ERF Plus - Bibel heute

Vom Umgang mit dem Nächsten


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Das tut mir gut: Wenn jemand liebevoll, feinfühlig und barmherzig mit mir umgeht. Mit einem solchen Menschen bin ich gern zusammen. Da fällt es mir nicht schwer, mich zu öffnen. Denn ich spüre: Hier kann ich ehrlich sein, ohne mich zu verstellen. Meine Schwächen muss ich nicht verbergen. Trotz meiner Bruchstückhaftigkeit bin ich angenommen.

Und gerade so werde ich verwandelt, denn die Erfahrung, geliebt zu sein, verändert mich mehr als die härteste Kritik. Wenn ich erlebe: Da meint es einer gut mit mir, steht zu mir, obwohl ich Fehler mache. Bei ihm darf ich sein, wie ich bin.

Und so legt es uns Jesus Christus nahe: Dass bei Christen ein Klima herrscht, das von Barmherzigkeit und Güte im Umgang miteinander geprägt ist. Denn:

1. Wir leben von Gottes Barmherzigkeit!

Das sollen wir nicht vergessen. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“.

Hören wir also zuerst den Zuspruch heraus: Gott ist unser Vater. Er hat uns durch den Glauben an Jesus zu seinen Kindern gemacht. Und seine Kinder sollen ihm gleichen. An ihnen soll man das Wesen ihres Vaters erkennen. Darum sagt Jesus seinen Jüngern: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Und das ist doch unser Glück. Dass Gott sich über uns erbarmt hat. Denn seine Güte ist unsere Rettung. Wo wären wir denn, wenn Gott uns unsere Verfehlungen nicht vergeben würde?

Wie könnten wir getrost leben ohne das Erbarmen Gottes, geschweige denn getrost sterben? Das brauche ich doch, dass Gott mit mir barmherzig ist, mich nicht richtet, mich nicht verurteilt – obwohl eine Verurteilung nicht allein möglich, sondern unausweichlich wäre ohne Gottes Vergebung. Aber Gott gibt mich frei für eine neue Zukunft in der Gemeinschaft mit ihm. Und er tut das wegen Jesus. Denn Jesus Christus nimmt unsere Sünde auf sich und schleppt sie ans Kreuz aus lauter Erbarmen mit uns. Deshalb gibt Jesus sein Leben für uns.

Und davon leben Christen, von Gottes Erbarmen, seiner Güte in Jesus Christus. Dabei behalten wir das nicht für uns, was unser Leben prägt. Gottes Barmherzigkeit ist unsere Rettung. Und:

2. Das soll man uns anmerken!

Denn wen die Güte Gottes umfasst, der kann davon weitergeben. Darum bleiben unserer Herzen nicht hart und kalt. Denn Gefühllosigkeit, Unfreundlichkeit und Herzenskälte sind keine Früchte des Heiligen Geistes.

Vielmehr werden durch den Geist Gottes unsere Herzen für andere offen. Es wird uns ein Herzensanliegen, wie es unserem Nächsten geht. Wir werden durchlässig für die Nöte anderer. Wir interessieren uns füreinander. Wir nehmen wahr, was andere bedrückt und ihnen zu schaffen macht. Und wo wir helfen können, da tun wir es. Denn so wenden wir uns denen zu, die es gerade brauchen.

Barmherzigkeit: Da schwingt „arm“ und Herz“ mit. Dass wir unser Herz bei den Armen haben. Und arm ist man nicht nur, wenn man in materieller Hinsicht wenig hat. Wie viele sind heute an Gütern reich und innwendig doch arm? Und wer von uns hat sich nicht schon armselig gefühlt? Wir haben doch alle unsere Defizite. Wie gut ist es da, wenn wir unsere Mängel nicht beschämt verstecken müssen und wenn andere unseren Mangel ausfüllen. Wir sind darauf angewiesen, dass wir uns gegenseitig zurechthelfen.

Und Hilfe brauchen nicht nur die anderen. Hilfe brauche ich auch immer wieder selbst. Denn keiner von uns ist so reich, dass er den anderen nicht bräuchte. Das ist auch die Chance, dass die Liebe unter uns wächst.

Und was ist Barmherzigkeit anderes als eine konkrete Ausdrucksform selbstloser Liebe. Wer liebt, der sieht darum nicht nur sich und behält auch nicht alles für sich. „Gebt, so wird euch gegeben“, sagt Jesus (V 38).

Barmherzigkeit, das bleibt dann keine Theorie, sondern wer ein Herz für andere hat, der ist bereit zu teilen. Der kann abgeben von seiner Zeit, seinen Gaben und wendet sich so mit Einfühlungsvermögen dem anderen zu. Denn wir leben von Gottes Barmherzigkeit und das soll man uns anmerken. Und:

3. Deshalb sehen wir die Fehler nicht nur bei andern!

Obwohl das nach unserer alten Natur tief in uns steckt. Darum springt mir das ins Auge: Wo der andere seine Schwächen und Fehler hat. Das sehe ich durch das Vergrößerungsglas. Denn das bläht mein „Ich“ auf, wenn ich auf der Seite des Rechts stehe und die Vergehen anderer brandmarke.

Das hat sich eingefleischt, so dass ich hier überhaupt nicht genug auf der Hut sein kann, sonst erliege ich meiner eigenen Betriebsblindheit. Es ist doch schon erschreckend, wie sehr mich der Bruch mit Gott entstellt hat. Denn er macht blind für mein eigenes Versagen und mich zum Richter über andere. Ihre Sünden werden überproportional wahrgenommen.

„Was sieht du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?“ So sagt es Jesus Christus und will mich und Sie von unserer Betriebsblindheit heilen. Denn damit bringen wir uns selbst in Gefahr. Deshalb sagt Jesus uns: „Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, wo werdet ihr nicht verdammt.“

Das bedeutet doch: Gott wird uns im Jüngsten Gericht nach unserem Verhalten anderen gegenüber richten. Unbarmherzigkeit bringt mich also selbst ins Gericht. Denn worin ich den anderen richte, spreche ich mir selbst das Urteil. Deshalb ist es gut, wenn wir vorsichtig mit unserem Urteil über andere sind. Denn die gottgeschenkte Barmherzigkeit urteilt Menschen nicht lieblos ab.

Dabei ist ein Blick in den Spiegel überaus hilfreich. Wenn ich den eigenen Balken gesehen habe, wird es dann geschehen: In dem Maß, wie ich mich selbst mit meinen Sünden und Unzulänglichkeiten erkenne, wird es mir leichter, über die Sünden anderer barmherzig zu urteilen. Denn Barmherzigkeit zeigt sich auch in unserem Umgang mit den Vergehen anderer. Also: Seid barmherzig!

Denn wir leben von Gottes Barmherzigkeit. Und das soll man uns anmerken. Denn so ahmen wir unseren himmlischen Vater nach und folgen der Spur von Jesus Christus.

Autor: Wolfgang Hoppstädter

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