Was passiert eigentlich, wenn Menschen im Straßenverkehr sterben – und wie sprechen wir darüber?
In dieser Episode von Ring frei! sprechen wir mit Dr. Marlene Sattler über ihre frisch abgeschlossene Dissertation zum Diskurs über getötete Radfahrende in Berlin. Fünf Jahre lang hat sie Polizeimeldungen, Medienberichte und öffentliche Debatten zu tödlichen Kollisionen untersucht – und zeigt, wie Sprache beeinflusst, wem Verantwortung zugeschrieben wird und welche politischen Konsequenzen daraus entstehen.
Ausgangspunkt ihrer Forschung ist eine unbequeme Frage: Warum erscheinen tödliche Kollisionen im Straßenverkehr so oft als tragische Einzelschicksale – und so selten als Ausdruck struktureller Probleme?
Marlene bringt dabei nicht nur die Perspektive der Wissenschaft mit, sondern auch langjährige Erfahrung aus dem Aktivismus: vom Volksentscheid Fahrrad über Mahnwachen für getötete Radfahrende bis zur Arbeit bei Changing Cities.
Die Schwerpunkte dieser Episode:
Vision Zero – mehr als ein politisches Schlagwort
Was bedeutet es wirklich, Verkehr so zu gestalten, dass niemand mehr im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt wird? Und warum reicht es nicht, dieses Ziel nur in Sonntagsreden zu beschwören?
Wie Sprache Verantwortung verschiebt
Warum lesen wir so oft von „Unfällen“, obwohl Menschen Entscheidungen treffen? Weshalb stehen in Polizeimeldungen häufig die Handlungen der getöteten Person im Fokus – und welche Wirkung hat das auf öffentliche Wahrnehmung und politische Entscheidungen?
Der Tod als Schicksal – oder als Folge von Infrastruktur?
Marlene beschreibt die Spannung zwischen zwei Erzählungen: der Vorstellung vom unvermeidbaren Unglück – und der Perspektive, dass Straßenraum, Verkehrsregeln und politische Entscheidungen konkrete Auswirkungen auf Sicherheit haben.
Von Mahnwachen zu Mobilitätspolitik
Wie aus Trauer politischer Druck entstehen kann – und warum öffentliche Erinnerung an getötete Menschen mehr sein kann als Symbolpolitik.
Der Blick hinter die Statistik
Warum Verkehrstote mehr sind als Zahlen. Welche Fälle Aufmerksamkeit bekommen – und welche kaum sichtbar werden. Und weshalb viele Verletzungen, Beinahe-Unfälle und langfristige Folgen in der öffentlichen Debatte oft gar nicht auftauchen.
Zwischen Forschung und Aktivismus
Ein Gespräch darüber, wie wissenschaftliche Analyse und politisches Engagement zusammenwirken können – und warum Mobilität immer auch eine Frage von Gerechtigkeit, Macht und Teilhabe ist.
Diese Episode ist ein Gespräch über Sprache, Verantwortung und die Frage, wie Städte gestaltet werden müssen, damit Fehler nicht tödlich enden.
Oder wie Marlene es formuliert:
„Es geht um Leben und Tod.“
Hört rein und diskutiert mit uns: Was bedeutet Vision Zero – und warum sind wir davon noch so weit entfernt?
Berlins Zukunft ist autofrei – und dit is ooch jut so!
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