ERF Plus - Bibel heute

Umgang mit Gerichtspredigt


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Der Bibeltext Amos 6,1-14 – ausgelegt von Martin Oberkinkhaus.
Ein Fremder bringt Gottes Gerichtsbotschaft

Mitten im Alltag des Volkes Gottes sorgt die Predigt eines Fremden für Unruhe und Erschrecken! Amos – ein Hirte aus dem anderen Teil des Reiches predigt das Gericht Gottes! Das Land der großen Könige David und Salomo ist geteilt. Die Nachfahren der zehn von zwölf Stämmen der Söhne Jakobs, dem Gott den Namen Israel gab, haben sich eingerichtet im Nordreich Israel. Sie haben sogar einen eigenen Tempel und einen Priester.

Da kommt, ohne sich beim König oder dem amtierenden Priester vorzustellen, ein Hirte aus dem Südreich und spricht im Namen Gottes ein Gerichtsurteil!

Unser Bibelabschnitt ist ein Teil dieser Botschaft im Auftrag Gottes!

Diese Gerichtsbotschaft löst bis heute Reaktionen aus. Angst und Schrecken sind erst mal dabei. Wie sollen Kirchen- und Gemeindeleitungen, Verkündiger und Seelsorger damit umgehen, wenn in ihrem Aufgabenbereich ein fremder Prediger im Namen Gottes Unheil verkündigt?

Unser Bibelabschnitt der Ökumenischen Bibellese nennt keine Reaktionen von König und Priester – erst im späteren Abschnitt wird von Reaktionen des Priesters Amazja berichtet.

 

Gottes Gericht in der Geschichte – Ruf zur Umkehr

Gerichtsurteile kennt die Geschichte des Volkes Israel aus den Büchern um die großen geschichtlichen Gestalten. Noah, Abraham und Jakob, den Gott Israel nannte, Mose und von den Königen David und Salomo sind Worte des Gerichts und ein Ruf zur Umkehr bekannt. Immer wieder gibt es Hinweise und Kritik von Beauftragten Gottes. Von Noah und dem Geschehen um den Bau eines Schiffs mit dem Namen Arche heißt es von der Vorgeschichte „Die Menschen wollten nicht mehr umkehren zu Gott!“

Vom Propheten Jona ist bekannt, dass er einen Auftrag mit Gerichtsbotschaft nicht ausführen will, dann aber doch das Gerichtsurteil der Stadt Ninive verkündet. Die Menschen kehren um und die Stadt Ninive mit dem heutigen Namen Mossul gibt es immer noch! Wer nach dem Missionsauftrag und der Auferstehung von Jesus zu einer Glaubensbeziehung mit Gott fand, hat eine Gute Nachricht von Gott in seinem Leben angenommen.

 

Sünde, Umkehr und Versöhnung in der Kirchengeschichte

In fast 2.000 Jahren gibt es neben der Guten Botschaft von der Überwindung der lange Zeit andauernden Trennung zwischen Gott und Menschen immer wieder Gerichtsbotschaften und Kritik von Menschen, die im Namen Gottes Umkehr von falschem Verhalten predigen. Diese Trennung von Gott wird mit dem Fachwort „Sünde“ bezeichnet. Diese Sünde, also die Trennung von Gott ist mit der ersten Hinwendung – der Bekehrung – beendet.

Jede Gemeinde- und Kirchenleitung, jeder Verkündiger und jeder Seelsorger kennt solche Berichte von Mitgliedern ihrer Gemeinschaften, welche den Vorwurf „Ihr lebt nicht nach Gottes Willen!“ gehört oder gelesen haben. Die Situation ähnelt der Gerichtswarnung der heutigen Bibellese.

Wie der amtierende Priester damals und der König dieses Teilkönigreichs des ausgewählten Gottesvolkes Israel reagieren, wird im heutigen Bibelabschnitt nicht genannt. Die Reaktionen und Folgen in fast 2.000 Jahren Kirchengeschichte sind an vielen Zersplitterungen und Konflikten zwischen den Bekenntnisrichtungen zu erkennen. Da gab es gegenseitige Verwerfungen, Ausschlüsse, blutige Kriege bis zu Todesurteilen.

In einigen Gemeinschaften gibt es ein Sündenbekenntnis, in dem die leitende Person zu Beginn jedes Gottesdienstes zur Gemeinde als erstes spricht: „Ich bekenne, dass ich gesündigt habe in Gedanken, Worten und Werken…“ bevor die Bitte an die Versammelten folgt „Bittet für mich zu Gott, unserem Herrn, dass er meine Sünde vergibt!“. Danach folgt die Bitte der Versammelten um Vergebung der Sünden ihres Leitenden und das Bekenntnis der Versammelten „Wir bekennen, dass wir gesündigt haben in Gedanken und Werken …“, und der Bitte, Gott um Vergebung ihrer Sünden zu bitten. Auch die leitende Person bittet um Vergebung der Sünden der Versammelten. Hier sind die Missachtungen und Verstöße gegen Gebote und Weisungen Gottes gemeint, die in Einzahl und Mehrzahl Sünde und Sünden genannt werden.

 

Gerichtspredigt heute – Lernen aus der Vergangenheit

Nach dem von Jesus gelehrten Unser-Vater-Gebet gehört auch die Bitte um unsere Vergebung der Sünden so wie wir denen vergeben, die an uns schuldig wurden, zum Christsein. Sie lautet: „Und vergib uns unsere Schuld so, wie wir denen vergeben, welche an uns schuldig wurden…“ Es hat über 500 Jahre gedauert bis zu einem Versöhnungs-Gottesdienst zwischen Anhängern des Reformators Martin Luther und Vertretern der römisch-katholischen Kirche. „Wir haben mehr übereinander geredet als miteinander!“ ist eine der Aussagen im Versöhnungsgottesdienst.

Die Reaktionen der Gerichtspredigt des Amos vor 2.600 Jahren sind in unserem Bibelabschnitt für heute nicht enthalten. Wir können daraus lernen, jede Gerichtspredigt zu bedenken und zu bekennen, dass w i r gesündigt haben in Gedanken und Werken. Dann können die Gerichtsprediger mit uns darum bitten, unsere Sünden zu vergeben…

Vor wenigen Wochen erlebte ich auf einem Bahnhofsvorplatz eine Gerichtspredigt eines jungen Mannes. Mit einem leeren Einkaufswagen erklärte er: „Das Gericht Gottes ist unvermeidlich. Wir alle werden leere Einkaufswagen erleben…“ Was sollte ich tun? Sollte ich ihn an dieser Gerichtsbotschaft hindern?

Ich stellte mich neben ihn und ergänzte: „Das bevorstehende Gericht Gottes mahnt uns zur Umkehr. Wir dürfen alle zu Gott kommen.“

Segne unseren Umgang mit den Gerichtspredigern und den eigenen Gerichtspredigten unserer Zeit.

Bibellesen unter bibleserver.com

Autor: Martin Oberkinkhaus

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