scherzen von frechen Bälgern furchterregender Ernst, denn „Der Geist ohne Kopf“ versteht keinen Spaß (wie auch, so ohne Kopf?). Und weil Mara gerade so schön in schauriger Fahrt ist, haut sie noch ein paar weitere herrlich absurde Plots aus der Gänsehaut-Reihe raus – die Podcaster sind begeistert, denn auf solch herrlich abstruse Ideen muss man erst Mal kommen! Darauf drei große Bloody Marys!
Und zu guter Letzt widmet sich Meike noch einem Papierstau-Liebling, nämlich dem amerikanischen Horror-Großmeister Stephen King, der ganz nebenbei auch noch ein hervorragender Gesellschaftsanalytiker ist. In „Das Institut“ geht es um Luke, einen Jungen mit paranormalen Fähigkeiten, der gekidnapped und in das titelgebenden Institut verschleppt wird. Dort werden an Kindern mit besonderen Begabungen grausame Experimente durchgeführt, bis sie, einer nach dem anderen, für immer im Hinterhaus der Einrichtung verschwinden. Luke freundet sich mit einigen seiner Leidensgenossen an und gemeinsam versuchen die Kids herauszufinden, was mit ihnen geschieht und warum. In einem anderen Teil des Landes kommt derweil Ex-Cop Tim den Machenschaften des Instituts auf die Spur…Ein wahrhaft beängstigender King, durchsetzt mit Verweisen auf gesellschaftliche Realitäten.
Also: Werft Euch ein altes Laken über und packt die Gummi-Würmer aus, jetzt gibt’s Halloween auf die Ohren!
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Titel: Das Haus. House of Leaves
Titel: Frankissstein
Titel: Das Gespenst ohne Kopf
Titel: Das Institut
Der Beitrag Halloween Special 2019 erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Der Kafka Franzel hat ja bekanntlich sehr zur Recht gefordert, dass ein Buch die Axt für das gefrorene Meer in uns sein muss, doch Eure drei Podcast-Abenteurer Robin, Mara und Meike packen in dieser Folge erst Mal die Machete aus, um Euch den Weg durch das Bücher-Dickicht zu bahnen – denn wie zum Teufel findet man überhaupt Bücher, die den Kafka’schen Ansprüchen genügen? Genau darum geht’s im Vorgeplänkel: Lese-Listen und –Challenges, wie man sie findet, bewertet, verwaltet und sich durchgräbt, allein oder mit der ganzen Gang. Denn das Leben ist doch viel zu kurz, um einsam, verwirrt und ohne Ziel durch den Bücher-Wald zu irren!
Dann geht’s auch schon los mit dem ersten Buch, das Mara auf Herz und Nieren geprüft hat: „Gelöscht“, der erste Teil einer dystopischen Trilogie von Teri Terry. Darin werden die Erinnerungen von Kriminellen ausgelöscht, um sie anschließend ganz von vorne beginnen zu lassen – ihr Wohlverhalten wird dann durch ein Armband kontrolliert, und wer sich nach Einschätzung der Oberen weiter danebenbenimmt, muss sterben. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Kyla, die, trotz Löschung, von diffusen Erinnerungsfetzen gequält wird: Hat sie wirklich unschuldige Kinder bei einem Bombenanschlag getötet oder nutzt die Überwachungsdiktatur, die Menschen ihre Erinnerungen und ihre Identität raubt, ihre Methoden nicht nur bei Kriminellen, sondern auch bei Dissidenten? Ein bisschen „1984“, ein bisschen „A Clockwork Orange“, ein bisschen „H(A)PPY“: Terry stellt Fragen nach Identität, Kontrolle und der Freiheit, selbst zu entscheiden, wer man sein will. Die Podcast-Gang ist fasziniert.
Als nächstes widmen sich die wackeren Diskutanten „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel, einem Debüt-Roman, der gerade den Aspekte Literaturpreis gewonnen hat und auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Kintsugi ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik und Porzellan, wobei die Brüche mit Urushi-Lack, gemischt mit Gold oder anderen Metallen, gekittet wird – die Brüche werden also nicht versteckt, sondern als Besonderheit hervorgehoben, das Unvollkommene wird als schön gefeiert. Dieses Prinzip wendet Kühmel auf menschliche Beziehungen an, denn auch die sind nicht unbedingt am wertvollsten, wenn sie neu und ohne wechselhafte Geschichte sind. Im Mittelpunkt des Romans stehen Max und Reik, die in der Uckermark ihr 20-jähriges Beziehungsjubiläum feiern und dort von ihrem alten Freund Tonio und dessen Tochter Pega besucht werden. Ein psychologisches Kammerspiel über Liebesbeziehungen, Freundschaften und familiäre Verbindungen – wie kann ein Buch so leise und gleichzeitig so aufregend sein?
Und nach all dem Bücher-Glück berichtet Robin noch von einem Roman, den aus seiner Sicht auch der edelst Urushi-Lack nicht kitten kann: „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink. Darin hat der 15-jährige Protagonist Michael ein Verhältnis mit einer deutlich älteren Frau. Jahre nach dem Ende der Beziehung ist Michael als Jurist bei den Auschwitz-Prozessen dabei, und seine frühere Geliebte stellt sich als ehemalige KZ-Wärterin heraus. Euer geneigter Rezensent fühlte sich von der schwülstigen Sprache an den Rand des Wahnsinns geschwurbelt, und die romantische Darstellung von Kindesmissbrauch durch eine Frau ist eindeutig auch nicht als gute erzählerische Idee zu verbuchen. Der Umgang mit den Tätern des Holocaust in der Bundesrepublik der 60er Jahre ist eindeutig ein wichtiges Thema, aber wie ist ausgerechnet dieses Buch auf die Lehrpläne der Schulen geraten?
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Titel: Gelöscht
Titel: Kintsugi
Titel: Der Vorleser
Der Beitrag Folge 77: Broken Memories erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
In der neuen Episode eures Podcast des Vertrauens haben sich Tim, Meike und Robin mal wieder zu einem gemütlichen Büchertalk zusammengefunden. Doch bevor es ans „Eingemachte“ geht besprechen die Drei den kurz vor der Aufnahme verliehenen Literatur Nobelpreis und den kontroversen Gewinner des diesjährigen Preises: Peter Handke. Es entbrennt eine Hitzige Diskussion über die Verantwortung eines solchen Preises und der Fragen, in wie weit sich das Werk vom Autor trennen lässt. An dieser Stelle möchte das ganze Team noch die Gelegenheit nutzen und Saša Stanišić herzlich zum Gewinn des diesjährigen deutschen Buchpreises gratulieren und jeden aufmerksamen Hörer auf seine tolle und aufschlussreiche Rede hinweisen (Link).
Den Anfang dieser fulminanten Episode macht Tim mit einem Podcast-Favoriten und zwar: Haruki Murakami. Mit „Wilde Schafsjagd“ beendet Murakami seine lose „Trilogie der RATTE“, in dem der namenlose Protagonist von einem ominösen Gangster-Boss beauftragt wird ein bestimmtes Schaf zu finden, von dem er lediglich ein Foto besitzt. So muss unser Held mit vagen Hinweisen und murakami-typischen, illusionistischen Situationen fertig werden. Dabei entspinnt sich eine ruhige und zugleich ergreifende Erzählung, die Tim uneingeschränkt empfehlen kann.
Weiter geht’s mit Meikes actionreichem Werk, denn sie hat sich keinen Geringeren als Cormac McCarthy und seinen Roman „Kein Land für alte Männer“ vergeknöpft. Den meisten von euch wohl gut bekannt durch den Gebrüder-Coen-Film „No Country for old man“ findet sich der Protagonist und Vietnamveteran Llewelyn Moss eines Abends durch Zufall am Schauplatz eines schief gelaufenen Drogendeals wieder – samt haufenweise Kugeln, toten Gangstern und einem Koffer voll Geld. Den letzten Überlebenden übersehend nimmt sich Llewelyn kurzerhand das Geld und flüchtet vom Tatort. Als er ein paar Stunden später auf Grundlage schlechten Gewissens zurückkehrt, um den Ganoven zu helfen wartet bereits eine ganze Clan-Armee auf ihn – und das Geld. Ein fulminantes, rasantes und gewalttätiges Katz- und Mausspiel, das die Grausamkeit der Menschen in blutbespränkelter Manier zu beleuchten weiß. Meike war von diesem Western/Anti-Western schwer beeindruckt und empfiehlt nicht nur dieses, sondern auch direkt alle Werke von McCarthy. Wenn das mal nichts ist!
Robin stellt ein Werk unseres absoluten Podcastlieblings Heinz Strunk vor. In „Nach Notat zu Bett“ vereint sich eine für das „TITANIC“-Magazin verfasste Kolumne öffentlicher Tagebücher, die in 365 einzigartigen Fragmenten das fingierte Leben eines gepeinigten Autors darstellt. Mit dabei: das Hadern mit dem eigenen Talent und des Verkommens von Kreativität zu plumper Arbeit; seltsame und zugleich Liebenswerte Zeitgenossen mit denen sich der Heinz so rumtreibt, sowie eine ordentliche Portion Alkohol. Wie bereits bei anderen Werken spielt Strunk gekonnt mit den Erwartungen des Lesers, betrachtet die Welt durch seine ganz eigene Sicht und zieht damit alle in seinen Bann. Robins Fazit: Heinzer-Profis greifen zu, Strunk-Amateure lesen lieber erst Probe.
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Titel: Wilde Schafsjagd
Titel: Kein Land für alte Männer
Titel: Nach Notat zu Bett
Der Beitrag Folge 76: Stockholm Syndrom erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Passend zur vorletzten Folge hat Robin am Dienstag ein Interview mit der zweifach nominierten Erfolgsautorin Angela Lehner geführt. Die beiden unterhalten sich dabei natürlich hauptsächlich über ihren Debütroman „Vater unser“, der im Februar bei Hanser erschienen ist und nicht nur das Feuilleton schwer beeindrucken konnte, sondern auch direkt auf einem der vordersten Plätze unserer Jahreshighlights gelandet ist.
Viel Spaß mit dem Interview und vielen Dank nochmal an Angela Lehner für das wundervolle Gespräch.
Der Beitrag Interview: Angela Lehner erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Robin, Tim und Meike haben sich mal wieder zusammengesetzt, um über drei neue Bücher zu sprechen! Ein letztes Mal geht es dabei um Kandidaten für den diesjährigen deutschen Buchpreis.
Den Anfang macht Tim mit „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer, welches sogar auf der Shortlist des Buchpreises steht. Die Protagonistin ist eine theoretische Physikerin, deren Eltern zu Beginn durch einen Autounfall sterben. Sie versucht, deren Heimatort Groß-Einland ausfindig zu machen, um sie dort zu begraben, was sich allerdings als schwierig herausstellt. Sie schafft es trotz dessen in die Stadt, in der viele Dinge anders laufen. Das Buch verbindet eine kafkaeske Narrative mit einer von Symbolen und Metaphern durchströmte Handlung, die das Buch zu einem von Tims bisherigen Highlights des Jahres werden lässt.
Meike macht weiter mit einem der wohl ungewöhnlichsten Bücher auf der Shortlist, „Nicht wie ihr“ von Tonio Schachinger. In seinem Debütroman dreht sich das Geschehen um einen Fußballer, der klischeebehafteter nicht sein könnte: er ist stinkreich, hat ein gigantisches Haus und Autos. Als jedoch seine Jugendliebe erneut in sein Leben tritt, ändern sich viele Sachen. Allem voran der Erzählstil mit seinen absurden Metaphern und seltsamen Einblicken in die Gedankenwelt des Protagonisten machen das Buch zu etwas besonderem, selbst wenn man mit der Fußballthematik ansonsten wenig am Hut hat.
Zum Schluss stellt Robin ein Buch vor, dass es nicht auf die Shortlist geschafft hat, dafür aber nicht weniger lesenswert ist: „Mobbing Dick“ von Tom Zürcher. Es geht um Dick, der bei seinen Eltern lebt und stets unter dem Druck von hohen Erwartungen steht; vor allem auch durch sein Jurastudium. Um dem zu entkommen, fängt er bei der Schweizer Bankanstalt an – was jedoch (surprise, surprise) wenig ändert. Aus Verzweiflung entwickelt er ein Alter Ego, den titelgebenden Mobbing Dick, um sich an seinen Peinigern zu rächen. Das Buch ist ungewöhnlich und hat einen bitterbösen Humor, der sich langsam zu einer Abwärtsspirale der menschlichen Psyche entwickelt.
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Titel: Das flüssige Land
Titel: Nicht wie ihr
Titel: Mobbing Dick
Der Beitrag Folge 75: Kafkanismus erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
Robin ist aus seinem Urlaub in Dänemark zurück und hat sich mit Tim und Meike mal wieder zusammengesetzt, um über drei aktuelle Bücher zu sprechen.
Den Anfang der Folge macht Robin mit dem Debütroman “Vater unser” von Angela Lehner, das auf der Longlist des diesjährigen Buchpreises stand. Das Buch spielt in einer psychiatrischen Klinik und die Protagonistin ist Insassin eben jener. Sie behauptet, eine Schulklasse getötet zu haben, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht und gibt Pflegern wie Psychologen Rätsel auf. Dabei wird das ganze Geschehen aus ihrer Sicht geschildert und trifft mit zynischen, ironischen und bitter lustigen Kommentaren und Gedanken perfekt sitzende Pointen. Lange ist es her, dass Robin bei einem Buch so laut lachen musste. Große Empfehlung!
Meike macht weiter mit “Brüder” von Jackie Thomae, das es auf die Shortlist des Buchpreises geschafft hat. Es geht um zwei Brüder, die getrennt voneinander aufwachsen und sich in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen wiederfinden. Dabei wird zuerst die Geschichte des einen Bruders erzählt, bevor es in der Mitte des Buches zu einem Bruch kommt und die des anderen erzählt wird. Dabei hat Meike vor allem die Geschichte des zweiten Bruders zugesagt und fand, dass die spannende erzählerische Ausgangslage gut genutzt und aufgelöst wurde.
Tim stellt das zweite Buch von Svenja Gräfen vor, “Freiraum”. Darin geht es um Vela und Maren, die in einer glücklichen Beziehung miteinander leben, in der Großstadt jedoch zunehmend unzufriedener werden. Marens Schwester wohnt bereits seit einigen Jahren mit ihrem Freund und Kind in einem Hausprojekt auf dem Land, das von einem ihrer Freunde initiiert wurde. Eines der Zimmer ist frei geworden, und die beiden nehmen die Chance wahr und ziehen ein. Es entspinnt sich ein interessantes Geflecht an zwischenmenschlichen Beziehungen, mit präzisen Beobachtungen und einem spannenden Handlungsverlauf, der ihrem Debüt in nichts nachsteht.
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Titel: Vater unser
Titel: Brüder
Titel: Freiraum
Der Beitrag Folge 74: Family Business erschien zuerst auf Papierstau Podcast.
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