Doch das dazugehörige Album "I Do Not Want What I Haven't Got" ist weit mehr als nur ein populärer Song – es ist eine schonungslose Auseinandersetzung mit Schmerz, Verlust und persönlicher Heilung und lässt auch 35 Jahre später niemanden unberührt.
Mit über sieben Millionen verkauften Exemplaren und vier Grammys war das Album ein Erfolg. Aber O'Connor lehnte die Auszeichnungen ab, da sie nicht für beeindruckende Zahlen, sondern für ihre Kunst anerkannt werden wollte. Ihr Gesang ist kraftvoll und emotional und das Album kombiniert eine Vielzahl von Musikstilen, von Hip-Hop über irische Klänge bis hin zu Rock und orchestralen Arrangements.
"I Do Not Want What I Haven't Got" ist ein "Meisterinnenwerk". [...] Das Abwechslungsreiche des Albums, inhaltlich und musikalisch, das finde ich schon ganz toll und diese echt gigantische Stimme von Sinéad O'Connor.
Quelle: Jan Müller, Bassist der Band Tocotronic über "I Do Not Want What I Haven't Got"
Sinéad O'Connor: Eine rebellische Künstlerin mit eigener Vision
Sinéad O'Connor begann schon als Schülerin mit Straßenmusik in Dublin und verließ mit 16 Jahren ohne Schulabschluss das katholische Internat, um Gesang und Klavier zu studieren. Sie zog nach London und hatte dort ihre erste eigene Band.
Mit 17 erhielt sie bereits ihren ersten Plattenvertrag und zeigte früh ihre rebellische Haltung – so rasierte sie sich die Haare ab, um sich gegen die Erwartungen ihres Labelchefs an ihr weibliches Erscheinungsbild zu stellen – und das wird zu ihrem Markenzeichen.
Mit 20 Jahren veröffentlichte Sinéad O'Connor ihre erste Single "Troy". Privat bekam sie mit ihrem Schlagzeuger John Reynolds ihren ersten Sohn und heiratete ihn. Ihr Debütalbum "The Lion And The Cobra" erschien 1987, als sie gerade 21 war.
Mit dem Rocksong "Mandinka" und ihrem rebellischen Look hatte Sinéad O'Connor großen Erfolg in der Indie-Szene. Bereits 1989 war sie für einen Grammy nominiert und trat mit einem Strampler ihres Sohnes als Protest gegen die Erwartungen an Mütter im Musikgeschäft auf.
Sie war als Künstlerin vor allem eins: Sie war sehr kompromisslos. Das war auch ihr Selbstverständnis als Musikerin. Sie hat immer gesagt, nur wenn man als Künstler authentisch ist, dann kann man erst andere berühren, und das ist ja das Ziel für jeden Musikerkünstler.
Quelle: SWR1 Musikredakteurin Nina Waßmundt über Sinéad O'Connor
Sinéad O'Connor – "I Do Not Want What I Haven't Got"
Musikalisch kombinierte die Sängerin auf bereits ihrem ersten Album verschiedene Stile und auch ihr zweites Album "I Do Not Want What I Haven't Got" ist von dieser Vielfalt geprägt und spiegelt ihre einzigartige Fähigkeit wider, scheinbar gegensätzliche Welten miteinander zu verbinden.
Das Album reflektiert ihre inneren Kämpfe und die Schmerzlichkeit, die sie als Mensch und Künstlerin beeinflussten. Besonders das Verhältnis zu ihrer Mutter, das von Missbrauch und ambivalenten Gefühlen geprägt war, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk.
Die Platte ist der Versuch, das zu verzeihen – auch den Menschen, ihrer Mutter, ihrem Vater zu verzeihen – und die Vergangenheit, diese Fehler auch von anderen zu akzeptieren, hinter sich zu lassen.
Quelle: SWR1 Musikredakteurin Nina Waßmundt über "I Do Not Want What I Haven't Got"
Der bekannteste Song des Albums: "Nothing Compares 2 U"
"Nothing Compares 2 U" ist der bekannteste Song des Albums. Er wurde zum weltweiten Erfolg und erreichte Platz 2 in den deutschen Jahres-Single-Charts. Die Geschichte hinter dem Song beginnt in Minneapolis, als Prince 1984 das Stück schrieb und es zunächst an seine Band "The Family" weitergab.
Doch erst Sinéad O'Connors Stimme verlieh dem Song eine tiefere Bedeutung, die über die Melodie hinausging – sie drückt ihre eigene Trauer über den Verlust ihrer Mutter 1985 aus. Im Musikvideo zu "Nothing Compares 2 U" zeigt sich O'Connor in jeder Strophe in einer anderen emotionalen Verfassung, von Trauer und Wut bis hin zu Akzeptanz, so Musikredakteur Frank König. O'Connor selbst erklärte, dass sie bei diesem Song immer an ihre Mutter denke und sich in diesen Momenten mit ihr verbunden fühle.
Es ist eines der besten und ergreifendsten Musikvideos überhaupt. Dass die Tränen echt und spontan entstanden sind, das ist eben diese Authentizität, von der wir so viel sprachen. [...] Wir wissen, dass Sinéad O'Connor zu früh gestorben ist, aber mit dem Song hat sie sich, glaube ich, für 'ne ganze Weile nicht sterblich gemacht.
Quelle: Jan Müller, Bassist der Band Tocotronic über "Nothing Compares 2 U"
Dieser Song lebt einfach von Sinéads Stimme – und das schafft sogar der Meister Prince in dem Fall nicht, dieses Gefühl zu erzeugen, finde ich. [...] Sie hat diesen Song wirklich in einem einzigen Take aufgenommen. Das ist einfach mega beeindruckend.
Quelle: Nina Waßmundt über "Nothing Compares 2 U"
Mehr über Sinéads tragische Vergangenheit, das Albumcover und die gesamte Geschichte hinter dem Megahit "Nothing Compares 2 U", hört ihr im Podcast zu Sinéad O'Connor – "I Do Not Want What I Haven't Got".
Shownotes
- Vulture-Artikel über Sinéad O'Connors Auftritt bei den Grammys
- Sinéad O'Connor erzählt in der US-Show des TV-Psychologen Dr. Phil vom Missbrauch durch ihre Mutter in ihrer Kindheit
- "Nothing Compares 2 U" – Original Demo von Prince
- Buchtipp: Sinéad O'Connor – Erinnerungen
- "Reflektor – Der Musikpodcast." mit Jan Müller
- ARD-Podcast-Tipp: "Telephobia"
Über diese Songs vom Album "I Do Not Want What I Haven't Got" wird im Podcast gesprochen
- (14:09) – "Feel So Different"
- (17:12) – "I Do Not Want What I Haven’t Got"
- (27:00) – "I Am Stretched On Your Grave"
- (33:03) – "The Emperor’s New Clothes"
- (37:58) – "Black Boys On Mopeds"
- (44:54) – "Nothing Compares 2 U"
Über diese Songs wird außerdem im Podcast gesprochen
- (10:28) – "Mandinka" von Sinéad O'Connor
- (29:49) – "Funky Drummer" von James Brown
- (46:18) – "Nothing Compares 2 U" von Prince
- (47:27) – "Nothing Compares 2 U" von The Family