ERF Plus - Bibel heute

Unglaubliche Szenen


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Im Garten Gethsemane – Ein ruhiger Ort wird zum Schauplatz der Verhaftung

Lokaltermin im Garten Gethsemane! Jesus hat mit seinen Jüngern die Stadt Jerusalem verlassen. Sie sind nach Osten über den Bach Kidron gegangen. Diese Wasserrinne heißt übersetzt „Winterbach“, denn sie führte nur in Regenzeiten Wasser. Es war also ziemlich leicht, da durchzugehen, um zum Ölberg zu gelangen. Dort hielt sich Jesus regelmäßig mit seinen Jüngern auf. Ich kann mir vorstellen, dass dies ein lauschiges und erholsames Plätzchen gewesen ist.

Doch heute ist es mit dieser Beschaulichkeit vorbei. Die geballte Besatzungsmacht einschließlich der Tempelpolizei ist unterwegs. Jesus und die Jünger geraten scheinbar in die Klemme. Wie sich herausstellt, sucht man Jesus, um ihn zu verhaften.

 

Petrus und die schützende Fürsorge Jesu

Diese Szene hat mich berührt. Besonders als Petrus gewalttätig wird, um seinen Meister zu schützen. Er fügt einem Knecht der jüdischen Tempelpolizei Schaden zu. Jesus findet das nicht richtig. Aber er schilt den Jünger nicht dafür, sondern hilft ihm aus der Gefahr, nun ebenfalls verhaftet zu werden. Lukas gibt uns in seinem Evangelium zu diesem Vorfall eine interessante, erweiterte Information. Im Lukasevangelium, Kapitel 22,51 lesen wir, wie Jesus das von Petrus abgeschlagene Ohr des Knechtes sofort wieder heilt. Somit gibt es keinen weiteren Grund, Petrus ebenfalls festzunehmen. Jesus stellt sich schützend vor ihn. Das muss eine schöne Erfahrung gewesen sein für Petrus, dass Jesus sich so für ihn einsetzt.

Habe ich das auch schon einmal erlebt, dass sich jemand schützend vor mich stellt? Jesus ist wie eine Mutter, die mich vor einer Gefahr abschirmt. Ich kenne das zum Glück aus meiner Kindheit. Da erinnere ich mich an Situationen, in denen ich etwas Unrechtes getan hatte, und meine Mutter mich aus der Gefahrenzone befreit hat. Ja, das fühlt sich super an, wenn ich für das, was ich Schlechtes getan habe, nicht bestraft, sondern barmherzig behandelt werde. So fürsorglich handelt Jesus. Jesus liebt sowohl Freund als auch Feind.

 

Der Name Malchus – Die Verhaftung als historisches Ereignis

Eine andere Beobachtung: Vielleicht geht es ihnen ähnlich wie mir. Ich habe mich gefragt, warum im Zusammenhang mit der Gefangennahme Jesu der Name eines jüdischen Knechtes genannt wird. Ist dieser Malchus denn so wichtig? Es geht doch eigentlich um Christus! Dass hier ein Knecht des Hohepriesters und der Pharisäer so präzise namentlich dargestellt wird, zeigt, wie wichtig es dem Evangelisten Johannes ist zu verdeutlichen, dass es sich bei der Gefangennahme Jesu wirklich um ein historisches Ereignis gehandelt hat. Es hat genau so stattgefunden. Dafür steht der Name „Malchus“. Jesus heilt diesen Mann, der gekommen ist, um ihn gefangen zu nehmen. Damit tut Jesus nicht nur seinem Feind Gutes, sondern hilft vor allem auch Petrus. Jesus will keinen der Jünger verlieren, die der Vater im Himmel ihm anvertraut hat. So sagt er.

Jesus ist gewillt, sich gefangen nehmen zu lassen. Er weiß, das ist sein Weg. Er will seine Mission zu Ende bringen und stellvertretend für unsere Sünden sterben, um uns zu erlösen. Aber Petrus fährt ihm in die Parade. Er meint, es wieder einmal besser zu wissen, und will seine Erlösung und die von uns verhindern. Hat Petrus nicht mehr in Erinnerung, was ihm Jesus einmal gesagt hat; dass nämlich der Menschensohn, also Jesus, viel leiden wird? Petrus hat damals gesagt: „Das widerfahre dir nur nicht!“ Und Jesus hat geantwortet: „Geh weg von mir, Satan!“ Denn das ist nicht Gottes Weg. Hat der Jünger das vergessen?

Wir erfahren hier zwischen den Zeilen einiges von der Persönlichkeit des Simon Petrus, der sich nicht das erste Mal mit seiner impulsiven Art die Zunge verbrennt. Ich frage mich: Wieso hat dieser Jünger ein Schwert bei sich? Hat Jesus nicht Feindesliebe gelehrt? Hat er nicht gesagt, dass wir Friedensstifter sein sollen?

 

„Ich bin es“ – Jesu Autorität und die Einladung zur Nachfolge

So gibt sich nun Jesus den Häschern hin. Als er gefragt wird, ob er der gesuchte Jesus von Nazareth ist, antwortet er klar und deutlich: „Ja“. Jesus hat sich nicht vor seinen Häschern versteckt, sondern sich ihnen ausgeliefert.

Dass er sich freiwillig gefangen nehmen lässt, wird dadurch betont, dass die, die ihn mitnehmen wollen, zurückweichen und zu Boden fallen, als Jesus sagt: „Ich bin der Gesuchte“. Jesus kann sich mit Gewalt der Gefangennahme entziehen, indem er eine Schar Engel herbeiruft. Stattdessen lerne ich, wie allein Jesu Worte, sein Reden von der Autorität und Vollmacht des Sohnes Gottes durchzogen sind.

Im Übrigen finde ich es interessant, erneut ein sogenanntes „Ich-bin-Wort“ Jesu zu finden. Eine Aussage des Herrn über sich selbst. Jesus hat schon mehrmals solche Bildworte gebraucht, um deutlich zu machen, wer er für uns sein will. Etwa dieses: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Und nun geschieht es wieder: „Ich bin es“, den ihr sucht. Ich bin der Jesus von Nazareth, der verheißene Messias. Dabei benutzt Jesus die griechischen Worte „ego eimi“. Diese bilden eine Art gegenseitige Bestätigung. Ich kann sie in etwa übersetzen mit: „Ich, ich bin es wirklich.“

Jesus lässt sich freiwillig zum Verhör abführen. Er versteckt sich nicht, er flieht nicht, und gerade dadurch bleibt er der Handelnde und beherrscht die Situation. Eine unglaubliche Autorität geht von Jesus aus. Er ist zwar ganz Mensch, aber es leuchtet die Herrlichkeit des Sohnes Gottes aus ihm hervor. Mit beidem will uns der Evangelist das Herz warm machen.

Am Ende bin nun auch ich gefragt. Wenn ich mich für Gott geöffnet und seinen Heiligen Geist empfangen habe, dann bin ich doch ebenfalls fähig, mich für Menschen einzusetzen, die in Not sind. Sich schützend vor andere zu stellen, so wie Jesus es tut. Auch wenn sie es vielleicht nicht unbedingt verdient haben. Das soll mein Umfeld erfahren: meine Familie etwa, meine Mitmenschen am Arbeitsplatz oder die Leute in meiner Kirchengemeinde. Jesus hat ein Beispiel gegeben, ihm auf diese Weise nachzufolgen.

Autor: Christoph Müller

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