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Diese Verse nehmen uns in eine so andere Epoche hinein. Dabei handeln sie nicht von irgendwelchen alten Geschichten vergangener Zeiten; vielmehr sprechen sie auch mich und Sie an. Ich staune, wie viele Gedanken, ja Aufrufe hier zusammenkommen, aus dem Mund von Mose – und dies nach Gottes Willen: Von der Freude vor Gott dem Herrn geht es zu Anweisungen, wie man richtig opfert, Schlacht-Regeln, Fleischverzehr. Alles Essen und Speisen geschieht vor Gott. Und der hat sich eine Stätte für das Volk erwählt, Jerusalem ist bereits im Blick.
Ja, das 5. Buch Mose bringt den Abschluss dieses Werkes Gottes – von den Anfängen seiner Schöpfungskraft im 1. Mosebuch hin zur Erwählung der Stammväter Israels, der Sammlung der Stämme Israels aus der Gefangenschaft Ägyptens zum verheißenen Land. Mose hält Rückblick auf Jahrzehnte der Wüstenwanderung und bereitet die Stämme zugleich auf die Einnahme des Landes vor. Nun hält er Mahnreden mit konkreten Aufforderungen. Vor allem aber ist Gott als alleiniger Herr über alles und jeden zu achten: Das berühmte „Schma Israel", „Höre Israel" bleibt bis heute zentrale Verpflichtung für alle Gläubigen, auch für uns. Dieses Buch, auch Deuteronomium, zweites Gesetz genannt, nimmt häufig auf das Heiligkeitsgesetz Bezug: Regeln für das Verhalten in allen möglichen Lebenssituationen, um Gottes Heiligkeit widerzuspiegeln. Es scheint bereits durch, dass anstelle der Stiftshütte eine feste Stätte errichtet werden wird, wo Opfer für Gott dargebracht werden. Das hat auch mit Speiseregeln zu tun. Nein, keine langweiligen Formalitäten, sondern immer auch soziale Verpflichtungen: Wir lesen von dem Anteil, dem auch unter Christen bekannten „Zehnten", der abgegeben wird – für die Sache und die Menschen Gottes, gerade für geistliche Dienste. Bestimmungen wurden auch Übungen, Lernprozesse, Gott und seinem Willen gegenüber gehorsam zu sein. Gott und von ihm an die Seite gestellte Nächste, seine Dienstboten, sind nie voneinander zu trennen. Ich hebe wichtige Aussagen im Text hervor: Ob und wie haben sie mit uns Christen, mit unserer Situation zu tun?
Das erste: Gott handelt und spricht durch den Mund seines Knechtes Mose. Der wird von heutigen klugen Leuten zuweilen als mythische Figur der Frühgeschichte Israels dargestellt. Über seine Herkunft, sein Wirken könne man nur spekulieren. Dadurch aber verlöre Mose an Autorität, seine Reden an Wirkung. Als von Gott gesandte Schlüsselperson hatte er eine unvergleichlich intensive Beziehung mit Gott, der ihn mit der Rolle des Befreiungs-Vermittlers betraut hatte. Nun kommt Mose ans Ende seiner so besonderen Berufung. Sein Mandat wird dadurch gekrönt, dass er dem Volk Israel unbedingt zu Beachtendes mitgibt: Du sollst tun – oder aber lassen! Hüte Dich, du darfst oder darfst nicht. Ein breites Handlungsspektrum tut sich auf.
Zweitens: Ich wundere mich über Juden, gerade unter die Orthodoxen, von denen viele ein exaktes Regelwerk befolgen, vor allem aus den 5 Büchern Mose – Tora = Gesetz genannt. Ihr Denken, ihre Weltsicht, ihre Lebensregeln sind mir gar fremd. Dabei will ich mich als Christ vor zweierlei hüten: herablassend oder sogar spöttisch gegenüber den gesetzestreuen Nachkommen der Stammväter zu denken oder zu reden. Und zum anderen: Wir Christen brauchen uns nicht selber an der Fülle der Gesetze und Gebote zu orientieren, als brächten sie unser Heil. Genau dagegen hat Paulus im Neuen Testament uns Christen gute Argumente für unsere Glaubenswege mitgegeben. Nichtsdestoweniger stelle ich betroffen fest, in welch einer liberalen, teils hemmungslosen Zeit wir uns bewegen. Statt Werte und Regeln für unser Leben unter den guten Geboten Gottes zu achten, werden vielerorts Spaß oder Tollerei als top wichtig angesehen – so als wäre dies an und für sich ein wesentliches Ziel oder Lebensinhalt unserer Arbeit als Christen.
Drittens und dennoch sagt Mose: Fröhlich sollt ihr sein – nämlich an der Stätte, die Gott für euch erwählt hat, auch bei Essen und Feiern. Das gilt der ganzen Familie, Angestellten, auch ausgewählten Gottesdienern. Was wäre, wenn geistliche Zentren unseres Glaubens- und Gemeindelebens wieder attraktive Orte würden, wo man gerne hingeht, wo wir ungekünstelt Freude erleben und weitergeben, uns geistlich auffrischen? Und das nicht als Einzelgänger, sondern als Familiengruppen. Was Mose hier vorgibt, hat nichts Gesetzliches an sich, sondern lädt uns dazu ein, vor Gott, wegen seiner Nähe Freude zu verbreiten.
Viertens: Essen und Trinken – das tun wir doch, in unseren Breitengraden mit all unserem Überkonsum bei großen Mehrheiten, oft grenzen- und auch gedankenlos: Genießen und Völlerei, die Erde ausbeuten und Nahrung tonnenweise wegwerfen, Essen nicht vor allem für den Erhalt von Leben und Gesundheit, sondern sich durchs Essen krank machen. Daran haben sich viele gewöhnt, schrankenlosen Verzehr als selbstverständlich genommen. Essen mit Vernunft wird sinnvollerweise von Gesundheitsbewussten empfohlen. In Dankbarkeit vor dem Geber aller Gaben Gott anrufen – das macht Speisen wertvoller und hilft unseren Seelen und Familien auf. „Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm, dankt" dichtet Matthias Claudius. Folgen wir seiner Aufforderung.
Fünftens stellt Mose Regeln der Abgabe auf von dem, was erwirtschaftet wurde und zur Verfügung steht. In unseren Gemeinden werden Abgaben ganz unterschiedlich gehandhabt. Aber es bedarf ihrer – nicht zuerst für die Wirtschaftlichkeit der Kirchen- und Gemeinschaftsaufgaben. Erwarten Gemeinden Gaben, so braucht dies keinen Beigeschmack von herbem Absparen oder Verlust zu haben, wenn ich etwas opfere. Es gibt bei Gott angesichts all meines Leistens und Erwirtschaftens nämlich eine Grenze: Eigennutz kann nicht das Höchste oder Einzige sein, wofür ich arbeite. Wir dürfen die Gaben loben, weil sie unser Leben bereichern und zu dem machen, wer und was wir sind. Wir dürfen und sollen Abgaben als etwas Heiliges verstehen – aber eben so, dass wir einen Anteil an Gott als Geber aller guten Gaben zurückgeben. Das gilt auch im Neuen Testament. Wir haben also guten Grund, für diese Orientierungshilfen des Mose auch heute dankbar zu bleiben.
Autor: Pfarrer Dr. Traugott Farnbacher
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By ERF - Der Sinnsender5
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Diese Verse nehmen uns in eine so andere Epoche hinein. Dabei handeln sie nicht von irgendwelchen alten Geschichten vergangener Zeiten; vielmehr sprechen sie auch mich und Sie an. Ich staune, wie viele Gedanken, ja Aufrufe hier zusammenkommen, aus dem Mund von Mose – und dies nach Gottes Willen: Von der Freude vor Gott dem Herrn geht es zu Anweisungen, wie man richtig opfert, Schlacht-Regeln, Fleischverzehr. Alles Essen und Speisen geschieht vor Gott. Und der hat sich eine Stätte für das Volk erwählt, Jerusalem ist bereits im Blick.
Ja, das 5. Buch Mose bringt den Abschluss dieses Werkes Gottes – von den Anfängen seiner Schöpfungskraft im 1. Mosebuch hin zur Erwählung der Stammväter Israels, der Sammlung der Stämme Israels aus der Gefangenschaft Ägyptens zum verheißenen Land. Mose hält Rückblick auf Jahrzehnte der Wüstenwanderung und bereitet die Stämme zugleich auf die Einnahme des Landes vor. Nun hält er Mahnreden mit konkreten Aufforderungen. Vor allem aber ist Gott als alleiniger Herr über alles und jeden zu achten: Das berühmte „Schma Israel", „Höre Israel" bleibt bis heute zentrale Verpflichtung für alle Gläubigen, auch für uns. Dieses Buch, auch Deuteronomium, zweites Gesetz genannt, nimmt häufig auf das Heiligkeitsgesetz Bezug: Regeln für das Verhalten in allen möglichen Lebenssituationen, um Gottes Heiligkeit widerzuspiegeln. Es scheint bereits durch, dass anstelle der Stiftshütte eine feste Stätte errichtet werden wird, wo Opfer für Gott dargebracht werden. Das hat auch mit Speiseregeln zu tun. Nein, keine langweiligen Formalitäten, sondern immer auch soziale Verpflichtungen: Wir lesen von dem Anteil, dem auch unter Christen bekannten „Zehnten", der abgegeben wird – für die Sache und die Menschen Gottes, gerade für geistliche Dienste. Bestimmungen wurden auch Übungen, Lernprozesse, Gott und seinem Willen gegenüber gehorsam zu sein. Gott und von ihm an die Seite gestellte Nächste, seine Dienstboten, sind nie voneinander zu trennen. Ich hebe wichtige Aussagen im Text hervor: Ob und wie haben sie mit uns Christen, mit unserer Situation zu tun?
Das erste: Gott handelt und spricht durch den Mund seines Knechtes Mose. Der wird von heutigen klugen Leuten zuweilen als mythische Figur der Frühgeschichte Israels dargestellt. Über seine Herkunft, sein Wirken könne man nur spekulieren. Dadurch aber verlöre Mose an Autorität, seine Reden an Wirkung. Als von Gott gesandte Schlüsselperson hatte er eine unvergleichlich intensive Beziehung mit Gott, der ihn mit der Rolle des Befreiungs-Vermittlers betraut hatte. Nun kommt Mose ans Ende seiner so besonderen Berufung. Sein Mandat wird dadurch gekrönt, dass er dem Volk Israel unbedingt zu Beachtendes mitgibt: Du sollst tun – oder aber lassen! Hüte Dich, du darfst oder darfst nicht. Ein breites Handlungsspektrum tut sich auf.
Zweitens: Ich wundere mich über Juden, gerade unter die Orthodoxen, von denen viele ein exaktes Regelwerk befolgen, vor allem aus den 5 Büchern Mose – Tora = Gesetz genannt. Ihr Denken, ihre Weltsicht, ihre Lebensregeln sind mir gar fremd. Dabei will ich mich als Christ vor zweierlei hüten: herablassend oder sogar spöttisch gegenüber den gesetzestreuen Nachkommen der Stammväter zu denken oder zu reden. Und zum anderen: Wir Christen brauchen uns nicht selber an der Fülle der Gesetze und Gebote zu orientieren, als brächten sie unser Heil. Genau dagegen hat Paulus im Neuen Testament uns Christen gute Argumente für unsere Glaubenswege mitgegeben. Nichtsdestoweniger stelle ich betroffen fest, in welch einer liberalen, teils hemmungslosen Zeit wir uns bewegen. Statt Werte und Regeln für unser Leben unter den guten Geboten Gottes zu achten, werden vielerorts Spaß oder Tollerei als top wichtig angesehen – so als wäre dies an und für sich ein wesentliches Ziel oder Lebensinhalt unserer Arbeit als Christen.
Drittens und dennoch sagt Mose: Fröhlich sollt ihr sein – nämlich an der Stätte, die Gott für euch erwählt hat, auch bei Essen und Feiern. Das gilt der ganzen Familie, Angestellten, auch ausgewählten Gottesdienern. Was wäre, wenn geistliche Zentren unseres Glaubens- und Gemeindelebens wieder attraktive Orte würden, wo man gerne hingeht, wo wir ungekünstelt Freude erleben und weitergeben, uns geistlich auffrischen? Und das nicht als Einzelgänger, sondern als Familiengruppen. Was Mose hier vorgibt, hat nichts Gesetzliches an sich, sondern lädt uns dazu ein, vor Gott, wegen seiner Nähe Freude zu verbreiten.
Viertens: Essen und Trinken – das tun wir doch, in unseren Breitengraden mit all unserem Überkonsum bei großen Mehrheiten, oft grenzen- und auch gedankenlos: Genießen und Völlerei, die Erde ausbeuten und Nahrung tonnenweise wegwerfen, Essen nicht vor allem für den Erhalt von Leben und Gesundheit, sondern sich durchs Essen krank machen. Daran haben sich viele gewöhnt, schrankenlosen Verzehr als selbstverständlich genommen. Essen mit Vernunft wird sinnvollerweise von Gesundheitsbewussten empfohlen. In Dankbarkeit vor dem Geber aller Gaben Gott anrufen – das macht Speisen wertvoller und hilft unseren Seelen und Familien auf. „Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm, dankt" dichtet Matthias Claudius. Folgen wir seiner Aufforderung.
Fünftens stellt Mose Regeln der Abgabe auf von dem, was erwirtschaftet wurde und zur Verfügung steht. In unseren Gemeinden werden Abgaben ganz unterschiedlich gehandhabt. Aber es bedarf ihrer – nicht zuerst für die Wirtschaftlichkeit der Kirchen- und Gemeinschaftsaufgaben. Erwarten Gemeinden Gaben, so braucht dies keinen Beigeschmack von herbem Absparen oder Verlust zu haben, wenn ich etwas opfere. Es gibt bei Gott angesichts all meines Leistens und Erwirtschaftens nämlich eine Grenze: Eigennutz kann nicht das Höchste oder Einzige sein, wofür ich arbeite. Wir dürfen die Gaben loben, weil sie unser Leben bereichern und zu dem machen, wer und was wir sind. Wir dürfen und sollen Abgaben als etwas Heiliges verstehen – aber eben so, dass wir einen Anteil an Gott als Geber aller guten Gaben zurückgeben. Das gilt auch im Neuen Testament. Wir haben also guten Grund, für diese Orientierungshilfen des Mose auch heute dankbar zu bleiben.
Autor: Pfarrer Dr. Traugott Farnbacher
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