ERF Plus - Bibel heute

Segen der brüderlichen Eintracht


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Wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen. Wie wahr!

Eine Selbstverständlichkeit? Eine Binsenweisheit? Leider ist es keine Selbstverständlichkeit! Leider tun wir Menschen uns oft schwer, mit diesem Einträchtig-beieinander-Wohnen.

David hatte 7 ältere Brüder. Da mag es bestimmt auch öfter Spannungen und Reibereien gegeben haben. Er war der jüngste. Vielleicht auch der Sensibelste. Es klingt nicht so, als ob er das verwöhnte Nesthäkchen gewesen wäre. Als der Prophet Samuel in die Familie Isais kam, um aus dieser Familie einen neuen König auszuwählen, ließ der Vater alle seine Söhne antreten, bis auf den kleinen David. Der hütete die Schafe. Der schien zu unbedeutend oder zu jung.

Wenn mehrere Geschwister zu einer Familie gehören, bleiben Konflikte nicht aus. Bekanntlich gibt es meist auch eine Hackordnung. Die Älteren belehren, bevormunden oder unterdrücken öfter die Jüngeren. Vielleicht hat ja David oft gelitten, wenn es unter den Geschwistern Streit gab. Oder er war erleichtert, wenn die Älteren ihm nicht die unliebsamen Arbeiten reingedrückt hatten. Und er war besonders glücklich, wenn ihn die Älteren bei Spielen und Wettkämpfen teilnehmen ließen. Wenn sie ihn nicht ausgegrenzt haben mit den Worten: „Dazu bist du noch zu jung!“

Ich vermute, dass David bei diesem Wallfahrtslied nicht nur an seine leiblichen Geschwister gedacht hat, sondern an alle die zu seinem Volk gehören. Auch Christen verstehen sich als Brüder und Schwestern im Glauben.

Jesus selbst erweitert den Brüderbegriff und betont: Die sind meine Brüder und Schwestern, die mit mir dem himmlischen Vater vertrauen und gehorchen.

Doch selbst unter den Jüngern Jesu gab es schon Spannungen und Streit. Z.B. wer einen besonderen Platz im Himmel verdient habe. Jesus wusste um unsere Neigung zu Rechthaberei, Eifersucht und Streit. Darum betet er auch im Johannesevangelium: „Vater ich bitte dich, nicht nur für sie, meine Jünger, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben, dass sie alle eins werden, wie du, Vater, in mir und ich in dir.“

Streit in der Gemeinde

Der Apostel Paulus spricht in seinen Briefen die Empfänger meist mit „meine lieben Brüder“ an. Doch wie in einer menschlichen Familie geht es auch in einer geistlichen Familie nicht immer harmonisch zu. Schon in der ersten christlichen Gemeinde gab es Meinungsverschiedenheiten. Und zwischen Paulus und Petrus gab es mitunter sogar heftigen Streit. Und da ging es ja um grundlegende Weichenstellungen. Z. B. müssen Heiden, wenn sie Christen werden, auch das jüdische Gesetz befolgen, die jüdischen Speisevorschriften beachten und sich beschneiden lassen? Dies alles waren ja göttliche Anweisungen für sein Volk, die durchaus auch Sinn machten. Können wir diese Gebote einfach außer Kraft setzen und sagen, das gilt für die, die aus dem Heidentum zu Jesus finden, nicht mehr?

Nun könnte man meinen, die Streitpunkte zwischen Paulus und Petrus wurden damals beigelegt und nun wäre doch für uns Christen alles klar. Wir Christen berufen uns doch alle auf die Bibel und richten unser Leben an dem aus, was Jesus Christus uns gelehrt hat. Doch die Streitpunkte in der Christenheit wurden nicht weniger, sondern mehr. Die unterschiedliche Beurteilung theologischer Fragen führte immer wieder zu Spaltungen und zu einer Vielfallt an Glaubensgemeinschaften. Jede Konfession nimmt für sich in Anspruch, der biblischen Botschaft am besten zu entsprechen. Wir können diese theologischen Streitpunkte häufig nicht lösen.

Zum guten Miteinander finden

Mir geht es heute darum, dass wir zu einem guten Miteinander in der eigenen Gemeinde fähig sind. Hier sind ja Menschen zusammen, die in etwa die gleiche geistliche Ausrichtung haben. Doch auch innerhalb einer Gemeinde tun wir uns oft schwer, mit dem einträchtig beieinander wohnen.

Was kann uns helfen, dass das gute Miteinander gelingt?

Ein paar Hinweise:

  1. Gegenseitige Wertschätzung. Paulus schreibt: „In Demut achte einer den andern höher als sich selbst.“ (Phil.2,3) Wir können nicht immer der gleichen Meinung sein. Wir sollen unsere Meinung und Überzeugung ehrlich vertreten. Gut, wenn wir sie auch begründen können. Doch es ist wichtig, dass wir das aushalten, dass ein anderer zu anderen Ansichten und Überzeugungen kommt. Und wir sollten uns die Mühe machen, ihn zu verstehen, statt dagegen zu schießen und ihn zu verurteilen.
  2. Toleranz. Jeder Mensch hat nicht nur eine individuelle Lebensgeschichte, sondern auch eine individuelle Glaubensgeschichte. Der eine kommt aus einem frommen Elternhaus, ein anderer kam erst im Erwachsenenalter mit dem Evangelium in Berührung. Der eine hatte eine behütete Kindheit, ein anderer hatte traumatische Kindheitserfahrungen. Jeder ist ein Original. Jeder ist anders. Doch wie anders darf der andere sein? Erwarten wir nicht zu oft, der oder die andere möge sich anpassen, einfügen und am besten so ähnlich denken und glauben und leben, wie wir?
  3. Mitgefühl. Oft höre ich die Frage: „Na wie geht´s?“ Wenn ich dann antworte: „Das kann ich nicht in einem Satz sagen,“ merke ich wie das Interesse schnell nachlässt. So genau wollte es mein Gegenüber gar nicht wissen. Darum erspart er mir weitere Ausführungen mit den Worten: „Na ja. Mal so, mal so eben.“ Oft werden auch Menschen, die etwas von sich mitteilen, mit schnellen Ratschlägen abgefertigt. Viel hilfreicher wäre es oft, einfach aufmerksam zuzuhören, Verständnis und Mitgefühl zu zeigen. Mitgefühl bedeutet auch, dass ich nicht nur Verständnis für den anderen habe, sondern Rücksicht nehme auf seine Gefühle.

    Das heißt, seine Schwächen, seine Unsicherheit, seine Ängstlichkeit wahrnehmen und darauf Rücksicht nehmen.

    Wie wunderbar ist es, wenn es uns gelingt, einfühlsam, wertschätzend, mitfühlend miteinander umzugehen. In so einer Gemeinde bin ich gern zu Hause

    Autor: Ernst Schwab

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