ERF Plus - Bibel heute

Trauer wird verwandelt


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Das geistliche Wechselbad der Karwoche

In vier Tagen feiern wir Palmsonntag, den Auftakt der Karwoche. Diese Tage stellen ein geistliches Wechselbad der Gefühle innerhalb einer Woche dar. Zunächst wird Jesus gefeiert, dann verdammt und getötet. Am Ende scheint der Ostersonntag auf.

Jesus spricht kurz vor seinem Leiden sehr offen zu seinen Jüngern. Er sagt: „Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen.“ (Johannes 16,16) Für die Jünger klingt das rätselhaft. Sie verstehen nicht, was Jesus meint. Ich merke förmlich ihre innere Unruhe: Was will Jesus sagen? Warum spricht er so geheimnisvoll? Geht er weg? Kommt er wieder?

Jesus redet hier über seinen Tod, seine Auferstehung und schließlich über seine Rückkehr zum himmlischen Vater. Doch die noch ahnungslosen Jünger sehen zunächst nur die aufziehenden Gefahrenwolken, die Düsternis, nicht das Licht am Ende des Tunnels.

Wie oft geht es mir ähnlich: Ich wünsche mir ein glückliches und gesegnetes Leben, und dann kommen Probleme.

 

Traurigkeit und Verwandlung – Gottes Weg durch das Leid

Jesus verschweigt den Jüngern nicht, dass Traurigkeit kommt: „Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein…“ (Johannes 16,20)

Das ist bemerkenswert ehrlich. Christlicher Glaube bedeutet kein Leben im Rosengarten. Er bedeutet nicht, dass es keine Trauer gibt. Jesus verspricht nicht ein Leben ohne Schmerz. Er kündigt ihn sogar an. Aber er setzt sofort einen entscheidenden Zusatz: „…doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“

Nicht nur abgelöst, nicht nur vergessen, sondern verwandelt. Das griechische Wort deutet auf eine Umwandlung hin – wie bei Wasser, das zu Wein wird. Die Traurigkeit wird nicht einfach gelöscht, sondern Gott macht daraus Freude. Das ist ein großer Unterschied: Meine Geschichte mit Gott ist keine Flucht vor Leid, sondern eine Verwandlung des Leids.

Jesus gebraucht ein starkes Bild: „Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist…“ (Johannes 16,21). Geburtsschmerz ist real. Niemand würde ihn kleinreden. Aber er ist zielgerichteter Schmerz. Er führt zu neuem Leben. Auch wenn es sich merkwürdig anhört. Im Leben erfahrene Schmerzen können auch Gutes bewirken. Im Rückblick sieht vieles freundlicher aus. Zeiten der Krise haben Glauben vertieft, Zeiten der Ohnmacht haben ins Gebet geführt, Zeiten der Dunkelheit haben Gottes Licht heller gemacht.

Oder auch nicht. Das betone ich an der Stelle. Manches erscheint sinnlos. Eine schlimme Diagnose, ein tragischer Unfall, der viel zu frühe Tod geliebter Menschen. Mutter Teresa bekannte 1953 einem ihrer Seelsorger vor dem Hintergrund ihrer herausfordernden Erfahrungen in Waisenhäusern und Leprastationen: „Beten Sie für mich, dass der Herr sich mir zeigen möge. In mir herrscht furchtbare Dunkelheit, als wäre alles in mir tot.“*

 

Die unzerstörbare Freude in der Beziehung zu Jesus

Doch richten Sie mit mir den Blick auf die Freude. Jesus verspricht im heutigen Text: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ (Johannes 16,22). Das ist eine erstaunliche Zusage. Es gibt Freude, die von Umständen abhängt, von Erfolg, Anerkennung – und es gibt Freude, die aus der Beziehung zu Jesus kommt, Glaube, Hoffnung, Liebe. Diese Freude kann durch Leid überdeckt, aber nicht zerstört werden. Viele Christen und Christinnen bezeugen: Gerade in schweren Zeiten war Gottes Nähe besonders tief. Nicht als oberflächliches Glück, sondern als ruhige, tragende Freude.

Ab Vers 23 spricht Jesus über das Beten und öffnet damit einen neuen Horizont nicht nur, aber gerade für Trauernde. „Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben.“ „In Jesu Namen“ ist keine magische Formel am Ende eines Gebets. Es bedeutet im Einklang mit Jesu Wesen, im Vertrauen auf sein Werk, in seiner Autorität und vor allem in Beziehung zu ihm. Jesus lädt die Jünger ein: „Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.“ (Vers 24)

Gebet ist hier nicht als Pflicht dargestellt, sondern als Weg zur Freude. Gott möchte geben. Er ist kein widerwilliger Zuhörer. Vielleicht bete ich oft wenig, weil ich wenig erwarte. Jesus ermutigt zu einem vertrauensvollen, kindlichen Bitten.

 

Blick auf Jesus – Hoffnung und Gebet in der Fastenzeit

Zusammenfassend halte ich fest: Auch ich erlebe Zeiten, in denen Gott fern wirkt. Gebete scheinen unbeantwortet zu bleiben. Ich fühle mich verlassen.

Der Blick gerade in der Fastenzeit sollte sich auf Jesus richten. Aus Gottes Perspektive ist selbst lange Dunkelheit begrenzt. Unsere Traurigkeit wird gesehen. Jesus kennt Traurigkeit aus eigener Erfahrung. Er weinte. Er litt. Er war verlassen. Darum versteht er mich wirklich. Christlicher Trost ist kein Optimismus. Für Christen und Christinnen ist Freude nicht nur Gegenwart, sondern Verheißung. Auferstehung steht am Ende der Geschichte. Gott schreibt das letzte Kapitel.

Vielleicht sind Sie gerade traurig: unerfüllte Wünsche, Sorgen um die Zukunft, Krankheit, Enttäuschungen, innere Fragen an Gott. Die Verse aus dem Johannesevangelium laden ein, Jesus darin zu vertrauen. Er sagt nicht: „Du wirst nichts fühlen.“ Er sagt: „Deine Traurigkeit wird verwandelt.“ Das braucht Zeit, Vertrauen und oft Geduld. Aber viele vor uns haben erlebt, dass Gott treu ist.

Schließen möchte ich mit einem kurzen Gebet:

Herr Christus, du kennst meine Fragen und meine Traurigkeit. Oft verstehe ich deine Wege nicht. Hilf mir zu vertrauen, dass meine Geschichte bei dir gut aufgehoben ist. Verwandle, was schmerzt, in etwas Gutes. Amen.

 

* Quelle: Die Zitate stammen aus dem Buch „Mutter Teresa: Komm, mein Licht!“ (Originaltitel: Mother Teresa: Come Be My Light: The Private Writings of the Saint of Calcutta), herausgegeben von Brian Kolodiejchuk, dem Postulator ihres Heiligsprechungsverfahrens.

Autor: Norbert Lurz

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